Dienstag, 12. November 2013

Ich teil mit dir den größten Moment. Ich teil mit dir die dunkelste Stunde. Ich bin der, der dich wirklich kennt. Ich geh mit dir vor die Hunde. Draußen bringst du alle zum Lachen. Doch im Badezimmer hör ich dich weinen. Ich trag mit dir dein tiefstes Leiden

Ich sitze im Zug. Ich fahre wie jeden Tag nach Bochum. Und mitten auf dieser Fahrt auf der ich das geniale neue Album von Revolverheld höre, vermisse ich A. Es ist unvorstellbar für jeden von euch, denn ihr habt all die schlimmen Dinge gelesen und ja, ich bin mir deren bewusst. Aber gerade jetzt gerade brauche ich jemanden, der mir sagt, was ich hören will. Einer, der sagen kann, was er will, weil es beinahe grundsätzlich richtig war, obwohl es immer weh getan hat. Ich versteh mich gerade selbst nicht. Entschuldigt für die wirren Gedanken. Nur ist es so schwer. So schwer zu atmen, zu denken, selbst das fühlen tut weh, gewissermaßen. Ich könnte einen Tag lang heulen, einfach weil mir danach ist. Aber da ist niemand, der die Tränen jemals wieder trocknen lassen könnte. Also verbiete ich mir diese Tränen, diese Traurigkeit. Und alles bleibt so wie in den letzten Wochen. Ich studiere ohne zu Leben. Ohne zu wissen, wie der süße Duft der Freiheit so war.
Beim Schulabschluss sagt man sich: Dich verliere ich nie. Und eigentlich ist man ab diesem Zeitpunkt verloren. Ich vermisse die Schule, Gerüchte über mich und Lehrer. Ich vermisse sogar diese, die nur Mist über mich geredet haben. Die Schule fehlt mir so sehr wie ein Lächeln im Gesicht. Fehlt mir wie das klopfene Herz in der Brust. Ich gehörte nie zu den Menschen, die die Schule gehasst haben. Aber dass die mir fehlt wie ein verstorbener Teil meiner selbst, damit rechnete ich nicht. Und Herr A. Schreibt mir immer mal wieder und alles was ich zurückgebe sind Erfahrungsberichte. Wie gerne würde ich ihm schreiben, dass es sich wie das Ende anfühlt. Dass ich die Leichtigkeit vermisse, die ich während des Abiturs hatte.
Die meisten von euch denken jetzt sicherlich: Wieso geht sie nicht einfach zu Maxi? Und meine Antwort ist, dass ich nicht kann. Ich rede nicht mit ihm über Schwächen. Ich kann das nicht. Und momentan will ich das nicht. Ich meine immerhin hält er mich für fett und jedes mal wenn ich an ihn denke kommt genau dieser Gedanke wieder hoch.

"Er: Pump? 
Ich: Eine Art Ausdauer Krafttraining 
Er: Kann ich mir nur schlecht vorstellen bei dir wofür denn? 
Ich: Wieso kannst du dir das schlecht vorstellen? Empfindest du mich als so unsportlich? 
Er: Eigentlich schon :p"



Interpretiert das wie ihr wollt aber ich hab das Gefühl mich übergeben zu müssen nur wenn ich an ihn denke.
Ich bin Schnittfrei seit Anfang des Sommers. Wisst ihr wie lange das ist? Wisst ihr, so schwer war das an den meisten Tagen gar nicht. Aber an manchen Tagen da wünsche ich mir das zurück. Das Loch, den Schmerz, das Blut. Weil ich damals nie alleine war. Meine Stimme sagt: "du bist auch dann wieder nicht alleine, wenn du damit wieder anfängst". Aber mein verstand kann die stimme nicht mehr hören. Mein Verstand hört, sieht und riecht nur Mathe. Überall Mathe. Und das einzige, was er, logisch wie er ist sagt, ist: "du bist auch jetzt nicht alleine. Deine Freunde wohnen noch immer in derselben Stadt wie du. Geh zu ihnen und du bist nicht allein, musst nicht verloren gehen." - "Dafür habe ich keine Zeit, erwidere ich. - "Dann nimm sie dir einfach. Ruf deine alten Freundinnen an und mach einen drauf. Geht trinken und Lach endlich mal
wieder." - "ich kann nicht. Der Knoten im.Magen, das Mathe im Kopf sind zuviel. Mein Leben besteht aus Uni." - "weißt du noch wo du letztes mal warst als du die schule zum Hauptpunkt gemacht hast? Irgendwo neben deinem Stuhl am Bluten. Vom Schmerz am Kotzen. Möchtest du da wieder hin?" - "manchmal". Mein Verstand schüttelt den Kopf, schüttelt meinen Kopf. Durchhalten, zwei Semester Mathe sind doch gar nichts. Und Freunde, wer braucht die schon. Und was ist schon Leben, wenn es Mathe gibt? Holt mich jemand hier raus nur für einen Tag? Nur für ein paar Stunden? Vielleicht auch nur für einen Kaffee?

Nun bin ich zu Hause von einem langen Tag, dem längsten der Woche. Auf dem Rückweg habe ich ebenden getroffen, den ich wünschte nicht zu sehen. Maxi. Er stellte sich nehmen mich als wären wir Fremde und grinste. Lächelte mich an, als hätte er nie an mir gezweifelt. Als hätte er nie irgendetwas gesagt. "Wie gehts dir?", fragt er mich. Wisst ihr, dass mich das kaum jemand noch fragt? Weil die meisten wissen, dass ich Lüge. Ständig. Und wenn es mir gut geht, dann glaubt es niemand mehr. "Ich könnte Ruhe gebrauchen. Einen Tag faul sein, weißt du. Nicht den Druck haben, dass alles vorbei ist. Nicht den Gedanken, dass das nie ein Ende hat." - "Ich hab mir zwei Tage, die Woche frei gemacht." - "Wie hast du das geschafft?!" - "Ich schwänze die Vorlesungen, die sowieso online gestellt werden". Ich schüttele den Kopf. Das würde ich mir nie verzeihen. "Es fühlt sich an, als hätte ich dich ewig nicht gesehen." - "Aber so lange ist das doch noch gar nicht her oder doch? Ich träume jede Nacht von dir, deshalb kommst du mir so nah vor", sagt er und lacht. Irgendwann zieht er eine ernstere Miene. "Denise, ich glaub ich schaff das nicht." Er schluckt heftig. "Du hast dein Abitur mit Null Lernaufwand bekommen, dann schaffst du das bestimmt auch. Ist doch nur Mathe". Er schaut mich an. "Du warst immer die bessere von uns beiden in Mathe. Die schlauere, die fleißigere, die zielstrebigere. Und ich sehe dich an und sehe Angst und Verzweifelung, Gedanken des Aufgebens. Und weißt du, in meinem Spiegel sehe ich nichts. Da ist nichts von alledem." - "Vielleicht kennst du mich besser als dich selbst. Maxi, ich kann dich zwar nicht wie ein offenes Buch lesen, aber ich glaube, du hast genau dasselbe an dir. Den Wunsch das alles zu schaffen. Hinter dir zu lassen. Keine zweite Chance suchen zu müssen. Und ich weiß, dass du das schaffen kannst." - "Nur wenn du da bist", flüstert er beinahe lautlos. Wir schauen uns eine Weile nur an, fahren mit dem Zug ohne zu wissen, wann wir wirklich rausmüssen, denn die Zeit steht still.

Dienstag, 5. November 2013

Ich hab eine Antwort, was du auch fragst. Sei laut oder leise, schwach oder stark. Musst noch nicht daran glauben, ich tu's für uns zwei. All die Zweifel lassen wir frei. So viele Freunde, die es mal waren hab ich verloren, verflucht und verjagt. Kommen und gehen war in meinem Herz. Die Liebe war Segen und leidiger Schmerz.

Es ist Mädelsabend. Das erste Mal seit gefühlten Jahren, dass ich mal wieder abends etwas unternehme. Doch eigentlich ist es erst einen Monat her. Einen Monat Uni, nichts als Uni.
Wir unterhalten uns freudig. Erzählen von unseren Abenteuern. K. erzählt, dass es schwer ist, weil sie T. seltener sieht, aber sie ist überzeugt, dass ihre Beziehung das übersteht. Wir spielen "Ich hab noch nie...". Sätze wie "Ich hab noch nie Kalorien gezählt" oder "Ich hab noch nie mein Spiegelbild verachtet" setzen Spritzen, aber sie prallen inzwischen an meiner stahlharten Haut ab. So etwas berührt mich nichtmal ansatzweise. Berührt mich überhaupt noch irgendetwas? Durch das Trinkspiel erfahren wir, dass sowohl K's als auch Lis Beziehung offensichtlich gut laufen. (Dinge, die man nie wissen wollte!). S., als Gastgeberin, möchte schlafen gehen. Die restlichen Mädchen sprengen den Männerabend bei M., wo zusätzlich noch B.(Lis Freund), T. (K's Freund) und P sind. K. wird nicht bei T. übernachten, sondern bei P. Wieso? Ich weiß es nicht. Noch nicht. Ich rede mit K. über ihren Geburtstag und ob sie an diesem Wochenende feiert. Sie verneint und ich erwähne, dass ich da hoffentlich bei Maxi auf dem Geburtstag bin, sofern er feiert. Oder ihn zumindest sehe. Er hat nämlich zwei Tage nach ihr. "Maxi ist der übelste Pfosten also kann dir das ja wohl ziemlich egal sein.", ruft B. in unser Gespräch hinein. "äh, nein?! Maxi ist großartig". - "Er ist arrogant, unverschämt und unglaublich intolerant." - "Er ist ehrlich, wenn du mit der Wahrheit nicht klar kommst, kann ich da nichts für. Außerdem scheinst du ja nicht besonders tolerant, wenn du ihn beleidigen musst, nur weil er nicht so ist, wie du ihn gerne hättest." Li. lenkt ihn ab. Mich berührt noch etwas. Jemand. Währenddessen schreibt Maxi mir. Und jedes seiner Worte ist meine Erholung und nicht dieser Schabernack hier.

Nach dem Abend erzählt mir Anna, dass T. ihr gesagt hat, dass sie bei ihm übernachten solle. Dass bei K. und ihm die Luft raus sei. Und sie deshalb zu ihm kommen sollte. Anna, L. und ich bewegen uns zu Ls Wohnung. Es ist inzwischen halb Vier und mir wird schlecht. Nicht vom Alkohol, dieser konnte mir in der Nacht nichts anhaben, sondern von diesem Verhalten. Bedeutet Liebe nichts mehr? Haben funktionierende Beziehungen an Wert verloren? Denkt überhaupt noch jemand an das Wohlsein des anderen? Welche Dreistigkeit ist es, eine der besten Freundinnen der festen Freundin das Bett anzubieten, welches noch von der zweiten warmgelegen ist? Es ist abscheulich, ekelerregend. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen würde. Vielleicht kritisiere ich auch zu scharf. Aber ich weiß, oh ich schwöre, wenn ich einmal in einer glücklichen Beziehung bin, würde ich alles dafür tun, dass es so bleibt und ganz sicher keinen seiner Freunde einladen, nicht so. T. kann es nicht begründen. T. findet sie, so denke ich, einfach nicht mehr schön. Seit Wochen möchte er, dass K. abnimmt. Manchmal habe ich Angst, dass ich Schuld daran bin. Weil ich gezeigt habe, wie es geht oder wohl eher wie man es nicht machen sollte, aber das wissen die ja nicht. Diese Oberflächlichkeit der Herren hat mich schon krank gemacht, aber verstehen tue ich es dennoch nicht.