Freitag, 26. Februar 2016

Willkommen Außerhalb der Zeit" Fühlt sich so an wie das weite All. Pustet Milliarden Gedanken frei. In meiner Welt

Gestern war der erste Bibliothekstag seit einer Ewigkeit ohne Tim. Ungewohnt. Aber er musste den ganzen Tag Klausuren schreiben, denn der Perfektionist in ihm erlaubt keine 1,3 in Mengenlehre, sondern nur eine 1,0. Während ich mit meiner 2,7 da sitze und mir denke: ich brauch die Note eh nicht. Für eine wahre Philo-Klausur hätte ich allerdings ähnliche Maßstäbe angesetzt wie er.

Danach schreibt er "richtiges" Mathe. Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ich sitze immernoch in der Bib, in der Hoffnung, wir könnten uns danach sehen. Immerhin hatte er sich letzte Nacht mit "Bis hoffentlich morgen" verabschiedet. Als ich ihn danach per Handy fragte, wie es war, kam nur "Scheiße" zurück. Tim ist niemand bei dem es scheiße läuft in Mathe. Er hats im Blut, irgendwie. Danach war er ziemlich angepisst. Immer wieder entschuldigt er sich dafür, dass er eine leicht aggressive Grundstimmung hat. Ich biete ihm an mit jeder Menge Kaffee oder eben Alkohol vorbeizukommen. Er bedankt sich, aber entscheidet sich für den Sport. Er entschuldigt sich dann dafür, dass er mir auf den Geist geht. Nur tut er das gar nicht. "Mhm ich hab keinen Plan, wieso ich dich mit meinen ganzen bescheuerten Charakterzügen nicht schon verscheucht habe" - "Vielleicht weil ich jede davon besser kenne als du glaubst?" - "Na gut.." Danach fragt er nach meinem Tag, immerhin hat er heute nichts davon mitbekommen. Zum ersten Mal seit langem. Nach 2 Stunden fragt er dann wie gewohnt, ob wir uns morgen sehen und dass er sich freuen würde, wenn wir uns sehen.

Im laufenden Abend stellen wir fest, dass wir zusammen eine Buchhandlung eröffnen müssen. Eine kleine, aber nicht zu kleine Buchhandlung mit vielen Klassikern, ein paar guten Büchern über Naturwissenschaften und etwas Kontroverses über Geschichte. Bequeme Sessel und eine Kaffeemaschine sind absolute Pflicht. In der Philosophie-Abteilung gibt es Precht-Verbot, dafür Schopenhauer-Pflicht. Leuchtreklame und Wühlkisten sind außerdem verboten. Ich kann mir vorstellen, wie wir beide schwärmen und das Bild im Kopf haben. Plötzlich fragt Tim, ob er meinen ersten Absatz für den "Fassaden"-Text lesen kann. Immerhin sei es wichtig, dass in unserer Buchhandlung auch meine Texte gehören. Ich sage ihm, dass er spinnt und lieber mal seine angebliche Talentfreiheit beweisen soll. Jetzt schreibt er mir einen Text.

Dann sehen wir uns heute morgen in der Uni. Ich sitze bei J. und lerne Mathe. Er liest ein Buch. Ist das gerade Rollentausch? J. und ich verzweifeln, nehmen uns eine Auszeit oder wie J. es nannte: "Ich fühle mich, als würde ich euch stören". Ich gehe zu Tim herüber und gucke mir erstmal das Buch an. Es ist das Buch, das er mir eh zeigen wollte. Wir gehen sehr kurz (für unsere Verhältnisse) Kaffee trinken. Er bedankt sich dafür, dass ich bin wie ich bin, wir uns kennengelernt haben, dass wir soviel Zeit verbringen und vorallem, dass ich obwohl er so ein "Kotzbrocken" war, ihn ertragen habe. Ich reagiere falsch. ich bin überrascht. In dieser Welt ist soviel selbstverständlich, dass ich damit nicht gerechnet habe. Kurz nach dem Gesrpäch geht er mit seiner Freundin essen. In diesen Momenten frage ich mich immer, wieso er nie bei N. ist, wenn sie doch an der Uni ist. Er kommt wieder und liest. J. und ich beenden das Lernen, da J. zu ihrem Freund fährt. Ich setz mich zu Tim und wir reden eine Weile. In dieser Zeit stelle ich auch mein  merkwürdiges Verhalten bei dem Dank klar. Ich sage ihm, dass das alles das beste ist, was seit einer Ewigkeit passiert.
Meiner Meinung nach hat er gewartet, bis ich fertig bin. Damit er Zeit mit mir hat. Wo war noch gleich N.?

Bevor wir gehen, muss er noch ein Buch ins Regal zurückbringen. Er fragt, ob ich mitkomme. Die 10 Meter bis zum Regal? Ich finde es komisch, aber gehe trotzdem mal mit. Wir stehen zwischen insgesamt vier Regalen, weiter weg von den Tischen als ich dachte. Niemand hört uns. Niemand sieht uns. Während wir auf dem Weg dorthin geredet haben, hören wir plötzlich auf. Kein Wort. Wir stehen etwa 30 cm von einander entfernt, mehr lässt der Gang nicht zu. Mehr ist nicht nötig. Keiner von uns macht Anstalten sofort zurück zum Platz zu gehen. Wir stehen dort und ich würde versprechen, dass er mein Herz klopfen hört. Unsere Blicke treffen sich und wie beinahe üblich trennen sie sich nicht. Wir atmen beide nicht. Das würde die Stille durchbrechen. Was würde ich darum geben zu wissen, worüber er gerade nachdenkt? Wir bewegen uns keinen Zentimeter, genauso wenig wie unsere Blickrichtung. Plötzlich atmet Tim heftig aus und läuft strickt Richtung der alten Plätze. Ich halte eine Sekunde inne und laufe dann zu meinem Platz.

Noch immer völlig unter Strom fragt mich Tim, ob wir noch ein paar Meter zusammen laufen. Daraus wurde dann ein einstündiger Spaziergang in dem er mir soviel erzählt. Indem ich soviel erzähle. "Du bist echt nicht auf den Mund gefallen, oder?", fragt er. "Manchmal meine ich das gar nicht so böse. Meistens schon", sage ich und lache, da ich ihn zum gefühlt 10ten Mal an diesem Tag geneckt hatte. An der Bahnhaltestelle verpasst er seine Bahn, weil er "Höflichkeit" beweisen wollte und mich zum Abschied umarmen wollte. Da meine Bahn dann früher kam, sah er mich während die Bahn stand und die Türen schloss die ganze Zeit an. Mit dem wundervollsten Lächeln, das es auf der Welt gibt. Vom wundervollsten Menschen.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Nur wer sich ganz dem Augenblick hinzugeben versteht, mag etwas hervorbringen, das keine Zeit zerstört.

Erstmal zur Beruhigung: Das zwischen Tim und mir ist wieder okay. Okay innerhalb der Grenzen der Verdrängung und des Stillschweigens. Wir haben irgendwann angefangen wieder normal zu reden. Und gerade komme ich von einem Date, von einem Treffen mit ihm und Jan. Was so gar nicht geplant war, aber in unserer misslichen Lage vielleicht sogar besser.

Ich habe heute Mittag den Entschluss gefasst, dass ich Tim frage, ob wir heute abend etwas machen. Und wie zu erwarten, hatte er nach seiner Klausuraufsicht Zeit. Dann fragt er so gegen 20 Uhr plötzlich, ob ich was dagegen hätte, wenn Jan mitkommt. Und ich saß dort und fragte mich, ob ich sollte. Ich verbringe soviel Zeit mit ihm allein, vielleicht tut es uns mal gut. Nicht diese Nähe, sondern die Freundschaftsatmosphäre und dennoch Nähe. Also sahen wir uns ab 21 Uhr und wollten eigentlich in "unsere" Kneipe. Da war es aber leider so voll. Dann hat er Jan geschrieben, dass wir in die Innenstadt, ins Kneipenviertel fahren. Tatsächlich war es einer der lustigsten Abende seit einer Ewigkeit. Wieviel Stuss ich geredet haben muss, möchte ich gar nicht so genau wissen. Auf dem Weg zur Bahn hat Tim mich gefragt, ob ich ihm nochmal ein Buch leihen kann. Und er möchte mir unbedingt Eines zeigen. Ein Geben und Nehmen. Nette Vorstellung, in vielerlei Hinsicht. Nur, dass ich meinen Trumpf ("Der Tor und der Tod") schon ausgespielt habe.

Plötzlich erzählt Tim, dass N. ab Dienstag im Urlaub ist. Noch eine Woche. Und dann ist sie vorübergehend weg? Einfach weg? Irgendetwas in mir reagiert panisch, da er noch mittags meinte, dass er ab nächster Woche, auch wegen den Klausuren, mehr Zeit für Dinge hat. Für mich? Für mich und dich? Für uns? Eigentlich wünsche ich mir nichts sehnlicher.

Ich glaube, wer Freunde wie Jan hat, kann kein schlechter Mensch sein. Jan ist großartig. Nicht, dass ich mit irgendeiner Faser meines Körpers daran glaube würde, dass Tim schlecht sei. Ich glaube, Tim versteht mich nicht. Ich ihn ja auch nicht, aber ich glaube, er weiß nicht, was ich fühle. Das Problem hatte Maxi damals schon und bei ihm war es um Meilen offensichtlichter. Gerade beim Verabschieden sagte Tim zu mir, dass er nie weiß, was ich vom Abend halte, weil ich immer so süffisant am Grinsen bin. Und manchmal wüsste er nicht, ob ich über ihn lache oder ob ich mich einfach freue. Er wüsste nicht, wie er mich einschätzen muss. Und vielleicht interpretiere ich schon wieder viel zu viel darein, aber was ist, wenn er es wirklich nicht versteht? Wenn er wirklich glaubt, dass ich ihn nicht in Betracht ziehe? Ich war schon immer noch zurückhaltend, wenn ich mich schon für mutig hielt. War ich jemals mutig? Muss ich es diesmal sein?

Montag, 22. Februar 2016

Stunden sind wir uns einig. Und die Sekunden sind selten, In denen wir es mal nicht sind. Da hinten geht der richtige Zeitpunkt.

Deine Augen strahlen, das Lächeln wird breiter als ich in den Raum komme. Ich setze mich dir gegenüber und breite meine Sachen aus. Sofort fängst du ein Gespräch an. Sofort habe ich deine volle Aufmerksamkeit. Was habe ich dir eigentlich angetan? Irgendwann lese ich wieder und du verzweifelst an Schulmathe, da du ja nicht rechnen kannst, immerhin bist du ja Wissenschaftler. Ich merke, dass du mich ansiehst, aber weigere mich hochzugucken. "Denise", sagst du plötzlich und ich finde, mein Name klingt aus deinem Mund ziemlich gut. Ich gucke hoch. "Du musst echt fröhlicher gucken, wenn du lernst", sagst du toternst. Ich muss lachen und möchte gerade etwas erwidern, als du "Na geht doch", sagst, grinst und weitermachst. Völlig perplex sitze ich am Tisch. Was hast du eigentlich mir angetan?

Irgendwann machen wir eine unserer berühmten Kaffeepausen. Du sagst, du bist eigentlich nie am Handy und ich muss schmunzeln. Außer wenn du schläfst, schreiben wir durchgängig. Eigentlich immer und überall. Außer, wenn wir uns sehen, dann bist du tatsächlich nie am Handy. Dann erzählst du mir, dass du nie Dates mit deinen Ex-Freundinnen hattest. Ich muss lachen bei der Vorstellung, dass ausgerechnet du jemand bist, der jemand von der Party mit nach Hause nimmt. Ich frage aber nicht weiter nach, denn du erzählst davon, dass du dein einziges Date mit Jan (seinem Kumpel) in der Kneipe hattest, letzte Woche. Die Kneipe, wo auch wir beide zusammen waren. Als wäre es dir in diesem Moment auch eingefallen, wechselst du geschickt das Thema. Es gibt Momente, da bist du einfach zu schnell im Kopf für mich. Da komm ich einfach nicht hinterher.

Wir entscheiden zu gehen. Diesmal bleibe ich nicht länger. Gehe mit dir. Wohin führt der Weg eigentlich? Wir stehen mal wieder eine ganze Weile draußen. Du siehst mich von oben nach unten an. "Ist dir nicht kalt?", fragst du und verweist auf meine Strumpfhose. "Ich friere nicht", sage ich und zucke mit den Schultern. Es ist ekeliger, kalter Nieselregen und auch ich muss zugeben, dass ich mich heute morgen falsch angezogen habe. "Wann hast du mal Ferien?", fragst du. "Wie du weißt, haben wir beide gerade keine Vorlesungen", sage ich verduzt. "Nein, ich meine, so richtig frei." Ich halte inne. "Eigentlich nie so richtig. Ich hatte auch noch nie Semesterferien. Ich, Ich hab einfach viel zu tun". Du schaust besorgt. "Du musst echt mal aufhören zu arbeiten. Du musst den Anspruch ablegen, alles perfekt machen zu wollen.". Ich schlucke. "Naja, was man erledigen muss, muss man erledigen" - "Pass einfach auf dich auf, ja?", sagst du mit soviel Gefühl, dass ich dir fast geschworen hätte, nichts mehr zu tun. Wir schauen uns dabei beinahe durchgehend in die Augen. "Ich versuchs. Ist nicht immer so leicht", antworte ich mildernd.

"Es war richtig gut mir dir. Hier. Ich meine, ich lerne zwar immer eine Stunde weniger wenn wir zusammen sind. Aber dann habe ich wenigstens eine Stunde, die gut ist.", sagt er und grinst. "Ich finde es auch immer wieder schön.". Dann diese Stille, in die Worte, Erklärungen, Bekundungen passen. Es bleibt beim Anschauen. Glaubst du, deine blauen Augen lassen mich nochmal los? Schon beim Kaffeetrinken hatten wir soviel Blickkontakt wie selten zuvor. Allein, weil ich da nicht gut drin bin. "Okay, trauen wir uns in den Regen", sagst du und beendest alle Möglichkeiten. Wir gehen 20 Meter zusammen bis du nach links und ich nach rechts muss. Wieder kurze Stille. Wieder die Chance, irgendwas zu sagen, was irgendwas verdeutlicht. Wir gehen auseinander und die nächsten 200 Meter mache ich mir einen Vorwurf nach dem anderen. Frage mich, was du wohl gesagt hättest. Du fühlst wie ich, oder? So schwer kann das doch nicht sein. Plötzlich höre ich, wie du meinen Namen sagst. Mein Herz rast. Ich drehe mich um und sehe wie du ziemlich aus der Puste hinter mir stehst und mein geliehenes Buch in der Hand hälst. Ich nehme es an. "Tim, du bist jetzt den Weg gerannt für ein Buch, das ich zweimal habe?", frage ich. "Ja, ich verliere total schnell Dinge und bevor das wegkommt.", sagst du noch immer um Luft ringend. Ich habe Luft, ich kann reden. "Du weißt, wie sehen uns ziemlich oft und..", ich schüttelte den Kopf, kann nicht denken, verstehe nicht, was passiert. Aus der Sekunde heraus, sagst du, dass ich das Buch ja jetzt habe und gehst in ähnlichem Tempo wie gerade plötzlich weg. Verwirrt, was gerade passiert war, stehe ich die nächsten 2 Minuten im Regen. Wieso läuft man jemandem wegen einem Buch wie ein Irrer hinterher? Und wieso kann ich eigentlich nie den Mund halten und bekomme in solchen Situationen kein Wort heraus?

In den nächsten 30 Minuten fahre ich mit dem Handy in der Hand und dem Kopf an der Bahn einhauend, nach hause. Ich Idiot. Du bist ziemlich lange online, schreibst kein Wort. Du schreibst immer. Jeden Tag bedankst oder erfreust du dich nochmal an unserem gemeinsamen Lernen. Jeden Tag.

Inzwischen haben wir seit 5 Stunden nichts von einandergehört. Das ist neuer Negativrekord. Bisher war der bei einer Stunde. Aber ich kann dir nicht schreiben. Weil ich nicht weiß, was angemessen ist. Weil ich noch immer wie versteinert hier sitze. Und du? Gerade bist du beim Sport, wie jeden Montag. Aber ab 22 Uhr bist du zuhause. Und dann werde ich warten. Sonst sehen wir uns morgen. Morgen früh, so wie jeden Tag, oder etwa nicht?

Freitag, 19. Februar 2016

Das ist der Zauber auf versunknen Tagen und ist der Quell des grenzenlosen Schönen, denn wir ersticken, wo wir uns gewöhnen. Du darfst dich nicht so trostlos drein versenken, nicht unaufhörlich an das eine denken.

Ich kann nicht mehr ohne dich aufstehen, weil das erste, was ich lese, ist deine Nachricht am Morgen. Wie du dich nach meinem Schlaf erkundigst und, ob ich denn den ersten Kaffee schon hatte. Meist schreiben wir dann den ganzen Morgen, bis wir entscheiden, ob wir zur Uni fahren oder nicht. Selten fährt einer, selten fährt keiner, meistens fahren wir beide. Natürlich sieht es wie Zufall aus. "Du hier?", fragst du meistens und grinst süffisant, während wir uns an den immergleichen Platz setzen. Nebeneinander. Du links, ich rechts. Du quälst dich durch Statistik, ich habe größte Freude an Schopenhauers Kant Kritik. Gegen Nachmittag trennen wir uns oft. Du fährst nach Hause, ich sag, dass ich noch vor habe zu lesen, doch kurz nach dir fahre meist auch ich. Kurz nachdem du deinen Zehn-Minuten-Weg nach Hause hinter dich gebracht hast, schreibst du mir wieder. Du erzählst mir immer, was du tust. Ich frage mich immer, warum du das tust. Willst du, dass ich alles weiß? Willst du, dass ich dir vertraue? Immer wieder provozierst du mich, dass ich dir einen Text von mir schicken soll. Immer wieder sagst du, wie du festgestellt hast, dass du talentfrei bist und deshalb nicht schreibst. Ich denke, du solltest schreiben, aber du hörst nicht auf mich. Irgendwann nachts schicke ich dir einen alten "Schreibwettbewerbs"-Text. In dem Moment erklärst du mir, dass du deswegen nicht weiternerven willst. Dann schreibst du mir, dass du den Abend nicht zuhause bist. Bist du bei ihr? Und bin ich nicht das Mädchen, ohne Namen? Fragt N. sich das auch manchmal? Es ist spät. Du schreibst mir. "Vielen Dank für deine Mail. Freue mich mega, wenn ich da morgen rein gucken kann.", dann sagst du, dass du nicht mehr viel am Handy bist und bis morgen. So wie jeden Morgen? Wie lange soll das noch so gehen?


Murmeltiertag. Jeden Tag aufs neue. Glück, Herzschlag, Ich und du. Du und Ich. Selten sie, selten wer anders, meistens wir. Du schreibst immer wieder, wie sehr du dich freust mich zu sehen. Wir reden so offen. So als hätten wir nichts zu verlieren. Haben wir das? Du schon. Ich nicht. Wir unterhalten uns darüber, dass manche Dinge ungesagt bleiben sollten und man sie trotzdem sagt. Das passiert uns beiden ständig. Dir und mir. Mir und dir. Und plötzlich schreibst du mir, dass du jetzt meinen Text liest. Ich habe ehrliche Angst. Nicht, dass du mich dann nicht mögen würdest, aber du hälst mich für intelligent. Weil du in keiner weise weniger Wissen hast als ich. "Ich glaube es dauert noch etwas. Sage dann nachher Bescheid", schreibst du und ich stocke. "Du kannst auch einfach sagen, wenns Mist ist. Ich meine, du stimmst mir dann nur zu" - "Wenn es Mist wäre, würde ich mir weniger Zeit nehmen, nicht mehr", schreibst du und insgesamt warte ich eine gute halbe Stunde bis du wirklich schreibst.

Was dann folgte, war der erste Moment, der mich richtig umgehauen hat. "Du hast mich ziemlich überrascht. Ich weiß nicht, ob ich qualifiziert bin meine Meinung abzugeben. Aber es war ausgesprochen interessant und mir hat es im Gegensazu zu dir ziemlich gefallen. Einige Sachen haben richtig hervorgestochen, die einfach stark formuliert oder der Gedanke gut war. Aber es waren auch, ich glaube, drei Stellen, wo ich nicht wirklich wusste, was es mir sagen sollte. Darf ich da demnächst noch was zu fragen? Obwohl ich verfechter fröhlicher Texte bin, ist übrigens die Atmosphäre auch echt nice. Vorallem fand ich das ganze irgendwie nicht so 0815. Ich mag das, wenn ich nicht weiß, was passiert. Und dann gibt es diese eine Stelle von der ich nicht weiß, ob ich sie gelungen finde oder nicht. Das hat mich verwirrt, denn normalerweise habe ich zu allem mindestens eine Meinung. Ich hoffe echt, dass du weiterschreibst, weil deine Gedankengänge interessant sind. Auch wenn ich nicht schlau genug für deine Metapher bin." Gerade wollte ich antworten, als die nächste Nachricht kam. "Ich sollte ja eigentlich aufhören, meine Nachrichten zu korrigieren, aber ihc hoffe, du verstehst, dass ich den Text mochte :) Vielleicht frage ich dich echt demnächst mal dazu aus" Danach geht er noch auf viele verschiedene inhaltliche Dinge ein. Und ich sitze vor dem Handy und versteh wie sooft in den letzten Tagen die Welt nicht mehr. Nach der großen Textanalyse gehst du abends schlafen: "Danke nochmal für deinen Text. Nicht nur weil es mir echt Spaß gemacht hat den zu lesen, sondern weil das natürlich auch was persönliches ist, was man vielleicht nicht jedem gibt. Habe mich auf jeden Fall sehr gefreut." 

Murmeltiertag. Du schreibst, wir gehen in die Uni. Diesmal sitzen wir 6 (!) Stunden einfach nebeneinander. Wir sprechen jeden Gedanken aus, der uns in den Sinn kommt, als müssten wir uns nicht schämen. Dann redest du vom Urlaub in Teneriffa. Ich frage fast, ob du mit ihr fliegst, aber sage, dass ich mich für dich freue. Darauf fragst du, ob du jemals wieder, was zu lesen bekommst. Ich sage das hängt vom Text an. Du fragst spöttisch, ob ich nicht meine Gedanken für dich dokumentieren kann. Ich sage, ich könnte, aber machs nicht. Du schaust mir in die Augen und lachst. Dieses wundervolle Lachen. Sehen wir uns Montag, fragst du beim verabschieden. Ich nicke. Klar so wie immer. Du und ich. Ich und du.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Kipp mir Cola in den Wein. Auf unser heimlich Beieinander daheim. Auf unser hätte hätte. Aufs Verpassen. Ich weiß im Morgengrauen sind Wir vorbei.

Freitagnacht: Tim und ich schreiben noch immer durchgehend. Keine Nachricht ist weniger als 50 Zeilen lang. Er möchte schlafen gehen und zitiert Faust. "Ich bitt Euch, Freund, es ist tief in der Nacht, Wir müssen's diesmal unterbrechen." Ich sitze in meinem Bett und schlafe bald darauf mit tiefster Seligkeit ein.

Samstag: Er verbringt den Abend mit seiner Freundin. Den ersten Abend seit Montag, den letzten bis heute und wer weiß, wann er sie sieht. Er entschuldigt sich dafür, dass ich denken könnte, dass er mich ignoriert. Eigentlich beendet man ein Gespräch nicht mit "War Fußball eigentlich gut?", wenn man bei seiner Freundin ist. Dann stellt man keine Fragen mehr. Er schreibt einfach weiter, schreibt, dass ich gut nach hause kommen soll. Ich schreibe ihm nachts, dass ich gut nach hause gekommen bin. Er schreibt eine Minute später zurück: "Okay super danke. Hoffe es war schön. Dann schlaf später gut". Ich frag mich, was sie dazu sagt. Ich frage mich, was meine Rolle in dem Drama ist.

Sonntag: Wir schreiben wieder Romane per Whatsapp, über alles, was uns in den Sinn kommt. Es ist Valentinstag. Er erklärt, dass er nicht bei seiner Freundin ist, weil er den Tag nicht braucht. Sie auch nicht. Er schreibt lieber mir ein Gedicht. Nichts romantisches. Aber etwas besonders. Wir reden über Ra., weil wir über Beziehungen reden. Über ehemaliges. Er hatte bisher 3,125 Beziehungen, 3 richtige und eine, die keine wurde, aber fast eine war. Ich stelle fest, dass wir innerhalb einer Woche von Smalltalk wie "Wie gehts dir?", zu "Wieso sind eigentlich Beziehungen gescheitert" gekommen sind. Ich finde, das fortschrittlich.

Montag: Ich sitze neben C. in der Uni vor der Cafeteria. Sie sagt immer wieder, dass sie ihn nicht versteht. Und egal, mit wem ich rede, niemand tut das. Irgendwann laufen Tim und N. an uns vorbei, ich grüße nett. "Jetzt gehen die Kaffee trinken", sage ich und bin froh, dass er mal was mit ihr macht. 10 Minuten später kommen sie wieder raus. "Sein Ernst?", fragt C mich. "Wie lange hat das bei euch gedauert letztes Mal?" Ich verdrehe die Augen. "So eine Stunde", murmele ich. Gut eine Stunde später kommt die Frage, ob ich nicht einen Kaffee mit ihm trinken möchte. Er sei fertig mit Lernen. In dem Moment schließt die Cafeteria. Ich schreibe ihm das und er kommt trotzdem bei uns vorbei, weil er sich mein Lieblingsbuch leihen will. Er fragt mich, ob wir woanders einen Kaffee trinken. Ich wundere mich über seine Hartnäckigkeit. Wir gehen und unterhalten uns. Wir reden jetzt so offen wie wir schreiben. Die Blicke werden intensiver. So als könnte man doch Gedanken lesen oder dem anderen in die Seele blicken. Nach 2 Stunden gucke ich kurz aufs Handy und teile ihm die Uhrzeit mit. "Dein Ernst? Wir sitzen doch gerade erst hier". Ich nicke. Wir umarmen uns zum Abschied. Er zögert die berühmte eine Sekunde als wollte er noch was sagen. Als könnten sich unsere Blicke nicht trennen. Dann gehen wir auseinander. 10 Minuten später schreiben wir wieder. Kontaktlosigkeit verboten.

Dienstag: Ich habe den Plan nicht zur Uni zu fahren. Ich brauche Abstand. Er macht mich zu verliebt mit jeder seiner Einzelheiten, die wären als hätte ich sie erfunden. Er ist kultiviert und intelligent und hat dennoch den gleichen Geschmack wie ich, was weniger niveauvolle Dinge angeht. Er hört Rap, er guckt das Vbt, er geht gleichzeitig ins Theater und liebt Literatur. Ich überrasche ihn ständig mit Dingen, die mir vor anderen oft peinlich sind. Ich merke, wie selten ich so ehrlich bin. Doch wie ehrlich ist er? Er stellt Fragen, die sich andere bei mir nicht trauen würden. Er stellt überhaupt fragen. Er interessiert sich für mich. Er ist ein guter Mensch, glaube ich. Plötzlich schreibt er mir, dass er heute abend, was machen will. Mit mir und anderen. Komischerweise fragt er nur eine andere Person, die nicht kann. Ich bin nervös. Er sagt mir, dass ich nicht kommen muss, wenn ich nicht will. Er zwingt mich zu nichts. Aber die Vorstellung von uns beiden allein gefällt mir. Ich fahre zu der Kneipe. Wir reden über 4 Stunden, fast 5 durchgehend. Wir trinken zwei, drei Bier. Ein, zwei Whisky. Er gibt mir jeweils was aus. Es ist nicht nur die Quantität unserer Gespräche, sondern auch die Qualität. Es ist unfassbar, was zwei nicht komplett ungebildete Menschen mit gleichen Interessen fabrizieren können. Wir scherzen, dass wir mit Büchern einfach abhauen und große, kreative Köpfe werden. Während des Gesprächs wird es immer voller und lauter in der Kneipe. Wir rücken näher zusammen. Er streift beim Gestikulieren zwei, dreimal meinen Oberschenkel. Einmal meinen Arm. Uns fällt auf, dass gleich meine letzte Bahn fährt. Wir laufen zur Haltestelle, er bringt mich noch weg. "Ich fand es toll, dass du gekommen bist", sagt er. "Ich fand den ganzen Abend richtig gut. Du überrascht mich wieder. Das ist faszinierend", ergänzt er. Ich würde mein Herz gerne öffnen. Würde gerne, was sagen, was romantisch oder poetisch klingt, etwas, das zu uns passt. "Ich fand es auch gut. Es hat sich gelohnt gekommen zu sein", stottere ich. Mein Herz kannst du erst haben, falls du jemals Single sein wirst. So sind die Regeln.

Freitag, 12. Februar 2016

Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich hab selten soviel gewollt. Du machst mich hoffnungslos hoffnungsvoll.

Und während ich eisern, während ich vereist bleiben wollte, schmelze ich einfach vor dir hin. Kurz nachdem ich in den Mathe-Raum gekommen bin, höre ich dich "Hallo" sagen und allein dieses eine Wort lässt mich N. kurz vergessen. Du redest mit mir darüber, dass ich gestern abend meinte, dass ich komisch drauf war. Du verstehst nicht, warum und das ist okay. Das ist eine Herzensangelegenheit. "Steht das mit dem Kaffee denn noch oder willst du nicht?", fragst du vorsichtig. "Natürlich", sage ich und denke mir, dass das ja höchstens 20 Minuten dauern kann.

Wir sitzen in der Cafeteria und trinken den Kaffee maximal 10 Minuten, dann reden und reden und reden. Ich erzähle dir, dass ich eigentlich nie dort sitzen wollte, sondern Autorin werden wollte. Dass ich noch immer Texte schreibe und sie niemandem zeige, weil ich sie nicht gut finde. Dann reden wir über die berühmten 3 Personen, die man gerne treffen würde, die aber bereits tot sind. Und jeder dieser Personen lässt irgendwie einen Blick in meine Seele zu. (Schopenhauer, Kafka, Goethe) Du wunderst dich, dass es nur Schriftsteller sind. Ich sag so ist das mit Liebe, entweder ganz oder gar nicht. Ich denke darüber nach, dass auch Beethoven oder Picasso interessant wären. Wir reden über Hemingway und über Bücher, die man gerne lesen würde oder von denen man begeistert war. Dann erwähnst du einfach deine Freundin, ganz beiläufig. Dann machst du deine üblichen, neckenden Scherze darüber, dass ich mich nur für ältere, schriftstellerische, cholerische/kaputte Genies interessiere. Ich sage, so jemand wollte ich immer sein. Du lachst und fragst, ob du was von mir lesen kannst und ich sage nein, denn niemand darf was lesen.

Wir gehen zurück in den Mathe-Raum. "Darf ich mich gleich zu dir setzen?", fragst du. Ich nicke und gehe vor. Der alte Tisch ist voll und wir setzen uns um. Wir kommen nicht zur Arbeit, weil wir uns immer wieder ablenken. Wo ist eigentlich deine Freundin?, frage ich mich. Eine halbe Stunde später gehst du Essen und fragst, ob ich mitkommen will. "Nee, ich esse nie in der Uni", sage ich. "Aber du musst doch was essen.", sagst du. "Ja, zuhause. Im Gegensatz zu dir kann ich kochen.", necke ich ihn. Er versucht mich noch kurz zu überreden und geht. Und während ich dort sitze, jetzt allein am Tisch, könnte ich fast weinen. Dieses Gefühl, dass ein Uni-Tag perfekt ist und man trotzdem weiß, dass es eine Blase ist. Eine Welt, die N. einfach mal ausschließt. Als gebe es nur dich und mich. Für einen kurzen Moment.

Irgendwann schreibst du mir, dass du es unterhaltsam mit mir fandest. Und dann deinen Nachnamen, damit ich dir eine Mail schreiben kann, falls ich doch was von meinen "Werken" preisgeben möchte. Du bist hartnäckig. Sollte ich das auch sein?

Nachdem ich aus der Uni komme und mir eine Pizza in den Ofen schiebe, da ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte, schreibe ich dir, was du noch so vor hast. Ich dachte, ich bin mal nett. Du fragst, ob ich schon zuhause bin oder noch an der Uni. Ich sage, dass ich nicht den ganzen Tag in der Uni sein muss und mich jetzt meinem Buch widme. Du schreibst, dass du in einer Stunde zum Sport fährst und es "ist leider etwas knapp jetzt noch was zu starten innerhalb von einer Stunde. Du wohnst ja am anderen Ende der Welt. Deshalb fragte ich ob du an der Uni wärst". Ich schaue auf das Handy, mach den Bildschirm aus und sehe, wie die nächste Nachricht kommt. Natürlich du. Immer wieder du. "Oh mein Trainer hat mir gerade abgesagt" Nennt sich das Schicksal oder Demütigung? Ich bin mir nicht sicher. Wir hatten den ganzen Vormittag und Mittag miteinander verbracht. Und auch noch den Abend? Du fragst, ob ich noch mit in eine Kneipe komme, Kickern und so. Du willst gucken, ob noch jemand anderes spontan Zeit hat und sagst, dass einer deiner Nachbarn mitkommt. Ich nehme Anna mit und es fühlt sich an wie das spontanste Doppeldate der Welt.

Den ganzen Abend lachen wir. Du willst mit mir im Kickerteam sein, obwohl ich in den ersten Spielen die schlechteste Leistung aller Spiele abgeliefert habe. Irgendwann sagst du, dass du mit N. seit zwei Jahren zusammen bist. Es war beinahe so, als hätte ich das für eine Sekunde vergessen. Meine Blase platzt und setzt sich sofort neu zusammen. Immer wieder machst du deutlich, dass wir den Tag zusammen verbracht haben. Dass du soviel über mich weißt. Dass du mich so unfassbar schlau findest. Du neckst mich immer wieder, so als wären es Annäherungsversuche. So als wäre da keine N. Irgendwann sagst du, dass du vorhin deine Mails gecheckt hast und gar keine von mir da war. "Glaubst du wirklich, dass ich so leicht zu überzeugen bin?", frage ich. "Nein. Aber ich glaube, dass du Talent versteckst und dich grob unterschätzt", sagst du und wir gucken uns bestimmt eine Minute nur in die Augen. Dann schließt die Kneipe irgendwann. Wir verabschieden uns. Wir sagen, wir schreiben, weil ja jetzt Semesterferien sind. Ich nicke und gehe mit Anna zur Haltestelle.

"Jetzt kennst du ihn", sage ich zu Anna. "Denise, ganz ehrlich: Puh. Ich kann jeden deiner Gedanken verstehen. Und auch, dass du dich in ihn verliebt hast" Ich schaue sie an und schüttele energisch den Kopf. Sie lässt mich nichts sagen. "Streite es ab. Aber ich hab dich das letzte Mal bei Maxi so gesehen. Und es tut mir in der Seele weh, dass da schon wieder so ein Mädchen namens N. ist, aber er versteht deine Witze über Bücher, die ich nichtmal anfassen würde. Er versteht zusätzlich Mathe-Witze. Ihr spielt mit den Worten, als hättet ihr euch vorher ein Drehbuch überlegt." Sie seufzt. Ich lege meinen Kopf auf ihre Schulter. "Wenn ich ein Drehbuch geschrieben hätte, hätte ich N. nicht mit reingeschrieben", flüstere ich und genieße und hasse diesen Abend, diesen Tag, diese Gefühle und dich.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ich weiß nur, es wird Regnen. Und hört so schnell nicht auf. Glaub mir, es wird kälter. Wann hört das wieder auf?



Gestern Abend hat sich Tim nach 15 Stunden beinahe durchgehendem Schreiben mit „So, ich weiß, dass Mrs Coffee of the Year keinen Schlaf braucht, aber ich hau mich jetzt aufs Ohr. Schlaf später auch gut.“ – „Schlaf gut“ – „Bis morgen oder so“, verabschiedet. Jemand, dem nach so kurzer Zeit, meine Kaffee-Sucht vertraut ist, ist selten. Gute 10 Stunden später (also heute morgen), während er wieder in der Uni war, schreibt er mir: „Hey, ich bin gerade beim Lernen, aber habe eigentlich keine Lust. Du hast nicht zufällig Lust auf eine spontane Kaffeepause?“ Ich bin zu dem Zeitpunkt noch zuhause, aber bin froh, dass er fragt, was ich auch durchaus zum Ausdruck bringe.

Am Ende des wieder stundenlangen Schreibens, blicke ich ungläubig auf mein Handy. „Ist das sein verfluchter Ernst?“, sage ich und schließe die Augen. Denn in genau diesen Augen sieht man den Unterschied zu den vergangenen 5 Minuten. Der Glanz bleibt einfach fern. Wie in einer Schneekugel, in der es aufgehört hat Schnee zu regnen, fangen die Augen an stumpf und teilnahmslos zu werden. Ich muss mich zusammenreißen. „Ich vertue mich nicht. Ich bin gut in sowas. Menscheneinschätzen ist das einzige, was ich wirklich kann“, flüstere ich und fühle mich, als wäre die Schallplatte hängen geblieben. „Und niemals vertue ich mich zweimal. Ganz ausgeschlossen.“ Ich habe die Augen noch immer geschlossen. Die Welt ist nicht ehrlich. Diese Erfahrung habe ich schon oft gemacht. Aber nicht, dass die Welt so verlogen ist. So grausam. „Ich hab ihm vertraut“, flüstere ich dem roten Monster zu. Und plötzlich weint das rote Monster echte Tränen. Nicht viele, dennoch kaum zählbar. Das rote Monster schüttelt sanft dem Kopf, als könnte es so das Weinen ausschalten. Es blinzelt. Es zittert. „Selbst ich, die Ausgeburt der Hölle, hat das nicht erwartet.“, schluchzt es plötzlich. Ich fühle mich, als müsste ich es trösten. Ich nehme das rote, verhasste Monster in den Arm. Und wie wir da so sitzen, wie ein Haufen Trübsal, sage ich ihm, dass es doch nichts dafür kann. Dass das Herz solche Entscheidungen trifft und mein Herz nun mal immer übereilig ist. „Ich bin dafür da, deinen Kopf vor Enttäuschungen zu schützen“, fleht es. „Nein“, schüttele ich den Kopf. „Du bist dafür da, mir zu zeigen, was wichtig werden könnte. Du kannst doch auch nicht in die Zukunft gucken.“ Ich zucke mit den Schultern. Das rote Monster macht große Augen. „Wieso bist du so gelassen?“, fragt es. Wir steigen aus der Bahn aus. Es regnet in Strömen. Nachdem ich um die Ecke gelaufen bin, breche ich in Tränen aus. „Weil ich meinen Schmerz nicht gern in der Öffentlichkeit Preis gebe, deshalb“, antworte ich dem Monster verspätet. Das Monster springt mir in die Arme, damit ich mich nicht völlig allein fühle. Es hält sich einfach fest mit dem Verlass, dass wenn ich abstürze, auch den Absturz des Monsters ertragen müsste. „Du ziehst nie jemand anderen mit in deine Probleme, solange du es vermeiden kannst. Also wirst du uns beide aufrechterhalten“, sagt es. Ich nicke und rufe erneut die Nachricht auf „meine Freundin“. Wieviel Interpretation lässt meine Freundin zu? „Keine“, flüstert das Monster und guckt als würde es sich schämen für das, was es gesagt hat. Ich schreibe weiter mit dir. Als wäre nichts passiert. 

Du hast eine Freundin und ich zeichne mich mit dem Idiotenstempel. Du gehst beim Regen spazieren, weil du frische Luft magst. Du findest, man sollte nicht für zu viele Sachen gute Gründe haben. Du fragst, ob ich morgen noch an der Uni bin. Ich schreibe dir, dass ich komische Laune habe und du kümmerst dich darum, als wüsstest du wirklich nicht, welche Blase du zum Platzen gebracht hast. Als wüsstest du nicht, dass das alles nach etwas ganz anderem aussah. Immer wieder fragst du nach, was ist. Immer wieder sorgst du dich. Immer wieder versuche ich nicht zu weinen. Du sagst, es gibt kein Problem, dass man nicht bei einem Kaffee lösen könnte. Ich zweifele daran, ob ich jemals wieder Kaffee trinken möchte. Ich schreibe dir, dass ich einfach etwas "Größeres" schreibe, dann lösen sich Probleme. Du fragst, warum ich Prosa schreibe, wenn ich schlecht drauf bin und was ich überhaupt schreibe. Ich sag dir, dass wir das ja bei dem Kaffee klären können. Morgen. Dann, wenn du sagst, dass du dich freust mich zu sehen. Dann, wenn ich wieder der kalte Stein bin. Keine Offenheit. Keine Vertrautheit. Kälte. Bis morgen, sagst du und gehst schlafen. Bis morgen, sage ich und vereise.

Montag, 8. Februar 2016

Wir lächeln und schweigen, so vertraut und doch fremd, ich möchte noch bleiben, für diesen Moment. Als wären wir vertraute seit Jahren, die Luft ist dünn und das Fieber steigt. Und wir nähern uns an, mit Haut und mit Haaren, wir brechen und biegen das Eis.

"Gehts dir nicht gut?", fragt er und sieht mich an. "Ach alles gut. Ich hab ein bisschen Kopfweh", was nicht gelogen war, aber nicht die ganze Wahrheit. Ich fühlte mich schlecht, weil ich mich unnötigerweise beleidigt benommen habe. Weil ich zu viel geträumt hatte. Wir sitzen vor der Klausur nebeneinander, er sorgt sich um mich, weil ich "schlecht" aussehe. Schuldgefühle breiten sich offensichtlich in meinem ganzen Gesicht aus. Die ganze Klausur lang schaut er immer wieder zu mir herüber.

Gleichzeitig geben wir ab und gehen raus. "Das war ja machbar", sagt er. "Ich glaube, ich habe ganz schön viel Quatsch geschrieben." Wir gehen hoch und er fragt, ob ich warte, da er noch kurz auf Toilette muss. Ich stehe dort, mache mein Handy wieder an. Und kann wieder atmen. Er ist nicht böse, vermutlich hat er mein bewusstes Weglaufen nichtmal bemerkt. Wir gehen ganz raus, stehen daraufhin 50 Minuten in der Kälte. Wir reden und reden und reden. Hätte mich jemand gefragt, wie lange wir dort standen, ich hätte maximal 20 Minuten geschätzt, denn es war gute Zeit.

"Jetzt siehst du auch wieder viel fitter aus", sagt er irgendwann. "Danke, frische Luft hat schon immer gut getan", sage ich und denke mir, dass Schuldgefühle-Auflösen auch hilfreich ist. Irgendwie kommt er auf das Kickern zurück und ich frage nach seiner Handynummer. Er scheint erfreut aber überrascht. Wirke ich schon wieder so abweisend? Ich schließe diese Option aus, denn ich habe das Gefühl, dass ich nur Schwachsinn rede und das impliziert meistens, dass ich viel rede.

Wir reden über Musik, die wir teilen. Über Bücher, die ich lese, da er nur Bücher liest, die er wirklich gut findet. Wie auch immer man sowas vorher weiß. Er findet es faszinierend, dass ich fast nur Klassiker lese. Ich glaube, das habe ich tatsächlich noch nie gehört. Wir reden über Fußball, weil man da mit mir niemals drumherum kommt. Wir reden über meine Kaffeesucht und er glaubt mir nicht, dass man soviel Kaffee trinken kann. Wir erfrieren fast oder fliegen ggf. weg, aber wir reden einfach weiter. Dann redet er über eine Ex-Freundin. Ich weiß nicht, ob es N. ist, von der er redet. Aber das spielt keine Rolle, denn das, was hier passiert, ist Interesse. Ich kann sie noch hundertmal zusammen sehen und weiß, dass dieses Gespräch keine nette Unterhaltung unter Uni-Menschen ist.

"Ich glaube, wir werden krank, wenn wir weiter hier so stehen", wirft er ein. "Da hast du vermutlich recht. Wenn selbst mir kalt ist, muss es echt kalt sein". Er grinst. "Gut, dann melden wir uns mal so gegenseitig und klären das mit dem Treffen", sagt er. Ich stimme alles andere als abweisend zu. Plötzlich umarmt er mich zur Verabschiedung. Leicht verwirrt gehe ich zur Bahn, dicht gefolgt von einem willkürlichen, nicht aufzuhaltenden Grinsen.

Freitag, 5. Februar 2016

Du schaust mich an und ich versuch dir auszuweichen. Wollen uns verändern aber bleiben doch die Gleichen. Unsere Gespräche enden nur mit Fragezeichen

Seit gestern Abend dieses mulmige Gefühl im Bauch. "Ach quatsch, das kann nicht sein", lache ich es weg. Zumindest nach außen hin, ist es nicht erkennbar. Innerlich zerbricht wieder etwas. Doch wenn Scherben zu einem Scherbenhaufen dazu kommen, ändert sich nichts. Fahre zur Uni, dem Platz den ich am liebsten nicht mehr gesehen hätte in dieser Woche. Ich hatte J. versprochen ihr etwas vorbeizubringen. Ich gehe nur einen einzigen Schritt hinein, hinter das mir das rote, mulmige Monster, was das Licht dimmert, damit die Sonne nicht scheint. Es greift an meine Schultern, hält sich fest, damit ich es nicht verliere. Es übt keinen großen Druck aus, es lässt mich nur wissen, dass es da ist. Als wüsste ich das nicht sowieso. Ich setze mich neben J., habe noch gute 1,5 Stunden bis zur Seminarbesprechung. Ich versuche zu lesen, versuche mich zu konzentrieren. Das Monster lehnt sich auf meine Schultern, macht mich klein. "Was willst du?", frag ich es. "Guck doch mal da", antwortet es und nickt zum übernächsten Tisch hinüber. Dort sitzt Tim neben N. (ein Mädchen mit dem er auf jeden Fall zusammen war). Beide lachen. "Siehst du wie glücklich die beiden sind? Siehst du, wieviel schlauer sie ist?" Plötzlich fühlt es sich an, als hätte sich das Monster direkt auf meine Brust gesetzt. Ich bekomme kaum noch Luft. "Man sieht niemanden an, dass man schlau ist", antworte ich und blicke in mein Buch. Seiten, Sätze, Worte, Buchstaben. Alles zerrinnt unter meinem Blick. Wieviel kann man sich wirklich eingebildet haben? Oder sind das dort drüben ehemalige Partner, die jetzt Freunde sind? "Du bist einfach Fehl am Platz,", sagt das Monster und macht sich extra schwer auf meiner Brust. Plötzlich sagt J.: "Denise, es ist so kalt hier. wie kann der Tisch dahinten die ganze Zeit das Fenster aufhaben?" Ich schaue sie an. "Ich finde, es ist hier sehr stickig drin."

Ich trinke meinen Kaffee aus, lege meine Sachen zusammen, verabschiede mich flüchtig von allen, packe meine Sachen in die Tasche. Verflucht, wieso dauert das so lange. Der Gedanke einfach zu ersticken ist riesig. Hinter mir höre ich Tim mit N. reden, sehe wie er seine Sachen neben mir einpackt. "Du hast genug Luft um ihn ruhig zu grüßen", sagt das Monster, was wieder fest hinter mir steht. Ich schüttele den Kopf, nehme meine Tasche, gucke nochmal zu ihm und renne beinahe weg.

Mein Kopf schaltet sich ein, als ich draußen bei niedriger Temperatur im Regen stehe. Ich lasse meinen Kopf in meine Hände fallen. Hat er mich gerade anlächelt und ich bin einfach weggelaufen? Wieviele Freunde habe ich, bei denen man denken könnte, dass da was läuft? Wie oft lache ich mit Menschen? Wieso zur Hölle bin ich bloß so dumm? "Weil du dir etwas ausgemalt hast, bei dem du dir nichtmal sicher warst, dass du es willst. Weil du manchmal an Wärme denkst, obwohl du im Regen stehst. Weil du glaubst, dass Männer immer Hintergedanken haben. Weil du dich lieber mit Vorstellungen beschäftigst, als mit der Wahrheit.", sagt das rote Monster und seine Hände fühlen sich plötzlich wie Trost an auf meinen Schultern.

"Ich bin ein guter Menschenkenner. Ich deute außerhalb von Alkoholeinfluss nie etwas falsch. Ich beobachte. Ich bin gut darin. Und er hat mich zum Kickern mit Freunden eingeladen. Er hat sich im Seminar immer wieder mit mir unterhalten. Er stand mehr als eine halbe Stunde nach dem Seminar mit mir im Regen nur um zu reden. Ich habe nicht gesagt, dass er verliebt ist, aber ich dachte, es wäre aufrichtiges Interesse", jammere ich das Monster voll. Es schaut während der Bahnfahrt aus dem Fenster. "Montag siehst du ihn alleine im Seminar. Bis dahin wird es dir schwer fallen zu atmen. Bis dahin wirst du jede Situation hundertfach überdacht haben. Und dann wirst du ihm sagen, dass du liebend gerne mit ihm kickern gehen würdest und deshalb seine Handynummer brauchst, damit ihr euch verabreden könnt." - "Aber...", starte ich, doch das Monster unterbricht mich: "Es macht keinen Sinn? Weißt du, was keinen Sinn macht? Jetzt wegzulaufen, weil du glaubst etwas gesehen zu haben. Ich weiß nicht genau, was der Kerl gerade mit dir macht, dass du so schnell aufgibst, aber wo ist die glückliche Denise, die sagt, dass er dir gute aber keine schlechte Laune machen kann? Es wird immer wieder Scherben für den Haufen geben und du musst dafür Sorgen, dass sie dich nicht direkt zerschneiden." Das Monster schweigt kurz. "Kopf hoch, du hast dich besonders in den letzten Monaten entwickelt. Du bist nicht mehr das kleine Mädchen, das Angst vor jedem haben muss."

Dienstag, 2. Februar 2016

I was thinking about you, thinking about me, what we gonna be

Hallo, ihr Lieben. Nachdem ich gerade meinen neuen, selbsterstellten Heim-Trainingsplan begonnen habe und mein Körper jede Kraft braucht, um mich nicht vom Stuhl fallen zu lassen, dachte ich, ich zeig euch mal ein paar Bilder aus den letzten Wochen. Von Gran Canaria und so was. Soviel unnötigen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gepostet. Und an dieser Stelle: Respekt an alle Fotoblogger: Bis ich die paar Fotos jetzt ungefähr so hatte, dass es nicht aussieht als wäre ich zu dumm für alles, hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert.
Was ist sonst noch so passiert? Tim hat mich eingeladen, was mit ihm zu machen. Also er meinte, ich soll doch mal mit ein paar Freunden von ihm Kickern gehen. War irgendwie süß. Und irgendwie macht er mich nervös und ich will ihn sehen. Jaja, manchmal denke ich, ich bin wieder 15. Wobei, besser nicht.

Schopi-Tshirt. Ein Traum ♥
Lieblings-Antiquariat.
Ausblick Gran Canaria Tour
"Da kann man beinahe weiter gucken als denken"
Ausblick Hotelzimmer
Sehr irritierende, natürliche Färbung der Berge
Hotel Gelände
Lieblingshotel
"Höhen-Selfie"