Freitag, 23. Dezember 2016

Das beste Mittel, jeden Tag zu beginnen, ist: Beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen kann.

Mit 16 als ich noch davon träumt Schriftstellerin zu werden, habe ich oft diese Kitschromane gelesen, die immer gleich abliefen: Kennenlernen, doof finden, zusammenfinden, großer Streit, HappyEnd. Immer mit wechselnden Charaktern, aber doch oft dem Schema Alpha-Mann und Frau, die auch alleine leben kann, aber eben einsam ist. Ich habe sie damals aus zwei Gründen gelesen: Durch meine Eltern wusste ich nicht, wie Beziehungen funktionieren. Ich fühlte mich nie auf die Welt vorbereitet. Als wäre ich, obwohl ich gar keinen direkten Wunsch nach einer Partnerschaft hatte, immer so als wüsste ich den Sinn nicht. Und ich erkläre mir bis heute Dinge so gern. Ich wollte lernen, wie das geht. Ich sehe ein, dass solche Bücher nur unrealistische Erklärungen schaffen und meist nur das finden beschreiben, nie das durchhalten während der Beziehung. Der zweite Grund war aber viel ausschlaggebener: ich wollte lernen Emotionen schreiben zu können. Mir fiel es nie schwer, Trauer, Tod und Melancholie zu beschreiben, aber Liebe, Freude, den Wunsch nur diese eine Person zu sehen? Mir fiel und ich glaube auch heute, fällt es mir schwer.

Das vermutlich erste Mal in meinem Leben sind Kopf und Herz einer Meinung. Kennt ihr das? Nein, ich kannte das auch nicht. Der Kopf passt auf mich auf. Ich bin ein Kopfmensch, kann mich gar nicht vom Bauch oder von Gefühlen leiten lassen. Aber J. hat es geschafft, dass mein Kopf sagt, dass er richtig ist. Klar, kann er mir weh tun. Klar, kann das alles schief gehen. Aber es hat sich noch nie so gelohnt. Das Herz ist beinahe stumm vor Schock. Es versteht nicht, was an ihm so viel besonderer ist, als an anderen.

Gestern abend haben wir uns nochmal getroffen, er hatte angefragt und ich "opfere" ihm gerne meinen einzigen freien Abend. Dadurch, dass jetzt die Feiertage anstehen, war es vielleicht umso wichtiger, dass wir uns nochmal gesehen haben. Nochmal hunderte Blicke geteilt haben. Noch tausende weitere Gemeinsamkeiten gefunden haben. Aber auch die Dinge, in denen wir nicht dieselbe Meinung teilen, widersprechen sich nicht, zumindest nicht komplett.

Am 30.12 werden wir uns nochmal sehen. Allein deshalb, weil ich mich momentan noch schwer tue, ob ich ihn für Silvester einladen soll oder nicht. Es wäre gut, aber wir sind halt momentan irgendwie so 6 Leute und das wäre wie eine Präsentation, von der weder ich noch er begeistert wären. Und dadurch, dass er beispielsweise auch keinen Alkohol trinkt, wäre das immer wieder Thema und vielleicht würde ihn das nerven und das will ich nicht. Ich will halt nicht, dass es ihm schlecht geht. Gleichzeitig würde er so oder so, sofern das wirklich was wird, irgendwann meine Freunde kennenlernen. Vielleicht mache ich es auch schon wieder komplizierter als es ist.

Ich wünsche euch, liebe Leser, ein schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch, falls ich mich vorher nicht mehr melde. Mögt ihr gute Tage mit Familien und Freunden verbringen. Ich denke an euch.

Freitag, 16. Dezember 2016

Pure Vernunft darf niemals siegen.

"Und Sie warten auf jemanden?" - "Ach, ich warte ab, wer mich so anspricht" - "Und wo wollen Sie hin?" - "Je nachdem, wonach Ihnen ist. Ich folge Ihnen." Wir beide lachen. So ist das also, wenn man sich mit J. am Hauptbahnhof trifft. Ich glaube, er war selbst so nervös, dass er sich schon länger vorher einen guten Spruch für den Anfang überlegthat. Beeindruckenderweise haben wir uns umarmt. Eigentlich würde ich nie Menschen umarmen, noch seltener so früh. Dabei wird mir erst bewusst, wie groß er eigentlich ist.

Wir bewegen uns Richtung dem Cafe/ der Bar für die wir uns mehr oder weniger alternativlos entschieden haben. Während er mir berichtet, dass er keinen Alkohol trinkt, obwohl er selbst Fußball spielt (Kreisliga) und mehrfach wie er beinahe peinlich berührt zugibt in der wohl schlechtesten Disco der Stadt gewesen zu sein (direkt hinter dem Bahnhof, hinter den Alkoholikern, die dort leben) und fragt mich, wann wir denn da landen. Ich schmunzele kurz, worauf er die Chance nutzt und meine Gedanken liest: "Damit hast du bei mir nicht gerechnet, was?" Ins Schwarze getroffen. Er wirkte eigentlich noch introvertierter als ich zur meisten Zeit. Und das soll wirklich was heißen.

Außerdem ist er Fußballfan, sogar Auswärtsfahrer, d.h. er ist ständig unterwegs um seinem Lieblingsverein hinterherzufahren, was viele vermutlich nicht verstehen, ich aber ohne finanzielle Nöte wohl genauso tun würde. Samstag ist er in Hamburg, war diese Saison schon in Karlsruhe. Ich beneide ihn schon etwas.

Wir reden viel über die Uni und besonders: Wir lachen sehr, sehr viel. Und am Anfang ist es vielleicht noch das nervöse Sympathisch-wirken-wollen, aber spätestens nach einer Stunde ist es ernsthaft unterhaltend. Bei der ersten peinlichen Schweigepause, einfach weil man auch mal Luft holen muss, fang ich an Unsinn zu reden und er meint, dass er mit Schweigen zurecht kommt, immerhin tue er das eh meistens. Ich hingegen habe in den letzten Jahren das Problem des Laberns für mich entdeckt und das über alles: So erzähle ich ihm, nach der Nachfrage nach seinen Silvesterplänen, die nicht existent sind, von meinen, die mehr oder weniger bedauerlicherweise in meiner eigenen Wohnung stattfinden. Worauf er meint: "Vielleicht muss ich mich da noch selbst einladen." Ich: "Vielleicht lade ich dich auch einfach zuerst ein."

Der ganze Abend, insgesamt fünf(!) Stunden, sind zugleich verwirrend und gut, aber nichtsdestotrotz hatte ich danach ein unfassbar schlechtes Gefühl. Mag er mich überhaupt? Hat es ihm überhaupt gefallen? Will er mich wiedersehen?

In der Nacht habe ich nichtmal drei Stunden geschlafen. Erst lag ich drei Stunden wach, dann bin ich um 5 Uhr wieder wachgeworden. Mein Gefühl hatte ein mieses Gefühl geboren. Er war zwar anders als ich es mir ausgemalt hatte, aber trotzdem fasziniert er mich zutiefst und er würde mich schon im jetzigen Status verletzen, wenn ich ihm nicht mal annähernd gefallen würde.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich dementsprechend gerädert. Ich mache mich in dem Wissen auf dem Weg zur Uni, dass ich ihn gleich sehe, ob ich will oder nicht. Und ehrlich: ich wollte nicht. Menschen, denen man nichts ablesen kann, Menschen wie ich einer bin, sind nicht gut für das Seelenheil. Ich komme also, wenn auch wegen der Straßenbahn, verspätet, also nur 20 statt 30 Minuten zu früh in den Raum und sehe, dass er bereits da ist. Er dreht sich nicht um und so gerne ich einfach auf meinen Stammplatz setzen würde, also gute 7 Stühle entfernt, frage ich beinahe tonlos, ob mich zu ihm setzen darf. Und der folgende Moment bestätigt meine Hoffnung: ein Misch aus Augenrollen der Selbstverständlichkeit wegen und einem Lächeln, das alles andere als uneinschätzbar ist. Nachdem er noch so tut als würde er lesen und ich meine Jacke ausziehe, beginnt er das Gespräch mit einer Kleinigkeit, die mir längst aus dem Sinn ist. Dann erzähl ich ihm von meinem Bahnwahnsinn der vorangegangenen 30 Minuten. "Und das alles für ein Seminar?", fragt er. "Nicht nur dafür", sage ich in dem Wissen, dass er weiß, dass ich keine anderen Unikurse habe.

Heute ist Freitag und seitdem haben wir jeden Tag geschrieben. Wir lockern beide etwas auf. Ich bin ein Kopfmensch, ich glaube, ihm geht es ähnlich. Und trotz meiner Beschaffenheit ist mein Gefühl stark. Das Gefühl einfach alles auf eine Karte zu setzen. Das Risiko zu gehen. Jedes Risiko zu gehen. Völlig egal, welche Hürden warten.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Was ich suche, ist halt das, was du hast.

Donnerstagmorgen: Ich fahre früh in die Uni, um meine Essayschreiberei nachzuholen. Um zwölf Uhr mache ich meine obligatorische Kaffeepause, diesmal allein. Ich sitze in der Eingangshalle des Philosophiegebäudes und beobachte verzweifele Stimmensammler verschiedener Parteien. Gerade laufen die Studentenparlament-Wahlen in den letzten Zügen und die grüne Partei findet sich selbst noch immer amüsant „mehr Gras“ im doppelten Sinne für die Uni zu fordern, während sie dennoch weiterhin das Alkoholverbot beibehalten will, welches so konsequent ist, dass selbst unigeleitete Cafeterien Bier verkaufen. Und während der junge Herr der „Jusos“ schon wieder weg war, der mich fragte, ob ich bereits gewählt habe, was ich bejahte und ihm gleichzeitig die Hoffnung nahm, dass diese Stimme seiner Partei galt, lief J. durch die Tür. Relativ zielstrebig läuft er den Flur entlang, er grüßt mich nicht, vielleicht hat er mich nicht mal gesehen. Dann aber biegt er zur Cafeteria ab und nimmt den Hintereingang heraus, denn bei mir lief er nicht mehr vorbei.

Ich hätte es gerne als Zufall gesehen, als Unglück, dass er mich nicht gesehen hat. Aber in einem leeren, da die meisten Studenten in Kursen saßen, Flur wusste ich nicht, wie stichhaltig dieser Glaube war. Ich hatte mir, wie gewohnt, bereits meine Pläne für die nächste Woche gemacht: Mich ganz offensiv neben ihn setzen, sodass wir reden. Sodass wir einfach lockerer miteinander umgehen können. Diese Situation hatte mich aber schon wieder so irritiert, viel mehr verunsichert, dass ich alle Pläne sinnlos fand und mein Pessimismus ihn beinahe abgeschrieben hatte.

Beinahe. Nach meiner Schreiberei musste ich 7 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten und ich muss zugeben meine Laune wäre dürftig. Nicht nur wegen J., es war einfach das Zwischentief der langen Weihnachtsmarktsaison. Ich kann einfach keinen Glitzer und kein Rot mehr sehen. Als ich dann, so gegen 18 Uhr zwei Minuten Ruhe vor der Menschheit hatte und einen kurzen Blick aufs Handy warf, aktualisierte ich meine Emails und, ich kann es bis heute nicht fassen, habe eine Mail von J. bekommen: „Falls das Angebot mit dem Kaffee noch steht, kannst du dich ja mal bei mir melden. Würde mich sehr freuen.“ und im Anschluss seine Handynummer.

Circa zwei Minuten saß ich mit weit offenem Mund dort, die Mundwinkel dennoch nach oben gezogen und starrte auf mein Handy. Danach folgten drei Stunden des Dauergrinsens und Freudeverbreitens. Ich fürchte, ich habe gar mehr gestrahlt als die meisten Artikel des Standes. Er hat sich einfach so gemeldet. Er hätte einfach bis Donnerstag warten können. Hat er aber nicht, offensichtlich war es ihm so wichtig, dass er es beschleunigen musste.

Irgendwann als mein Hirn wieder funktionierte, fragte ich mich, woher er wohl meinen ganzen Namen kannte. Mir ist nicht mal bekannt, dass er meinen Vornamen kannte. Also, wie ist er an die Emailadresse gekommen? Entweder er hat es geplant und im Seminar Donnerstag, also vor meiner Kaffeefrage, auf der Teilnehmerliste verfolgt, wie ich heiße. Oder er kann Zaubern. Beides logische Möglichkeiten.

Abends schrieb ich ihn dann an, sagte wie sehr ich mich freue (naja nicht wie sehr ich mich tatsächlich gefreut habe, das ist nicht auszudrücken) und wir versuchen zu klären, wann wir denn beide Zeit für den Kaffee hätten. Obwohl ich ihm meine Freistunden in der Uni anbot, entschied er sich für Mittwoch- oder Samstagabend. Kaffeetrinken am Abend? Ich meine, ich tue das ständig aber dafür trifft man sich doch eher tagsüber. Alles daran schreit beinahe „Date“, auch wenn er das unterschwellig eingefädelt hat, indem er die Uni Freistunden einfach ignoriert hat. Nichtsdestotrotz werden wir dann wahrscheinlich in der nächsten Woche was machen und ich glaube, ich war selten so nervös und dennoch so voller Vorfreude.

Freitag, 9. Dezember 2016

Hallo du, hallo Welt, hallo Freiheit!

Ich habe in letzter Zeit viele Herren erwähnt, die vermeintlich ihren Weg in meine Gefühlswelt geschafft haben. Gewiss nicht alle in mein Herz. Aber in meine Seele, meinen Geist, nennt es wie ihr wollt. Und besonders ins Zentrum meiner Freundschaft, denn sowohl Philipp als auch Tim sind die Personen, die ich mit am häufigsten sehe. Maxi sowieso. Das mit Marco hat er selbst erledigt.

Und dann jetzt ist da J., dieser Blickfang, der es nicht gewohnt ist angesehen zu werden. Der es nicht gewohnt ist angestarrt zu werden. Der es nicht gewohnt ist, dass Mädchen ihn heimlich anlächeln. Der es nicht gewohnt ist angesprochen zu werden.

Dann bin da ich, die sich bei Philipp bereits getraut hatte ihre Stimme zu bilden, Worte zu sprechen. Vergebens, zumindest in rein romantischer Hinsicht. Nun kam er heute morgen in den Seminarraum, setzte sich wie gewohnt auf seinen Platz und liest den Text für das bevorstehende Seminar. Der Atem wird schwerfälliger, Herzklopfen, Weglauftrieb. Da aber er und nicht ich an der Tür sitzt, habe ich keine Chance auf Erlösung. Er sitzt dort, ziemlicher Out-of-the-bed-Look, mal nicht in Sweatshirtjacke sondern mit normalen Langarmshirt. Irgendwie sieht er einfach gut aus, obwohl das vermutlich die wenigsten so sehen würden. Allerdings bin ich auch wieder in dem Zustand des "Nicht-so-ganz-objektiv"-Seins. Ich mag den Zustand, andere können da viel weniger falschen machen. Ich hingegen mache dann konsequent alles falsch. Doch einmal wollte ich alles richtig machen.

Nach dem Seminar warte ich auf J., verpasse den Moment (weil er in eine andere Richtung als erwartet läuft) und lauf ihm hinterher. 19 Stufen lang, frage ich mich, was zur Hölle ich hier eigentlich tue. "Es ist sowieso zu spät", flüstert de Stimme und zum ersten Mal motiviert sie mich. Wir sind fast am Ausgang als ich ihn frage: "Auch wenn ich mich echt dämlich anstelle, hast du vielleicht mal Lust irgendwann einen Kaffee trinken zu gehen?" - "Klar", sagst du - "Cool", sage ich und wir gehen auseinander. Ich habe keine Ahnung, wo er plötzlich war. Ich war plötzlich im Mathegebäude und fragte mich zum ersten Mal berechtigt, was ich hier überhaupt tue. Wir haben keine Handynummern getauscht, noch was ausgemacht. Unter Druck bin ich bzgl. Uni leistungsfähig sonst eher so gar nicht. Entweder ich treffe ihn bis Donnerstag nochmal in der Uni oder ich setz mich Donnerstag einfach neben ihn und führe peinlich berührt Smalltalk. Oder lass ich es lieber? Ich habe mir schon lange nicht mehr so viele Gedanken gemacht.

Zwar habe ich meine Stimme verloren aber es kommen immer Worte aus mir aus in peinlichen Situationen. Immerhin sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten und ein kleines Wunder vorher wäre ganz wünschenswert, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie ich das anstellen soll.

Sonntag, 4. Dezember 2016

This Boy is Tocotronic.

Das Schweigen tut mir Leid. Ich hatte keine Zeit, habe auch jetzt keine, aber ich bin schlaflos und ihr habt das verdient. Ihr habt so viel mehr Zuwendung verdient. Ich arbeite auf einem Weihnachtsmarkt in meiner Nähe und das 35 Stunden die Woche plus Uni. Ich will euch nicht vollheulen aber so wenig Leben habe ich selten vernommen. Selten fühlte sich etwas so endlos an. Noch 16 Arbeitstage.

Ich möchte euch aber auch die guten Dinge erzählen, besonders die: ich habe meinen Traummann getroffen. Er stand nicht mal drei Meter von mir entfernt, grauer Anzug, schwarze Schuhe, schon Geheimratsecken, was ihn aber überhaupt nicht entstellt. Seine Mimik spricht Bände und sein Name ist Jan Böhmermann. Letzten Mittwoch war ich bei der Doppelaufzeichnung des Neo Magazins und es war einfach grandios. Ich würde es beinahe als einen der besten Tage meines Lebens bezeichnen. Dendemann, Maeckes, Böhmermann, da kann man Satire- und Rapherz nur höher schlagen. Ich wäre übrigens zusammen mit Philipp da (ja, genau der) und es war echt gut. Es ist verblüffend sich so oft bei mir neue Freundschaften entwickeln und erhalten bleiben.

Allerdings, um mal ein wenig ernsthafter zu werden, da ich mich wohl damit abfinden muss, dass Böhmermann einfach nicht in meiner Liga spielt, habe ich - man mag schon wieder sagen - jemanden kennengelernt. Ich hab euch nie von ihm erzählt. Er, J., saß das vorletzte Semester durchgehend neben mir. Er saß da einfach, wie jeder von den circa 25 Leuten, nur saß er immer zufällig neben mir, dicht an der Tür, direkter Weg zur Freiheit. Wir haben nie ein Wort gewechselt und eigentlich ist mir auch erst jetzt, dieses Semester, in dem wir wieder ein Seminar zusammen haben, bewusst geworden, dass er immer neben mir saß. Ja, so wenig interessiere ich mich manchmal für meine Umwelt. In der ersten Woche saß er wieder neben mir, diesmal eher am Fenster. Ich hab mit zwei Bekannten, die auch zufällig da saßen gequatscht und dann hat er sich irgendwann eingemischt. Das war das erste und bis heute letzte Mal, dass wir miteinander sprachen. Wieso ich es dann erzähle? Weil Worte nicht alles sind. Gute zwei Wochen nach dem Gespräch fing unser Kursthema richtig an und ein Kommilitone erwähnte auf sehr merkwürdige weise, dass er ein komplett anderes Weltbild hat, als die meisten von uns, was mich durchaus amüsierte und nicht nur mich, auch J. Irgendwie trafen sich unsere Blicke immer wieder beim Lachen. (Ich würde nie jemanden wegen seiner Meinung auslachen, aber dieser Kommilitone glaubt auch daran, dass Schopenhauer sich über Fruchtfliegen und Elektrizität unterhalten hat, komische Zeit dafür...) Nun gut, auf jeden Fall versüßte uns dieser Kommilitone von da an zwei Wochen lang mit dubiosen Thesen das Seminar und immer wieder beim heimlichen Grinsen, trafen sich unsere Blicke. Darauf die Woche hielt J. sein Referat und eigentlich hätte er sich auch direkt vor mich setzen können, denn er sah dabei nur mich an. Das Argument des In-Den-Raum-guckens funktioniert übrigens nicht, weil ich am Rand und ohne Reihe vor oder hinter mir saß. Seitdem sind die Blicke durchgehend da, völlig egal, ob der Kommilitone redet oder nicht (auch wenn es sich dann noch steigert). Letzten Donnerstag nach dem Seminar ist er vor mir aus dem Raum gegangen und ich lief kurz hinter ihm, nicht so kurz, dass da nicht ständig jemand zwischen lief, aber auch nicht so weit, dass ich ihn nicht hätte ansprechen können. Konjunktiv, ich habs natürlich nicht gemacht und bereue es. Besonders weil er, so behaupte ich, extra für mich da lang gelaufen ist, denn er ist die Treppe rauf und die andere wieder runter, womit er exakt im Kreis läuft.

Nächsten Donnerstag werde ich ihn dann ansprechen. Einfach weil ich muss. Weil ich es mir selbst schuldig bin. Er ist ungefähr so unnahbar, wie es mir nachgesagt wird. Und ich hab die merkwürdige Hoffnung, dass das passt. Laut Fb Stalking ist er Fußballfan, studiert Philo (gut nichts neues) und hört gottverdammt Tocotronic(!). Das ist ungefähr vergleichbar mit einem Einhornfund. Ich habe einfach ein gutes Gefühl. Eben auch, weil ich so oft keines hatte. Weil ich einfach mal etwas positives brauche.Drückt mir die Daumen.

Mittwoch, 2. November 2016

Früher war ich ängstlich, doch jetzt habe ich Furcht

Wieso kann man nicht Worte als Zahlungsmittel gelten lassen? Ich würde mich beinahe nackt vor das Publikum stellen. Ich bin absolut kein guter Redner, aber ich könnte Texte schreiben für Leute mit mehr Selbstbewusstsein, für bessere Schauspieler, für jeden verdammten Menschen. Ich könnte dann einer meiner Lieblingstätigkeiten nachgehen, die Welt wäre glücklicher nicht nur RTL Dialoge hören zu müssen und ich, ich müsste mich nicht fragen, wie ich im nächsten Monat meine Miete bezahlen soll.

Ich bin an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Wie soll ich studieren, wenn mir jede Grundlage fehlt? Wie soll ich studieren, wenn kein einziger Arbeitgeber mir trotz "ausreichend" Zeit in der Woche die Möglichkeit gibt mein Talent, meine Sympathie, meinen Fleiß zu beweisen? Wie soll ich studieren, wenn ich eigentlich nichtmal zwei Stunden die Woche für mich habe? Der richtige Weg wäre abzubrechen, der noch richtigere wahrscheinlich meinen Eltern zu sagen, dass ich entweder unter Brücke schlafen oder mich prostituieren muss, um nächsten Monat nicht zu verhungern.

Aber nein, fragt doch mal die ganzen Weisen da draußen: ich kann gar nicht verstehen, wie irgendwer arbeitslos sein kann. Ich kann es momentan sehr gut. Ich kann es wirklich. Die Sorge am nächsten Monat Mahnung nach Mahnung zu bekommen, an jeden Arbeitgeber eine Bewerbung zu schreiben aus der die Verzweifelung herausläuft, wenn er oder sie diese schief hält. Ich bewerbe mich auf Weihnachtsmärkten, im Einzelhandel und bei jedem verdammten Bürojob. Ich wollte Theater machen, ja das wollte ich. Und ab August darf ich das mit Glück auch wieder für zwei Monate tun, aber jetzt, jetzt scheint es aussichtslos. Das Theater in der nächsten Stadt ist voll. Das hier stellt zum 07.11 ein und ich habe noch immer nichts gehört, also schreibe ich auch das ab.

Ich habe Angst vor der Zukunft. Angst davor meinen verfluchten Stolz runterschlucken zu müssen, zu meinem Vater gehen zu müssen. Es ist nicht so, dass meine Eltern es nicht hätten. Es ist also eine Art Phantomangst. Es ist viel mehr, dass ich meinem Vater nichts schuldig sein willl. Nichts, überhaupt nichts.
Ich hasse diese Materielle Welt einfach. Ich hasse es, dass ich unendlich viel zahlen muss, um mich zu bilden. Unendlich viel wissen soll, um mich dann als Marionette des Bildungssystem mein Leben lang führen zu lassen. Was zur Hölle tue ich hier?

Dienstag, 18. Oktober 2016

Wir können über alles reden. Wir können über allem stehen. Wir können nochmal neu anfangen und wir können alles schaffen.

Und dann habe ich einfach nicht bestanden. 5 Punkte trennen mich und das Ziel die letzte Matheklausur meines Bachelors geschrieben zu haben. 5 Punkte, eine halbe Aufgabe, eine Sache mehr, die ich hätte wissen müssen. Ich bin aus der Klausur raus gegangen und wusste es. Wusste, dass es das nicht war. Nichts ohne Propositionen, Lemmata, Beweise und Sätze. Nichts ohne Qual, Schmerz, Leid, Dreck und Blut. Mein Semester des Sturm und Drangs, des Dichters und Denkers ist vorbei. Nichts mit "Ich schreibe mein ganzes Semester meine Bachelorarbeit und genieße mein Leben." Jede Woche Übungszettel, Abgabestress, Klausurangst, Versagensangst, das ewige Gefühl doch das falsche zu machen, Glück gehabt zu haben, überhaupt so weit gekommen zu sein.

Dienstag habe ich meine Abschlussprüfung in Philo. Wenigstens eine Sache, die ich bisher geschafft habe. Aber die Prüfung ist mündlich und nichts hasse ich mehr. Ich kann schreiben, ich kann lesen, aber sprechen war nie meine Stärke. Und da schummelt sie sich ins falsche Gebiet. Die Versagensangst steht vor dem Philosophen in mir und sagt nichts anderes als: "Du wirst es nicht schaffen." Und ich kann nichts erwidern. Ich stehe dort und möchte sagen: "Aber es geht um Schopenhauer, Nietzsche, Freud. Das ist mein Zuhause. Das ist, was ich lese, seit ich 15 bin." Aber es kommt kein Ton. "Genau wie bei der Prüfung", sagt die Angst und lacht. Alles, was mir bleibt ist das Schweigen und die große Hoffnung darauf, dass es besser wird. Die Philosophie hat mich nie im Stich gelassen. Die Philosophie war immer bei mir.

Am Ende setze ich mich mit meinem Schopenhauerbuch von Herrn A. ins Bett und halte kurz inne. Es ist jetzt drei Jahre her. Die vermutlich elendigsten, chaotischsten, verwirrensten, verzweifelsten, aber auch gesündesten, erfolgreichsten, glücklichsten Jahre meines Lebens. Drei Jahre und werden vermutlich nochmal so viele folgen. Und sie werden mich depremieren, sie werden mich in die Luft springen lassen und sie werden mich verflucht nochmal meine Abschlüsse machen lassen, egal wie stark alle dagegen sind und egal, was sich mir in den Weg stellt. Wer es soweit geschafft hat, der schafft alles. Oder?

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Und weil ich an dir Teilhab, Und immer an dich denk. Und weil du mir so viel bedeutest, bist du ein Geschenk!

Ich habe sooft das Gefühl gehabt, jemand nettes und irgendwie richtiges gefunden zu haben, dass ich nicht weiß, wie oft ich mich getäuscht habe und ob ich mir überhaupt noch vertrauen kann. Manchmal glaube ich, mein Herz hat seit Maxi einfach nicht mehr funktioniert. Es kann nicht mehr schneller schlagen, nicht mehr so laut klopfen, dass der andere es hören könnte.

Tim war zugegeben eine Herausforderung für meine Gefühle, aber wirkliches Verliebtsein würde ich das auch nicht nennen. Es war aufregend. Es war spannend. Gerade, weil es so wirkte als hätte er Interesse. Es war wie ein kleine Zaubergeschichte, die aber recht schnell verflogen ist, woraus sich aber eine gute Freundschaft ergeben hat.

Dann war da Philipp. Und es ist echt witzig, aber wir unternehmen ständig was, wenn wir in der Uni sind. Wir belegen sogar Kurse so, dass wir die zusammen haben. Wir unterhalten uns über alles mögliche und sind sagen wir mal, eine Art kreative Ergänzung füreinander, da wir meist nur echt metaphysische Gespräche führen.

Und jetzt ist da Marco. Eigentlich ist er schon so lange da. Schon als ich vor circa einem halben Jahr meinen Workshop für den Flüchtlingskurs hatte, war er. Und ich sagte noch zu meiner Mitbewohnerin, am vierten von vier Workshoptagen: "Er sah unfassbar gut aus und wirkte wirklich richtig toll vom Charakter her. Und jetzt sehe ich ihn einfach nicht mehr wieder". Und dann kam Bonn und das Abschlussfest mit anschließender Party auf der wir auf einmal alleine waren. Wir trafen uns auf dem Stadtfest für zwei Bier, wir gingen zusammen auf die Kirmes, wir waren abends alleine zusammen was trinken. Und jetzt 11 Stunden Freizeitpark. Und während wir gute 9 Stunden nebeneinander standen und einfach auf die nächste Achterbahn etc. gewartet haben, haben wir geredet und jedes Detail war interessant und aufregend. Und ich hätte am Anfang jedem gesagt, dass ich mich niemals verliebe. Er sei jemand, der gar nicht zu mir passt. Der viel zu oft feiern geht, zu wenige Bücher liest und auch sonst zu wenig mit mir gemein hat. Aber vielleicht ist es gerade deshalb so gut. Weil er soviel anderes mitbringt als ich. Weil wir uns mehr ergänzen als ähneln.

Als wir durch die gruselig angelegten Gebäude liefen, kam es mehr als einmal vor, dass ich ihm vor Schreck an den Arm fasste oder mich hinter ihm versteckt habe. Dabei gehöre ich zu den Menschen, die sich sonst nie erschrecken. Aber ganz Gentleman hat er nichs dagegen gemacht und mir immer gesagt, dass er dafür da ist. Er hat mich zwar abends nicht nach Hause gefahren, aber das wäre auch ein größerer Umweg gewesen und demnach kann ich das vollkommen verstehen. Nächste Woche Donnerstag gehen wir wieder zusammen zu einer Party, sofern ich das einrichten kann. Ich hoffe, dass zumindest dieses eine Mal Alkohol seiner Aufgabe als Zungen- und Wahrheitslöser gerecht wird damit ich oder wir beide vielleicht mal zu Klarheit kommen können. Denn bisher denke ich manchmal, dass wir Freunde sind und manchmal, dass wir uns beide nicht trauen. Die üblichen Gedanken halt.

Samstag, 8. Oktober 2016

Du bist die bessere Version von mir selbst.

Ich bin die beste Version von mir selbst, die es bisher gab. Ich bin fast sowas wie selbstbewusst; ein Wort das ich vor langer Zeit eher als meinen Gegenteil beschrieben hätte. Und dennoch gibt es Dinge, die mich kurz in dieses hässliche Ich zurückverwandeln. Ich habe mich an einem Variete-Theater beworben. Ich hatte das Vorstellungsgespräch, ich hatte die Zusage vom Chef, ich war Probearbeiten und wurde abgelehnt. Ich muss dafür allerdings Probearbeit neu definieren: Auf einem Hocker sitzen und 4,5 Stunden nichts tun dürfen, weil man ja nicht die Befugnis habe. Erst war ich niedergeschlagen und dann dachte ich mir: Gottseidank. Gottseidank, weil ich nicht die Person bin, die in einem mit rotem Teppich ausgelegten Eingang sitzt. Weil ich nicht weiße Blusen mit schwarzen Hosen als Pflicht haben will. Weil Variete in meiner Sicht nichts mit Theater zu tun hat. Ja man darf vielleicht essen, aber Akrobatik ist kein Schauspiel, keine Texte, keine Gänsehautmomente, zumindest nicht für mich. Und im Moment dieser Gedanken, dachte ich: Ist das Selbstbewusstsein? Das Gefühl, dass man auch ohne kann? Das Gefühl, dass man deshalb nicht traurig sein muss, weil man weiß, dass man mehr kann. Weil man weiß, dass die Kultur nicht in gekünstelt gerettet werden sollte, sondern in echt, in authentisch. Ob das möglich ist? Sicherlich nicht durch mich, nicht durch ein paar Menschen, aber vielleicht durch viele, kleine Projekte. Vielleicht durch uns alle, die noch daran glauben.

Was in meinem Leben passiert: Vor gut zwei Wochen habe ich mich mit Marco getroffen. Es war schön. Wirklich. Auch, wenn es am Anfang etwas merkwürdig war, weil wir uns eben längere Zeit nicht gesehen hatten. Aufschlussreich war es am Ende auch nicht. Er hat mir eines seiner Geheimnisse erzählt, was ich positiv empfand, weil es nunmal was sehr persönliches war. Also, er war hatte zweimal was mit zwei verschiedenen Erstsemestern, während er Tutor bzw. Übungsleiter war, was halt nicht direkt verboten ist, aber halt auch nicht unbedingt gern gesehen. Und naja, er hat den "Fehler" direkt zweimal gemacht und das innerhalb seines Faches, was ihm im Nachhinein halt einfach dumm vorkommt. Aber, dass er mir das überhaupt erzählt ist einerseits merkwürdig, weil es, falls er bei mir landen will, sowas halt nicht so die überzeugensten Argumente sind und andererseits gut, weil er mir offensichtlich vertraut. Natürlich war ich in dem Moment wieder zu schüchtern um ein ähnliches Vertrauen entgegenzubringen.
Morgen sehen wir uns dann wieder. Wir fahren zusammen in einen Freizeitpark, 11 Stunden lang. Wünscht mir einfach Glück, dass ich verstehe was das ist. Dieses Etwas, was sich anfühlt, als würden wir alles zusammen machen, was Partner so machen. Abends Zusammen, was trinken. Freizeitpark. Zu zweit auf Parties gehen. Mir ist bewusst, dass sowas auch Freunde machen, aber er meinte selbst, beim letzten Bier, dass Freunde sich anders treffen. Anders als wir beide? Morgen wissen wir vielleicht alle mehr.

Freitag, 30. September 2016

Doch wenn schon scheiße Tanzen dann so, dass die ganze Welt sieht. Mit Armen in der Luft, beiden Beinen leicht neben dem Beat. Und wenn du mit der Königin die Fläche verlässt, sag dir, diese Welt ist perfekt!




Ein winziger Moment. Vielleicht an sich nicht mal besonders und doch so perfekt. Dieses eine Detail, was dieses mal nicht stört. Dieser Augenblick, der mir klar macht, wie sehr ich dieses Leben eigentlich liebe. Mein Leben. Nicht in allen Facetten und bestimmt nicht jeden Tag, aber in diesen 8 Stunden war es mir einfach egal. Vermutlich sehe ich diese Leute erst in einem Jahr wieder. Vermutlich kann ich dann nur noch die Hälfte aller Namen oder Berufsbezeichnungen, aber ich habe die Erinnerung ans Glück. Ein Gefühl das man mit Worten nicht beschreiben kann. Vielleicht sogar soviel mehr als ein Gefühl. Was das ist? Ich weiß es nicht, aber vielleicht zur Abwechslung mal etwas ohne Namen, ohne Bezeichnung, ohne Erwartung.

Gestern Abend ging mein Semesterferienjob zu Ende und es gab, dank des gelungenen Festivals, eine Abschlussfeier mit wirklich allen Mitarbeitern und ihr glaubt nicht wie viele das waren. Und wie viele tolle Leute darunter waren. Ein Herr in meinem Alter machte mir ein wirklich tolles Kompliment als er mich, nicht mehr ganz so nüchtern, „interessant“ nannte. Ich zumindest habe mich sehr gefreut, gerade wenn man so darüber nachdenkt was man sonst so von betrunkenen hören muss. Ich unterstelle Menschen, darunter übrigens beide Geschlechter gleichermaßen, sehr oft, dass sie selbst mit solchen Aussagen immer nur das eine wollen. Denn Geld und Sex regieren die Welt und da wir Geld schon verdient hatten. Und es gibt dazu noch diesen schlimmen betrunken-Macher namens Weißwein, der nach gehöriger Menge seine Wirkung völlig entfaltet. Aber um die Spannung aufzulösen, es ist nichts passiert. Ich möchte nicht mal sagen, dass es in irgendeiner Weise für ihn oder für mich unvorstellbar war. Es war nicht so, dass ich an diesem Abend, in diesem Moment abgeneigt war, aber dennoch fanden wir es charmanter zu warten. Ein Jahr: in dem Gedanken, dass wir beide wieder nächstes Jahr beim Festival arbeiten. Dass ich nächstes Jahr vielleicht immer noch interessant bin. Oder eben, dass der Zufall uns irgendwann einmal zusammenbringt, immerhin wohnt er in der doch relativ großen Nachbarstadt.
Auch die anderen Leute waren ziemlich gut drauf und gerade meine „Kollegen“ vom Ticketing waren rar gezählt, da insgesamt nur fünf da waren und am Ende, so um 4 Uhr morgens an einem Montag, waren nur noch ich und ein anderer Herr da, während die meisten anderen Abteilungen deutlich besser besetzt waren. Dafür hat ein anderer Herr vom Ticketing mit einer betrunkenen Chefin aus einer anderen Abteilung rumgemacht. Ich weiß ja nicht, ob er dann noch nächstes Jahr eingeladen wird. Altlasten sollte man ja bekanntlich beseitigen oder wie war das noch gleich? Ich hab gelernt mit ihnen zu leben. Und tue dies besser als je zuvor. Ich empfand mich selbst an dem Abend als gut aussehend und das vor dem Wein. Ich weiß nicht wirklich, ob ich für die Momente, in denen ich dies dachte, mehr als eine Hand brauchte, aber es ist selten. Aber in letzter Zeit ist es einfach so, dass ich zumindest häufiger mit mir zufrieden bin und das ist viel wert. So viel wert wie dieser Abend.

Donnerstag, 1. September 2016

Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Ich hab's begriffen, dieses Leben ist kein Spiel. Ich misch' die Karten neu.

Dienstag Mittag bekomme ich eine Facebook-Benachrichtung, dass Marco mich zu irgendeiner Party einlädt. Ungläubig und durchaus schmunzelnd ignoriere ich es zunächst. Wir hatten seit Freitagabend kein Wort gewechselt, einer neuer Negativrekord. Einige Stunden später schreibt er mich an: "Hey du. Wie läuft es bei dir?" Ich glaube er hat nicht verstanden, was er getan hat. Vielleicht weil er an einem anderen Punkt ist als ich. Vielleicht weil er nicht so oft enttäuscht wurde in letzter Zeit. Vielleicht auch einfach weil er ein Mann ist. (Nicht böse gemeint, ich bin auch oft genug dem sehr ähnlich und verstehe nicht, was ich anrichte)

Ich überlege eine Weile, ob ich antworte, entscheide mich dann dafür. Wir führen etwas Smalltalk bis er "Wir müssen dann auch bald unser Treffen nachholen" schreibt. Es war wie ein Magengeschwür. Ich bin es nicht los geworden. Und als er diesen Satz schrieb hatte ich übeles Aufstoßen. "Und das willst du wirklich?", frage ich ihn und ich wusste, er wird es nicht verstehen. "Was meinst du jetzt will ich wirklich?" - "Ich fand es halt irgendwie doof Freitag. Ich hatte schon nachmittags irgendwie das Gefühl, dass du keine Lust hast oder halt einfach zu gestresst bist und dann hast du das noch bis neun oder so rausgezögert, sodass mein Fretag halt schon ziemlich im Arsch war. Und das halt, wo ich gefühlt keinen Freitag mehr frei habe.. Und das hat mich haalt genervt, auch wenn ich es gleichzeitig verstanden habe. Deshalb habe ich jetzt die dumme Frage gestellt, ob du dich wirklich mit mir treffen willst. Und jetzt komm ich mir wieder doof vor. Sorry."

Ich glaube, ich war selten so ehrlich. Denn ich bin eigentlich die Art Mädchen, die sagt: Was solls, kann ja sein, dass ich auch mal eine blöde Ausrede habe. Ich zwinge niemanden sich mit mir zu treffen. Aber aus irgendeinem Grund hat mich diese Absage gewurmt. Seine Antwort hingegen hat ihm die zweite Chance ermöglicht: "Das hatte nichts mit dir zu tun oder weil ich dich nicht sehen wollte.. Ich wusste bzw. wollte auch nicht, dass deswegen dein ganzer Freitag im Arsch war. Das tut mir Leid! Aber hab das jetzt als so schlimm oder dramatisch empfunden das einmal zu verschieben.." Genau da wären wir bei der Tatsache der verschiedenen Einstellungen. Und eigentlich teile ich seine Meinung. Hätte ich mich nicht so gefreut. Hätte ich nicht so viele Erwartungen in dieses Treffen gesetzt, wäre es mir relativ egal gewesen. Seit wann interessiert es mich, ob ich Freitag abend ausgehe oder ein Buch lese?

Wir finden nur möglicherweise gar nicht so schnell einen Termin, leider. Er hat ab Montag Schulpraktikum und ich arbeite gefühlt jeden Tag am Wochenende. Demnach bleiben noch Tage unter der Woche, aber wenn er um 8 Uhr in der Schule sein muss.. Was ist eigentlich aus den guten, alten Nachmittagstreffen von früher geworden? Wo man brav abends, wenn es dunkel wird, nach Hause fährt? Nein, im Ernst: ich glaube, wir bekommen es hin. Ich glaube, er will es wirklich. Heute hat er beispielsweise gesagt, dass er gerne mit mir in Theater gehen würde, wobei sich dann herausgestellt, dass er das Stück schon zweimal gesehen hat. Aber er kann es mir halt nur empfehlen und dann hätten wir zusammen was gemacht. Allerdings macht unser Theater erst im Oktober wieder auf. Mal sehen, was wir vorher noch machen. Hoffentlich machen wir was. Irgendwas.

Samstag, 27. August 2016

Man kann nicht immer nur gewinnen. Ich verliere mein Gleichgewicht.

Es ist Freitag, 17:30
Ich: Hallo, wie siehts denn mit heute aus? :)
Marco: Hey, ich hab dich nicht vergessen :D Ist halt mega warm. Was sagst du denn?
Ich: Gut zu wissen. :D Ich kann nur zustimmen, dass es mega warm ist
Er: Ich würde sagen, dass wir wenn dann später gehen :D
Ich: Das Anschreiben war auch gar nicht so gedacht, dass ich jetzt sofort was machen will.
Er: Ich geh jetzt erstmal duschen :)

Gute Eigenschaft vor so einem Treffen duschen zu gehen, finde ich. Denke mir, dass es ja erst Nachmittag ist und wir ja Zeit haben, das noch zu klären.

Es ist immernoch Freitag, 20:00
Er: Ehrlich gesagt bin ich bei der Wärme ja doch ein bisschen erschöpft ne :D also feiern gehen oder so würde ich auch lassen oder?
Ich: Ja also ich glaube feiern gehen ist echt zu anstrengend. :D bin froh, dass du das genauso siehst. Nicht, dass ich der Spielverderber bin... :D
Er: Ne, das sehe ich genauso. Also wenn dann was chilliges oder wir schieben es ein paar Tage nach hinten. :) Weil ich doch ein bisschen in Zeitnot geraten bin und jetzt erst fertig bin quasi.
Ich: Oh okay. Grundsätzlich wäre ich für alles chillige offen :D Ich kann auch irgendwie mehr in deine Richtung fahren oder irgendwie sowas :D

Ab dem Moment habe ich eingestellt mich fertig zu machen. Ich habe mir meine Joggingshorts angezogen, mir Fußball angemacht und wusste, wusste einfach, was passieren wird.

Es ist leider Freitag, 21:00
Er: Jaa ein bisschen stressig schon, war jetzt gerade noch kurz bei meinen Eltern.. Kannst du die nächsten Tage alternativ? :)
Ich: Achso, Hm keine Ahnung. Muss halt die komplette nächste Woche arbeiten.
Er: Ach mies.. Schlag mal einfach was vor dann :)

Es ist gottseidank Samstag, 00:30 in der Früh. Seine Smileys kann er sich in seinen Allerwertesten schieben. Das Gespräch ist übrigens genauso abgelaufen. Ich hab nichts zwischendurch weggelassen. Außer die Warteminuten. Die Minuten, wo ich drüber nachgedacht habe, ob einfach was passiert ist. Die Minuten, in denen ich mich immer wieder fragte, wie blöd man eigentlich sein muss. Wie blöd ich eigentlich immer wieder bin. 

In meinem direkten Freundeskreis sind momentan bis zu 6 Leute, die sich unbedingt mit mir treffen wollen, aber ich habe wegen der Arbeit fast keine Zeit und ihm fällt nichts besseres ein als mich zu versetzen, weil er gestresst ist? Aber hauptsache er kann bei seinen Eltern sein. Nee ist okay. Moment.. Nein, doch nicht. Was ist sein Problem? Wollte er feiern gehen und mich flachlegen? Und da es so warm war, hatte er keine Lust? Steht denn echt so dick blöd auf meiner Stirn? 

Wisst ihr, wenn er sich wenigstens entschuldigt hätte, wäre ich vielleicht nicht halb so genervt wie ich es jetzt bin. Wenn er wenigstens eine Begründung geliefert hätte. Irgendwas. Ich werde auf jeden Fall nicht darauf antworten. Das ist mir zuwider. Ich bin kein Mensch, der nicht u.U. eine zweite Chance gibt, aber so? Gibt es auch noch Menschen, die das Wort Respekt in gewisser Weise kennen? Ja, ich bin ein Mädchen. ja mein Geschlecht und vor allem meine Generation zeigt sich momentan oft nicht von seiner besten Seite, aber deshalb kann man nicht alle weiblichen Geschöpfe zum Objekt deklassieren, welches Lust zu haben hat, wenn er Lust hat. Ja ich reagiere über. Aber ich bin genervt und dann tue ich sowas schonmal. So bin ich halt.

Dienstag, 23. August 2016

Wir beide sind Meister im Narben vergleichen. Im eigentlich so nah sein und doch nicht zu erreichen. Im Wegwünschen, was man vermisst

Ich brauche momentan einfach jemanden, der mir zeigt, dass ich es wert bin geliebt zu werden. Eigentlich weiß ich das. Eigentlich bin ich alleine zufrieden. Aber momentan ist da dieses riese Loch. Ich weiß nicht, wo der Platz herkommt in meinem vollgestopften Leben. Und ich weiß, dass meine Freunde mich mögen. Und ich weiß, dass ich ständig neue Leute kennenlerne, die mich offensichtlich mögen. Aber dieses Mögen macht mich wahnsinnig. Wieso zur Hölle bin ich eigentlich als dieser komische Kumpeltyp geboren, bei dem alle Kerle sagen, dass sie das bei Frauen klasse finden? Und wieso findet es nie wirklich jemand klasse? Und da soll mir mal einer sagen, ich sei kompliziert.

Marco und ich treffen uns Freitag. Eigentlich wollen wir in einen Club oder Ähnlichem, aber wenn die grausamen Temperaturen anhalten, machen wir was anderes, glaube ich. Ich werde da nicht so schlau raus. Ich halte mich für mehr oder weniger intelligent, aber in menschlichem Verständnis fehlt eine ganze Menge. Und das Problem ist, dass es keine guten Bücher darüber gibt. Keine Fortbildungsmöglichkeit vorhanden, außer immer wieder hinzufallen und aufzustehen.

Und auch wenn dieser Post hier so klingt als hätte sich das mit Marco schon wieder geklärt, weil ich mal wieder auf die Einsamkeit und männliche Wesen schimpfe. Es hat sich erledigt. Vermutlich ist es so offen wie nie zuvor. Und genau das treibt mich an den Rand der Verzweiflung. Ich verzweifle zugleich an mir, der Welt und jedem Gefühl. Aber ich zweifle nicht an der Vorstellung von mir und ihm. Nicht daran, dass ich das wirklich will. Und nicht aus Einsamkeit.

Das Loch ist nur da, weil er genau da sein soll. Neben mir. Bei mir.

Freitag, 12. August 2016

Ich entschuldige mich für den sinnlosen und inhaltsleeren Post, erhoffe mir aber durch Loswerden der Gedanken, die Lösung meiner Probleme.

Es ist Freitagabend. Ich gehe nie gern aus. Aber ich bin ein Mensch. Leider will ich somit immer das, was ich nicht haben kann. Und egal, wen meiner Freunde und Bekannten ich frage, niemand hat Zeit. Aber ich will was unternehmen. Unternehmen, um mich abzulenken. Ich will einfach nicht länger darüber nachdenken, was Marco macht. Ja, er hat meine Gedanken übernommen. Verwundert euch vermutlich weniger als mich. Heute ist er das dritte Mal hintereinander auf der Kirmes. Nicht mit mir. Mit irgendwem. Und gestern hat er sehr oft mit mir geschrieben und mir ständig Sprachnachrichten mit irgendwelchen Schlagern (Schenk mir dein Herz, ahja) geschickt. Und trotzdem macht es mich nervös, was einerseits daran liegt, dass ich schlechte Laune habe, weil niemand Zeit hat und ich gerade verlernt habe, mich zu beschäftigen. Andererseits liegt es daran, dass ich nicht weiß, ob er nicht jeden Abend mit jemand anderen zur Kirmes geht. Was ist, wenn ich nur eine von vielen bin? Falls ich überhaupt eine von denen bin. Falls ich überhaupt interessant bin. Dieses Alleinsein bekommt mir in der Stimmung überhaupt nicht. Ich brauche Ablenkung. Es ist übrigens keine sinnvolle Ablenkung darüber nachzudenken, wie die anderen wohl so sind. Meine andere Möglichkeit ist zu trinken. Ist alleine aber auch deprimierend und führt zu noch dümmeren Ideen.

Fakt 1: Kein Kerl schreibt mit jemanden, wenn er wirklich ein Date hat. Deshalb hatte Marco gestern kein Date. Heute schreibt er nicht. Vielleicht hat er heute eins.
Fakt 2: Während wir weg waren, hatte er sogar sein Handy aus. Zumindest hat er das gesagt. Er hatte es auch nie in der Hand.
Fakt 3: Wir hatten also ein Date. Ist das überhaupt ein Fakt? Auf meiner Liste schon.
Fakt 4: Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, habe ich auch nicht oft mein Handy in der Hand.

These: Er hat kein Date. Ich halt den Mund, versuche was Intelligentes wie Lesen, um mich abzulenken. Notfalls muss irgendeine Serie herhalten. Vielleicht fange ich wieder mit Hannibal an. Oder mit irgendeiner anderen Serie wo keine Liebesszenen drin stecken. Wie Sons of Anarchy oder Bates Motel.

Ich weiß nicht was passiert, wenn meine Mitbewohnerin ausziehen sollte. Ich bin hoffnungslos verloren. Ich bin völlig abhängig von Menschen. Das widert mich an und zeigt mir gleichzeitig, was für wundervolle Menschen ich offensichtlich kenne. Diese wundervollen urlaubmachenden Menschen. Morgen kommt C., Dienstag kommt meine Mitbewohnerin. Das schaff ich noch. Ganz sicher. Kurz bevor ich dann irre werde. Bis Dienstag unterhalte ich mich dann mit arbeiten und meiner Hausarbeit.

Meine Selbstanalyse hat übrigens ergeben, dass ich eifersüchtig bin, wenn ich nicht mit jemandem zusammen bin. Oder halt nichts geklärt ist. So ein bisschen. ich würde es niemals zugeben aber vor euch kann ich es ja sagen. Ich schreibe als wäre ich schon betrunken. Nur Schwachsinn und der Zusammenhang existiert nur in meinem Kopf. Entschuldigt aber manchmal fällt auch hier das Niveau Richtung Boden. Bevor es noch tiefer geht, schließe ich es ab. Das Gedankenloswerden. Das Rumheulen. Das Menschsein.

Nachtrag (2 Stunden später): Er schreibt mit mir. Er ist nett zu mir. Also alles wie immer, obwohl ich ein kopflastiger Idiot bin. Ein Idiot mit so komischen Gefühlen.
Plötzlich kann ich mich auch wieder beschäftigen.

Dienstag, 9. August 2016

Ist die Angst schon geringer, und der Körperkontakt ist Gefühlsüberbringer, trotzdem ist jeder allein; und es gibt keinen, der die Macht hat, es zu steuern.

Seit ich denken kann, habe ich Distanz zu körperlicher Berührung. Wenn meine Mutter mich als Kind gebeten hat, jemandem Hallo zu sagen, habe ich niemals meine Hand ausgestreckt, höchstens gewunken. Wenn andere Kinder ihre Eltern angesprungen haben, wenn sie von der Schule abgeholt haben, habe ich maximal gelächelt. Meist über die Erleichterung nicht mehr unter 30 anderen Menschen zu sein. Als später das Umarmen als Kriterium der Freundschaft galt und nur die wirklichen Freunde so begrüßt wurden, hätte man meinen können, dass ich keine Freunde hatte. An Weihnachten ist es bis heute eine Qual. Das Drücken, das ganze Getue, die Verwandten, die drauf bestehen. Warum fühlen sich Menschen denn nur so wert geschätzt? Liebe oder Zuneigung ist ein Gefühl, kein Körperkontakt.

Heute kann ich bei manchen Menschen damit umgehen. In gewisser Weise bin ich erwachsen geworden und füge mich. Oder ich hab den Widerstand aufgegeben. Vielleicht kommt das auch zusammen. Aber oft wenn ich Menschen dann so sehr mag, dass ich sie bei der Begrüßung umarme, höre ich oft: „Du kannst mich auch anfassen“ oder "Ich geh so schnell nicht kaputt". Oft erschrecke ich dann. Ich fühle mich als würde ich zu viel berühren, zu viel Nähe haben und sie empfinden es genau andersherum.

Als ich mit meiner Mutter im Supermarkt an der Kasse stehe, fragt sie mich, wie die Kirmes mit Marco war. Manchmal erwähnt man Namen und Menschen unterbewusst zu oft. Ich erzähle völlig detaillos, dass es gut war. „Wieso habe ich immer das Gefühl, das Menschen nicht verstehen, wenn ich was gut fand? Kann man mich so wenig einschätzen?“, frage ich. Meine Mutter sieht mich an und zuckt die Schultern: „Mich würde es auch sehr wundern, wenn das jemand kann, wenn ich das selbst nach fast 22 Jahren nicht schaffe. Ich weiß bis heute nicht, ob dir das, was wir machen gefällt oder nicht.“ Ich seufze. „Aber was mach ich denn anders als andere?“ – „Andere zeigen, was sie fühlen“, sagt sie und bereut es kurz darauf so ehrlich gewesen zu sein. „Mach beim nächsten Mal ein paar Luftsprünge oder so“, ergänzt sie lächelnd. Sie meint es nur gut.


Mich selbst stellt es vor die ungläubige Tatsache, dass sie alle recht hatten. Maxi konnte nicht wissen, was ich fühle. Tims „Anschuldigung“ war gerechtfertigt. Meine eigene Mutter. Verflucht. Und was bedeutet das jetzt für mich? Muss ich mich ändern? Ich zeige ganz offiziell keine Gefühle. Aber es ist doch so viel mehr als körperliche Reaktion. Es ist doch in mir drin. Und davon jede Menge. Muss ich mich ändern? Soll ich jetzt vor anderen weinen, damit sie mich für einen Menschen halten? Vor jedem mein Herz ausschütten? Sagt mir, was soll ich tun? Das ist übrigens ein Ausdruck der Verzweiflung, falls das nicht offensichtlich ist.

Sonntag, 7. August 2016

And the worst part of a good day is the one thing you don't say

Ich war vorhin mit Marco auf der Kirmes. Ich war etwas zu früh am Treffpunkte, er etwas zu spät. Dann sind wir zur Kirmesplatz gegangen und verflucht war das groß. In diesen Momenten merke ich immer, dass ich doch in einer Kleinstadt aufgewachsen bin. Wir sind locker 1,5 Stunden dadrüber gelaufen und hatten nichts doppelt besucht. Solange braucht man bspw. nichtmal für die Innenstadt meiner Heimatstadt.

Dann sind wir zusammen dieses "Kettenkarussel" für Erwachsene gefahren, das war irgendwie schön. So zu zweit, im dunkeln, über der Kirmes und dem Kanal nebenan. Ein Hauch Romantik, sozusagen. Und danach noch eine Runde herum geschlendert und uns einfach gepflegt unterhalten. Das ist etwas, wovor ich bei Marco immer am meisten Angst hatte: Dass wir uns nicht unterhalten können. So miteinander über die Uni etc. schreiben, ist keine Schwierigkeit, aber mal außerhalb, mal privat? Offensichtlich ist auch das kein Problem.

Da Marco schon deutlich mehr Partymensch ist als ich, haben wir uns in ein Zelt gestellt, ein paar Bier getrunken und getanzt. Immer wenn irgendein Schlager läuft, muss ich lachen, weil ich kenne echt viel Musik, aber da verläuft halt eine Grenze. Direkt zwischen Musik und Schlager. Marco sieht das etwas anders, ist aber auch kein schlimmer Ballermann-Fan, wie er mir mehrfach versichert. Nur um mir besser zu gefallen? Ich bin mir da nicht so sicher.

Wir gehen zurück und aus irgendeinem Grund unterhalten wir uns übers Kinder kriegen. "Ja, wenn sie schwanger wird, ist sie auch schuld." Mit weit offenem Mund starre ich ihn an. "Natürlich, nur die Frau kann verhüten oder was?" - "Nein, aber wenn sie ohne Wissen des Mannes die Pille absetzt, kann sie halt schwanger werden, ohne, dass der Mann was davon weiß." Ich muss lachen. Wir reden einfach über komplett andere Verhältnisse. "Ich meinte in einer ganz normalen Sexsituation", sage ich und muss schon über den Term "Normale Sexsituation" lachen, immerhin ist sowas bei mir alles andere als normal. "Aber selbst da kann die Frau selbst entscheiden. Ich meine natürlich bei sowas nicht, dass der Mann das nicht auch kann, aber die Frau ist halt allmächtig sozusagen". Es ist merkwürdig, dass ich manchmal mit Menschen besser über sowas reden kann, als ich es mit meinen besten Freundinnen oder gar mit meinem Ex konnte.

An der Haltestelle sage ich ihm, dass ich die Bahn und nicht den Bus nehme und deshalb 10 Minuten warten muss, aber er ruhig fahren könne. "Unter keinen Umständen lasse ich dich hier alleine. Ich kenn mich hier im Gegensatz zu dir aus und weiß, was hier so rumläuft." Er grinst und während meine Bahn einfährt, sagt er "Ich hoffe der Abend hat dir gefallen" synchron zu meinem "Danke für den schönen Abend." Wir lachen beide und umarmen uns. Und die Frage die bleibt: Ist das ein Date mit Anstand? Eines mit Zurückhaltung, wie ich es mir immer gewünscht habe oder ist das nur Freundschaft, die ich fehlinterpretiere?

Später schreibt er mir noch einmal, etwas in der Art "Ich hoffe, es hat dir gefallen" und das macht mir sorgen. Ich glaube, man hat wieder nicht gemerkt, wie gut ich es fand. Ich glaube, ich bin ein geschlossenes Buch, für jeden. Ich will, dass mal jemand merkt, dass mir sowas wichtig ist. Was soll ich denn tun? Wieso ist es bei jedem angeblich so offensichtlich aber bei mir nicht? Was machen alle anders?

Donnerstag, 28. Juli 2016

Vielleicht wäre es besser, es wär so nie passiert. Doch vielleicht ist so ein feiges Wort.

Freitag: "Ja diese Springpflanzen hießen doch irgendetwas mit tangete oder so, oder?", fragt das Mädchen in die Runde und aus Reflex und vor allem völlig ohne Wissen über Biologie antworte ich: "Naja, bezweifele ich. Tangete klingt nach tangere und das bedeutet berühren". Ihre Freundin und sie starren mich an: "Und du bist ein Klugscheißer?". Sie versucht zu grinsen, aber ich weiß, dass sie mich verachtet. "Nein, nur um Wissen zu vermitteln", antworte ich und beiß mir auf die Lippen. Marco stößt mich leicht mit dem Arm und muss sein Grinsen überdrücken.

Wir sind mitten auf dem Abschluss-Grillen der Flüchtlinge und alle Kursleiter sind da. Marco, mit dem ich seit dem Bonn-Trip schreibe und einmal was trinken war (völlig unverfänglich nach einem Festival in einer Gruppe), ist der einzige, der mich da halbwegs kennt. Während meine MitKursleiterin ebenso abwesend ist, wie der größte Teil meines Kurses, bin ich sehr froh über seine Anwesenheit. Der Nachteil: Er kann mit den anderen Kursleitern viel besser als ich, weshalb ich viel mit den "fremden" Flüchtlingen aus den anderen Teams rede.

"Da waren nur Nerds als ich angefangen habe zu studieren. Ich weiß nicht, wie jemand Mathe studieren kann. Der kann nur chronisch sexlos und eigentlich nicht mal anziehend sein.", höre ich während ich mich wieder zu der Gruppe mit dem Mädchen und Marco stelle. Dieser guckt mich direkt an und sagt: "Das kannst du doch nicht so generaliseren. Ich meine, es gibt auch nette Mathematiker" und lächelt mich schief an. Seit Bonn bekomme ich in Tagesabständen Andeutungen, Kusssmileys etc. Er ist nett. Und hat keine Freundin. (Wichtigstes Detail inzwischen). Ich bin mir aber nicht sicher, was ich will. Ob ich will oder ob er wirklich will oder nur flirtet. "Dooch. Die sind so hässlich. Und haben einfach kein Leben", setzt sie erneut an. "Wie lange hast du Mathe studiert?", frage ich ohne mir was anmerken zu lassen. "Ein halbes Semester", antwortet sie und ihre Freundin nickt zustimmend. "Mein Gott, musst du eine Menschenkenntnis haben. Innerhalb von guten sieben Wochen alle 300 Beginner im Mathe-Studium zu kennen und einschätzen zu können. Respekt", verspotte ich sie ganz offensichtlich. "Ahja, und du bist Nerd-Experte?" - "Ich bin nicht so arrogant mich als Experte zu bezeichnen. Ich mag nur keine oberflächlichen, schubladendenkenden Menschen", sage ich und zucke mit den Schultern. "Studiert die etwa Mathe?", fragt sie Marco, der eher schockiert von der Frage die Stirn runzelt. "Ja, tut sie", antwortet er knapp und fragt mich, ob wir nicht was trinken gehen wollen, wobei ich es fast schade fand. "Das war hart", sagt er. "Das war ehrlich", sage ich und verdrehe die Augen.

"Kommst du nachher auch mit?", fragt er als wir alleine sind. "Wohin?" - "Naja drüben ist die Semester-Abschlussparty." - "Ich bin nicht so der Partymensch, weißt du. Mit wem gehst du hin?" - "Mit Do. (das Mädchen, sie war halt bei ihm im Team...) und zwei, drei anderen" Ich schnaube. "Und dann fragst du mich?" - "Ach komm schon, tu es für mich", sagt er und grinst.

Drei Studen später sind die meisten Kursleiter drüben. Ich bekomme im 10 Minutentakt "Komm jetzt"-Nachrichten von Marco, während ich beim Aufräumen helfe und nicht weiß, was richtig wäre.
Als ich mich plötzlich dafür entscheide und dort bin, gehen Do. und alle anderen kurz darauf. Außer Marco. Um 4:06 Uhr nehme ich die Bahn, nachdem er nicht mal versucht hat mich abzufüllen. Ist heutzutage doch eigentlich Standard-Methode, dachte ich. "Ich hab keine Lust jetzt noch 50 Minuten Bahn zu fahren", sagt er und ich bin kurz davor ihm das leere Bett meiner Mitbewohnerin anzubieten, während ich mich frage, warum zur Hölle ich das tun will. "Ah, ein Freund hat mir das Sofa angeboten. Ich bring dich noch zur Bahn und lauf dann fünf Minuten. Viel besser". Zu spät. Er wartet noch bis die Bahn kommt, umarmt mich dann, bedankt sich für den schönen Abend und geht. Irritiert steige ich in die Bahn. Was ist eigentlich los mit mir?

Mittwoch: Nachdem wir gefühlt ununterbrochen miteinander schreiben, fragt er (erneut), ob wir nicht zusammen Anfang August zur Kirmes gehen wollen. Lange dachte ich an ein Gruppentreffen, aber seine Intention liegt bei mir und ihm. "Naja für gute Sachen kann ich mir bestimmt Zeit nehmen", schreibe ich. "Für besonders gute Sachen, wenn schon. Du wirst sehr begeistert sein" - "Dann halt für besonders gute. Ich wollte nur nicht die Erwartungen zu sehr steigern" - "Ach kannst du ruhig. Wirst nicht enttäuscht. (mit dem Zusatz eines Smileys mit HeiligenSchein und Kuss)." Huch. Ist hier etwa Zweideutigkeit im Spiel? Oder dichte ich die dazu? Nichtsdestotrotz schwirrt der Begriff  "Date" seitdem herum. Der Begriff drängt sich auf. Was will er denn jetzt? Und was will ich? Kann er nicht doch eine Freundin haben? Das klärt Fronten immer viel schneller. (Ja, es ist Zeit für schwarzen Humor). Gerade führen wir das erste relativ ernste Gespräch über verpasste Chancen und was man so bereut im Leben. Alles, was man nicht tut. War doch so, oder?

Montag, 18. Juli 2016

Du schreist Hurra in mein Gesicht. Und es wird besser Strich für Strich. Nicht eine schwarze Wolke ist mehr da. Mein traurigstes Gedicht wird dann Bla bla.

Montag. Ich sitze im Seminarraum. Neben mir ist der Platz frei. Ich werde das Ritual vermissen, immerhin ist es die letzte Uniwoche. Es ist Viertel nach und Prof B. fängt an zu reden. Das Mädchen, das zeitgleich hineinkommt, setzt sich zwei Plätze weiter und legt ihre Tasche auf deinen Stuhl. "Den brauch ich", flüstere ich ihr zu. "Es ist eh schon spät, als wenn jetzt noch jemand kommt", sagt sie schnippisch und ich wundere mich über ihre Unlogik, da auch sie gerade erst sitzt. In dem Moment kommst du, nickst zu dem Stuhl und ich grinse das Mächen an. Mürrisch packt sie die Tasche runter und du setzt dich dahin. Da, wo du hingehörst. Dann grinst du mir zu, legst deine Lernzettel auf den Tisch - immerhin schreibst du gleich Linguistik - und versuchst Prof B. zu folgen.

Nach dem Seminar: Caro verlässt mich, weil sie lernen muss. Du sagst dasselbe, aber wir gehen noch zwei, drei Schritte zusammen. "Okay, ich setz mich auf die Wiese und warte bis 18 Uhr, bis ich meine Klausur schreibe", sage ich und wir verabschieden uns. "Achja", rufst du, "viel Erfolg außerdem". Ich wünsche dir dasselbe und bin froh. Froh, dass wir so gut Freunde sein können. Ganz normale Freunde.

Ich lege mich auf die Wiese, höre Musik und lese Schopenhauer. Genau die Vorbereitung, die man vor einer Programmier-Klausur treffen sollte. Plötzlich merke ich, wie sich jemand neben mich setzt. Ich schaue auf und sehe wie du mich angrinst. "Ja bitte?", frage ich lachend. "Ich habe fast zwei Stunden Zeit bis die Klausur stattfindet und es ist eh noch niemand von den Linguistik-Leuten da, also kann ich meine Zeit viel besser mit dir verbringen", sagst du und grinst. Ich atme tief durch. Wir sind nur Freunde. Aber jede Faser von mir will mehr. Daraufhin unterhalten wir uns 1,5 Stunden über deine Arbeit (Du arbeitest als studentische Hilfskraft bei einem Kulturphilosophie-Professor, himmlisch), über Uni Kram. Und mitten in einer Diskussion, ob ich Prof B. wegen Sekundärliteratur frage, sagst du: "Jetzt hätte ich es beinahe wieder vergessen. Wir müssen über das Kaffeetrinken reden."  Hingerissen. Nicht mehr rational. viel zu emotional. Scheiße. Ich muss lächeln. "Ja, gerne. Ab Wann hast du denn Zeit?", frage ich. "So in zwei Wochen sollte der Stress vorbei sein, peilen wir das an? Dann schreiben wir vorher einfach nochmal?" Ich nicke voller Überzeugung, zwei Wochen klingen klasse.

Kurz darauf verabschiedest du dich zur Klausur und ich bin glücklich. "Hör auf zu träumen", sagt mein Hirn zum Herz. "Geht nicht, dafür bin ich da". Hirn: "Aber ihr seid nur Freunde. Ihr werdet auch immer nur Freunde sein." - Herz: "Vielleicht. Aber deshalb ist träumen noch lange nicht verboten."

Ich sitze eine weitere Stunde auf der Wiese und lese wirklich Schopenhauer. Ich packe gerade meine Sachen als ich hoch gucke und sehe wie du mit zwei Kommilitionen aus dem Hörsaal kommst. Ihr wollt euch alle auf die Wiese ein Stück weit weg von mir hinsetzen, als du nur deine Tasche abstellst und zu mir kommt und erzählst wie gut deine Klausur war. Du bist extra noch rübergekommen. Wegen mir. Allerdings muss ich ziemlich dringend zu meiner Klausur und gehe freundlich und mit erneuten Erfolgswünschen deinerseits von dir weg.

Die Klausur lief gut. Programmieren ist ein Traum. Als ich aus der Klausur komme, überlege ich kurz, ob du wohl nach meinem Empfinden fragst, immerhin könntest du digitalen Kontakt zu mir aufnehmen. "Ihr seid Freunde, du bist nicht seine Freundin", meckert das Hirn. Als ich zuhause ankomme, sehe ich deine Nachricht: "Und wie lief deine Klausur?" Herzschlag. Herz schlägt. Herz schlägt Hirn. "Manchmal werden Träume wahr, auch wenn man manchmal länger warten muss", sagt das Herz siegreich.

Freitag, 15. Juli 2016

Gib mir Mut zu sehen, Zeichen zu verstehn, die sich zeigen.

Ich stehe im Sprachgebäude der Uni und fühle mich falsch. "Immerhin warte ich nur auf R.", sage ich mir, während alle Leute mich komisch angucken. Als würden sie wissen, dass ich hier nicht hingehöre. Ich schaue zur Tür und sehe Philipp. Er ist läuft zusammen mit zwei Mitstudierenden den Gang entlang, als er auf meiner Höhe ist, bleibt er stehen und spricht mich an: "Kommst du gleich auch?" Irritiert, weil ich nicht mit ihm gerechnet habe, schaue ich ihn an. "Zur Vorbesprechung vom Seminar", erläutert er. "Natürlich", sage ich und lache. "Es ist vor 10 Uhr. Es ist halt einfach zu früh für mich." Er nickt: "Dann bis gleich". Er grinst noch einmal und geht dann schnellen Schrittens den anderen hinterher. Während ich sehe wie R. kommt, nehme ich vor, heute zu einem guten Tag zu machen.

Um 11:45 Uhr stehe ich vor dem abgeschlossenen Raum, als erste. J. (die Philosophin, die mit beim Vortrag war, die Philipp auch kennt) kommt dazu, wir unterhalten uns. Ein anderer Dozent öffnet uns die Tür und wir gehen rein. Ich sage zu J.: "Ich kann Philipp ja mal einen Platz freihalten" und will meine Tasche auf den Stuhl stellen, während er schon hinter mir stand und sich gerade neben mich setzen will. "Ich hoffe, du meinst keinen anderen Philipp?", fragt er und lacht. Ich verneine und bin kurz ein wenig peinlich berührt. Das Seminar kingt interessant, der Dozent wirkt nett. Mal sehen, was das Ende September so wird.

Nach dem Seminar gehen wir, J., Philipp und ich runter. J. bedauert, dass ihr Schwarm (M. habe ich bestimmt schonmal erwähnt) nicht da war und geht betrübt in den Plattenladen (ja wir haben noch so einen echten an der Uni) und lässt damit Philipp und mich alleine. "Wo musst du hin?", fragt er und eigentlich habe ich soviel zu tun, dass ich mich in Bib setzen müsste, antworte aber "Ubahn", worauf hin er meint, dass wir den gleichen Weg haben. Wir gehen also zusammen. Wir unterhalten uns über Prof. B, darüber, dass ich meine Bachelorarbeit bei ihm schreibe, Philipp das gut findet, er gespannt auf seine Hausarbeit ist. Und dass wir uns beide freuen. Auf das Seminar im September. Darauf, dass wir nicht alleine da sind und Leute kennen. Wieso ich nicht komplett da sein werde (Arbeit). Dann reden wir ausgiebig über Dozenten. Und plötzlich sind wir am Hauptbahnhof. Und ich hab noch immer kein Wort über das verloren, was ich wirkich wissen wollte. Um Zeit zu gewinnen, fahre ich mit nach oben, obwohl ich in eine andere Ubahn steigen muss. Auf der Rolltreppe finde ich den Mut: "Ich will nicht nerven, aber hast du das Kaffeetrinken bewusst ignoriert oder wirklich vergessen?". Er sieht mich an und schmunzelt. "Das ist mir entfallen.". "Du musst mir das jetzt nicht so sagen. Ich kann mit einem "Nein" besser leben, als mir einem "ich weiß nicht" oder hinhalten." - "Nein, von mir aus können wir das freundschaftlich gerne machen". - "Das klingt doch schon viel positiver" - "Ich hatte da mal so einen Vorfall, dass sie das alles andern verstanden hat als ich und deshalb habe ich das so klar gesagt. Aber ich würde wirklich sehr gern mit dir Kaffee trinken" Danach fügt er mich auf Facebook hinzu, damit wir in Kontakt bleiben können, selbst wenn wir keine Uni mehr haben.

Einerseits freue ich mich. Freue ich mich, dass ich den Mut hatte. Mut wie eine Löwin. Jetzt bräuchte ich nur noch die Macht eines Zauberers, um seine Meinung zu ändern. Und es ist ein Zeichen dafür, dass ich zumindest ganz sympathisch sein muss. Andererseits tut es in begrenztem Maße weh, weil er schon vorm kennenlernen alles kaputt macht. Aber das ist gut. Er ist im Gegensatz zu Tim wenigstens sehr viel direkter. Viel unwidersprüchlicher in seinen Aussagen. In seinen Taten vielleicht nur ein bisschen mehr direkter. Er und seine Freundin sind laut Fb seit 2011 zusammen. Das ist eine Leistung. Und vorallem eine, die ich nicht versuchen werde zu zerstören. Menschen für ein besseres Leben gewinnen ist das Ziel; nicht das Zerstören.

Montag, 11. Juli 2016

Wenn "Ich denke, also bin ich" gilt, wieso sind dann soviele Menschen auf dem Planeten?

"Gefriendzoned", was ist das eigentlich für ein Wort? Wer kam auf die Idee die Sprache zu entstellen? Mal ganz ehrlich: wenn man schon einen Anglizismus benutzen muss, dann doch bitte ohne ihn zu entstellen. Friendzone, okay, von mir aus. Und FALLS, wirklich nur FALLS man es wirklich muss, dann doch bitte richtig: gefriendzont oder wird bei euch im Deutschen schonmal ein Verb auf  "-ed" beendet?

Sprache hat verflucht viel mit Denken zu tun und da ist das Problem: die meisten Menschen fangen damit nichtmal an. Die machen einfach. "Denken ist überbewertet". Dann seid doch alle die glücklichen Schweine, ich bleibe der unglückliche Sokrates. Fragt mal Nietzsche wieso er allein war: weil man nur so zu Höchstleistungen bereit ist. Ohne Ablenkung, dem asketischen Ideal nachstrebend und vor allem unabhängig. Nicht gebunden an irgendwelche Regeln der Beziehung oder an Rücksichtnahme auf den Partner. So ist das nämlich. Ohne Gefühle, ohne Glück bin ich einfach noch intelligenter.

Jetzt muss nur noch jemand etwas erfinden, wie man Intelligenz für weniger Einsamkeit nutzen kann. Wie ihr am latent aggressiven Unterton des Posts merkt: heute war scheiße. Philipp hat eine Freundin, zumindest sofern mein Hirn mir keine Streiche spielt. Wir haben über das Kaffeetrinken gar nicht geredet, weil ich nicht konnte und er es vergessen oder ignoriert hat. Was weiß ich. Ich möchte schon im Juli "meine Freundin" zum Unwort des Jahres küren.

Ich versteh das nicht. Ich meine, ich suche nichtmal. Dann quatschen mich Kerle an, sind mega aufgeschlossen, machen widersprüchliche Zeichen und sind trotzdem vergeben. Wollt ihr mich eigentlich verarschen? Steht naiv auf meiner Stirn? (Ja, leider schon). 

Wisst ihr was? und trotzdem werde ich Philipp am Freitag nochmal auf den Kaffee ansprechen und ich werde mit Tim noch etliche Male Kaffee trinken gehen und noch hundertmal mit Maxi ins Kino gehen. MIR DOCH EGAL. Weil Menschen können leben bereichern. Und irgendwo in mir drin lebt diese abnormal romantische Hoffnung, dass selbst in dieser obszönen Zeit aus Freundschaft noch mehr werden kann. Nicht, dass ich jederzeit für jeden bereit wäre. Aber irgendwann wird die Welt bereit sein. Bereit sein dafür, dass es jemand gibt, der mich erträgt.