Gestern Abend hat sich Tim nach 15 Stunden beinahe
durchgehendem Schreiben mit „So, ich weiß, dass Mrs Coffee of the Year keinen Schlaf
braucht, aber ich hau mich jetzt aufs Ohr. Schlaf später auch gut.“ – „Schlaf
gut“ – „Bis morgen oder so“, verabschiedet. Jemand, dem nach so kurzer Zeit, meine Kaffee-Sucht vertraut ist, ist selten. Gute 10 Stunden später (also heute morgen), während er
wieder in der Uni war, schreibt er mir: „Hey, ich bin gerade beim Lernen, aber
habe eigentlich keine Lust. Du hast nicht zufällig Lust auf eine spontane
Kaffeepause?“ Ich bin zu dem Zeitpunkt noch zuhause, aber bin froh, dass er
fragt, was ich auch durchaus zum Ausdruck bringe.
Am Ende des wieder stundenlangen Schreibens, blicke ich ungläubig
auf mein Handy. „Ist das sein verfluchter Ernst?“, sage ich und schließe die
Augen. Denn in genau diesen Augen sieht man den Unterschied zu den vergangenen
5 Minuten. Der Glanz bleibt einfach fern. Wie in einer Schneekugel, in der es
aufgehört hat Schnee zu regnen, fangen die Augen an stumpf und teilnahmslos zu
werden. Ich muss mich zusammenreißen. „Ich vertue mich nicht. Ich bin gut in
sowas. Menscheneinschätzen ist das einzige, was ich wirklich kann“, flüstere
ich und fühle mich, als wäre die Schallplatte hängen geblieben. „Und niemals
vertue ich mich zweimal. Ganz ausgeschlossen.“ Ich habe die Augen noch immer
geschlossen. Die Welt ist nicht ehrlich. Diese Erfahrung habe ich schon oft
gemacht. Aber nicht, dass die Welt so verlogen ist. So grausam. „Ich hab ihm
vertraut“, flüstere ich dem roten Monster zu. Und plötzlich weint das rote
Monster echte Tränen. Nicht viele, dennoch kaum zählbar. Das rote Monster
schüttelt sanft dem Kopf, als könnte es so das Weinen ausschalten. Es blinzelt.
Es zittert. „Selbst ich, die Ausgeburt der Hölle, hat das nicht erwartet.“,
schluchzt es plötzlich. Ich fühle mich, als müsste ich es trösten. Ich nehme
das rote, verhasste Monster in den Arm. Und wie wir da so sitzen, wie ein
Haufen Trübsal, sage ich ihm, dass es doch nichts dafür kann. Dass das Herz
solche Entscheidungen trifft und mein Herz nun mal immer übereilig ist. „Ich
bin dafür da, deinen Kopf vor Enttäuschungen zu schützen“, fleht es. „Nein“,
schüttele ich den Kopf. „Du bist dafür da, mir zu zeigen, was wichtig werden
könnte. Du kannst doch auch nicht in die Zukunft gucken.“ Ich zucke mit den
Schultern. Das rote Monster macht große Augen. „Wieso bist du so gelassen?“,
fragt es. Wir steigen aus der Bahn aus. Es regnet in Strömen. Nachdem ich um
die Ecke gelaufen bin, breche ich in Tränen aus. „Weil ich meinen Schmerz nicht
gern in der Öffentlichkeit Preis gebe, deshalb“, antworte ich dem Monster
verspätet. Das Monster springt mir in die Arme, damit ich mich nicht völlig
allein fühle. Es hält sich einfach fest mit dem Verlass, dass wenn ich
abstürze, auch den Absturz des Monsters ertragen müsste. „Du ziehst nie jemand
anderen mit in deine Probleme, solange
du es vermeiden kannst. Also wirst du uns beide aufrechterhalten“, sagt es. Ich
nicke und rufe erneut die Nachricht auf „meine Freundin“. Wieviel
Interpretation lässt meine Freundin zu? „Keine“, flüstert das Monster und guckt
als würde es sich schämen für das, was es gesagt hat. Ich schreibe weiter mit
dir. Als wäre nichts passiert.
Du hast eine Freundin und ich zeichne mich mit dem
Idiotenstempel. Du gehst beim Regen spazieren, weil du frische Luft magst. Du
findest, man sollte nicht für zu viele Sachen gute Gründe haben. Du fragst, ob
ich morgen noch an der Uni bin. Ich schreibe dir, dass ich komische Laune habe
und du kümmerst dich darum, als wüsstest du wirklich nicht, welche Blase du zum
Platzen gebracht hast. Als wüsstest du nicht, dass das alles nach etwas ganz
anderem aussah. Immer wieder fragst du nach, was ist. Immer wieder sorgst du
dich. Immer wieder versuche ich nicht zu weinen. Du sagst, es gibt kein
Problem, dass man nicht bei einem Kaffee lösen könnte. Ich zweifele daran, ob
ich jemals wieder Kaffee trinken möchte. Ich schreibe dir, dass ich einfach
etwas "Größeres" schreibe, dann lösen sich Probleme. Du fragst, warum ich Prosa schreibe, wenn ich
schlecht drauf bin und was ich überhaupt schreibe. Ich sag dir, dass wir das ja
bei dem Kaffee klären können. Morgen. Dann, wenn du sagst, dass du dich freust
mich zu sehen. Dann, wenn ich wieder der kalte Stein bin. Keine Offenheit.
Keine Vertrautheit. Kälte. Bis morgen, sagst du und gehst schlafen. Bis morgen,
sage ich und vereise.
omg wie viele 100000male hab ich das lied schon gehört @titel...
AntwortenLöschendie welt ist nicht ehrlich, ja, aber ausgeschlossen ist auch nichts, zumindest menschliches.
danach bin ich raus aus der nummer, hab net verstanden woher dass die negativen gedanken/enttäuschung jezz kam - der erste absatz zumindest spricht ja auch eine ganz andere, positive sprache...
Das kam grad wie ein heftiger Schlag inmitten von soviel.. Freude und Schmerz. Ich würde dich gern drücken und.. das rote Monster auf eine seltsame Art auch.. <3
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