Ich sitze neben Ra. und schaue auf mein Mathe-Blatt. "Ich kann das doch eh nicht, was hat es schon für einen Sinn.", sage ich. "Ach komm, ich helf dir.", sagt er wie immer mit der Geduld und Einfühlsamkeit eines Engels. "Aber ich will es nicht. Du hast besseres tun." - "Es gibt nichts besseres als dir zu helfen. Also lass dir helfen." - "Aber das kann ich nicht", sage ich und wie sooft in den letzten Tagen und Wochen schießen mir Tränen in die Augen. "Denise, ich bin doch für dich da." Zum zweiten Mal im Zeitraum von 3 Monaten fang ich einfach an zu weinen, obwohl eigentlich nichts war. Ra. müsste mich für verrückt halten. "Was ist los?", fragt er und hält mich fest. Ich weine einfach weiter, ich weiß nicht, wie ich das erklären sollte. "Ich glaub halt einfach, dass ich es wieder nicht schaffe.", stottere ich, während erneut Tränen über mein Gesicht laufen und die Luft mir wegbleibt. Er schweigt. "Aber du kannst das schaffen." Ich nicke und starre, wie beinahe ständig in letzter Zeit in die nicht vorhandene Ferne.
Es gibt Tage, da sitze ich stundenlang im Bett und starre an die Wand. Ohne Gedanke, ohne Regung. Manchmal mit Blutgeschmack der zerbissenen Lippe. Ich würde Ra. so gerne etwas erzählen, was in mir vorgeht. Aber ich glaube fest daran, dass wenn ich mein Geheimnis lüfte, es aus dem Käfig rauskommt. Sobald ich das Wort "Depression" auch nur laut sage, bespringt sie mich und lässt nicht mehr los.
Es ist komisch, dass sie in diesem Ausmaß wieder da ist. Ich stand noch gefühlt gestern vor meinem persönlichen Gott, Thees Uhlmann, und hatte Tränen der Freude im Auge. Das war nicht gestern, das war vor gut einem Monat. Was ich in der Zwischenzeit gemacht habe? Nichts? Vielleicht auch noch weniger. Ich sitze. Ich starre. Und ich schlussfolgere daraus, dass ich noch atme. Merken tue ich es nicht.
Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal so leer in mir war. Am Samstag feiern Anna und Ich die Einweihungsparty und alle haben zugesagt. Einfach alle. Und eigentlich würde ich mich freuen, aber jetzt habe ich Angst. Dass jemand, was merkt. Dass jemand, nur fragt wie es mir geht. Dass jemand, mir vielleicht auch nur einfach ein Kompliment macht. Dass jemand, nur eine Sekunde zu lange guckt. Und ich habe Angst vor mir. Und dem, was in den nächsten Wochen und Tagen mit mir passiert. Selbst mein strukturierter Zeitplan hält sich nicht mehr. Ich falle und niemand verhindert es, obwohl es so dringend nötig wäre.
Dienstag geht es zu Bosse, meinem zweitem Gott, sozusagen. Ra. meinte vorhin, dass ich so glücklich aussehe, wenn ich im Bett liege und laut Bosse mitsinge. Und das ist wahr. Das sind die guten Momente. Ra. sagt, dass ich ganz oft grinse und meine Augen noch so leer sind. Als gebe es Verbindungsprobleme. Und vermutlich gibt es die wirklich. Aber wohl eher zwischen mir und dem Leben. Zwischem mir und jedem Gefühl. Zwischen mir und dem Rest.
Montag, 17. November 2014
Und da geht was du weißt und hier kommt was Du ahnst. Und das, wie es wirklich ist gegen dort wo Du mal warst. Und alles, was du kennst, gegen alles, was du glaubst: Den Zustan den man wankend kennt, bevor man ihm vertraut. Und der Mist, den du hier spürst, So Jenseits von Schade sind die letzten 3 Jahre.
Samstag, 1. November 2014
Depressive sind nicht mehr in der Lage, die Dinge realistisch zu betrachten. Sie sehen alles schwarz, pessimistisch, negativ.
"Aber was nutzte ihm die Erklärung, was nutzte ihm die Tatsache, dass die Krankheit viele andere Leute in der Welt ohne Rücksicht auf ihre Klugheit oder Lebenserfahrung zu verzweifelten Wracks reduzierte? Was ihm fehlte, war eine Erklärung, wie er jemals wieder aus der Dunkelheit hinausfinden sollte."
Habe gerade das Buch über Robert Enke zu Ende gelesen. Ich bin sprachlos. Könne kein Wort sagen, selbst wenn ich gefragt werde. Keine Stimme. keine Luft, trockener Hals. Depressionen töten Menschen. Depressionen sind niemals für immer weg. Manchmal bekommt man sie in den unmöglichsten Momenten. Nichts neues, aber immer wieder erschreckend.
Sechs Jahre hatte er keine Anzeichen, obwohl seine Tochter gestorben ist. Sechs Jahre lebte er das Leben als Nationaltorwart, als Idol, als Held. Sechs Jahre - und dann beendete er sein Leben. Ohne dass auch nur ein Fan etwas mitbekommen hat. Nicht einmal die meisten seiner Mitspieler.
Am. 10.11.14 ist Robert Enke 5 Jahre tot. Und ich wünschte mir, das wir inne halten und merken, dass sich doch nichts geändert hat. Niemand geht offener mit Depressionen um. Niemand "outet" sich. Es ist eine Krankheit für die man sich schämt. Ich erkenne mich in vielen Aktionen wieder. Aktionen eines Weltklasse Torwarts.
Ich lese wie er in einen geregelten Alltag flieht, niemals im Bett liegen bleiben darf, weil das Schwarze ihn sonst trifft. Die Depression kommt sonst. Ich sitze in einem Hebräisch Kurs in der Uni. Zweimal die Woche um Acht. Ich lerne kein Hebräisch. Ich sitze dort und höre Musik. Hauptsache, ich liege nicht mehr im Bett. Nach der Uni koche ich Stundenlang und am Ende lasse ich es Ra. essen oder friere es einfach ein, denn Hunger habe ich nicht, geschweige denn Appetit. Ich sortiere bis tief in die Nacht irgendwelche Papiere, damit mich das Chaos nicht erdrückt. Und dann falle ich in das Bett in der Hoffnung einzuschlafen, bevor die Schatten mich sanft umarmen. Bevor, naja ihr wisst schon, die Depression wieder stark wird.
"Viele haben seinen Tod falsch verstanden: Er habe sich umgebracht, weil er sein Leben nicht mehr aushielt. Es gab Nachahmungstäter, weil sie sich in den Irrsinn hineingesteigert hatten, dann seien sie wie er, dann seien sie ihm nahe. Welch ein tragisches Missverständnis. Die meisten depressiven Menschen, die einen Selbstmordversuch begehen, wollen nicht sterben. Sie wollen nur, dass diese Finsternis endlich verschwindet, die ihre Gedanken bestimmt. Robert Enke ging es wohl nicht anders. 'Wenn du nur einmal eine halbe Stunde meinen Kopf hättest, dann würdest du verstehen, warum ich wahnsinnig werde', sagte er einmal zu Teresa."
Ich kann Robert Enke so sehr verstehen, ohne ihn jemals gekannt zu haben. Der Druck, den man sich selbst macht. Beiläufige Kommentare von anderen, die niemals Kritik waren, aber im Kopf dazu werden. Und dieses Gefühl alles alleine schaffen zu müssen. Die Pflicht, die Maske aufzusetzen. Obwohl man doch eigentlich niemals alleine war. Obwohl man geliebt wurde. Aber der ewige Gedanke: Niemand wird das verstehen. Jeder wird nur die Schwäche sehen.
Habe gerade das Buch über Robert Enke zu Ende gelesen. Ich bin sprachlos. Könne kein Wort sagen, selbst wenn ich gefragt werde. Keine Stimme. keine Luft, trockener Hals. Depressionen töten Menschen. Depressionen sind niemals für immer weg. Manchmal bekommt man sie in den unmöglichsten Momenten. Nichts neues, aber immer wieder erschreckend.
Sechs Jahre hatte er keine Anzeichen, obwohl seine Tochter gestorben ist. Sechs Jahre lebte er das Leben als Nationaltorwart, als Idol, als Held. Sechs Jahre - und dann beendete er sein Leben. Ohne dass auch nur ein Fan etwas mitbekommen hat. Nicht einmal die meisten seiner Mitspieler.
Am. 10.11.14 ist Robert Enke 5 Jahre tot. Und ich wünschte mir, das wir inne halten und merken, dass sich doch nichts geändert hat. Niemand geht offener mit Depressionen um. Niemand "outet" sich. Es ist eine Krankheit für die man sich schämt. Ich erkenne mich in vielen Aktionen wieder. Aktionen eines Weltklasse Torwarts.
Ich lese wie er in einen geregelten Alltag flieht, niemals im Bett liegen bleiben darf, weil das Schwarze ihn sonst trifft. Die Depression kommt sonst. Ich sitze in einem Hebräisch Kurs in der Uni. Zweimal die Woche um Acht. Ich lerne kein Hebräisch. Ich sitze dort und höre Musik. Hauptsache, ich liege nicht mehr im Bett. Nach der Uni koche ich Stundenlang und am Ende lasse ich es Ra. essen oder friere es einfach ein, denn Hunger habe ich nicht, geschweige denn Appetit. Ich sortiere bis tief in die Nacht irgendwelche Papiere, damit mich das Chaos nicht erdrückt. Und dann falle ich in das Bett in der Hoffnung einzuschlafen, bevor die Schatten mich sanft umarmen. Bevor, naja ihr wisst schon, die Depression wieder stark wird.
"Viele haben seinen Tod falsch verstanden: Er habe sich umgebracht, weil er sein Leben nicht mehr aushielt. Es gab Nachahmungstäter, weil sie sich in den Irrsinn hineingesteigert hatten, dann seien sie wie er, dann seien sie ihm nahe. Welch ein tragisches Missverständnis. Die meisten depressiven Menschen, die einen Selbstmordversuch begehen, wollen nicht sterben. Sie wollen nur, dass diese Finsternis endlich verschwindet, die ihre Gedanken bestimmt. Robert Enke ging es wohl nicht anders. 'Wenn du nur einmal eine halbe Stunde meinen Kopf hättest, dann würdest du verstehen, warum ich wahnsinnig werde', sagte er einmal zu Teresa."
Ich kann Robert Enke so sehr verstehen, ohne ihn jemals gekannt zu haben. Der Druck, den man sich selbst macht. Beiläufige Kommentare von anderen, die niemals Kritik waren, aber im Kopf dazu werden. Und dieses Gefühl alles alleine schaffen zu müssen. Die Pflicht, die Maske aufzusetzen. Obwohl man doch eigentlich niemals alleine war. Obwohl man geliebt wurde. Aber der ewige Gedanke: Niemand wird das verstehen. Jeder wird nur die Schwäche sehen.
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