Freitag, 12. September 2025

Nein, sorg dich nicht um mich. Du weißt, ich liebe das Leben

Bis auf einen Tag ist es 4 Jahre her. Ich könnte euch so viel über diese 4 Jahre erzählen. Was passiert ist. Wie es mir geht. Aber sind wir ehrlich, der Text wäre so lang und vermutlich ist hier eh niemand mehr unterwegs.

Ich habe vor ein paar Tagen an all das hier gedacht. An das Blut, an den Schmerz, daran, dass ich regelmäßig unregelmäßig was geschrieben habe. Ich habe inzwischen lange nicht mehr geschrieben. Lustlose E-Mails und Whatsapps sind wohl alles. 

Ich habe viele Posts hier gelesen. Weniger die mit Blut und Schmerz, mehr die, die knistern, die aufregend waren, die mich heute herzlich zum Lachen bringen. 

Viele der Personen von damals sind heute noch in meinem Leben, manche sind immer noch in ihren Beziehungen, manche sind weiter entfernt. Aber so ist das Leben wohl. So ist es, wenn man "Erwachsen" wird. 

Alles hier, ihr alle, wart Teil von meinem Leben und während ich denke "ich hab's geschafft", hoffe ich umso mehr, dass ihr dies auch denken, sagen, beinahe herausschreien könnt. Ich würde nie behaupten, dass ich heute psychisch gesund bin. Meine Körperwahrnehmung ist immer noch mehr als schwierig, aber ich bin so oft glücklich. Ich habe so viel geschafft. Ich definiere mich vielleicht zu viel über Arbeit, aber hab auch Menschen, die auf mich aufpassen. 

Ich habe den besten Job der Welt. Weil ich gekämpft habe. Weil ich Dreck gefressen habe. Weil ich es so unbedingt wollte. Und weil ich auch hier und da Glück hatte. Glück, dass andere Arbeitgeber so schlecht waren, dass ich gehen musste. Glück, dass ich nicht einfach aus einem Anflug von Unvernunft weggezogen bin.

Und vor allem habe ich gelernt mich selbst an erste Stelle zu stellen. Ich bin nicht dafür da, dass andere glücklich sind. Andere werden mich nie vollkommen erfüllen. Ich liebe meine Freund/innen und für jede/n würde ich mein letztes Hemd geben, versteht mich nicht falsch. Aber ich würde mich nie wieder aufgeben. 

In einer parallelen Welt sitzen wir gerade alle zusammen in einem Cafe und stoßen auf unser Leben an. Darauf, dass wir hier sind. Dass wir anonymen Menschen uns Halt gegeben haben. Dass wir immer wussten, wir sind nicht allein. Dass wir wussten, wir werden verstanden, akzeptiert, sogar gemocht. 

Wenn ich euch als meine (stillen) Leser/innen nicht gehabt hätte, wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Wäre ich vielleicht ganz woanders abgebogen. Wäre vielleicht den dunklen Gedanken mehr hinterher gejagt. Ihr habt euch so viel Zeit genommen. Das hier zu lesen. Das hier zu kommentieren. Mich zu retten. Das ist auch euer Verdienst. Auch wegen euch, kann ich heute sagen:

Hallo, ich bin Denise und ich liebe das Leben.

Montag, 13. September 2021

Ich würde gerne sagen, es liegt nicht an dir. Aber es ist kein Schicksal.

 Und nach all den Monaten stehst du vor mir. Ich wusste die ganze Nacht schon, dass du da sein wirst. Ich wusste, dass ich das nicht will und doch wollte ich wissen, was ich fühle. Ob ich was fühle. 

Und nach all den Lügen stehst du vor mir und ich sehe wie es dir genauso unangenehm ist wie mir. Aber weil du weißt, was du verloren hast. Das, was ich auch verloren habe, nur war es bei mir immer schwerer, immer heftiger, immer wichtiger. War ich die, die liegen blieb, während du davonzogst.

Und nach all dem Sex stehst du vor mir und tust so als wären wir alte Bekannte. Als wären wir Freunde, die sich lange nicht gesehen haben. Als wären wir noch das Wir, das du und ich nie waren. Wie du lächelst als ich keine Maske mehr trage als hättest du auf den vollen Anblick gewartet. Als würdest du dich gerade daran erinnern, wie schön ich bin. Wie oft wir uns geküsst haben. 

Ich bin nicht mehr die von damals, du dafür umso mehr du. Du erzählst wie selbstverständlich, dass du bald wieder her ziehst. Dass wir uns dann sehen können. Während du weißt, dass ich eine echte Beziehung führe. Deine Selbstsicherheit verunsichert und beeindruckt mich. Hat sie schon immer. Gleichermaßen. Es ist dir egal, ob ich was fühle. War es damals, ist es heute. 

Jeder Fremde bemerkt wie nervös du mich machst. Nach all dem. Trotz all dem, was passiert ist. Du hast so lange mein Leben bestimmt ohne dass du ein Teil davon sein wolltest. Und trotzdem stehen wir hier und viel zu viele Leute stehen daneben und denken sich Dinge. Viel zu viele wissen, dass was war zwischen uns. Nicht was. Aber das weiß ich auch nicht. 

Und später während mein Freund neben mir einschläft, schreibst du mir, wie sehr du dich gefreut hast, dass wir uns gesehen haben. Und ich fühle mich als hätte ich jemanden betrogen. Vielleicht am meisten mich selbst. Damit, dass ich dachte es wäre okay dich zu sehen? Damit niemandem zu sagen, dass wir uns gesehen haben? Damit, dass ich mit deinem Umzug so getan habe als gebe es die große Liebe nicht und mich in was Solides gestürzt habe. Was mich gesund macht und was mir Halt gibt? 

Du warst kein Fehler. Mein Leben jetzt ist kein Fehler. Aber du warst Schmerz. Ein Schmerz, der gegangen ist, damit die Wunde dahinter heilen kann. Und dennoch reizt es den Schmerz nochmal zu spüren. Heute reist du wieder ab und ich weiß, du kommst wieder aber bis dahin ist die Wunde immer mehr eine Narbe.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Du willst nicht mehr wachsen, dich nicht neu erfinden. Du willst nicht gewinnen, am besten einfach verschwinden

Irgendwann hat man genug. Genug gesehen, genug geschmeckt, genug gehört. Genug gewonnen, genug konsumiert, genug erlebt. Genug verloren, genug verlassen, genug gelitten.

Irgendwann will man nicht mehr höher, schneller, weiter. Nicht mehr mehr, nicht mehr weniger, nicht mehr sein.

"Aber du musst über ihn hinwegkommen", "So jemanden hast du nicht verdient", "Es gibt jemanden, der besser passt": weiter, mehr, besser. Nichts davon interessiert mich. 

Dienstag kam er zu mir, nahm Abschied. Oder viel mehr tat ich es. Ich war es, die geweint hat. Ich war die, die er zurückließ. Er ging einfach, er verabschiedet sich nicht. Für ihn war es kein Ende, kein Verlust, kein emotionaler Moment. Für ihn war es eine Verpflichtung, eine Höflichkeit, wenn man bösartig denkt vielleicht gar eine Art Strategie. 

Wir reden den ganzen Abend über Bayreuth, wie weit das vom Ruhrgebiet entfernt ist, wo er dort unterkommen wird, wie sein neuer Job ist und dass er so wohl nicht oft hier sein wird. Er sagt es fällt ihm schwer Abschied zu nehmen, schwer hierwegzugehen. Und alles in mir schreit, schon seit Tagen. Seit ich weiß, dass er geht. Endgültig. 

Ich sage: "in einem schlechten Kitschfilm würde ich dir jetzt sagen "bitte bleib"" und fange noch bevor ich den halben Satz gesagt habe, an zu weinen. Natürlich hatten wir vorher Sex, vielleicht war er nur dafür da. Er hat zwei Orangen gegessen, mir erzählt, dass sein neuer Job nur bis August befristet ist und er es sich durchaus vorstellen kann, danach wiederzukommen. Hierher. 

"Weißt du, ich habe versucht nicht emotional zu sein. Wirklich. Aber wir haben hier seit zwei Jahren was weiß ich am Laufen. Du hast es vorletzten Oktober beendet und im darauffolgenden Februar wieder angefangen. Und es lief bis heute und du tust so als könntest du gehen ohne ein Wort darüber zu verlieren. So wenig emotional kann ich nicht sein. Belastet dich das gar nicht?"

"Ich wusste nicht, dass dich das so trifft. Irgendwie war ich so sehr mit dem Umzug und sowas beschäftigt, dass ich vergessen habe, wie es anderen geht. Ich meine, wir haben ja jetzt auch keine feste Beziehung geführt zwei Jahre lang. Dann wäre es sicherlich was anderes. Und ich habe den Umzug eh noch nicht realisiert aber ehrlicherweise trifft mich das nicht so."

Ich nicke und murmele, dass ich das schon verstehe. Dann legt er seinen Arm um mich, streicht mir zum Trost über den Nacken und über den Rücken. Er ist überfordert mit meinen Gefühlen und dann sucht er Nähe. Aus Reflex lehne ich mich an seine Brust, woraufhin er kurz aufhört zu atmen und zu streichen. Ebenso reflexartig setze ich mich wieder auf. Er sagt: "Du kannst mich jederzeit in Bayreuth besuchen kommen und ich meine, in gut 8 Monaten bin ich da ja auch schon wieder fertig." Ich seh ihn an und lache "So weit soll ich für dich fahren? Bild dir jetzt mal nichts ein.". Er lächelt. "Zum Wandern bist du schon ganz andere Strecken gefahren. Und ich kann dir dann die besten Ecken zeigen." 

Danach gehen wir zusammen zur Bahn und er sagt "Schreib mir immer, wenn du mir schreiben willst. Spar dir keine Gedanken" - "Das willst du sicherlich nicht" - "Ich hab es dir gerade erlaubt" - "Dann schreib du auch mal mehr" Sobald er eingestiegen ist, drehe ich mich um. Mir wurde noch nie so liebevoll gesagt, dass er nichts für mich empfindet. Dass es nicht mehr als Sex. An keinem Tag dieser zwei Jahre. 

Und während ich nach Hause lief, zerbrach ich in tausend Teile. Sie verstreuten sich im Wind und ich weiß nicht, ob ich sie wiederfinde oder sie wiederfinden will.

 

Montag, 7. September 2020

"Ich bau' es auf, mach's kaputt, brenn' es ab. Wie ich's mag, jeden Tag, so lang, bis alles schwarz ist"

Von Außen.

Hallo, ich führe das perfekte Leben. Ich habe Jobangebote von den größten Häusern NRWs. Ich habe Freunde denen ich einfach schreiben kann, denen ich alles schreiben kann. Ich habe regelmäßig Sex mit der selben Person, das nun seit fast zwei Jahren. Arbeitsbedingt sehen wir uns nicht so oft, aber das ist für uns beide arbeitstechnisch auch kaum anders möglich. Deshalb ist das total verständlich. Aber immer, wenn ich über ihn rede, wirkt es so als ob wir die Zeit, die wir haben bestens nutzen. Natürlich ist es kompliziert, dass sein Vertrag auch ausläuft und er bald wegziehen wird, weil er hier nichts findet. 


Von Innen.

Ich führe kein Leben, es führt mich. Ich habe Jobangebote von zwei Theater/Konzerthäusern in NRW und eines davon habe ich bereits abgelehnt, weil ich meinen Arbeitgeber nicht wechseln möchte. Mein Arbeitgeber möchte mich aber nicht. Ich möchte, er nicht so ganz, er möchte nur warmhalten. Ich habe unregelmäßig Sex mit einem wundervollen Menschen, dem ich viel zu früh, viel zu stark, viel zu sehr mein Herz geschenkt habe. Und er hat es verdient. Nur möchte er es nicht so ganz, möchte es nicht aufbewahren und hat nie in Erwägung gezogen seines zu verschenken, vor allem nicht an mich. Wir sehen uns dann, wenn er das will. Manchmal auch aus Mitleid, habe ich im Gefühl. Bald zieht er weg, schätze ich. Niemand weiß jetzt gerade wohin. Er hat sich nirgends hier beworben, vielleicht will er auch einfach nicht bleiben. Nicht bei mir. 


Im Inneren.

Und seitdem ich das alles weiß, grabe ich mein Loch, denn es ist schon wieder so weit: ich verliere alles. Alles, was ich brauche, alles, was ich schätze, alles, was ich liebe. Und dann sitz ich hier oder dort an irgendeinem Schalter dieser Welt und lächele Kund*innen an. Lächele in die Welt. Doch mein Herz und Hirn, sie sind schwarz. Und nichts lächelt mehr.

Samstag, 29. Dezember 2018

Wenn im komplett vollen Leben noch Platz für Sehnsucht ist.


Du fehlst mir. Du fehlst mir. Du fehlst mir. So sehr, dass es mich nicht loslässt. Bei jedem Einatmen wirkt es wie eine Blockade, die den letzten Hauch von Luft nicht in meine Lungen lässt. Bei jedem Frühstück fehlst du auf dem Platz gegenüber von mir. Dabei haben wir nicht einmal zusammen gefrühstückt. Dafür müsstest du ja auch erstmal überhaupt über Nacht bleiben. Dabei hast du das zweimal getan: bist zweimal neben mir eingeschlafen und zweimal neben mir aufgewacht. Ich habe das noch nie getan. Ich bin noch nie bei dir liegen geblieben, habe mich bei dir eingenistet, zumindest für wenige Stunden, für ein kleines Stückchen Leben. Ich möchte nicht in einigen Monaten Tränenüberströmt in meinem Zimmer sitzen und denken: „Wieso habe ich dies und das nie getan?“ Ich möchte in diesen einigen Monaten dort sitzen, mit diesen vielen Tränen, die du verdient hast, die du dir verdient hast und denken: „Das war der vielleicht schönste Teil meines Lebens.“

Es fehlt mir, dass du ohne zu fragen zwei Gläser Wein auf den Tisch stellst, weil du weißt, dass ich auch allein trinken würde, wenn du nicht hier wärst. Dabei verurteilst du mich keine Sekunde. Es fehlt mir, dass du dich seit deinem ersten Eintreffen hier fühlst und benimmst als wärst du zuhause. Du gehst an meine Schränke, kochst uns Essen und versuchst dabei doch zu wenig von mir zu nehmen wie du kannst.

Jede Nachricht, die du mir schreibst, nachdem du wohl gespürt haben musst, wie grausam meine Schicht war, macht irgendetwas in mir lebendig. Lässt mich wieder etwas mehr an die grausame Menschheit glauben. Einem Glauben, den ich vor so langer Zeit aufgegeben habe.

Du fehlst mir. Mir fehlt das Uns. Das Uns, das nichts ist. Wir führen keine Beziehung, auch wenn es so viele Dinge, so viele Nanomomente gibt, die was anderes behaupten. Jeder, der unsere Geschichte ganz hört, weiß, nein, glaubt ganz fest an uns. An ein wahres Uns. Vielleicht werde ich die ganze Geschichte hier einmal veröffentlichen. Keine pure Sex-Geschichte, die für beide Seiten keine Rolle spielt. Keine bloße Lustbefriedigung, sondern fast sowas wie echte Gefühle, die natürlich keiner von uns haben darf: immerhin haben wir ja nur Sex, nicht wahr? Und Sex, ja unser Sex fehlt mir am wenigsten.

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Es tut mir Leid, dass ich mich ewig nicht gemeldet habe. Ewig kein Zeichen von mir habe hören lassen. Aber es gibt Zeiten da fällt es mir schwer. Und momentan ist da so viel Arbeit, überall ist diese Arbeit und so wenig Leben und so wenig Zeit. Dabei denke ich an so viele von euch so oft und frage mich, was ihr tut. Und dann stell ich mir vor, dass ihr glücklich seid und gerade herzhaft lacht und dann hoffe ich das einfach so sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Sag bescheid, wenn es Zeit ist zu bleiben, dann bleibe ich. Was soll ich sonst auch machen: Es wird schon gehen. Wenn es was zu verstehen gibt, versteh ich dich!


Sein erster Satz beschreibt meinen Kaffee Konsum, seine Rücksicht darauf, sodass er nicht mal seinen Kaffee getrunken hat, damit wir ihn zusammen trinken. Immerhin bräuchte ich ja immer Kaffee und er hat sonst nur sehr wenige, er korrgiert gar keine Freunde, die mit ihm Kaffee trinken. M. erinnert sich an so vieles von uns. An alles. Als wäre es ihm genauso wichtig wie mir, aber das ist es nicht. Wir gehen also zwei Kaffee, drei Bier trinken. Er kennt mich vielleicht wie niemand zuvor. Wie jemand, dem ich mich in dem Glauben geöffnet habe, dass wir ein Paar werden. Ein Wir. Und wir wären ein fantastisches Wir. Wir sind uns so ähnlich, ergänzen uns so perfekt. In allen Themen, in den meisten Gefühlen über Etwas, nur halt nicht über das eine. Ihr wisst schon. Vielleicht denkt jetzt jemand, dass ich ja schon Beziehungen geführt habe und das ist richtig, aber niemals mit so viel Gefühl. Niemals mit so viel Herz. Man könne sagen: auch niemals mit so viel Sicherheit, dass es richtig wäre.

Das Treffen wurde geplant, weil ich geäußert habe, dass ich noch ein Geschenk zu seinem inzwischen seit einem Monat vergangenen Geburtstag habe und ich eigentlich dachte ihn in der Uni zu sehen. Aber das tun wir nicht. Zumindest nicht offiziell. Was sich so anfühlt als hätte jemand den Alltag, meinen Alltag, genommen und ihn in der Luft zerrissen. Aus jeden Mittwoch, wurde nichts. Nicht nur die Hoffnung wurde genommen, sondern auch die Existenz, die Präsenz, seine Präsenz. Und so wenig manchmal bei unseren wöchentlichen Gesprächen herumgekommen ist, so fehlt mir jede Kinoempfehlung, jede Familiengeschichte und jede Musikanektode. Alles an ihm fehlt meinem Herz trotz der drei Monate „Abstinenz“ und „Erkenntnis“ der Lage. Auch wenn ich nicht weiß, wie viel ich wirklich verstanden habe. Wenn Menschen einmal als perfekt erkannt wurden, ist schwer los zulassen und wieso auch? Es gibt ja nichts "Falsches" an ihm. Es gibt nur eben keine Gefühle für mich in ihm (und vielleicht macht es ihn umso perfekter). Was an mir "zu viel" ist, ist an ihm "zu wenig". Ein Ungleichgewicht, eine Störung der Balance. Und während es ihn wenig aus der Balance wirft, wirft es mich vom Hochpunkt zum Tiefpunkt. Sagen wir kurz vor diesen, denn ich habe ihn nicht ganz verloren. Er ist noch da. 

"Menschen wie du", er unterbricht, "Du, da ich keine vergleichbaren Menschen kenne, sind einfach das Optimum für mich. Auf der einen Seite wahrhafte Philosophin, auf der anderen Seite Fußballfan . Das ist die Hoffnung des Menschheit". Wir haben uns lange über Klischee-Fans und den Unterschied zu anderen Ländern und anderen Sportarten unterhalten, bis er gefragt hat, ob ich auch viel Fußball gucke. Eine Sache, die an ihm vorbeigegangen zu sein scheint, aber ja nicht besonders unerheblich in meinem Leben ist. Und gerade der Punkt, dass der Akademiker ebenso in der Kurve steht, macht für mich Fußball auch ein stückweit aus.

Er sitzt mir gegenüber im Anzug, mit Hemd, die Haare etwas kürzer als sonst, aber immer noch Er. Ich gebe ihm in einem stilleren Moment, nachdem wir die Kino-Landschaft der letzten Wochen gesprochen haben, sein Geschenk. Er fragt, ob er erst den Umschlag öffnen soll oder das Paket. "Ist mir egal, aber fang mit dem Umschlag", sage ich und muss lachen. Teils aus Verlegenheit, teils aus Bekenntnis der Unsinnigkeit meiner Aussage. Er öffnet den Umschlag, zieht die "Geburtstags"-Karte mit dem Spruch "Wer hat dir den Mist erzählt, dass du glücklich sein musst?" [aus einem Theaterstück, das wir zuletzt zusammen gesehen habem] heraus und sagt Worte, die so wundervoll passend und wundervoll verletztend sind, wie sie nur sein können: "Läge dieses Paket vor meiner Tür und ich würde nur diese Karte sehen, wüsste ich von wem diesem Geschenk ist". Ja, sieh her, das bin ich. Die Person, die du nur an einem Satz erkennst. Die Person, die offensichtlich etwas einmaliges für dich an sich hat. Die übrigens auch etwas einmaliges für dich empfindet. Auf der Karte steht nichts Weltbewegendes, sondern vor allem Anspielungen auf den Film "Der seidene Faden" mit Daniel Day-Lewis, welchen wir beide grandios finden. Passend dazu gibt es im Paket ein Pilze-Buch, eine Packung grünen Bio-Tee und eine CD mit den besten Songs des Jahres bis April. Während die ersten beiden Geschenke passend zum Film sind, ist letzteres eine Anspielung darauf, dass er sich nie Musik anhört, wenn ich ihm diese empfehle, obwohl er dem immer zusagt. Während dem Lesen der Karte und dem Auspacken der anderen Dinge, lacht er von Herzen, freut sich von Herzen. Das kann niemand spielen und vor allem ist M. jemand, der das weder kann noch tun würde. Nachdem er alles genau betrachtet, sieht er mich an und sagt: "Das gehört eindeutig zu den besten Geschenken, die ich je bekommen habe. Das ist genau der Sinn von Geburtstagen: Nicht dieses "diesen Monat bekommst du 25€ im Umschlag und in 5 Monaten bekomme ich die zurückgeschenkt", sondern das hier drückt deine Art aus, ist unglaublich kreativ und gefällt und passt perfekt zu mir. Verflucht gut, herzlichen Dank". Dann umarmt er mich. Und in mir schlägt das Herz hoch, wegen der Freude, der wahren positiven Emotion und fällt dann ganz langsam wieder zusammen. Sein Zusatz folgt: "Du hast zwar erst im September Geburtstag, aber ich habe das Gefühl, ich muss jetzt anfangen nachzudenken, um auch nur annäherend dem gleich zu kommen", sagt er und versteckt sich hinter seiner Hand in dem Glauben, dies nicht zu schaffen.

Ich bin verliebt wie an Tag 1. Eine Wahrheit, die ich mir unter Tränen in der Bahn eingestehe. Eine unerschütterliche Wahrheit. Und es zerreißt mich. Es tut weh. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder laut schreien sollte. Oder einfach beides. Ich fühle mich als ob ich verblute, ohne zu bluten, mit zu viel Blut. Vielleicht tut dieses Jetzt noch mehr weh als der Zustand vorher. Aber ich weiß, dass es ein "Ganz ohne Ihn", ein "Ganz ohne mich" ist. Und solange es dieses Bisschen von ihm gibt, gibt es halt auch noch ein bisschen von mir. Und das ist immerhin besser als nichts. Denke ich.

Samstag, 24. Februar 2018

The room is spinning. My mind is a thousand miles away but it is still right here. I'm thinking about you. I hear there is someone else. Oh. God. I cant fucking breathe.

Die letzten vier Monate waren vermutlich die schönsten meines Lebens. Zeit, die ich nicht vermissen möchte. Zeit, die mich zum Strahlen gebracht hat. Ein Strahlen, dessen ich mir nicht bewusst war. Ich nannte es gerne das "unverschämte Glück". Eines, welches vielleicht nicht verdient habe. Aber ich möchte diese Zeit hier festhalten, auch wenn es schwer ist daran zu denken. Ich nehme euch mit auf diese Reise. Ich schließe beinahe an meinen letzten Post an.

Wir sind im Dezember '17. Der Lesekreis wurde um eine Woche verschoben, M. und ich nutzen die Chance für den versprochenen "Kaffee", vorher empfielt er mir noch den Film "Ghost Story", welcher wohl einer der romantischsten Filme ist, die ich jemals gesehen habe. Das ist wahre Romantik, wenn auch verbunden mit starker Nostalgie. Dieser Film ist eines unserer Hauptthemen, weil wir immer wieder darauf zurückkommen. So saßen wir zunächst in einer der schöneren Standard-Ruhrpott-Kneipen und tranken Kaffee bis er vorschlug, etwas essen zu gehen. Da wir in seiner Stadt waren, wählte er fix einen Italiener aus. Kerzenschein, Pasta und eine Rechnung, die kommentarlos von ihm bezahlt wird, auch wenn ich es nicht wollte. Bei meinem Einspruch schüttelt er nur den Kopf und meint: "Du hast doch das Abenteuer auf dich genommen hierher zu kommen, dann kann ich immerhin zahlen." Ein Abenteuer, ein Tor in neue Zeiten. Er bringt mich zur Bahn, dankt mir für den schönen Abend und ich solle mich melden, wenn ich zuhause bin. "Ganz im Sinne Hollywoods muss die Fortsetzung in Produktion gehen!", ist der zunächst letzte Satz, den wir über diesen Abend verlieren.

Bereits einen Tag später sehen wir uns beim Lesekreis zusammen mit P; M. verheimlicht nicht, dass wir uns gesehen habe. Spricht es sogar zum Teil ziemlich direkt an.(P. weiß von mir sowieso zu jeder Zeit bescheid). Der Abend verläuft sehr philosophisch, auch wenn ich immer wieder erstaunt darüber bin, wie intelligent diese beiden Herren am Tisch sind. Kierkegaard zieht mehr oder weniger an mir vorbei. Auf dem Rückweg möchte M. hingegen meiner Annahme, dass wir dieselbe Bahn nehmen, einen anderen Weg fahren, was mich zunächst enttäuscht. Doch kurz bevor die Türen sich schließen, schiebt er sich doch noch gallant in meine Bahn. Suchend blickt er sich um und als er mich sieht quetscht er sich zu mir durch. "Hast du dich umentschieden?", frage ich. "Ja, manchmal phantasiere ich, dass es Bahnen gibt, die mich nach Hause fahren, die es gar nicht mehr gibt um die Uhrzeit". Da meine Bahnfahrt nur wenige Minuten dauert, nehme ich meinen Mut zusammen und frage, ob wir uns in diesem Jahr noch sehen. "Ich würde dich sehr gerne noch sehen, aber ich kann es dir nicht versprechen, weil zu Weihnachten immer alle zuhause sind, aber spätestens in der ersten Woche im neuen Jahr. Du bekommst nun in jedem Fall das Vortrittsrecht" Mit dem besten Gefühl des Jahres gehe ich nach Hause. Über Weihnachten schreiben wir zwischenzeitlich, aber nicht viel. Allgemein ist dies eine persönliche und sehr selten mediale Beziehung. Wir schreiben nur das nötigste. Allerdings bekomme ich Weihnachten ein sehr niedliches Familienfoto. Ein Zeichen, das er an mich denkt. Vielleicht.

Er: "Also wenn es dir passt, würde sich aktuell entweder der dritte oder der vierte anbieten.." Ich: "Also nur wenn du willst. Ich will dir nicht irgendwie unnötig Zeit wegnehmen oder so." - "Werde diesen Gedanken mal ganz schnell los. So ist es nicht! Ich würde mich freuen, wenn wir uns noch in den Ferien wiedersehen könnten".
Leider wird er den Termin verschieben. Mit der Begründung, dass es stürmt und regnet und er sich einen Plan ausgedacht hat für unser Treffen. Einen Plan, der bei dem Wetter nicht stattfinden kann. Er möchte mir mehr von seiner Heimatgegend zeigen und dafür müssten wir zwischen einzelnen Stationen mehr umher laufen als es bei dem Wetter angenehm wäre. Erst denke ich mir, dass dies eine schlechte Ausrede ist und es doch eigentlich nur darum geht, dass wir uns sehen. Aber auch er selbst gibt zu, dass es beinahe "kindisch" ist, wie pedantisch er auf seinen gut ausgepfeilten Plan besteht. Wir verschieben das Treffen also nur um vier Tage. Und um eine gutpassende, aber schlechte Metapher zu bringen: Er wird mein Herz an dem Tag im Sturm erobern. Wenn dies nicht sowieso schon vorher entschieden war.
Wir spazieren zunächst um einen schönen See und M. erzählt bereits dabei, welche Erinnerungen er mit bestimmten Stellen verbindet. Es ist schön, wie offen er ist. Es ist schön, wie er mich einbindet. Darauf gehen wir im anliegenden Schloss (!) Kaffee trinken, was schon eine sehr märchenhafte Stimmung hervorruft. Ich bin eigentlich ein sehr unromantischer, beinahe platter Mensch, aber das hat Charme. Es ist wundervoll, wie selbstverständlich wir gemeinsam umhergehen, uns puzzle-artig unterhalten. Wir gehen danach asiatisch essen. Unser Thema verlagert sich zunächst auf Bücher, dann auf Serien und einen neu-empfohlenen Film. Im Restaurant stellt er das erste Mal die Rechnung zur Diskussion und erklärt dem Kellner, dass seine Begleitung ihn wohl gleiche verlasse, wenn er nicht langsam mal die Rechnung trennen lässt. Den Kaffee hat er dreisterweise bezahlt, während ich die Toilette aufgesucht habe. Entgegen seiner Erwartung bezahle ich die Rechnung ganz. Wenigstens ein wenig gelogene Fairness.
Wir spazieren eine ganze Weile Richtung S-Bahn und als ich gerade auf die andere Seite laufen wollte, fragt er ob wir nicht noch einen Absacker trinken gehen wollen. Also bewegen wir uns in eine Kneipe in S-Bahn-Nähe und trinken jeweils zwei Bier. Das Gefühl, dass ich nicht gehen will. Das Gefühl, dass er entweder einen sehr langen Plan hatte oder das Gefühl erwidert. Das "Beieinander-Sein-Wollen". Wir reden dabei vor allem über die Schulzeit und Erinnerungen. Es ist zumindest für mich sehr intim, sehr persönlich. Als wir über die nächste Zeit reden, frag ich ihn, ob ich ihm einen besonderen Ort zeigen darf beim nächsten Mal, nämlich mein Lieblingsantiquariat. Und naja, jeder der mich ein wenig kennt, weiß, was das bedeutet: meine potentiellen Bücher teile ich nicht mit jedem.

Ende Januar kommt dann das dritte Treffen. Nachdem ich nicht mehr richtig dran geglaubt habe, schickt er mir nur Uhrzeit und Ort. Wir gehen ins Kino. Natürlich hat er den Film ausgesucht. Alles andere würde wohl auch in einer mittelschweren Katastrophe enden. Ich erzähle ihm vom Bowie-Musical, das in den nächsten Monaten in Düsseldorf am Theater läuft. Und er scheint erfreut, ist sich aber nicht sicher, ob er sich als riesen Bowie-Fan wirklich etwas angucken kann, bei dem Bowie mehr oder weniger gecovert wird. Doch er sagt, er überlegt es sich und lädt mich kurzerhand ein, dass wenn er rein geht, wir natürlich zusammengehen.
Im Kino bestätigt er die Frage nach einem Partnersitz. Einfach so. Als wärs nichts.  Wir schauen "Three Billboards outside Ebbing, Missouri", der wirklich zu empfehlen ist, aber ebenso viele Kritikpunkte aufweist, die wir danach bei einem Bier im Café um die Ecke diskutieren. Während des Filmes gibt es immer wieder Momente, wo wir uns anschauen. Momente, wo er mir was zuflüstert. Momente der Nervosität bei mir. Immer wieder beim Gespräch im Café sprechen wir über die nächsten Filme, die wir gucken. Darüber, dass er das mit dem Antiquariat einfach vergessen hat, aber es jetzt "ganz oben auf der Liste" steht. Wir schreiben danach.
Er: "Ich fand es auch einen schönen Abend, vielleicht sogar, weil der Film nicht ganz hingehauen hat und er uns dadurch viel zum Schmunzeln gebracht hat!" - "Heißt das im Umkehrschluss, dass wir einen schlechten Abend haben, wenn wir dann einen richtig guten Film gucken?" - "Diese These lassen wir mal im Raum stehen und werden sie demnächst in den Praxistest schicken!"

Neun (!) Tage darauf haben wir wieder Lesekreis und M. verhält sich wie sonst, aber es gibt diese kurzen Momente, in denen er schrecklich distanziert ist. Ich bin ein Beobachter, ich habe sowas zu oft gesehen, um zu sagen, er hat nur einen schlechten Tag. Ich wusste, ich habe verloren. Das alles. Bereits in dieser Nacht weine ich wie ein Mensch, der seine Zukunft verloren hat. Seine Sicherheit. Irgendwie alles. Am nächsten Tag schreibt er mir, dass er am nächsten Tag nicht in die Uni kommt und wir uns nicht sehen. Und, dass er sich den Bowie-Musical-Trailer angeguckt hat und sich das wirklich nicht geben kann. Aber er hoffe, er hätte mir nichts versaut, worauf ich mich gefreut hätte. Ich antworte, dass ich mich wenn überhaupt auf die gemeinsame Zeit gefreut habe. Alles oder Nichts. Und jeder weiß, was bei so einer Entscheidung in meiner Welt passiert. Ich verliere Alles. Mit einer Nachricht fühle ich mich als wären die letzten Monate tot, zerstört. "Das tut mir auch Leid. Damit hast du mir allerdings leider auch ein gutes Stichwort gegeben: ich werde die kommende Zeit nicht unbedingt mehr Zeit haben, da ich jemanden kennengelernt habe. Das sollte ich dir fairerweise sagen." Kennengelernt. Fairerweise. Ich lese die Nachricht und habe das Gefühl, dass ich zu lange vergesse weiteratmen zu müssen. Ich lese diese Nachricht immer wieder, auch wenn es beim ersten Mal bereits deutlich war. Irgendwann kann ich die Nachricht vor lauter Tränen nicht mal mehr entziffern, aber ich konnte sie getrost auswendig. Das nachfolgende Gespräch tippe ich einfach ab. Ungeschnitten.

Ich: Ich weiß ehrlich gesagt nicht so rictig wie man darauf angemessen reagiert bzw. wie ich das tun sollte. Ich wünsche dir viel Glück irgendwie. Ob ich das selbst auch als unbedingt fair sehe, lass ich einfach dahingestellt.
Er: (20:33) Du scheinst dich verletzt zu fühlen (?)
Er: (20:48) Ich wollte damit nicht angedeutet haben, dass du damit für mich Geschichte bist. Nur weil ich mit jemandem zusammen bin, kann mir unsere Freundschaft dennoch etwas bedeuten.
Ich: Entschuldige, dass ich immer so versetzt antworte. Und entschuldige meine Reaktion. Ich freu mich für dich, wirklich. Und ich freu mich auch, wenn du mich irgendwo dazwischen einschieben kannst zwischendurch.
Er: Dafür brauchst du dich nicht zu entschuldigen. Und falls du es doch nicht ganz ehrlich meinst, dann bräuchtest du dich auch dafür nicht zu entschuldigen. Am liebsten hätte ich es dir gestern [Lesekreis] schon gesagt, aber ich ahbe nicht wirklich den richtigen Moment erwischt. Mir war nur deswegen wichtig, dass ich dir das sage, damit du dich nicht irgendwann betrogen oder an der Nase herumgeführt fühlst, falls du dir überhaupt etwas von mir erhofft haben solltest, was über eine Freundschaft hinausgeht. Mit "kennengelernt" habe ich mich übrigens völlig unpräzise ausgedrückt, denn ich kenne die Person eigentlich schon seit über einem Jahr. Und dass wir zusammen sein wollen, haben wir erst Anfang letzter Woche "entschieden". Ich bin mir nach deiner ersten Reaktion nun unsicher, ob ich dich enttäuscht habe, ob ich die vergangenen Wochen dir "falsche" Signale gesendet habe. Jedenfalls werde ich nicht den Eindruck los, dich gekränkt zu haben...
Ich: Ja ich wundere mich auch etwas darüber, dass du sowas über Whatsapp klärst, aber vielleicht ist das auch besser für mich. Hoffnungen sind halt so komische Gedanken, die manchmal durch offensichtliche Fehlinterpretation angeblicher Singale entstehen und am Ende ist man ein verletzter Idiot. Du musst deine Beziehung wahrlich nicht vor mir rechtfertigen.
Er:Ich hasse es hier zu schreiben. Wenn du also nochmal vis a vis darüber sprechen möchtest, gerne! Aber eines noch: ganz unschuldig werde ich gewiss nicht gewesen sein, wenn falsche Erwartungen aufgebaut wurden. Dass du dich jetzt wie eine Idiotion vorkommen magst, möchte ich nicht. Ich gehöre nunmal zu der Sorte, die auch mit Frauen befreundet sein kann, ohne weitere Absichten zu verfolgen. Ich weiß, dass das den einen oder die andere irritiert. Die Erfahrung habe ich bereits gemacht. Vielleicht hätte ich daher früher und direkter kommunizieren sollen, worum es mir geht.
Ich: Ich gehöre zu der Sorte, die auch mit Männern befreundet sein kann. Aber die Fähigkeit ist ja (leider) kein Ausschlusskritierium für alles andere. Und ich dachte, ich gehöre zu den wenigen Pessimisten der Welt, die sich nicht zu schnell Hoffnungen machen, aber wie schreibt Jane Auste so schön: "In Liebesdingen sind wir alle Närrinnen"
Er: Gut, Jane Austen werde ich kaum etwas hinzuzufügen haben. Die hat einfach immer Recht.
Ich: Eins muss ich aber noch los werden, bevor wir Jane Austen die Welt beherrschen lassen können: Ich hoffe, ich "verliere" nicht dadurch, dass ich ehrlich war und nicht so getan habe als wäre es mir vollkommen egal.
Er: Was sagst dud enn da!? Das wäre doch völlig absurd. Ich bin dir dankbar, dass du ehrlich warst. Schließlich wollte ich dir das gegenüber auch sein. Wenn überhaupt hast du daher in meinen Augen gewonnen. Wir uns also einig, dass hier nichts kaputt gegangen ist (?)


Diese Zeit liegt mir jetzt wie Stacheldraht im Magen. Diese Zeit zerfleischt mich von innen und wenn das nicht reicht, helfe ich gerne noch nach. Alles ist kaputt gegangen. Während all dieser Zeit haben wir uns zudem jeden Mittwoch in der Uni gesehen. Wir haben etwa 15 Minuten vor dem Seminar und die Heimfahrt von 20 Minuten miteinander verbracht. Als wäre es Alltag. Als würde es nie weggehen. Doch das Semester endet. Das Glück endet. Alles ist endlich. Und ich weiß nicht, wie oft ich das noch lernen muss. Illusion und Schein sind auch endlich. Irgendwann platzt die gottverdammte Blase.
Es sind die kleinen Sachen die zählen, die kleinen Dinge, die sich summieren. Es ist der Pärchensitz im Kino, das Bezahlen jeder Rechnung, der perfekte Plan, die hunderten positiven Nachrichten, das Weihnachtsfoto, die hundert geplanten Treffen für die Zukunft. Es sind diese Dinge, die jetzt wie Messer in mir stecken. Und jedes Messer trifft.

Seit fast 2 Wochen liege ich also jetzt im Bett und weine. Ich weine jeden verfluchten Tag. Und dann betrinke ich mich, wobei das in den letzten Tagen auch nicht mehr hilft. Ich rauche, aber selbst das erinnert mich an ihn, also lass ich es wieder. Immer wieder lese ich unsere Chats, resümiere die Treffen und frage mich, wo der Fehler war. Wo war der Punkt, wo die ganze Scheiße zusammengekracht ist? Aber ich finde es nicht. Und wollt ihr mein persönliches Highlight wissen? Letzte Woche hat er, nachdem wir beide über einen Film geschrieben haben, um irgendie Normalität herzustellen, nach einem Treffen gefragt. Komischerweise könnte ich mich dafür aus dem Bett quälen, auch wenn es mir danach vermutlich tausendmal schlechter geht. Und ich habe mich gefreut. Ich habe zu gesagt, weil ich eben eine verliebte Idiotion bin. Es ist nicht so, dass ich verletzt scheine, dass ich mir einige Hoffnungen gemacht habe; Ich habe mein verfluchtes Herz an ihn verloren. Ich brauche auch schon fast zwei Wochen um das zu schreiben, weil ich mich bei jedem Wort in Embryostellung ins Bett zurückwünsche. Heute wäre das Treffen gewesen, aber wegen einem familiären Notfall kann er nicht. Dafür habe ich Verständnis. Er ist sehr familiär. Und ich Idiot wünsche mir nichts anderes als, dass er sich meldet, wie es ihm geht. Dass es ihm verflucht nochmal gut geht. Dass alles gut ausgegangen ist. Dass er glücklich ist. Und das alles während ich einfach innerlich sterbe. Und ich weiß, dass er mir nichts über den Ausgang berichten wird. Ich bin nur eine Freundin, er hat jemanden, der ihm näher steht. Er hat eine Beziehung. Und diese nicht mit mir.


Last night I tried to drink your Name away, but the only think i forgot was how to think straight, but the drunken throughts were you. Its always you. You. You.