Sonntag, 8. Januar 2017

Wieso lächelst du mir zu? Niemand ist so verrückt mich zu lieben bis auf du.

Er lädt mich zu ihm ein, da ich seine Wohnung ja noch nicht kenne. Und auch, wenn es in der heutigen Generation bei 99% aller Fälle eine Sexeinladung ist, weiß ich, dass er das nicht so meint. Ich fahre also um 18 Uhr zu der Haltestelle, sehe ihn, wie er bei -4 Grad frierend wartet. J. ist nämlich der Meinung, dass so eine dicke Sweatshirtsjacke im Winter doch reicht. Nicht, dass ich mich mit Wintermode auszeichnen würde, aber eine dickere Jacke habe ich schon.

Er ist mindestens genauso nervös wie ich, weshalb wir bis in seine Wohnung kaum ein Wort sagen. Brauchen wir vermutlich auch deshalb nicht, weil wir beide wissen, wo wir noch vor zwei Tagen standen und was wir wollten und was wir uns nicht getraut haben. Wir gehen in sein Zimmer, er "führt mich rum" in seiner 16 cm² Wohnung, ein Einzimmerappartment, mit großen Schreibtisch und besonders vielen Regalen aus denen die Bücher nur so raumquillen. Er sagt mir kurz darauf, dass ich mich setzen kann und aus mangelnder Alternative (und dem Nicht-Wahrnehmen des Stuhls in der Ecke) setze ich mich aufs Bett. Er hat sich davor schon für den Schreibtischstuhl entschieden. Es gibt also gut einen Meter Platz zwischen uns.

Wir fangen an uns zu unterhalten, so wie immer. Wie immer gucken wir nicht auf Handys oder Uhren (nicht, dass er eine in dem Zimmer hätte). Wir merken, dass es uns beim sechsten Treffen nun die Themen immer mehr ausgehen. Als wüssten wir alles, was wir wissen müssen. Als ich irgendwann sage, dass ich mal auf die Uhr gucke, denken wir beide, dass es so gegen 22 Uhr ist, während es bereit 1:30 Uhr ist. Völlig irritiert und belustigt sehen wir uns an. "Soviel haben wir dann doch nicht geschwiegen", stellt er beinahe überrascht fest. "Na gut, vielleicht sollte ich den Nachtbus um 02:09 Uhr nehmen, dann kannst du morgen [er hat ein Fußballtunier] noch schlafen und naja, es sind jetzt halt auch verstörende 7,5 Stunden". Wir sind beide immer noch irritiert und verwirrt, da wir beide dachten, dass die Nervösität die Zeit anders verwaltet hätte.

Ich seh wie er tief ein und aus atmet, sich erhebt, irgendwas von "Langsam wird der Stuhl unbequem" murmelt und sich neben mich aufs Bett setzt. "Viel bequemer, was?", sage ich, obwohl wir beide wissen, warum er jetzt neben mir sitzt. "Hätte mir vorher einfallen können", sagt er und muss selbst lachen, weil niemand der Anwesenden ihm glaubt, dass er nicht vorher darüber nachgedacht hat.

Doch plötzlich war es still. Wir sitzen nebeneinander, gucken uns immer wieder an, gucken weg, bleiben beim Blick, können uns nicht bewegen. Er atmet deutlich heftiger als sonst, ich atme so gut wie gar nicht, fühle mich als würde die Situation mich ersticken. Er hat den ersten Schritt mit dem Dazusetzen gemacht. Irgendwie fühle ich mich, als wäre ich eingeladen worden und hätte nicht richtig zugesagt. Nach guten fünf Versuchen mal tief durchzuatmen, schau ich ihn an, sehe wie er leicht lächelt und weiß genau, dass das die Person ist, die immer wollte. Ich lehne mich vorsichtig in seine Richtung, unsere Gesichter kommen uns immer näher, ein letzter kurzer Blick, bis die Augen geschlossen sind und dann schaffen wir es tatsächlich und küssen uns.

Alles danach fühlt sich wie von Raum und Zeit gelöst. Kurz nach dem Kuss zittern wir beide als würde unser Körper mit dem ganzen Glück, mit den ganzen Gefühlen nicht klar kommen.
Wir sitzen bestimmt eine Stunde nur da und er hält mich im Arm, zwischendurch flüstern wir uns etwas zu, als würden wir sonst die Wirklichkeit wecken. "Das passiert wirklich, oder?", frage ich. "Außer wir träumen beide". Später sagt er: "Darauf habe ich jetzt nur ein Jahr gewartet" und lacht. "Dafür mussten wir offensichtlich über 7 Stunden reden und schweigen, allein heute" und wir lachen beide.

"Du hast schon wieder einen Bus verpasst", sagt er um 4:30 Uhr, während wir noch immer nah aneinander dort saßen. "Jetzt fahren doch schon wieder Straßenbahnen" - "Aber weißt du, das mit dem Schlafen wird bei mir eh nichts mehr. Als wenn du willst, kannst du auch einfach bleiben." und kurz danach fallen mir immer wieder die Augen zu, während er mir über den Kopf streichelt und mir beim seeligen Kurzschlaf zusieht. Um 7 Uhr bin ich wieder wach und wir wechseln sozusagen die Rollen, denn er findet langsam in den Schlaf.

Um 10 Uhr nehme ich die Bahn nach Hause und er lässt es sich nicht nehmen mich trotz Massen des Schnees (zumindest für die regionalen Verhältnisse hier) mich zur Haltestelle zu bringen. Als die Bahn langsam in Sicht ist, zieht er mich ran und küsst mich, hält mich dann nochmal fest und küsst mich wieder. Wir lächeln beide und ich steige in die Bahn. Meine kompletten Klamotten riechen nach ihm und ich fühle mich als würde ich als unglaublich müder, aber wohl glücklichster Mensch der Welt diesen Morgen erleben.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Ich gehe Herzwärts. Zu dir. Mit dir.

Mittwoch: Wir sehen uns wieder. Und irgendwie war ich nervös. Weil wir eigentlich wussten, was wir fühlen. Zumindest würde jedes freundschaftliche Interesse an diester Stelle überraschen. Ich hatte im Gefühl, dass du genauso über das Küssen nachgedacht hast, wie ich es getan habe. Wir hatten kein direktes Ziel als wir uns sahen, wir hatten nur einen Treffpunkt ausgemacht. Erst liefen wir wie verlorene Seelen umher, beide so sehr darauf wartend, dass der andere das Herumirren erlöst. Irgendwann bleiben wir auf der Ecke zwischen Hauptbahnhof und Cafe/Kneipen stehen. Er sieht mich an, wir stehen nicht einmal 30 cm von einander entfernt. Ich versuche dem Blick standzuhalten, merke wie sein Blick auf meinen Lippen landet, er grinst kurz, dann der Blick wieder von vorn. Wir beide zappeln dumm mit den Füßen herum aber bewegen uns nicht. Mein Herz schlägt so unkontrolliert, dass ich kaum atme. Irgendwas löst die Spannung und wir beschließen, dass wir ins naheliegende Cafe gehen. Diesmal sitzen wir nicht, wie beim letzten Mal (wir verbrachten unser zweites Treffen schon hier), an einem der beobachtbaren zweier Tische in der ersten Reihe, sondern an einem runden, etwas abseits von allen anderen stehenden Tisch.

Selbst unser Gespräch kommt zunächst schwer in Gange, als hätten wir bereits alles besprochen. Dann reden wir über seinen Arbeitstag, plötzlich über meine Familie, mein Verhätnis zu meinem Vater, wieso ich für mich ausziehen musste. Und dann fragt er: "Darf ich eine vielleicht unangenehme Frage stellen, die du nicht beantworten musst: Als du mich damals nach dem ersten Treffen gefragt hast, war das spontan oder geplant?" Wie ihr wisst, war es geplant, aber ich erzähle ihm jedes Detail, jede Frage, die ich mir gestellt habe, als wäre es eine Aussage vor Gericht, mit soviel mehr Gefühl und deutlich weniger strengen Nachfragen von ihm. Es ist ihm beinahe unangenehm mir diese ganzen Fragen zu stellen, aber es sind diese, die ihn beschäftigen, die ihn wachhalten, wenn er eigentlich schlafen sollte.

Er erzählt mir, dass er schon in dem Seminar vor diesem (also Wintersemester 15/16(!)) absichtlich neben mir saß. Dabei hat er auch meinen Namen herausgefunden, weshalb es ihm überhaupt möglich war, mir eine Email zu schreiben. An dem Freitag nach der Frage nach dem ersten Treffen, wollte er mich nicht ignorieren, aber er hatte einfach keinen Mut mit mir zu sprechen. Er erzählt mir all die Dinge, die er in den ganzen Monaten gedacht hat. Innerlich aufgegeben hatte, weil ich nicht auf "Nichts" reagiert habe. Doch dann kam das Referat, die Blicke und er hat wohl kurz überlegt, ob das alles doch noch Hoffnung hat. Und ist beinahe durchgedreht, als ich ihn nach dem Kaffee gefragt habe.

Es ist gruselig wie ehrlich wir miteinander sind. Es ist beängstigend, wie viele gleiche Gedanken wir uns gemacht haben in den diesen ganzen Tagen. Wir reden auch nochmal über die verlorene Silvesternacht, in der wir nicht wussten, dass es so viel leichter ist über alles zu reden. Dass es uns sogar leicht fällt über all das zu reden.

Als wir dann an der Ubahnstation stehen, müssen wir jeweils 7 Minuten auf die Bahn warten, die von verschiedenen Gleisen fährt, weshalb wir oben bei den Treppen stehen und zusammen warten. Wir hatten gegen Ende des Aufenthaltes im Cafe schon keine richtigen Themen mehr, waren zu sehr damit beschäftigt, was der andere gerade erzählt hat. Aber es gab noch etwas, das uns beide ganz deutlich beschäftigt: die Körperlichkeit. Wir stehen bis zu 3 Minuten da und starren abwechselnd zwischen Augen und Lippen und dem Boden hin und her. Zwischen unseren Füßen liegen maximal 15 cm, schätze ich. Wie schon am Anfang spielt mein Atem verrückt, weiß ich genau, was ich will und mache nichts. Ich kann von ihm nicht erwarten, dass er sich traut. Ich weiß, dass er sich nicht traut. Und ich bin starr. Vor Angst vor dieser Übermacht der Gefühle vielleicht, vor Versagensangst vielleicht auch. Wir gucken beide auf die Anzeige und sehen, dass seine Bahn in einer Minute fährt und er sagt beinahe tonlos: Ich glaube, ich muss los und bleibt trotzdem stehen, bewegt sich kein bisschen. Macht nichtmal Anstalten mich zu verabschieden, als würde er noch auf was warten. Ich gehe auf ihn zu und umarme ihn und renne förmlich in Richtung meiner Treppen. Ich schau nochmal zu ihm zurück, er läuft Richtung seiner Bahn, aber schaut auch zu mir.

Ein Gefühl, das man schwer beschreiben kann. Als hätte man versagt, ohne was getan zu haben. Als wäre das bloße Ausbleiben der Fehler. Mein Herz schlägt noch immer viel zu schnell, mein Atem ist viel zu unkontrolliert. "Hast du deine Bahn noch bekommen?", schreibe ich ihm, weil ich weiß, dass es ihm genauso geht. "Natürlich. Das gerade war mega merkwürdig. Es tut mir Leid" - "Ich wollte mich auch gerade entschuldigen." - "Tja, diesmal war ich schneller.." Er ist so in Gedanken, dass er sogar eine Station zu weit fährt und von der Uni nach Hause läuft, während ich eine zu früh aussteigee, damit ich noch ein paar Meter laufen kann.

Obwohl wir schon wieder 4,5 Stunden zusammen waren, schreiben wir in der Nacht noch gute 3 Stunden weiter. "Es ist glaube ich schon offensichtlich, dass wir gerne zusammen sind. Trotzdem bin ich bei manchen Sachen sehr unsicher und ich weiß nicht, was ich machen soll. Das bitte ich einfach zu entschuldigen", schreibt er kurz bevor wir uns erneut für Freitagabend verabreden. Drei Tage, zwei Treffen, das nennt man wohl Sehnsucht. Später schreibt er dann noch: "Wenn man bedenkt, dass wir vor einem Jahr lang ein Semester lang (mehr oder weniger bewusst) nebeneinander saßen, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln, dann ist das doch ein unfassbarer Fortschritt und ich bin halt einfach froh, dass ich dich kennenlernen darf und hoffe eben, dass es noch lange nicht vorbei ist. So, damit musst du jetzt leben" - "Die wirklich guten Dinge brauchen eben Zeit. Einen Fortschritt, den ich selbst nie für möglich gehalten habe, Es gibt Menschen, die ich durchaus leiden kann, die nicht einmal nach Jahren einen Bruchteil von dem wissen oder gar verstehen. Und dann bist da du, der mir in so vielen Dingen so (beinahe beängstigend) ähnlich ist und es ist so als könnte ich dir alles erzählen, wenn auch manchmal mit mehr Gedanken darüber, obs nicht zu peinlich ist. Ich glaube also, damit kann ich ganz gut leben." - "Ich will das jetzt auch nicht zu weit treiben, aber eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben. Die letzten 4 Wochen waren aber wahrscheinlich die besten in meinem Leben, auch trotz oder gerade wegen der ganzen Aufregung. Nie zuvor habe ich so optimistisch in die Zukunft geblickt. Was auch immer passieren mag, dafür werde ich dir ewig dankbar sein. Jetzt muss aber wirklich gut sein."

Und ich sitze dort und merke zum vermutlich ersten Mal, wie es ist, jemanden aus seinem Loch zu holen. Wie es ist, jemandem Hoffnung zu geben. Und das nicht unbegründet. Alles andere als unbegründet.

Montag, 2. Januar 2017

Wir rutschen tiefer und tiefer und tiefer, tiefer und tiefer ins Glück.



Freitag: J. und ich treffen uns am Hauptbahnhof so wie bisher jedes Mal. Wir wollten ein Cafe ausprobieren, das wir beide nicht kennen. Als wir hereingehen, uns den gefühlt kleinsten Tisch im Laden suchen und uns setzen. Draußen kommen langsam die Wintertemperatur und zunächst ist es zwischen uns still wie Schnee. Ich glaube, wir haben ungefähr 10 Minuten geredet gehabt, als die Frage, ob er Silvester kommen will aus mir herausplatzt. Ich sehe ihm an, dass er sich freut, aber auch kurz zögert und auch nicht klar zeigen will, dass es ihn freut. Er sagt aber zu und das ist das einzige, was mich daran wirklich interessiert. Irgendwann reden wir übers Heiraten und das wir beide das nicht als sinnvoll ansehen, wir reden über Kinder, die Stand jetzt nicht unser Wunsch sind, aber wer weiß, wie sich das ändert.

Dann kommen wir auf das Thema Schule und er öffnet sich mir. Er erzählt mir, dass er kaum Freunde hatte, irgendwie auch nie Anschluss gefunden hat, obwohl er es versucht hat. Ich war darauf nicht vorbereitet und habe versucht zu helfen. Er weiß bis heute nicht, ob er das wirklich verarbeitet hat. Ob es nicht nur an ihm lag. Er war sich bis vor einigen Jahren nicht mal sicher, ob er überhaupt soziale Bindungen bekommt. Und dann saß ich dort, beim dritten außeruniversitären Treffen und fragte mich, wieso niemand diesen wundervollen Menschen gesehen hat.

Dann nach guten 4 Stunden passiert etwas, das vorher nie passiert war, wir schwiegen und hatten beide kein besonderes Thema auf den Lippen, also fing ich an Mist zu reden. Schweigen und damit Blickkontakt herstellen, macht mich nervös. Noch viel nervöser bei ihm. Demnach habe ich mich nach dem Treffen per Nachricht bei ihm entschuldigt: "Es tut mir echt Leid, dass ich so viel Mist geredet habe, irgendwie war ich noch nervöser als sonst und dann kommt auch schon mal Quatsch aus mir raus. Ich hoffe, dir hats trotzdem gefallen." Seine Antwort war: "Finde nicht, dass du viel Mist geredet hast. Meine Auslassung über meine suboptimale Schulzeit sind ja auch nicht so cool gewesen. Dass ich mich mit jemandem stundenlang unterhalten kann, grenzt an ein Wunder und das liegt hauptsächlich an dir. Also mach dir deswegen keine Sorgen"

Samstag/Silvester: Wir waren auf der "Party" nur sieben Leute, was etwas merkwürdig war. Meine Freunde haben J. gut aufgenommen, aber dadurch, dass wir uns ewig kennen, ist es schwer. Während des Abends wirkte er aber zum Teil so leidend, dass ich ihm angeboten habe, eine Auszeit in meinem Zimmer zu nehmen. Dass ich auch mit ihm rausgehen kann. Aber all das hat er verneint. Dadurch, dass irgendwie alle meiner Freunde irgendwelche Ansprüche an sich-treffende-Paare an Silvester hatte, hatte ich sie irgendwie auch. Ich wollte sie nicht haben, aber sie hatten sich in meinen Kopf gepflanzt. Demnach war ich am Ende des Abends irgendwie enttäuscht. Er hatte kaum ein Wort mit mir gewechselt, obwohl er bis 4 Uhr geblieben war.

Als er sich aufbruchsfertig gemacht hat, habe ich ihn gefragt, ob ich ihn zum Bus bringen darf. Was ich gottseidank auch tue, da er keine Ahnung hat, wo der Bus fährt. Plötzlich unterhalten wir uns normal und ich entschuldige mich an die 300 Mal, worauf er 300 Mal sagt, dass es so schlimm nicht war wie es aussah. Der Bus kommt selbst 5 Minuten nach Abfahrzeit nicht an, ich frage ihn, was er macht, wenn der Bus nicht kommt. "Naja laufen." - "Du könntest auch einfach wieder mit reinkommen oder bei mir übernachten" - "Nee, ich kann auch laufen". Ich fühle mich als hätte ich alles falsch gemacht, obwohl es nicht mal ein "Ich will dich ins Bett kriegen"-Angebot war.

Obwohl es bereits 4 Uhr war, hatte ich nichts zu tun außer Musik zu hören und zu zweifeln. "Ich bin jetzt zuhause", ist das erste was ich von ihm höre. "Das ist gut", antworte ich, weil ich nicht anders kann. "Und mach dir bitte nicht so viele Gedanken. Bisher hat mich nichts davon abgehalten dich zu mögen". Erst grinse ich kurz und merke, wie gut er mich einfach schon kennt, was gleichzeitig gruselig ist. Dann stört mich das Wort "mögen". Ich mag ihn nicht nur. Das hier ist etwas elementar anderes und es macht mir Angst. Jedes weitere Wort macht mir Angst, aber dies so stehen zu lassen ist unter meiner Höflichkeitsgrenze. "Gedanken machen ist aber leider voll mein Ding. Aber ich versuchs, wenn du das schon so versicherst.." - "Glaube aber nicht, dass ich mir weniger Gedanken machen könnte." Diese Ähnlichkeit, dieses gleich auf einer Ebene existierende Gefühl, das man sagen kann, was man gerade möchte. In dieser Nacht schlafe ich 2 Stunden unterteilt in gute 3 Phasen. Um halb Neun stehe ich wieder auf und fühle mich genauso beschissen wie vorher. Starr vor Angst und emotional ausgelaugt. Und hoffnungsvoll, irgendwie hoffnungslos.

Sonntag/Neujahr: Der Tag war ein Grauen, aber ich wusste, dass er sich meldet: "Und hat das mit dem Weniger-Gedanken-Machen geklappt?" - "Willst du die Antwort, die du wohl eher hören willst oder die ehrliche?" - "die ehrliche" - "Es hat gar nicht geklappt. Ich bin im Kopf ausschalten einfach nicht gut" - " Tut mir Leid, dass ich sowas bei dir anrichte. Hilft dir wahrscheinlich nicht, aber mir ging es ähnlich. Dazu schaltet mein Körper dann gerne in den Alarmzustand, also Schlafen ist dann erstmal nicht drin." - "Du musst dich sicher nicht dafür entschuldigen, dass es mir wichtig ist, wie du über was denkst.[...] Auch wenn es mir nicht zusteht zu fragen: Wieso hast du dir Gedanken gemacht? Ich meine, du hast das ja nicht inszeniert oder ähnliches" - "Worauf beziehst du dich mit dem nicht inszeniert?" - "Darauf, dass ich dich eingeladen habe, obwohl genau weiß wie unangehm es sein kann in so eine Gruppe zu kommen in der sich alle kennen. [...]" - "Es ist für jeden Menschen schwer [...] Bei mir kommt halt hinzu, dass ich sehr lange brauche, bis ich Menschen vertrauen und mich öffnen kann. [...] Das ist aber nicht dein Problem und ich muss selber damit fertig werden und deshalb überwinde ich mich auch sowas zu machen. Natürlich fühle ich mich auch total geehrt, dass mich jemand so in sein Leben lässt, das ist etwas völlig Unbekanntes für mich."

Ich versichere ihm, dass meine Freunde ihn nett fanden und absolutes Verständnis dafür hatten, dass es nicht so einfach war, da rein zu kommen, wie wir miteinander umgehen im Freundeskreis. Wir kennen uns nunmal seit 7 Jahren und ihn kannten die anderen gar nicht.
Er: "Ich habe mich eigentlich unglaublich gefreut, auch wenn ich das nicht so zeigen kann. Ich bin auch froh, dass ich da war und Silvester mit dir feiern durfte. Ich will auch eigentlich offen sein (was ich auch sonst bei niemandem außer dir kann), zum anderen will ich dir auch nicht nur von meinen Problemen erzählen, weil ich auch nicht will, dass du denkst, ich sei ein sozialunfähiges psychologisches Wrack (was auch nicht so ist, mir fallen nur manceh Dinge schwerer als anderen) und ich will auch nicht immer nur von mir selber reden, weil es für mich ja genauso wichtig ist, wie es dir geht." - "Also falls es dich beruhigt, ich würde dich immer wieder einladen. [...] Ich halte dich nicht für ein Wrack (egal in welcher Kategorie). [...] Mir gehts gut, wenn ich bei dir bin, das ist doch was."

Und ich weiß, er hat dieselbe Angst und sie scheint bei uns beiden so unbegründet. Sie scheint bei beiden so falsch. Und dennoch sind wir die einzigen die uns die Angst nehmen können. Gegenseitig. Zusammen. Und das beste ist, wir beide können uns jede Menge Zeit nehmen uns zu vertrauen zu lernen. Uns aufeinander einzulassen. Weil wir nunmal anders sind. Entfernt von den sozialen Strukturen und dem gesellschaftlichen Druck.