Freitag, 25. Dezember 2015

Es ist nicht genug zu wissen: Man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen: man muss auch tun.

Frohe Weihnachten, ihr da draußen. Ich hoffe, ihr habt halbwegs ruhige Tage im Kreise eurer Familien und/oder Freunden.

Ich gammele zuhause herum. Mir ist so langweilig, dass ich sobald ich dann so etwas wie "Lesen" machen möchte, einschlafe. Und wenn ich noch mehr Kaffee trinke, werde ich wohl ins Krankenhaus müssen. Es ist fürchterlich. Keiner meiner Freunde hat Zeit. Die sind plötzlich alle Familienmenschen. Blabla. Maxi ist nach Österreich gefahren, sodass selbst der nicht da ist. L. hängt bei ihrem (neuen) Freund herum. Anna ist bei ihren Großeltern, kommt erst am 27. wieder. Und P., ach der wundervolle P., ist zwar irgendwie nebenan, hat aber auch keine Zeit. Wobei das Treffen wohl auch eher mit viel Alkohol enden würde. Wobei, wo ist noch gleich das Problem?

Ab dem 28ten könnt ihr euch allerdings freuen, denn Denise neues Leben beginnt nicht erst 2016. Am 28ten feiert T seinen Geburtstag also bin ich so mit der alten Gruppe unterwegs, so von früher, das könnte ziemlich witzig werden. dann am 31. ist die Silvesterparty bei mir und Anna, da sind ungefähr die gleichen Leute, nur ein paar mehr. So 20 Leute vielleicht insgesamt. Mal sehen. Ich werde euch berichten, falls was passiert.

Grundsätzlich gehts mir übrigens besser. Ich bin der Meinung, dass die Trennung richtig war, das haben mir einige Leute klar gemacht. Auch die wundervollen Kommentare hier (Ich danke euch wirklich). Ich werde jetzt versuchen mehr Kaffee zu trinken und sollte eine wissenschaftliche Arbeit daraus machen, wieviel der Körper davon verträgt.

Ich wünsche euch schöne, Restfeiertage, trinkt genug und habt Spaß!

Dienstag, 22. Dezember 2015

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"Und was ist, wenn Ra. der eine war? Was ist, wenn du nie wieder soviel Glück haben wirst? Hast du gesehen wie er dich ansah: Er liebt dich. Von ganzem Herzen. Genau das Herz, was du gerade in der Luft zerrissen hast.", schreit die Stimme. Ich habe soviel geweint vor Ra. Ich hab mich sooft entschuldigt. Ich wollte ihm nie weh tun. Er wirkte beinahe gefasster als ich. Wie ich eine Ewigkeit brauchte, um überhaupt das Thema zu beginnen. Wie ich kein Wort klar aussprechen konnte, weil ich weinen musste. "Du bist ein richtiges Stück scheiße. Er hätte alles für dich getan und du kannst nichtmal ne schlechte Phase aushalten." Es war nicht eine schlechte Phase. Ich hab ihn sogar betrogen, verflucht. "Oh, stimmt ne scheißhure bist du auch noch." Lass mich in Ruhe! Einfach in Ruhe.

Überall Tränen. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen. Wie zum Teufel soll ich den denn morgen wiedersehen? Und wieso tut der ganze scheiß plötzlich so weh?

"Gibst eine Zukunft für uns?" - "ich glaube nicht". Er nickt und nimmt mich in den Arm in der Hoffnung, dass ich dann vielleicht nicht ersticke. "Schon gut", sagt er und küsst mich auf die Stirn.
"Weißt du, immer wenn ich an deine Partnerin denke, bin das nicht ich. Dann ist das ein Mädchen, das mehr mit dir teilt. Dass dich glücklich macht. Dass nicht ständig zweifelt" - "Und immer wenn ich an das Mädchen denke, bist du das. Egal wieviel du zweifelst. Egal wie oft du nicht meiner Meinung bist."

"Manchmal denke ich, dass wir bessere Freunde als Partner sind." - "Den Gedanken hatte ich auch. Aber ich küsse dich gerne und ich freue mich immer neben dir aufzuwachen." Und in dem Moment wird auch mir klar, wie gern ich seiner Nähe bin.

"Du bist ein toller Mensch, Denise. Du bist schön. Du bist schlau. Du bist soo unfassbar stark, das ich das kaum beschreiben kann. Und das darfst du niemals vergessen, ja? Auch, wenn ich dich nie davon überzeugen konnte" Ra. verdrückt zwei Tränen, während ich nicht an mir halten kann. "Du bist genau so, wie man es sich wünschen sollte."

"Ra, egal, ob du mich in den nächsten Wochen und Monaten hasst, eine Vodoo-Puppe baust, oder sonst was: ich meinte das immer ernst. ich.." Ich breche immer wieder in Tränen aus. "Ich weiß das doch. Auch wenn du deine Gefühle nie wie ich gezeigt hast, wusste ich immer, dass du was für mich übrig hast"

"Hass mich einfach, okay? Schlag mich. Mach irgendwas fieses." - "Dafür bin ich nicht der Typ, das weißt du doch." - "Schmeiß mich wenigstens raus oder so, ja?" - "Am liebsten würde ich ja, dass du nie gehst." Und genau in dem Moment würde ich das auch gerne.

"ich glaube, so wie wir hier sind, ist das der innigste Moment seit Wochen.", sagt Ra. "Das stimmt.", schluchze ich. "Vielleicht, weil wir wissen, dass wir uns bald verlieren" - "Vielleicht finden wir uns auch erst in solchen Momenten wieder". Irgendwo zusammen im Loch. Ja, da gehöre ich hin.

Tja, jetzt bereust du es wohl, den einzigen Kerl, der es jemals ernst mit dir meinte, verlassen zu haben, oder? Er hat dich geliebt. Weißt du überhaupt was Liebe ist? Weißt du überhaupt, wie es ist nicht ne betrunkene, nuttige Schlampe zu sein? Nein, und deshalb hast du ihn auch nicht verdient. Und zumindest in dem Punkt hat die Stimme recht: Verdient hatte ich ihn nie.

Montag, 21. Dezember 2015

Wenn du wie ein Taucher bist, der unten in der Schwärze sitzt. Sich sehnend nach dem Hoffnungsschimmer. Von jenem ersten Licht. Wir kamen aus dem blau und gehen ins schwarz. An unserm Anfang und an unserm Ende ein Arzt.

Heute Abend sehe ich Ra. das erste Mal seit dem Urlaub. Heute nacht bin ich dann offiziell Single. Ich komm mir herzlos vor, so kurz vor Weihnachten Herzen zu brechen. Ich komm mir kein Stück Herzlos wegen des Betruges vor. Vielleicht spricht auch das nur für Herzlosigkeit. So können wir beide im neuen Jahr neu anfangen. Von Vorne. Irgendwo in der Mitte des Lebens, was weiß ich. Wie geht neuanfangen eigentlich? Muss ich zum Friseur, um meinen neuen Lebensabschnitt zu beginnen? Eine Shoppingtour? Ich glaube, ich fang einfach ein neues Buch an, das muss reichen für mich.

Gestern abend kam es über mich, dass ich einer Uni-Freundin (also auch mit Ra. befreundet) von meinen Gedanken berichtet habe. Sie schien schockiert und dann, als ich einiges erklärte, so als wäre es richtig. So als wäre ich kein nur herzloser Mensch. "Ra. ist erwachsen, mit sowas muss und wird er klar kommen.", schrieb sie irgendwann. Und ich saß vor meinem Handy und dachte: "Ja, damit muss er klar kommen." Irgendwie macht dies, das Vorhaben an sich nicht leichter, aber dann dachte ich darüber nach, wie oft ich mit sowas klarkommen musste. Mit A. Mit Maxi. Damit klarkommen, dass es einfach nicht reicht. Und er durfte 1,5 Jahre seinen "Wunsch" leben. Er durfte 1,5 Jahre lang mit dem Mädchen zusammen sein, das er liebt, auch wenn sie das vielleicht etwas anders sieht. Und so hart es klingt: Sowas wurde mir in meinem Leben verwehrt. Und das ist okay, weil es Vergangenheit ist. Weil ich damit leben gelernt habe. Und genau das muss er auch tun: Sich damit abfinden. Und ich lasse ihm Freiraum, lasse mich über 2 Wochen nicht hier blicken, verstecke abgesehen von Silvester in meiner Heimatstadt und fliehe in meine alte Realität, weil es da so viel kaputter und einfacher ist.

Ich werde wieder mit Sport anfangen. Nicht nur weil es mir fehlt, sondern weil ich es immer mochte und bald wieder mehr Zeit dafür habe. Und weil ich zugenommen habe. Ich bekomme zu Weihnachten anständige Hanteln und ab heute gehe ich täglich joggen. Naja, was man bei mir so joggen nennen kann. Also das Joggen hört natürlich auf, sobald ich hanteln habe, weil ich lieber Kraft+Ausdauer mache, als Joggen. Ich hasse joggen sowieso. Vermutlich bin ich heute das erste und letzte Mal joggen gegangen. Yeah, Motivation. Gleich habe ich meine vorletzte Veranstaltung für dieses Semester und dann muss ich über Weihnachten eine Hausarbeit schreiben. Das wird schön.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Auszug aus der Urlaubslektüre

" "Franny", schrie ich laut, doch es kam keine Antwort. [...] Taschenlampen blinkten, und wie ein Schwarm großer Leuchtkäfer gelangten wir zu den Farnen, wo Lenny Metz - der seine Hose noch nicht wieder angezogen hatte - den Kopf meiner Schwester zwischen seine Knie eingeklemmt festhielt. Metz kniete auf Frannys Armen und war über ihren Kopf gebeugt, während Chester Pulaski - der zweifellos als dritter zum Zug gekommen war - gerade fertig wurde.
Chipper Dove war schon fort; er war natürlich als erster drangewesen. Und als vorsichtiger Spielmacher hatte er den Ball nicht zu lange behalten. [...]
Ich hatte Franny in den Farnen beim Anziehen geholfen, und Junior Jones hatte versucht, ihr Haar zu entwirren, während sie weinte und weinte, und schließlich hatte er zu ihr gesagt: "Willst du zu Fuß gehen oder mit mir?" Genau mit diesen Worten hatte Vater vor Jahren immer uns Kinder gefragt, ob wir zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren wollten. Junior meinte natürlich, er würde Franny tragen, und das wollte sie - und so trug er sie. [...]
Franny weinte und weinte, und Junior sagte: "Hör mal, du bist ein gutes Mädchen, ich kann das sehr gut beurteilen." Aber Franny weinte weiter. "He, paß auf", sagte Junior Jones. "Ich will dir mal was sagen. Wenn dich jemand anfaßt, und du willst nicht angefaßt werden, dann wirst du nicht wirklich angefaßt - du mußt mir das glauben. Das bist dann gar nicht du, was die da anfassen; so erwischen sie dich nicht wirklich, verstehst du? Du hast immer noch dich in dir drin. Keiner hat dich angefaßt - nicht wirklich. Du bist ein wirklich gutes Mädchen, glaubst du mir das? Du hast immer noch dich in dir drin, glaubst du mir das?" [...]

Dann stand ich auf und ging an die Tür zum Bad und fragte sie, ob ich ihr irgend etwas bringen könne.
"Danke", flüsterte sie. "Geh einfach raus und bring mir gestern und den größten Teil von heute", sagte sie. "Ich will sie zurückhaben."
"Ist das alles?", sagte ich. "Nur gestern und heute?"
"Das ist alles", sagte sie. "Danke."
"Ich würd's tun, wenn ich könnte, Franny", sagte ich ihr.
"Ich weiß", sagte sie. Ich hörte sie langsam ins Wasser eintauchen. "Ich bin okay", flüsterte sie. "Das verfickte ich in mir hat keiner erwischt."

[John Irving: Das Hotel New Hampshire, S.154ff. ]

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Mach deine Fenster auf. Lass den Frost hinaus und frisches Leben rein. Ich habe es im Blut jetzt wird alles gut. Wir werden uns befreien. Denn ich weiß, diese dunklen Jahre sind vorbei.

Morgen früh um 5:25 Uhr fliegt das Flugzeug in dem ich sitze nach Gran Canaria. (Neid ist vollkommen angebracht, damit kann ich leben) Zusammen mit Anna (Mitbewohnerin & gute Freundin) gehe ich auf eines meiner größten Abenteuer: ohne gute Englischkenntnisse, ohne irgendwelche Spanischkenntnisse und viel zu wenig Gepäck (irgendwie ist meine Tasche zu leicht) machen wir 6 Tage Urlaub.

Bevor jetzt irgendwer sagt, dass ich vor meinen "Problemen" fliehe: Mein Plan ist simpel. Ra. und ich haben noch vorgestern darüber geredet, dass jeder sich Gedanken machen muss über die Beziehung. Und da ich nicht so "unmoralisch" sein wollte und Schluss machen und ihn mit den ganzen Fragen, die man sich so stellt und die ich ihm auch beantworten werde, alleine lassen wollte, habe ich mir überlegt, dass ich den Schlussstrich nach dem Urlaub ziehe. Dann hat er über Weihnachten und Neujahr etc. Zeit das zu verkraften und alles wird gut. Außerdem habe ich so die Begründung, dass mir halt durch den Abstand, den der Urlaub mitbringt, bewusst wird, wie wenig die Beziehung mir bedeutet und ich muss ihm das Herz nicht doppelt brechen und ihm von dem Betrug erzählen. Das bleibt mein kleines dreckiges Geheimnis.

Haltet mich ruhig für herzlos, aber wisst ihr, was ich am meisten bereue an K's Party? Dass F. und ich uns nicht häufiger geküsst haben. Dass ich F's erste Versuche abgelehnt habe. Vielleicht wäre dann jetzt die heftigere Sehnsucht ausgebrochen, aber nunja, was solls.

Jetzt sind wir (nach dem Kofferpacken) in extremer Silvesterplanungnot. Ich freue mich. Denise als Single, war schon immer die beste Rolle. Und die gefährlichste. Und die spannenste.

Ich hab Maxi davon erzählt, dass ich mich trenne. Erst hat er es nicht verstanden, dann habe ich ihm so meine Probleme mit Ra. erzählt und dass Ra. sich halt auch verändert hat und dass einiges fehlt. Jetzt versteht er es irgendwie und will mich direkt sehen. Seeeehr gut. Gleichzeitig hat mir seine Freundin eine Freundschaftanfrage auf Facebook geschickt, haha. Mein Leben macht Spaß. Oh moment: Um das klarzustellen, ich möchte nicht Maxis Beziehung crashen oder so. Ich wünsche ihm alles Glück.

Ich möchte sowieso erstmal keine Beziehung. Ich möchte Freiheit. Freiheit und Alkohol. (Und Gras, wenn es nach Maxi geht). Aber vorallem möchte ich jetzt erstmal in die Sonne fliegen. Bis ungefähr Donnerstag.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und dem Erwerben des Begehrten vernichten zu können, ist Sehnsucht. [Immanuel Kant]

Ihr habt vermutlich die Pointe im letzten Post vermisst, was? Klang ja fast so als würde Denise etwas interessantes neues passieren. F. hat eine Freundin. F. und ich werden uns nicht wiedersehen. F. trennt sich zwar alle drei Tage (ungefähre Einschätzung von K.) von seiner Freundin, weil es sowas wie Hassliebe ist, da sie sich ständig streiten. Und sobald er bald ein halbes Jahr weg ist, sind die eh auseinander. Alles Einschätzung von K. und ihrem Mitbewohner. Vielleicht gut, dass ich hier bin, in der anderen Stadt, weit weg, sehe ihn vermutlich nie wieder (und wenn, dann bei K. und in mehr als einem halben Jahr). Das ändert aber nichts daran, dass ich das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder tiefe Sehnsucht verspüre. Vielleicht beruht diese Sehnsucht auf eine angetrunkene Sicht der Dinge, aber es ist wahre Sehnsucht. Ich habe zwei Tage lang mit K. über nichts anderes als F. geredet. Immer wieder, immer mehr. Bloß nicht vergessen. Bloß im Kopf behalten und vorallem im Herz. Es ist eine nicht-loslassende Melancholie. Es kommt mir vor, als hätte ich Goethe und Schiller nie richtig verstanden, wenn sie über Sehnsucht schrieben. Ich weiß, wie fürchterlich lächerlich das klingen muss bei allem, was ihr schon von mir gelesen habt. Natürlich ist F. nicht Maxi. (Haha, mein Leben ist der beste Witz). Natürlich ist es etwas völlig anderes, aber F. hat was geschafft, was ich dachte nie klappen würde: Mich aus dieser Kammer zu holen, in der ich steif und fest behaupte, dass ich das mit Ra. nicht beenden kann. F. hat es geschafft, dass ich wieder etwas fühle. Und auch, wenn es jetzt auf Schmerz hinausläuft, war es eine gute "Erfahrung". War es ein guter Kuss. War es ein gutes Gefühl.

Ich werde mich von Ra. trennen. Vermutlich nächste Woche. Wir haben vorgestern, also zwei Tage nach K's Party darüber geredet, dass unsere Beziehung nicht gut läuft. Er meint, dass ich mich beinahe weigere körperlich, innigeren Kontakt mit ihm einzugehen und, dass er glaubt, dass es nur an meiner Unsicherheit liegt. Ich saß auf dem Bett und merkte zum ersten Mal vielleicht so richtig: Nein, daran, dass ich dich nicht anziehend finde, nicht attraktiv, nicht verliebt bin. Manchmal finde ich dich nichtmal interessant, weißt du. Dann tat es mir Leid. Aber Mitleid sollte nicht der Grund sein eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Die Trennung wird für viel Zerstörung in meinem Umfeld sorgen. Vielleicht auch im Ablauf meines Studiums. Aber vorallem wird sie mich wieder atmen lassen. Vorallem wird sie dafür sorgen, dass ich mich nicht mehr vermissen muss. Dass ich leben kann.

Viele haben mir in den letzten Tag gesagt, dass man an Beziehungen arbeiten kann. Aber ich sitze hier und im April wären wir zwei Jahre zusammen. In diesen sagen wir mal 1,5 Jahren, haben wir circa 1 Jahr nichts anderes getan als an unserer Beziehung zu arbeiten. Wir haben nichts anderes getan als darüber zu reden, was fehlt, was wir anders machen müssen. Dass ich offener und er mutiger sien muss. Dass ich es hasse morgens noch stundenlang im Bett zu liegen. Dass er am liebsten den ganzen Tag neben mir im Bett liegen würde. Dass Sex zu einer Beziehung dazu gehört. Und ich meine, dass es dazu gehört. Und jetzt weiß ich, dass ich frei sein muss. Und wenn ich dumme Fehler mache, dann mache ich sie wenigstens aus einem Gefühl heraus. Und wenn ich nie wieder eine Beziehung führe, kann ich wenigstens sagen, dass ich keine kaputte oder schlechte führe. Ich muss mich von Ra. trennen, egal was passiert.

Samstag, 5. Dezember 2015

Du verdienst eine bessere Frau, und ich einen besseren Mann.

Es ist mir selten schwieriger gefallen, die richtige Formulierung für einen Post zu finden. Es ist mir selten schwieriger gefallen, zu erklären, was da eigentlich passiert ist. Und vermutlich fällt es mir am schwersten das einzuordnen. Ich glaube, ich halte mich chronologisch.

Gestern war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin K. und ihr Mitbewohner kam im Laufe des Abends mit ein paar anderen Freunden von sich. Darunter war F. (merkt es euch einfach). Naja, nachdem ich traurigerweise ziemlich "im Training" bin, was das Trinken angeht, habe ich mit einer Flasche Wein angefangen, ein Glas Rum-Cola getrunken und irgendwelche Shots. Soweit so gut. Vernünftig, wie ich manchmal zufällig bin, bin ich dann auf Leitungswasser umgestiegen. (Chronologie ist übrigens zerstört) Ich habe mich mit vielen alten Freunden aus der Heimatstadt unterhalten und eben auch mit den Freunden des Mitbewohners. Alles, wie auf einer Party üblich. Am meisten redete ich vermutlich mit F. Er ist ein braunerhaariger, verflucht großer Kerl, der sehr höflichen Blickkontakt aufübt. Wir trinken ein paar Kurze zusammen, bevor ich aufs Wasser umsteige und ich sehe, dass sich sein Blick ändert. Es ist nicht der "Ich-höre-dir-gerne-zu"-Blick, sondern der "Ich-Will-Dich"-Blick. Ich weiß nicht, wie gut ihr das kennt, aber bei Menschen, die einem sehr sympathisch sind, ist sowas immer schwierig. Nicht nur schwierig, sondern ein Gefühl, was ich folgermaßen umschreiben möchte: Eine Ganzkörpergänsehaut, die sich aber sowohl nach innen als auch nach außen zieht und jede Faser deines Körpers berührt. Flirten ist nicht verboten, sag ich mir und spiel das Spiel mit.

Irgendwann so um zwei Uhr nachts gehe ich in die Küche und hole mein gefühltes 10. Glas Wasser, damit ich mich nüchterner fühle. Ich laufe an ihm vorbei, er geht kurz ins andere Zimmer und kommt sofort hinter mir her. Während er dabei ist, mit seiner Hand meinen Rücken runterzufahren, gehe ich einen Schritt nach links. "Ich kann das nicht", presse ich beinahe hervor. "Ich weiß nicht, wie gut deine Menschenkenntnis ist, aber du zitterst fast unter meinen Fingern weg", sagt er und grinst. Mein Herz schlägt unfassbar schnell. So schnell, dass es beinahe weh tut. Nimm mich einfach mit. Du und ich bleibt unser kleines, schmutziges Geheimnis. Ich steh da und bin alleine schwer damit beschäftigt nicht einfach umzufallen. Sexuelle Frustration, Angst, Verwirrung. Wo ist mein eigener Wille? Ich fühle mich unfassbar nüchtern, als wüsste ich genau was ich tue, nur dass ich es nicht schaffe. "Ich geh mal wieder ins Zimmer drüben, kannst gerne jederzeit nachkommen", sagt er und geht in den Partyraum. Ich stehe zwei Sekunden da und L. kommt und fragt mich, was war. "Nichts. Überhaupt nichts. Wir verstehen uns nur gut.", lüge ich und versuche dieses Gefühl los zu werden. F. kommt wieder in die Küche, stellt sich zu uns und lächelt nur ganz leicht. Dieses "Ich kann ja nicht zu lassen, dass du nicht an mich denkst"-Lächeln. L. und er unterhalten sich über Tatoos und wo er welche hat. Er sagt, er habe zwei und eines zeigt er uns, auf der Brust. Keine Haut. Lass das. Zieh dich wieder an, ich kann nicht denken. "Und wo ist das andere?", fragt L völlig unverhofft. "Das werde ich dir weder zeigen noch sagen", sagt er und schaut zu mir mit einem Blick wie "Willst du nachgucken?" rüber.

Ich setze mich auf das Sofa neben allen anderen Partygästen und führe einen inneren Konflikt bei dem er mich beobachtet. Ich gehe raus auf den Balkon, damit ich abkühle, in dem Gedanken, dass ich dort nicht alleine bin, weil T. und N. gerade rauchen. Natürlich hält eine Zigarette nicht ewig und sie gehen rein F. kommt raus. "Bist du auch so sentimental?", fragt er. "Inwiefern?" - "Naja, ich bin [leider fehlt mir hier der richtige Begriff] Bundeswehrflugzeugsoldat-Zeugs und das habe ich gerade erzählt und jetzt ist da voll die melancholische Stimmung, dabei habe ich nichtmal wirklich was erzählt. Wenn man mich nach meiner Weihnachtsplanung fragt, ist die Frage eher, wo mein Land mich sieht." Ich schlucke. "Ne, ich bin nicht sentimental. Die Welt geht zugrunde und leider muss irgendwer in erster Reihe stehen, wenn der dritte Weltkrieg beginnt. Wenn er das nicht sogar schon ist". Er sieht mich an. Und (spätestens) in dem Moment ist es aufrichtiges Interesse. Vielleicht ein betrunkenes, williges, aufrichtiges Interesse. Ich fand alles, was er erzählt hat interessant.

Wir stehen eine ganze Weile da und er legt die Hand an meine Hüfte und zieht mich näher. Und so weh es mir in dem Moment auch tat, blickte ich auf den Boden und keine Sekunde zu ihm hinauf. Er lockert unsere Position auf und ich sehe ihn an. In gewisser Weise ist er enttäuscht. Er hält mir seinen Apfelkorn-Becher hin: "Na, wenn du mich nicht küssen willst, musst du wenigstens trinken" und schiebt ein leichtes Lächeln hinterher. Ich gestehe mir ein: Ich hätte nichts lieber getan als ihn zu küssen. Nicht, weil ich betrunken bin. Nicht, weil ich Ra. weh tun will. Sondern einfach, weil es passt. 

"Wenn das, was mit uns wird, musst du dich also darauf einstellen, dass ich auch mal ein halbes Jahr beruflich weg bin", sagt er irgendwann angehaucht ironisch. Denise, du führst eine Beziehung. Denise, Betrug ist keine Lösung. Lass es. "Gibst du mir deine Nummer?", platzt es aus mir heraus. Ich ignoriere seine provokante Äußerung, ich ignoriere meine Beziehung und meine Werte. "Du willst also mit mir in Kontakt bleiben?", fragt er und grinst. Ich halte ihm nur mein Handy hin und sage nichts. Oft fragt er, ob mir kalt ist. Oft auch, was nicht mit mir stimmt. Oft auch, ob er irgendwas anders machen soll.

"F., du verwirrst mich." - "Danke, ebenso" Wir lachen. Er blickt mir ziemlich lange in die Augen. Zieht mich ran. Ra. Beziehung. Mir egal. Wir küssen uns nur ganz kurz, gucken uns danach noch immer an. "Weißt du, dass du eines der interessantesten und schönsten Mädchen bist, mit denen ich je geredet habe?", fragt er ohne eine Antwort zu erwarten. "Danke schön. Aber glaubst du wirklich es ist noch heftig nötig Komplimente zu machen, wenn du dein Ziel schon erreicht hast?", frage ich und lache. Mein Herz schlägt. Mein Herz wird mir bewusst. "Wahrheiten können immer gesagt werden", sagt er und hält mich einfach kurz in seinen Armen.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Es beschleicht mich wieder das Gefühl, fragt mich leise was ich wirklich will. Und dann schickt es mich in den April und sagt "Ha'm wir nicht da!" Das Gefühl ist wie der letzte Schrei, kaum verschwindet es und geht vorbei. Dann verlacht man es und denkt dabei "Ach wie dumm ich doch war."

Momentaner Standpunkt: Ra. ist irritiert, wieso ich nicht sauer auf ihn bin. Ich hab ihm versucht zu erklären, dass ich mir jeden Tag selbst schlimmeres an den Kopf werfe und der Grundgedanke "Ich bin nicht (gut) genug" mir nicht fremd ist. Das widerum führt dazu, dass er sich Sorgen um mich macht. Soll ich mal ehrlich sein? Es gibt Tage in diesem Semester (seit der bestandenen Mathe-Klausur), an denen ich glücklicher bin als vielleicht jemals zuvor. So als hätte ich plötzlich gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu lieben. Natürlich ist das nicht jeden Tag so. Aber beispielsweise jeden Mittwoch, da habe ich ein Seminar mit dem Titel "Moralischer Perfektionismus: Von Nietzsche bis Cavell" und eigentlich lesen wir Shakespeare und dann Cavell der über Shakespeare schreibt und wieder Shakespeare usw.  Es ist ziemlich viel zu lesen, aber ich glaube damit komme ich klar. Auch, wenn deshalb einige andere Seminare zu kurz kommen, aber auch das ist okay. Was das Seminar aber so besonders macht, sind die Menschen. Vor allem der Dozent. Ein etwa 28-jähriger Dozent, der Nietzsche, Kirkegaard und Cavell verliebt ist. Und vielleicht auch ein wenig in sich selbst. Aber dies wenig genug. Sehr gebildete Menschen haben einen Effekt auf mich, der mir nur selten begegnet, weshalb ich ein Problem damit habe, damit umzugehen. Besonders in direkten Gesprächen. Auch, wenn diese Beschreibung gerade klingt, als wäre ich von meinem Dozenten ergriffen, denke ich, ist es eher eine Art der Bewunderung und die Auseinandersetzung mit Sexualität in Shakespeares Dramen, die mich vielleicht phantasieren lässt.

Manchmal glaube ich, dass Maxi und ich uns gegenseitig warmhalten. Versteht ihr? So als Plan B, der eigentlich immer Plan A war. Er war letzten Samstag mit seiner Freundin Va. auf der Geburtstagsparty von meiner Mitbewohnerin und mir. Und dann hat Va. vorgeschlagen, dass Maxi und ich doch mehr miteinander machen sollten. Ich stelle für sie keine Gefahr dar. Entweder, weil sie weiß, dass Maxi nie etwas mit mir anfangen würde, oder sie ist gutgläubig. Beides irgendwie sehr unwahrscheinlich in heutiger Zeit, wie ich finde. Natürlich finde ich das eine sehr unterstützenswerte Idee. Nur fehlt mir leider beinahe durchgehend die Zeit dazu. Einfach, weil ich ständig mit meiner Nase in Texten und Büchern hänge. Dennoch war es schön ihn wiederzusehen. Schön, dass er noch immer Zeit für mich hat.

Und er, er ist überall. Mir ist mal aufgefallen, dass ich ihm nie einen Namen gegeben habe. Also G. Er ist der Philosoph, der mich ignoriert. Der mich zum lachen gebracht hat. Der, bei dem ich dachte, wir verstehen uns ganz gut. Der Anti-Ra sozusagen. (Ihr erinnert euch bestimmt?) Und jede Woche sehe ich ihn mindestens zweimal. Wir haben zwar keine Überschneidung im Stundenplan, kein Seminar zusammen, aber er ist Raucher. Und jeden Donnerstag und Montag, wenn ich in mein Philo-Gebäude laufe, sehe ich ihn. Er steht da, unfassbar gutaussehend und grinst ganz kurz, während er angestrengt wegguckt. Nicht, dass ich mich in der Hinsicht viel Erwachsener verhalten würde. Es ist eher eine Art Spiel zwischen uns. Wir schauen hin zum anderen in der Hoffnung, dass der andere auch schaut und doch mit dem Wunsch, dass man in Ruhe gucken kann. Wir haben seit über 3 Monaten nicht miteinander geredet. Vielleicht würde es auch noch unerträglicher machen, wenn wir reden. Wenn ich anfangen würde, ihn wirklich zu vermissen. Wenn ich Gefühle entwickle. Denn bei vielen meiner momentanen Begegnungen mit männlichen Wesen ist eher ein subtiles Interesse, eine Neugierde, als müsste ich noch irgendwas entdecken.

Samstag, 14. November 2015

Und wenn dann Zeit zu gehen ist, wird aus Staub wieder Staub.

"Es fehlt, was in der Beziehung", lallt Ra. nachdem ich ihn gezwungen habe, sich ins Bett zu legen. "Du bist einfach nicht genug".

Ich bete schon fast dafür, dass er sagt, er muss es beenden. Ich Bete dafür, dass ich jetzt einfach gehen kann. Tränen laufen mir über das Gesicht. Ich bin einfach nicht genug. Einen kurzen Moment werde ich wütend: Nur weil ich nicht die Beine breitmache, denke ich. Weil ich es hasse angefasst zu werden. Dann weine ich weiter.

Irgendwann findet J. mich und sie erklärt mir, wie toll ich bin. So ziemlich der coolste Mensch, den sie kennt. Und, dass Ra. ein Idiot ist, wenn er das nicht zurücknimmt. Am Ende versichert sie mir, dass sie Team Denise ist. Wir müssen beide lachen. Danach gehe ich zurück auf die Party. Zwei, drei Stunden laufe ich wild umher, rede mit jedem, den ich finden kann. Ablenkung, Musik, Alkohol. Wieso war ich damals soviel besser darin? Weil du frei warst, flüstert die Stimme.

Irgendwann später kommt Ra. wieder. Immernoch unglaublich betrunken. "Hey, du lagst ja gar nicht neben mir. Ich hab dich sehr vermisst." Ich bringe ihn zurück ins Bett, warte darauf, dass er schläft und lege mich auf das Sofa des Mitbewohners.

Am nächsten Morgen spreche ich ihn auf die Sache an. Er weiß so gut wie gar nichts mehr. Man sieht ihm an, dass er darunter leidet das gesagt zu haben. Er weiß genau wie sehr mir das nicht aus dem Kopf gehen wird. Er weiß genau, dass ich jedes dieser Worte immer glauben werde, egal was er jetzt noch sagt. Ich glaube ihm, dass es ihm leid tut, aber ich weiß auch, dass er es irgendwie so meinte. Zumindest, dass ihm was fehlt. Und in dem Moment wurde mir klar, dass ich niemals mit Ra. schlafen werde. Nie.

Freitag, 30. Oktober 2015

Es vibriert in allen Sinnen. Ich saug' das ganze Universum um mich auf. Und die Orchester sollen spielen. Ich bin wieder am Leben !

Ich melde mich spät, entschuldigt. Ich habs geschafft. Ich hab bestanden. Zwar mit einer Punktlandung bei genau 4,0 und 50 von 100 Punkten, aber das ist mir sowas von egal. Ich hab es sowas schon geschafft. Ich muss zwar noch 2 MatheVorlesungen und 2 Seminare machen, aber das ist im Gegensatz dazu sehr viel einfacher. Ich hab es geschafft. Diesen Satz sag ich mir jetzt seit 2 Tagen durchgehend.

Vielleicht ist es übertrieben und nur eine Phase des Glücks. (Ohja, seht her, Denise nennt etwas in ihrem Leben Glück). Ich nehme aber die meisten Situationen echt anders wahr als vorher. Ich glaube die letzten beiden Uni Tage waren mit die besten überhaupt. Ich saß mit C. und M. in der Mathe-Bib und wir haben Tränen gelacht. Wisst ihr, wie lange ich nicht mehr gelacht habe? Natürlich, ich gehöre zu den Leuten, die sich mit ihrem Druck irgendwann kaputt machen. Ich gehöre aber hoffentlich nicht zu denen, die daran kaputt gehen. Denn: Ich hab es geschafft. Gestern saß ich dann in drei Philosophie Seminaren hintereinander. Und in jedem dieser Seminare habe ich mit Menschen geredet. Dieses Semester ist meine übliche Mitphilosophin in Norwegen und deshalb "habe ich keinen", sozusagen. Aber manchmal ist man glaube ich alleiner, weil man sich alleiner fühlen möchte. Also, das trifft nicht auf jede Situation zu, aber auf manche. Alle Menschen waren sehr nett zu mir. Vielleicht fühle ich mich nächste Woche auch schon wieder wie der schlimmste Mensch der Welt, aber gerade bin ich froh am Leben zu sein und im Leben zu stehen.

Montag, 19. Oktober 2015

Wenn die Angst dich in die Enge treibt, es fürs Gegenhalten nicht mehr reicht. Du es einfach grad nicht besser weißt, dann bleib! Es geht vorbei.

Ich würde gerne etwas schreiben, das euch unterhält. Vielleicht etwas, was euch zum Lächeln bringt. Vielleicht sogar etwas, bei dem ich selbst lächeln muss. Ich bin aber leider so müde, dass ich kaum die Tasten treffe. Dabei ist es nicht einmal 1 Uhr. Fast so etwas wie Mittags für mich. Morgen beginnt das neue Semester. Juhu. Ich frage mich zwar, wann noch gleich das letzte geendet hat, aber die so arbeitsfaulen Studenten sollen sich ja laut der Erwachsenengeneration nicht beschweren. Ich hab in meinen "freien" 2 Monaten Essays und Hausarbeiten geschrieben. Und viel mehr habe ich gelernt. Jeden verfluchten Tag berechnete ich Grenzwerte von Folgen und Konvergenzradien. Ich überprüfte Funktionen auf Lipschitz-Stetigkeit und Differenzierbarkeit. Wer jetzt abschaltet und nicht versteht worüber ich rede, dem sei gesagt: Ich beneide dich. So sehr. Tauschen wir?

Kurz gesagt, macht Mathe mich mal wieder Wahnsinn. Und diesmal ist es wirklich ein Anfang oder Ende. Ich schreibe diese Klausur zwar "erst" zum Zweiten Mal (dreimal sind erlaubt), aber wenn ich sie nicht bestehe, werde ich Mathe abbrechen. Vielleicht auch Philo. Vielleicht auch einfach alles. In den letzten Tagen denke ich oft an Selbstverletzung und auch Suizid. Vielleicht bringt das Mathe einfach mit sich. Vielleicht ist es auch diese Aussichtslosigkeit. Nichtmal, dass ich keine Chance sehe die Klausur zu bestehen. Sondern viel mehr, was passiert, wenn nicht? Ich hatte nie einen Plan B. Ich wusste seit der Grundschule, was ich werden wollte. Klar, die Fächer haben sich mit der Zeit gewandelt und wurden schlussendlich vom NC bestimmt, aber ich wollte immer unterrichten.

Ich hab Angst vor meinem Ich, das kein Ziel mehr hat. Vor dem ich, das seinen Traum zerstört hat. Ich flehe, ich bete, dass diese Klausur ein Bestanden wird, völlig egal wie. Ich weiß, dass ich mich zu sehr unter Druck setze, in vielerlei Weise. Inzwischen habe ich mir schon Heul-Pausen gelegt. Manchmal bin ich schon bei der Aufgabe den Tränen nahe, einfach weil ich nicht das richtige Ergebnisse rauszuhaben scheine. Meistens ist es dann eine einfache Umformungssache. Ich bin völlig am Ende. Kaffee lässt mich aufstehen, lässt mich denken. Solangsam wäre eine Infusion einfacher. Und ab morgen muss ich meine Zeit (bis Freitag, Klausurtermin) auch noch damit verschwenden in den Betonbau zu gehen. Juhu.

Sonntag, 27. September 2015

Weil es Liebe ist. Und bleiben wird. Vermutlich Für immer.


Liebe ist ein heikles Thema. Es wird in Filmen, Büchern und Symphonien verarbeitet. Überall auf der Welt ist sie wichtig. Überall der Welt wird sie gebraucht. Und ich habe sie gefunden. Damals einsam sitzend in der Klasse. Damals mich suchend auf der Party. Ständig neben mir im Auto, im Kino, bei der Feier. Maxi. Ich weiß, ich bin erst 21 und das gerade eben. Aber er ist die Liebe meines Lebens. Nicht, weil ich zu den übertreibenden Jugendlichen meiner Zeit gehöre, sondern weil es der Wahrheit entspricht. Ich sitze kaum eine Stunde neben ihm, die mir vorkam wie zwei Minuten, und weiß: Hier bin ich zuhause. Zuhause sein ist ein Gefühl, das ich nie habe. Es so selten ist wie Schnee im Mai. Aber bei ihm habe ich es vom ersten Atemzug an. "Eigentlich will ich dich ständig sehen, weißt du." Sagt er mir. Als wäre es angebracht in dieser Situation. "ich bin aufrichtig zu dir", sagt er, als würde ich jemals daran zweifeln. "Schreib mir sobald du in unserer Heimatstadt bist", sagt er und versichert, dass seine Freundin hinten anstehen muss. Hinter mir. Dem Mädchen dass er das Leben gerettet hat ohne es zu wissen. Ich schreibe diesen Text 20 Minuten vor meinem Geburtstag. Am Weinen vor Glück, wegen dem Gefühl, dass ich nie mehr sowas haben werde. Am Weinen, weil soviel in meinem Leben dagegen unwichtig er scheint. Am Weinen, weil immer nur einer wirklich wichtig war. Wir lachen obwohl wir uns seit Monaten nicht gesehen haben, immernoch über die selben Dinge. Wir schütteln den Kopf über Geschichten von damals. "Vielleicht gehen wir nächstes Mal wieder ins Kino?", sagt er und lacht und wir beide wissen wieso. "Meine Freundin ist nie eifersüchtig wenn wir uns sehen", sagt er."Wieso auch?", frag ich. "Weil du ein Mädchen bist und ich ein Junge?" - "na und?" - "Du bist ein Mädchen das Fußball liebt. Du bist fast so was wie das perfekte Mädchen." - "Dafür habe ich aber ziemlich wenig Auswahl". Wir lachen. "Also ich verstehe es nicht. Wie lange ist das eigentlich alles her? Als würden wir uns ewig kennen" - "vielleicht soll es sich so anfühlen. Vielleicht liegt es an uns beiden." - "Denise, ruf mich an sobald du wieder hier bist, ich mach mir Zeit für dich." Ich gehe in die Wohnung und weine. Weine immer weiter. Vor Freude. Nach all den Jahren ist nichts anders. Irgendwie.

Donnerstag, 10. September 2015

Ich bin davon überzeugt, dass diejeningen, die immer gekämpft haben, auch irgendwann ihre Belohnung bekommen.

Ich sitze neben einer Freundin, vermutlich die längste, die ich habe. Wir haben beide etwas getrunken. Sie vielleicht etwas mehr. Um uns herum spukt der Geist der vergangenen Tage. "Ich hab in letzter Zeit oft daran gedacht, mich umzubringen", sagt sie in die melancholische Stille hinein. "Dein Ernst?", frage ich. Es ist nicht so, dass ich Menschen dafür verurteile so zu denken, wie könnte ich das auch, da meine Gedanken häufig ähnlich waren (sind). Aber sie war damals diejenige, der ich meine Probleme gestanden habe und alles, was kam, war: "Du solltest dir professionelle Hilfe suchen". Demnach musste ich zunächst meine vielleicht immer noch existierende Enttäuschung über die damalige Situation herunterschlucken. "Ich meine, wieso denkst du daran?", frage ich fast schuldig nach. "Naja, nach der Trennung von Do. [die waren etwas mehr als ein Jahr zusammen] ging es mir nicht gut. Ich fühlte mich allein. Ich bin nicht gut im Alleinsein. Und dann kamen wieder die Uni-Absagen. [Das dritte Semester, wo sie keinen Platz bekommt] Ich hab kein Problem mit der Trennung, nicht mehr. Immerhin war er ein Vollidiot. Aber dann hat sich M. in mich verliebt und ich hab sein Herz gebrochen, einfach weil ich ihn nicht liebe. Das war einfach zuviel anderes auf einmal. Verstehst du?". Ich trinke einen großen Schluck Whisky-Cola, bevor ich antworten kann. "Natürlich verstehe ich dich. Aber das weißt du genau, sonst würdest du es nicht mir erzählen. Zumindest nicht so, als wäre das kein großes Ding. Ich leb mit den Gedanken fast mein halbes Leben inzwischen. Aber es gibt immer irgendeinen Zweck weiterzumachen, denke ich zumindest. Dann machst du halt ein halbes Jahr, was anderes bevor du studieren gehst. Das Uni-System ist schwachsinnig, aber daran kann man nichts ändern." Wir reden eine Weile über ihre Probleme. Es ist okay. Sie hat den Vorteil des halbwegs guten Elterntums, weshalb sie sich allein schon niemals umbringen würde.

"Wie hast du es damals geschafft dir dieses gute Leben, was du hast aufzubauen? Wie hast du es geschafft, die Gedanken zwar zu haben, aber mit ihnen zu leben?" Plötzlich grinse ich über das ganze Gesicht. "Ich hatte jemanden gefunden, mit dem es sich so anfühlte als könnte man jedes Problem der Welt lösen. Als wäre ich in einer dunklen Kammer gefangen gewesen und er hätte mich daraus geholt. Inzwischen ist es vielleicht wieder schwerer geworden, aber ich weiß, dass er immernoch jederzeit da ist, wenn ich ihn brauche." Sie muss nicht nachfragen und ich nicht erklären, um wen es sich handelt. Das ist das schöne an alten Freundschaften, man muss die Worte nicht verschwenden.

Um 4:30 Uhr gehe ich langsam nach Hause. Es ist ziemlich kalt. Gut, dass ich mal wieder richtig kalkuliert habe, was Kleidung angeht. Ich sehe, dass Maxi online ist und schreib ihm: "Musst du nicht schlafen, du musst in gut 5 Stunden arbeiten" - "Stalkerin. Warum bist du denn noch wach?" - "Ich war bis gerade bei L., haben etwas getrunken, über alte Zeiten gequatscht und so." - "Soll ich dich nach Hause bringen? Ich sitz eh gerade im Auto" - "Du müsstest so den Umweg quer durch die Stadt fahren bis du hier bist und bis dahin bin ich sowieso zuhause." - "Sehen wir uns dann morgen abend?" - "Übermorgen abend?" - "Früher warst du aber leichter davon zu überzeugen meinen Termin einfach anzunehmen" - Früher wollte ich auch, dass du mich liebst. "Früher hat meine Mutter mich auch noch jeden Tag gesehen und musste sich nicht einteilen, wann sie Zeit für mich hat." - "Jetzt schiebst du auch noch deine Mutter vor. Aber du hast Glück. Ich hab nämlich immer Zeit für dich." - "Früher warst du aber schwerer rumzukriegen" - "Früher habe ich mir auch mehr vom Leben erhofft. Ich sag dir morgen Bescheid wegen dem Treffen, ja? Ich geh schlafen, bis bald." Er hat Schmerz. Am liebsten wäre ich zu ihm gerannt, hätte ihm gesagt, dass er der wunderbarste Mensch ist. Aus dem Treffen wurde nichts, weil der Trottel es vergessen hat. Diesen Monat werden wir es aber bestimmt nochmal schaffen uns zu sehen.

Nach diesem Gespräch, am nächsten Morgen ist mir aufgefallen, dass Maxi noch immer denkt, dass ich in der Beziehungspause verweile. Ich habe ihn nie auf den aktuellen Stand gebracht. L. fragt mich am Mittag, was ich tun würde, wenn wir uns sehen und es möglicherweise komplett betrunken zu einem Kuss kommen würde. Locker dachte ich, dass ich sagen würde, dass es betrunken passiert ist und nichts bedeutet. Sagen, dass wir beide Beziehungen führen und es ein Unfall war. Es hat nach all den Jahren doch nichts mehr zu bedeuten. Und ganz heimlich würde ich zurück in die dunkle Kammer gehen, den Moment darein legen und die Türe schließen, damit er mich nicht auffrisst. Damit er in dunklen Stunden immernoch für mich leuchtet.

Freitag, 4. September 2015

Und ich tippe auf mein Handy im Sekundentakt. Weil mir fehlt, was ich suchte und gefunden hab. Und ich hasse was ich mache.

Ich kann mein Leben so nicht akzeptieren. Ich kann mein Leben so nicht leben. Ich weiß nichtmal, ob ich es so Leben nennen darf. Seit Stunden wühle ich mich auf meinem Laptop durch alte Dokumente, Notizen, die ich irgendwann mal, irgendwo abgelegt habe. Vielleicht ist das meine heutige Form der Selbstzerstörung. Vielleicht auch nur ein Überbleibsel der Vergangenheit.

In den letzten Jahren habe ich Fortschritte gemacht. Soviele Fortschritte. Ich ernähre mich normal. Ich trainiere nicht nur bis zum Erbrechen. Ich blute nicht mehr, nur des Blutes und des Schmerzes wegen. Ich wohne seit einem Jahr nicht mehr zuhause. Ich bin mit 2/3 meines Bachelors fertig. Ich hab viele, tolle, neue Menschen kennengelernt. Viele von denen sind anders als meine "alten" Freunde. Sie sind so optimistisch, gesund oder nur viel bessere Schauspieler. In dieser "Uni-Welt" bin auch in meiner besten Rolle. Sobald ich zuhause bin, sobald ich neben P. sitze, sobald ich A. im Auto an mir vorbeifahren sehe, bin ich wieder ich. Dieses Mädchen, das keinen Platz hat. Und den habe ich auch in der Uni-Welt nicht, obwohl ich eingeordnet bin. Ich bin das coole, nicht-angepasste, humorvolle, viel lesende Mädchen mit merkwürdigen Interessen und so gar keinem mädchenhaften Verhalten. Zumindest könnte ich mir vorstellen, dass die Uni-Menschen mich etwa so beschreiben würden.

Der Unterschied zu den alten Freunde? Denise ist wechselhaft: entweder sie hat Lust auf was oder nicht. Wenn nicht, merkt man das einfach. Sie liest ständig, hört die Party-Unfähigste Musik und hat ziemlich einen an der Klatsche. Nebenbei ist sie aber oft die, die die Gruppe zusammenschweißt. Sie hasst es eingeengt oder zu etwas gezwungen zu werden. Und manchmal möchte man sie einfach in den Arm nehmen und sagen, dass alles nur halb so schlimm ist, wie es scheint. Und sie muss verflucht nochmal lernen, dass sie gut aussieht und schlau ist. Sie muss an sich glauben.

Beide Beschreibungen habe ich nicht erfunden, sie ergeben sich aus alten Sms, alten Gesprächen, neuen Fakten. Natürlich steckt in meinen Beschreibungen Wahrheitswert. Natürlich ist es nicht so, dass ich allen was vormache. Allen und überall. Auch bei den Uni-Menschen sind welche dabei, die mich besser kennen. Schade nur, dass eine gerade in Norwegen ist und mir fehlt. Hier fehlt um mir zusagen, ich soll vernünftig sein. Zu sagen, dass ich meine Gedanken einfach ignorieren muss.

Aber niemand der Uni-Menschen könnte mir sagen, was ich tun soll. Alle denken, ich bin Ra.'s Freundin und zwischen uns läuft alles gut. Alle denken wir sind das Paar, das nach der Uni zusammenzieht und glücklich wird. Die Beziehung wird als gegeben angenommen, egal was passiert. Niemand zweifelt daran. Niemand fragt mal nach, wie es mir geht. "Du hast ja Ra.". Niemand denkt, dass das vielleicht eines meiner größten Probleme ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nie zulasse, dass sie glauben, dass ich traurig bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich nicht traue jemandem von ihnen von meinen Gedanken zu erzählen. Sie würden es nicht verstehen. Sie sind die guten Menschen.

Also verkrieche ich mich in meiner alten Heimat, weiß, dass mein Leid hier gut aufgehoben ist, neben den Blutflecken auf dem Teppich meines alten Zimmer. Über den Kellern in denen meine Leichen liegen. Zwischen den Kisten, die meine Geheimnisse wahren. Zwischen den Menschen, die wissen, dass ich nie ganz bin.

Donnerstag, 27. August 2015

Du bist wie er, entschuldige ist mir so rausgerutscht. Hab die Tür wieder zugeschlossen, das Sicherheitsschloss klemmt, und ich weiß nicht, warum man so was Sicherheitsschloss nennt. War so leicht zu knacken, ich würd zu einem neuen raten.

"Dir kann es ja wohl sowas von egal sein, ob er dich ignoriert oder nicht.", schreit mein Kopf. Ich trinke einen großen Schluck Wein und hoffe, dass er endlich still ist.
Zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen werde ich vorgetäuscht ignoriert. Kennt ihr diese Situationen, in denen man weiß, dass jemand einem zuhört, wenn man spricht? Diese Situation, in der beide so tun, als hätten sie ihre eigenen Gespräche aber dennoch irgendwie alles andere mitbekommen. Beinahe hoffen, dass sich die Gesprächsthemen schneiden. Ich sitze da, rede mit meiner Mitbewohnerin. Er sitzt da und redet mit seinem Kumpel über seine Hausarbeit. (Wie zur Hölle kann man bloß eine Fichte/Kant Hausarbeit über das Ding an sich schreiben. Brr. Fichte ist gruselig.) Immer wieder sieht er in meine Richtung. Immer wieder erwischen wir uns gegenseitig. Grüßen tut er nicht, sobald er in unmittelbarer Nähe ist, sieht er weg oder auf sein Handy.

Heute dasselbe. Ich sitze alleine in der Philosophie-Bibliothek, lese etwas über Neurath und die Einheitswissenschaften. Er setzt sich mit seinem Freund direkt vor mich. Steigert die Konzentration ungemein. Er guckt sich noch süffisant an, was ich denn lese. Ohne ein Wort. Setzt sich vor mich und tippt zwei Stunden auf seinem Laptop herum. Dann steht er auf, räumt alles zusammen, geht mit seinem Freund Kaffee trinken. Kurze Zeit später kommt er alleine wieder, sieht mich erneut ganz kurz an aber sagt kein Wort. Schaut weg, sobald ein "Hallo" meinerseits nicht mehr zu laut für die Bibliothek gewesen wäre. Vier weitere Stunden sitzen wir einfach hintereinander. Er verzweifelt an seiner Einleitung. Ich zweifele an meinem Verstand. Habe ich ihm irgendetwas getan? Habe ich ihn so sehr genervt ohne es zu wissen?

Um 17 Uhr fahre ich nach Hause. "Wieso fühlst du dich so?", fragt sich mein Verstand. "Weil sie immer wieder vergisst, dass sie ihre Beziehung reaktiviert hat?", antwortet die Stimme. Ich exe das Glas Wein leer. "Haltet doch alle den Mund", denke ich. "Wirst du morgen wieder hinfahren in der Hoffnung ihn zu sehen? Wie sehr kann man eigentlich auf Leid stehen?", fragt die Stimme. "Ich bin niemals wegen ihm zur Uni gefahren. Ich muss nämlich lernen. Ein verfluchtes Essay darüber schreiben, wieso Metaphysik keine Berechtigung hat.", rechtfertige ich mich. "Und deine Gedanken schon? Die haben eine Berechtigung? Wenn du daran denkst, dass er dich anspricht, ihr einen Kaffee trinken geht? Wenn du daran denkst, dass er nächstes Semester mindestens ein Seminar mit dir hat? Wo ist da die Berechtigung?", fordert die Stimme nach Antworten. Doch genau diese fehlen mir. Fehlen mir seit Wochen. "Ich bin nur so...", fange ich an. "Scheiße?", versucht die Stimme den Satz zu beenden. "Das vielleicht auch. Aber eher neugierig. Und allein. Hier denkt niemand wie ich gerade. Besonders da C.(einzige Philosophie-Freundin, sozusagen) jetzt ein halbes Jahr im Ausland ist. Wer versteht schon Kant-Witze?", bemitleide ich mich beinahe selbst.

"Und seit wann denken wir an Kerle, die dir den Rücken zudrehen? Die offensichtlich sich nichtmal herab begeben und mit dir reden? Vielleicht nur, weil du hier und da anderer Ansicht bist als er?", fragt der Verstand. "Gar nicht eigentlich.", antworte ich. "Und wieso tun wir das jetzt?" - "Weil ich dachte, dass wir was gemeinsam hätten. Weil ich dachte, dass er nett ist." - "Ach Denise, du weißt doch, wie das mit den angeblich netten Kerlen so ist, oder?" - "Ja, du hast Recht", flüstere ich, mache das Glas wieder voll und ebenso schnell wieder leer. Das Wetter ist wie meine Stimmung: grau und keine Änderung in Sicht.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Die Schande meines eigenen Lebens lastet schwerer als man glaubt. Sie ist es, die mir jedes mal Erneut den Boden raubt.

"Ich weiß es doch auch nicht", sag ich. "Wenn ich das Problem benennen könnte, würde ich dir das nicht antun." Nachdem ich schon dreimal aufgehört hatte zu weinen, fang ich wieder von vorne an.

"Wenn du Dienstag Schluss machen wolltest und dich nur nicht getraut hast, dann sag es jetzt, Denise." - "Nein so einfach ist es nicht. War es auch da nicht. Ich will uns nicht aufgeben. Du bist mir nicht egal." Das Gefühl, dass keine Luft existiert, die mich am Leben hält. Das Gefühl, dass alles falsch ist.

"Du sagst du fühlst noch was fur mich. Etwas das kleiner ist als das was ich fühle. Aber du sagst es macht keinen Sinn weiterzumachen? Wo ist für dich der sinn der Zukunft?" - "ich weiß es nicht. Ich denke aber wir sollten nichts endgültiges entscheiden." - "Wenn du nicht weißt, was in unserer Beziehung noch Sinn macht, dann will und kann ich nicht weitermachen", antwortet er. Plötzlich fühlt es sich so an, als würde er mein Herz herausreißen. Als säßen wir beide, herzverloren, herzzerstört, nebeneinander auf dem Sofa.

"Ich brauch Zeit fur mich allein. Zeit um zu entscheiden wie es weitergeht.", flehe ich - "tu mir nur den gefallen und red mit jemandem ja? Ich will dich nicht beeinflussen aber ich weiß wie du dich alleine entscheidest." Diemal laufen uns beiden Tränen übers Gesicht. Das wäre der Moment gewesen, wo ich Schluss machen müsste. Das war der Moment, wo ich sage: Ra. das wars. Aber das war der Moment, wo ich dachte, dass es die übelste Form von Selbstzerstörung ist.

"Es wäre einfacher, wenn wir uns einfach anschreien und hassen könnten.", stellt er trocken fest.

Am Ende einigen wir uns darauf, dass ich meine Pause bekomme. "Soviel Zeit wie ich brauche", laut ihm. Soviel Zeit gibt es nicht glaube ich.

Soviele Tränen auf beiden Seiten. Soviel Schmerz. Ich bin ein Drecksstück. Wie kann man nur jemand so herzlichem, so weh tun. Wie kann man nur? Mir geht es so schlecht als hätte ich jemand kaltherziges umgebracht. Als hätte ich keine Empathie. Jetzt gerade habe ich das Gefühl zu ersticken. Einfach keine Luft mehr zu bekommen. Als hätte ich die ganze Luft nicht verdient. Meine eigene Existenz ist eine Schande. Ich bin eine Schande. Eine herzlose Schande. Entweder ich bin nur zu feige oder ich will ihn nicht gehen lassen. Ich will das, was wir haben nicht gehen lassen. Er sagt er kommt damit klar. Er sagt ich soll mir keine Sorgen machen. Keine Sorgen über den Schmerz für den ich verantwortlich bin, denke ich. Seit Tagen hindert mich etwas Schluss zu machen. Seit Tagen hindert mich etwas zu verstehen was der scheiß soll. Seit Tagen hasse ich mich dafür. Morgen fahre ich einfach nach Hause, gehe auf P.s Geburtstag und lass ihn zurück. Zurück in der Bitterkeit, die ich ihm geschenkt habe.

"Denise, tu mir einen Gefallen, ja?" - "Was gibts?" - "Entscheid dich nicht aus Mitleid. Entscheid dich, weil du daran glaubst, dass wir eine Zukunft haben, ja?". Ich nicke, bekomme kein Wort raus und renne aus der Tür. Bis vor die Haustür habe ich keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, einen Fuß vor den anderen zu bekommen. Alles ist verschwommen, mein Gesicht tropft.

Wenn das richtig ist, wieso fühlt es sich dann so unglaublich schmerzhaft an? Wenn das richtig ist, wieso fühle ich mich, als hätte man mich verlassen? Wenn das richtig ist, wieso fühlt es sich so falsch an?

Und ich weiß was für ein Wetter über der Stadt lag, In der Nacht als du mich in deine Arme nahmst Und wir uns schworen uns zu behalten.

Ich schon wieder. Es tut mir Leid: erst hört ihr gar nichts und dann plötzlich gefühlte jede zehn Minuten etwas. Naja regelmäßige Abstände gibt es offensichtlich nicht bei mir.

Gestern abend habe ich mit Ra. geredet. Gesagt, dass ich in diesem Trott, mit all dieser Gewohnheit nicht weitermachen kann. Dass ich nicht so, wie wir leben, weiterleben kann. Dass ich Druck fühle, der nicht da sein sollte. Dass ich Anforderungen an einzelne Treffen stelle, die kein Treffen erfüllen kann. Dass ich einfach nicht glücklich bin. Und während des Gespräches hat sich gezeigt, wie unterschiedlich Ra. und ich sein können. Er ist so optimistisch, hoffnungsvoll, irrational. Und ich bin der Hinsicht so sehr gegenteilig. Ich glaube nicht daran, dass Gefühle ausreichen für eine Beziehung. Ich glaube, dass da mehr sein muss. Dass andere Dinge zusammenpassen müssen. Nicht nur, die Gefühle die man spürt. Er hat mich in den meisten Dingen verstanden, immerhin ist er selbst auch nicht überglücklich. Ihm fehlen auch manche Dinge. Ihm ist dieser Trott auch zu groß. Wir waren uns einig, dass man dieses Gespräch eigentlich erst nach 20 Jahren Ehe führt, wenn man sich auseinander gelebt hat. Er versuchts zu retten. Ich weiß nicht, ob ich daran glauben kann, dass es eine Rettung für uns geben kann. Ich weiß nicht, ob ich es bereuen würde, wenn ich es nicht versuche. Aber ich bereue jetzt schon soviel, da würde es auf das auch nicht mehr ankommen.

Morgen treffen wir uns, um noch einmal darüber zu reden. Und bis dahin wollte ich eigentlich wissen, ob ich wirklich Schluss machen sollte. Ob ich uns noch eine Chance geben. Ob ich noch an irgendwas glaube. Oh man, ich kann soetwas nicht.

Dienstag, 21. Juli 2015

Gewissen ist das Bewußtsein eines inneren Gerichtshofes im Menschen.

Hallo liebe Leser, liebe Welt da draußen. Erst einmal freue ich mich riesig, dass obwohl ich gefühlt immer nur jede dritte Ewigkeit mal blogge, soviele Leute noch lesen. Danke, Danke, Danke! Ihr seid wunderbar.

Dann wollte ich ankündigen, dass ich meinen Twitter Account zu einem Zitate Account umgewandelt habe, sozusagen. Wo ich möglich jeden Tag, was nettes schreibe. Oder halt was nettes zitiere. Sagt aber der Titel schon.

Und zu guter letzt, bevor ich meinen wirklichen Eintrag schreibe: Bei meinem letzten Eintrag hat mich ein Anonymer User "beschuldigt", dass ich seinen/ihren Kommentar gelöscht hätte. Ich würde soetwas wirklich nur in zwingenden Fällen tun (bspw. rechtsradikalen Scheiß) und ganz sicher nicht bei möglichen Meinungsunterschieden oder Kritik. Ich denke, dass wenn man schon bloggt, man damit leben muss, dass Reaktionen kommen und sich das ja bewusst überlegt hat, sozusagen. Also liebe/r Anonym, ich habe auf deinen Kommentar, den du hinterlassen hast, weil du dachtest ich hätte es gelöscht, beantwortet. Schau vielleicht mal nach, wenn du das hier liest.
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Lachen. Soviel Lachen. Verwirrung. Soviel Verwirrung. Mehr lachen, mehr Verwirrung. Oh nein, das darf nicht passieren. Er sieht mich an, lächelt so ehrlich und frei wie jedes Mal.

Wir treffen uns. Wir reden über Philosophie. Vielleicht würde ich sogar soweit gehen, dass wir selbst philosophieren. Dann Literatur. Jedes Thema als hätten wir darüber schon hundertmal gesprochen. Er liest so gern. Er macht Musik. Er ist wortgewandt und smart. (Erinnert mich gerade an eine Szene in Stolz und Vorurteil als Lizzy und Mr. Darcy über kultivierte, junge Frauen reden). Charismatisch und zusätzlich unglaublich heiß. Und vorallem ist er nicht dein Freund, flüstert die Stimme. Es war eine einfache Nachbesprechung des Descartes' Seminars aber ich saß da und wollte nur hören, was er sagt. Wollte hören, was er liest. Wollte hören, was er kritisiert. Wollte über Dinge reden von denen Ra. keine Ahnung hat. Ra. hat kein Goethe, kein Schiller, kein Kafka im Regal stehen. Ra. hat kein Nietzsche, kein Kant, kein Schopenhauer. Der schönste Tag meiner Woche war, als ich im Antiquariat stand für 50 Euro Bücher gekauft habe. Als ich die Erstausgabe von Schopenhauer sah, hätte ich fast geweint. Okay, ich hatte schon Tränen in den Augen. Alles, was Ra. dazu sagt ist, dass er sich freut. Für mich freut. Vielleicht bist du auch einfach nicht das kultivierte Mädchen, das du immer sein wolltest. Vielleicht bist du nur ein Mensch, der liest. Niemand, der sich stundenlang mit anderen darüber unterhalten kann. Aber selbst wenn nicht. Es war so anders. So anders mit ihm.

Ra. und ich haben seit mehr als einem halben Jahr Probleme. Und das weiß er genauso gut wie ich. Er ist nur zu sehr verliebt um zu sehen, dass die Zeit diese Probleme nicht lösen kann. Dass die Zeit nie unser Retter war. Nachher gehe ich bei ihm kochen. Mit zwei gemeinsamen Freunden. Das wird merkwürdig für den Kopf. Für mein Kopf. Schwierig für mein Herz und noch viel schlimmer für mein Gewissen.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Völlig die Zeit vergessen Ich könnte schreien vor Wut aber will dich nicht wecken Wie ist das schon wieder passiert? Nehm mein Herz und schleich aus der Tür. Fühl mich bereit für die Zeit nach dir

"Es liegt nicht an dir, es ist meine Schuld. Ich bin selten zufrieden und hab keine Geduld. Was du auch tust oder lässt, ich werf's dir irgendwann vor. Du bist so redlich bemüht, das ich kotzen will und wenn das Liebe ist, ist das ein Scheiß Gefühl. Was immer nur dazu führt, das einer weiter will. Lass mich los, lass mich gehen." [Juli - 2004]

Ich führe eine Beziehung. Eine lange Beziehung. Es könnte sein, dass ich sie bald beende. Es könnte sein, dass ich bald wieder allein bin. Es könnte sein, dass ich gerne allein sein will. Jetzt, in den nächsten Wochen. Und irgendwann werde ich es bereuen. Meine Beziehung ist keine schlechte Beziehung. Jede Beziehung hat Fehler. Meine Beziehung hat Fehler. Ich suche die Fehler förmlich. Ich stelle mir Beziehungen mit anderen Menschen vor. Manche kenne ich gut, manche kenne ich weniger gut. Manche kenne ich gar nicht. Jede dieser Beziehungen hat Fehler. Jede Beziehung gefällt mir besser als meine. Meine Beziehung ist in Routine verfallen. Viele Beziehungen haben zuviel Routine. Viele Beziehungen kommen daraus. Viele Beziehungen erleben einen zweiten Frühling. Meine Beziehung sucht vergeblich ihren Ersten. Wo war die Zeit des frisch Verliebten? Das Herzklopfen? Das ständig aneinander denken? Vielleicht gibt es sowas auch nur in Hollywood-Lieben. Vielleicht ist meine Beziehung zu real. Schmerzhaft real. Fakt ist, dass meine Beziehung nicht normal ist. Fakt ist, dass meine Beziehung mich nicht glücklich macht. Fakt ist, dass meine Beziehung entstanden ist als mein Herz jemand anderem gehörte. Fakt ist, dass ich unglaubliche Angst habe die falsche Entscheidung zu treffen. Fakt ist, dass andere Mütter auch schöne Söhne haben. Fakt ist, dass ich meine Jugendsünden vermisse, die ich zumindest noch so nennen kann. Fakt ist, dass mein Leben mal wieder viel zu kompliziert ist. Schlussendlich ist diese Beziehung aus dem Nichts entstanden und genau das wird sie irgendwann wieder sein. Außer es gibt ein Wunder. Aber daran glaube ich schon lange nicht mehr.

"Meine Worte haben ihr Gewicht verloren. Meine Taten liegen mehr als je zuvor. Mein Mund hat keinen Plan wovon er spricht. Meine Hände sind nicht gut genug für dich." [Maxim - Meine Worte]

Für Tipps und Anregungen bin ich jederzeit offen. (traumtaenzerin_denise@web.de)

Sonntag, 12. Juli 2015

Es ist nur Phantasie. Ein gesteuerter Traum in Anthrazit.

Es ist die Angst, die mich starr macht. Bewegungslos. Bewegungsunfähig. Wichtigste Klausur des Jahres, flüstern sie. Damit hast du den Bachelor so gut wie siche, sagen sie. Und sie haben Recht. Die beiden Einführungsmodule in Mathe sind die Punkte, wo die Menschen aufgeben. Wo die Menschen scheitern. Willst du etwa auch so einer sein? Einer von den 75% Aussteigern?, fragen sie. Und ich kenne die Antwort, bin aber sprachlos. Sprachunfähig. Die Klausur liegt bereits hinter mir. Ich weiß nicht, ob es gereicht hat. Warte Minute um Minute, bis die Ergebnisse Online kommen. Ich weiß, dass sie erst Donnerstag bis Sonntag kommen. Bis dahin bin ich regunglos. Orientierungslos. Gedankenlos. Dienstag schreibe ich Philo und ich sitz hier und starre aus dem Fenster. Farblos. Motivationslos. Ich starre und starre und starre. Reaktionslos. Es wird hell und dunkel. Hell und dunkel. Unbemerkt. Willst du nicht langsam mal anfangen? fragen sie. Verständnislos. Stunden später fragen sie erneut. Und danach wieder, bis es zur Regelmäßigkeit wird. Interessenlos.

Intelligenz ist so reizvoll, sage ich mitten hinein in die Stille. Du wirst aber nicht intelligenter vom aus dem Fenster gucken. Da vorne liegen ganz viele tolle Texte., raten sie mir. Fremdes ist so reizvoll. Hast du ein neues Adjektiv gelernt oder was ist los mit dir?, fragen sie mich. Allerdings bin ich unfähig jemand anderen zu reizen. Du weißt aber schon, dass du eine Beziehung führst? Und was bitte reizt dich in diesen grauen Wolken? Die Freiheit. Freiheitsunfähig. Freiheitslos. Alternativlos. Regungsunfähig. Wir wissen nicht wovon du redest, aber das klingt so nach Verzweifelung? Manchmal ist man halt nicht im Leben, sondern in der Phantasie. Manchmal läuft man kurz aus der Bahn, um einmal was anderes zu sehen als den immergleichen Asphalt. Hast du ihn betrogen? Es ist nur Phantasie. Realitätslos. Wirklichkeitslos. Alles was wir brauchen, ist Phantasie.

Montag, 8. Juni 2015

Oh, gib mir nur ein Wort.

Ich bin mal so voll modern und hab einen Twitter Account. Vielleicht in der Hoffnung, dass ich wenigstens ein paar Zeilen hinbekomme. Den findet ihr übrigens irgengwo rechts in der Spalte
Sitze gerade seit 5 Stunden vor einem Descartes Dialog, den ich überarbeiten muss und fühle mich, als könnte ich nicht denken. Als wäre mein Wortschatz auf circa fünf verschiede Phrasen zurückzuführen. Das ist ekelhaft. Dabei lese ich in letzter echt wieder viel, zumindest im Vergleich zum letzten Jahr.
Morgen bekomme ich ein Buch von meinem Prof geschenkt, das ist irgendwie gruselig. Dabei kennt er gerade mal meinen Namen, so gefühlt. Das ist so lächerlich, wie ich mich darüber freue. Achja, ich bekomme das, weil ich ein Rätsel gelöst habe, was er gestellt hat. Dabei musste man dafür nur googlen. Das kann doch jedes Kind. Ach egal.
Hab grundsätzlich schlechte Laune zwischendurch, weil die Welt unfair ist. Wie sinnvoll ists, wegen Fußball nicht an Gerechtigkeit zu glauben? Naja, ist ja grundsätzlich nicht nur das. Guckt mal, zweimal grundsätzlich in zwei Sätzen. Als würde es keine Synonyme auf der Welt geben.
Herr A. hat mir seit circa einem halben Jahr nicht geschrieben. Das ist auch nicht gerecht. Das ist scheiße. ja genau. Wie sehr hätte ich teilweise seine Worte gebraucht. Wie sehr einfach nur ein: Denise, du bist gut. Denise, mach dich nicht runter. Denise, halt einfach die Klappe. Irgendwas davon zu verschiedenen Zeiten natürlich.
So genug, sinnlos gefaselt. Sonst habe ich bald nicht mal mehr meine drei Worte. Oder Phrasen oder was auch immer.

Passt auf euch auf da draußen ja? Die Welt ist immerhin grundsätzlich ungerecht.

Freitag, 8. Mai 2015

Weniger als Nichts.

Ich bin unglücklich. Über mein früheres Leben. Über mein heutiges. Bereits jetzt über mein zukünftiges. Alle sagen, ich soll etwas ändern, aber dafür müsste ich neu geboren werden. Dumm wie ein Schwein. Glücklich darüber im Schlamm zu wälzen. Ich könne meine Lebensgeschichte in buntem Glitzerpuder einhüllen und es wäre immernoch hässlich. Abscheulich.

Ich hab gerade die ganzen alten Mails von Herrn A. gelesen. Ich hab lange nicht mehr so stark vermisst. So stark geweint. Und ich hab soviel geweint in letzter Zeit. Seit Anfang Januar habe ich nichts mehr von ihm gehört. Jaja, Abi-Stress. Wenn ich daran zurückdenke, war das vielleicht die beste Zeit meines Lebens. Ich wüsste nichts, was diese Zeit jemals ersetzen könnte.
Ich lese wie er meine Texte lobt, mir Talent unterstellt. Talent zum Schreiben, Talent für die Philosophie. Talent zum Selbst niedermachen. Talent zur unnützen Kritik an sich selbst.

In der letzten Woche wurde mir von zwei verschiedenen Philosophie-Professorinnen gesagt, dass ich nicht schreiben kann. Dass ich mehr lesen sollte. Dass ich keinen Wortschatz besitze. Dass ich zwar vermutlich den Inhalt verstehe, aber meine Sprache so schlecht ist, dass sie sich nicht sicher sind. Ich bin tot-traurig darüber. Ich kann nicht lachen. Nicht einmal lächeln. Es ist so, als wäre der Teil von mir gestorben, den ich immer am meisten geschätzt habe. Ich war immer mein größter Kritiker. Ich war die, die gesagt hat, alles ist scheiße. Ich war die, die das Kompliment bekommen hat und sich dachte: Jaja, im Vergleich bin ich vielleicht nicht schlecht, aber gut, niemals. Niemals gut genug.

Dabei war sie doch immer meine einzige Liebe. Die Philosophie. Die Worte, die kluge Köpfe aufgeschrieben haben, damit sie keiner versteht. Um der Welt Rätsel aufzulegen. Die Gottesgläubigen, die alles auf ihn basieren lassen und die, die es tun, damit die Kirche sie nicht verfolgt. Die, die keine Zeit damit verschwenden darauf zu achten, wem sie gegen den Strich gehen. Sie alle, mit Ausnahmen, sind meine Vorbilder. Selbst die doch so kritisierten Prosa-Autoren.

Doch werde ich niemals zu ihnen gehören. Eher zu den verloren. Die verzweifelt Mails an ihren alten Lehrer schreiben, um wenigstens von irgendwem Aufmerksamkeit zu bekommen. Die, die niemals Talent hatten. Die, die nur noch eine leere Hülle ihrerselbst sind. Was bin ich noch, wenn ich nicht schreibe?

Montag, 27. April 2015

Bleibende Schäden, nicht leicht zu beheben. Aufgrund von Medikamenten, Drogen und nur scheiße im Leben.

Ich bin die eine da. Die sich nie meldene. Die immer zweifelnde. Die einsame. Die unter Menschen seiende. Die alles hat und nichts bekommt. Die gerne mit Worten spielt und keine hat. Ich stell mich ungeschickt an, zerschlage alles und fange niemals von vorne an. Der erste freie Text seit Monaten und es stammelt vor sich hin. Nicht flüssig. Nicht fließend. Wie eine Treppe fällt man Stufe für Stufe hinab. Eine Wendeltreppe, denn der Schwindel und die Verwirrung fehlen.

Samstag Nacht war ich betrunken. So richtig. Es waren nur meine besten Freundinnen da. Hab ich erwähnt, dass ich nicht glücklich bin? Ja? Jedes Mal? Oh, okay. Auf jeden Fall waren wir alle irgendwie betrunken. Und dann haben wir über unsere Beziehungen und die, die eben nicht da sind, geredet. Irgendwann habe ich was gesagt. Etwa: Meine Beziehung läuft gut, klar gibts Fehler, die gibts überall. Ra. würde alles für mich tun. Und dann fragte meine beste Freundin plötzlich: "Aber du liebst Maxi noch oder?" Plötzlich nackt. Plötzlich trockener Mund. Plötzlich sekündlich tot. Ein Reh, das von Scheinwerfern getroffen wird. Hofft, dass es nicht getroffen wird. Mit großen, erschrockenen Augen auf einen sieht. Das Herz weiß nicht, ob es schneller schlagen muss oder einfach aufhören sollte. Unwillkürlich fange ich an zu zittern. Und zu weinen. Dicke Tränen schießen aus meinen Augen. Ich weiß, dass ich kein weiteres Wort sagen muss. Ich weiß, dass mich keiner von Ihnen verurteilen wird. Keiner auch nur eine Sekunde, darüber nachdenkt, zu sagen, dass ich Ra. verlassen muss. Niemand denkt, dass ich etwas falsches tue. Gemeinschaftlich legen wir nur die nächste, kalte Leiche in den Keller, neben all unsere Sünden, Lügen, Intrigen. Schweigend Nicken wir uns zu und verstecken den Schlüssel, bis ihn wieder einmal jemand braucht. Und wir wissen: dieser Keller wird mit jedem von uns untergehen. Mit uns allen.

Wobei wir uns fragen, wie tief man überhaupt noch sinken kann in dieser Welt ohne Boden. In dieser Welt, wo alle kontinuierlich fallen. Ohne Halt. Jeder Pfad nur eine Face, damit der nächste Fall noch härter wird.

Manchmal glaube ich, das zwischen mir und Ra. ist Freundschaft, sowas wie zu gute Freundschaft. Zuviel für das eine, zu wenig für das andere. Wir sind über ein Jahr ein Paar. Wir hatten keinen Geschlechtsverkehr. Ob mich das stört? Keine Ahnung. Aber es weicht von der Norm extrem ab. Ich wollte nie normiert sein. Werds wohl auch nie. Aber vielleicht ist es die Chemie, die nicht stimmt? Vielleicht ist es mein Herz das nicht offen ist? Vielleicht ist es seine Liebe, die zuviel für mich ist? Vielleicht ist es diese kaputte, drecks Welt für die ich aber immernoch zu kaputt bin.
Ich bin die eine da. Die zerstörende, die zerstörte.

Samstag, 21. Februar 2015

Es tut nur weh, wenn man dran denkt und dunkle Gedanken sind schnell verdrängt. Die Motte fliegt wie bescheuert solange um das Feuer bis sie sich die Flügel versengt.

Liebster Maxi,
Gerade denke ich so heftig wie selten an dich. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir gerade miteinander schreiben und über unsere Beziehungen reden. Die, die so zufällig fast direkt hintereinander entstanden sind. Als wäre es Schicksal.

Wir waren beide auf der Suche nach Liebe. Wir waren beide im Herzen allein. Manchmal glaube ich, dass Va. Bei dir und Ra. Bei mir einfach nur einen Schritt zu schnell waren. Zu schnell für den jeweils anderen von uns. Vielleicht hätten auch unsere Herzen zueinander gepasst. Vielleicht haben sie das sogar immer. Vielleicht tun sie das noch heute.

Manchmal stelle ich mir vor, dass wir beide betrunken auf einer Party sind und du mir gestehst, dass du damals in mich verliebt warst. Und immer wenn ich daran denke, fällt mir das atmen schwer. Als hätte ich mein Leben ruiniert. Und dabei weiß ich, dass es mit ra. Einfacher ist. Es mit ra. Besser ist. Und er mich liebt. Und ich ihn.

Dann gibt es nächte wo ich immer den gleichen Traum habe: Wir haben stufentreffen, sind beide da, du und ich. Herr H. Unser stufenkoordinator fragt ob es nach all den Jahren noch Paare innerhalb der stufe gibt: In diesem Moment kommt maxi zu mir und sagt: Auch wenn es gedauert hat, bin ich jetzt mit dem tollsten Mädchen der stufe zusammen und zieht mich an ihn.

In diesem Traum sehe ich aus als würde ich mitten im leben stehen, allein daran sieht man den unrealistischen Charakter. Und ich seh gut aus. Was nunmal auch nicht stimmt. Oft danach sitze ich Minutenlang wach da und denke mir, was mit mir nicht stimmt? Kann ich ra. Nicht als den akzeptieren der er ist? Wir sind bald ein Jahr zusammen. Eine kleine Ewigkeit.

Apropo Ewigkeit: Zwei Jahre schnittfrei, immerhin war Karneval. Verflucht, das fühlt sich so lange her an. Fast hätte ich vergangenen Sonntag A. Wiedergesehen. Aber es machte mir keine Angst, vielleicht freut ich mich sogar irgendwie. Ist das verrückt? Immerhin kann ich inzwischen behaupten, dass ich ein Leben habe und er? Gehende Leere. Auf diesen Fuck You Moment freue ich mich immer wieder.

Den Brief habe ich bereits letzte Woche geschrieben, aber vergessen ihn zu posten. Nächstes Wochenende treffe ich mich nun mit Maxi. Merkwürdiges Gefühl irgendwie.

Dienstag, 3. Februar 2015

Freiheit bedeutet "sein wie ich bin". Freiheit heißt für mich, Fehler machen wie’n Kind. Und wenn’s sein muss, fall ich halt hin. Doch ich steh wieder auf. Freiheit heißt "Zöger nicht, sondern lauf!". Wenn du weißt, was du willst, dann tu es, wenn nicht, dann tust du es auch.

Das Vierte Glas Whisky und eigentlich hat sich nichts geändert. Ich hab Ra. die Wahrheit gesagt: dass ich mich geschnitten habe, dass es jeden Tag schwer ist und dass ich mich hasse. Er ist gut damit umgegangen. Er hat mir gesagt, dass ich all das nicht verdient habe. Dass ich ein guter Mensch bin. Das war letzten Donnerstag.

Jetzt ist es Dienstag und nachdem ich zwei Staffeln Awkward in 24 Stunden geguckt habe, fühle ich mich als hätte ich das Leben verpasst. Wo ist mein Matty Mckibben? Wo ist mein Seelenverwandter? Natürlich, Jenna macht Fehler. Sie hatte andere Kerle, aber am Ende steht da immer Matty. Wieso hatte ich keine hundertfachen Schulpartys, wo es jede Menge Alkohol und Eskapaden hab? Oder hatte ich sie und stufe sie nur zu tief ein? Und wie unfair gegenüber Ra. ist es, nach einem Matty zu verlangen? Und was ist, wenn Ra. mein Seelenverwandter ist und ich die gleiche Krise wie Jenna habe und den Badboy suche? Und am Ende Drogen nehme und all meine Freunde vergrault habe? Gut, ich gucke zuviele Serien und jetzt mir Californication reinzuziehen und dabei das fünfte Glas Whisky zu trinken, hilft bestimmt auch nicht.

Ich hab das Gefühl mein Leben verpasst zu haben. Ich hab das Gefühl, ich müsste mich ausleben, in welcher Form auch immer das endet. Klar, das macht mir Angst. Und bevor ihr denkt: Eigentlich sind das keine schlechten Gedanken, keine blutigen zumindest. Wäre da nicht Ra., ihm tue ich weh, wenn ich irgendwas tue, meiner Freiheit wegen. Manchmal gehe ich soweit und hoffe, dass Ra. mich betrügt. Damit es vorbei ist. Damit ich tun kann, was ich will.

Wisst ihr was? Ich glaub, ich bin einfach nicht glücklich.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Das Licht geht aus und ich auch. Das Leben in der Stadt füllt meine Leere aus. Kein Platz für mich mehr irgendwo. In unserer Straßenbahn nach nirgendwo. Ich steig' aus, meine Fahrt endet hier. Keiner mehr da, der mich kontrolliert. Ich reiß' aus und find' den Weg nach Haus. Ich war schon lang nicht mehr hier.


Liebster Ra.,
Du bist der einzige Mensch der Welt der mich jemals so ansah. Nicht begierig, nicht erregt, sondern liebend. Ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Ich weiß nicht, wie mein Blick dir gegenüber ist, aber es fühlt sich an als würde ich dich belügen. Ebenso auch mich selbst.

Ich bin krank. Und so ungern ich das zugebe, ich hab es nicht hinter mir gelassen, bin nicht geheilt und konzentriere mich auf andere Dinge. Ich denke oft daran, einfach den Kopf gegen die Wand zu hauen. ich denke oft daran, einen Stein einfach zufällig auf meinen Fuß fallen zu lassen. Sag mal, weißt du, wie lange es dauert bis Haut schmorrt? Und nicht gerade selten denke ich daran, wie es ist zu bluten, sich zu schneiden.

Ich weiß nicht genau wie du darauf reagieren wirst aber ich kann in der Lüge nicht leben. Ich kann nicht mehr lächeln, wenn ich weinen möchte. Ich kann nicht mehr zu Partys gehen, wenn ich in Embryonal Stellung im Bett liegen möchte. Ich kann nicht mehr reden, wenn ich schweigen möchte. Manchmal habe ich einfach nichts zu sagen. Manchmal bin ich einfach vollkommen leer.

Ich weiß, Ra., deine Schwester hatte auch Probleme. Außerhalb von ZuHause trägt sie nie tshirts. Sie hat es getan um sich zu konzentrieren. Als Familie habt ihr mit ihr entschieden, dass sie in Behandlung geht. Soweit dass sie stationär behandelt wurde. Ra., lass mir die Entscheidung, okay? Ich bin seit zwei Jahren frei von Schnitten. Du wirst mir glauben müssen, dass ich das auch weiterhin schaffe. Denn selbst für dich lasse ich mich nicht behandeln.

Immer wenn du sagst dass ich schön bin, schüttele ich den Kopf oder beiße mir auf die Lippen. Es gibt Tage, da ist das wie eine Beleidigung wie ein Schlag ins Gesicht. Deshalb musst du es nicht sein lassen, vielleicht merkst du irgendwann wann ich es ertragen kann. Dies ist nicht dein Fehler.
Ich wüsste gerne ob du mir verzeihst, dass ich neun Monate nicht ehrlich war, aber ich verspreche hoch und heilig, dass es in der Zeit nie so schlimm war wie jetzt. So nah am Ende. So kaputt. So leer. Alles ist taub.

Ich glaube, ein Gutmensch wie du wird das nicht ganz verstehen. Das ist aber okay. Ich habe Angst, dass du mich verachtest, die letzten Monate für eine Lüge hälst. Wer weiß vielleicht denkst du, du weißt nicht wer ich bin und vielleicht ist das wahr aber ich habe nicht gelogen, vielleicht die dunkeln Gedanken für mich behalten.

Irgendwann werde ich den Mut haben dir zu sagen wie ich wirklich bin und dann hoffe ich, dass du mich nicht anders ansiehst, sondern immer noch liebend.

Sonntag, 4. Januar 2015

We'll never know, we'll never know. What stands behind the door. But I got a feeling. It's a feeling that's we're dying for. Just close your eyes, and hold your breath. Because it feels right. We'll keep it moving till we make it to the other side. And let's enjoy the ride.

Frohes Neues Jahr zunächst.

Und ich muss sagen, ich bin schon lange nicht mehr auf so einer guten Party gewesen. Gut, meine Party-Tradition hat sich sowieso etwas verkleinert seit ich studiere. Paradoxerweise. Oder eher dem Klischee entgegen. Aber wisst ihr, nicht negativ denken, lieber von der Party erzählen. Und dieses Jahr habe ich mit meiner Mitbewohnerin Anna, Ra., einem gemeinsamen Freund von der Uni namens Chris und seinen Freunden aus dem Sauerland gefeiert, die ich nur zum kleinen Teil mal einmal gesehen habe. Also ohne meine "üblichen" Freunde, ohne all die Dramen vergangener Tage. Nicht, dass ich den Dramen nichts abgewinnen konnte, nein, ich habe sie gar geliebt, so jedes für sich, irgendwie. Denn ich bezweifele, ich wäre heute die, die ich bin, ohne Kopf im Klo und den merkwürdigsten Party Unterhaltungen aller Zeiten.

Aber genau in diese Tradition kann ich Silvester '14 auch einordnen oder auch Neujahr '15. Oh man, ich glaub, ich bin immernoch nicht nüchtern. Entschuldigt den erschreckend unsortierten Schreibstil. Naja, auf jeden Fall war die Party wie früher, nur, dass Anna irgendwie ich war. Versteht ihr? Sie war das Mädchen, was begehrt wurde. Nicht, dass es mir fehlt, naja vielleicht manchmal. Aber das betrunken weglaufen, nee dafür bin ich zu alt. Demnach war Anna da und hat meine Fehler gemacht und es war schön zu sehen, wie sie jemand anders macht. Nicht, dass ich zu erwachsen für betrunken dummheiten machen bin, sondern eher zu, zu vergeben. Ich war halt den ganzen Abend Ra's Freundin und nicht das nette Mädchen, was mit den Kerlen Whisky trinkt und über Fußball redet, zumindest nicht in Augen der Jungs. Halt nicht als Mädchen, sondern als Freundin von jemandem.

Später saß ich mit David, dem besten Freund von Chris, zusammen und haben uns über Frauen und ihr Gewicht unterhalten. Er meinte, er sei mit einer zusammen gewesen, die XS und auch locker Kindergrößen getragen hat. Darauf meinte er, er stehe momentan auf eine, die sei etwas dicker. Gut, dachte ich mir, dicker als XS ist keine Leistung. Aber dann meinte er, er ginge nach Charakter, sofern das Mädchen nicht "so richtig dick" ist. Und das konnte ich ihm und seinem Auftreten irgendwie nicht glauben. David ist er der coole, im Fitnessstudio-wohnende Kerl, der alle Mädchen heiß findet, die gut trainiert sind. Also, rein vom auftreten her. Auf einmal rutscht mir raus (man beachte, ich war betrunken), ob ich schon zu dick bin. Er sieht mich an. "Dein ernst? auf gar keinen Fall! Guck dich mal an. Absoluter Blickfang. Aber erzähl das Ra. nicht" Er lacht. Wir stoßen an und unterhalten uns über Fitnessstudios an sich.  Irgendwann erzählt er mir, dass sie größe 46 trägt, was im vergleich zum XS relativ heftig ist, aber komplett okay. Er ergänzt nur schmunzelnd: "Tja und da kann man bei dir ja noch ein paar Größen abziehen". Ich nicke verlegen und versuche zu vergessen, was mir rausgerutscht ist.

Noch viel Später: Anna und ich stehen auf dem Balkon um der Realität zu entfliehen, da alle darüber diskutieren, ob Anna nur ein Punkt auf dem Weg von Chris ist, zu einem anderen Mädchen zu finden. Ihr müsst wissen, ich glaube daran, dass Jungs manchmal betrunken Dinge tun, die sie später bereuen. Ich glaube nicht daran, dass Jungs mehrfach Mädchen küssen, ohne dabei auch nur Ansatzweise etwas zu spüren. Und deshalb konnte ich mir nicht anhören, wie Chris' Freunde darüber redeten, dass Anna nur irgendeine ist. Vielleicht keine Liebe oder sowas, aber nicht irgendeine.

Auf jeden Fall kam Simon dann auf den Balkon und hat uns erzählt, dass er immer nur verarscht wurde von Mädchen. Weil er will was echtes für sein erstes Mal. Und so standen, Anna und ich dort, als die auserwählten Jungfrauen (nein, ich hab das niemals jemanden erzählt) und dachten uns: hey, das verstehen wir. Das wollen wir auch immer. Es gibt Jungs, die so denken.

Allgemein gab es viele tiefsinnigere Gespräche und jede Menge Alkohol, Neujahr also wieder Alkohol-Diät gemacht (oh man, Brechen macht ja so keinen Spaß) und gestorben. Aber ich bin mir sicher, wenn 2015 so weitergeht, werde ich ziemlich viel Spaß haben.