Freitag, 24. November 2017

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit.

Es ist Freitag, meine Mitbewohnerin und ich feiern eine Party. Maxi ist da und irgendwann sind wir betrunken. Nicht diese schlimme Art von Hinüber, sondern diese gute Art des Betrunkenseins, falls es sie gibt. Ich geh in das andere Zimmer, Maxi sitzt auf dem Sofa, vor ihm auf dem Boden meine Mitbewohnerin und eine Freundin. Ich setz mich neben Maxi und lass meinen Kopf auf seine Schulter fallen. Ich spüre wie er lächeln muss. Die beiden anderen gehen fluchtartig aus dem Zimmer. Im Hintergrund leuchtet mild eine Nachttischlampe. Er dreht seinen Kopf leicht zu mir als würde er versuchen mich anzugucken. "Jeder denkt gerade, dass wir was anderes tun", flüstert er. "Und was willst du?", frag ich. "Dass du einfach da liegen bleibst. Du wirkst selten so ruhig. Selten so im Reinen mit dir" - "Ich bin betrunken. Und du bist da" - "Du riechst gut.", sagt er plötzlich  und ich muss lachen. "Nach einer Kombination aus Wein, Zigaretten und Müdgigkeit meinst du?" - "Einfach nach dir."Irgendwann fährt er nach Hause und alle schelten mich dafür, dass nichts körperliches passiert ist. Was sie nicht verstehen: das brauchen wir nicht. Wir brauchen das alles nichts.

Nachdem M. mir in den letzten Wochen zwei Absagen (wenn auch wunderschön verpackt) erteilt hat, frag ich ihn nachts betrunken nach einem dritten Treffen und er sagt zu: "Wie sollte ich dieses Angebot ausschlagen können? Selbstverständlich, bin ich dabei!!" - "Klingt ja fast so als könnten wir den Fluch besiegen" (Anmerkung: Wir haben es als Fluch bezeichnet, dass wir nie einen Termin finden konnten) - "Ich bin selbst ganz erstaunt. Vielleicht wird 2018 das Jahr der Jahre". Und natürlich kann ich nicht wissen, wie dieses Jahr der Jahre gemeint ist. Vielleicht ist es wirklich nur minimalistisch auf das Treffen bezogen, vielleicht auch auf mehr.

Mittwoch sitze ich vor dem Philosophiegebäude und lese "Warten auf Godot"(Beckett ist gut für den Winter) als mich plötzlich jemand mit "Hallo schöne Frau" begrüßt. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal und ob ich überhaupt je so schön begrüßt wurde. Ich schau hoch und sehe M. Wir umarmen uns, sodass ich meine Pein eben in jener Umarmung verstecken kann. Wir unterhalten uns über das Seminar, das er gleich besucht, stellen fest, dass wir mittwochs zeitgleich Uni haben und ja gegebenenfalls zusammen zurückfahren können in den nächsten Wochen. Er stellt fest, dass wir uns spätestens sowieso am 11.12 sehen: abends, beim neugegründeten, privaten Lesekreis (zusammen mit P.), mit Alkohol vermutlich. Aber es schwang die Intention mit, dass wir uns auch früher sehen könnten. Er müsste ja nur fragen... Wichtig ist nur, dass es ihm wichtig ist mich zu sehen. Und mir war wichtig das nochmal zu wissen. Ihn zu sehen. Mich zu vergewissern.

Montag, 6. November 2017

Wenn alles was bleibt nichts ist.

Was sind die Dinge in meinem Leben, die mich glücklich gemacht haben? Was sind die Dinge in meinem Leben, die es erträglich gemacht haben? Ich vermisse mein Leben. Nein, viel mehr vermisse ich mich. Seit ich vor circa zwei Wochen die Beziehung zu J. beendet habe, verhalte ich mich wie die coole Hure von nebenan. Als würde mich nichts stören. Als wäre alles easy - vor allem aber ich einfach zu haben. Es ist nicht so, dass das passiert wäre. Ich habe mich nur einfach jedem an den Hals geworfen, aber niemand wollte: was das ganze eigentlich nur noch jämmerlicher macht. Die Hure, die nichtmal kostenlos jemand will. Zu billig. Ich wollte diese Art der Nähe nie als Ausweg nutzen. Niemals.

Ich habe im letzten Post von dem Herrn erzählt, den ich über das Theaterfestival kennengelernt habe, wir haben uns getroffen, wir haben Kaffee getrunken und jeder weiß, wie sehr ich Kaffee liebe. Und ich dachte, ja mein dämlicher, noch immer existierender Optimismus dachte, dass es gut war. Ein "erstes" richtiges Kennenlernen, aber offensichtlich war es das nicht. Es war eine oberflächliche Kacke. Vielleicht wollte er mich auch in Wirklichkeit ins Bett kriegen und hat gemerkt, wie kaputt ich bin. Wie sehr dieses verwehste an mir hängt und alles um mich herum kaputt und stinkend macht. Als würde jeder auf 100 Km Entfernung riechen, dass etwas mit mir nicht stimmt. Er meldet sich seit über einer Woche nicht bei mir. Wieso auch?

Ich hatte selten in den letzten Jahren so sehr den Wunsch mich zu schneiden. Nur ganz kurz. So dass es kaum auffällt vielleicht. Nur probieren, ob es hilft. Und dann fängt die Angst in mir wieder an zu schreien und sagt, dass ich Hilfe brauche. Dass ich mein Leben verloren habe, meine Prinzipien, mich selbst. Und dann frag ich mich: Wer bin ich? Und die Antwort ist einfach: Nichts.Nichts wert, Nichts dahinter, Nichts mehr vor.

Dann habe ich aus Verzweiflung M. angeschrieben: ihr wisst, mein Kommilitione, der mit mir und P. was trinken war vor ner Weile? Der, der so wundervoll ist und doch so wenig an mir interessiert. Auf einmal lädt er mich zum Bier/ Kaffee ein. Irgendwann, wenn ich am verzweifelsten bin, wegen der Uni. Und ich wünsche mir nichts mehr als dass er vorbeikommt und wir einen Kaffee trinken. Einfach damit ich nicht allein bin. Aber ich muss wieder aufhören damit, Menschen dafür zu benutzen, damit ich nicht allein bin. Ich muss wieder allein sein können. Habe ich nicht genau deswegen die Beziehung beendet? Um allein zu sein! "Dann sei auch endlich allein", schreien die Stimmen und alles, was ich tun kann, ist nichts. Ich kann nicht schlafen, nicht essen, nicht weinen, ich kann nicht mal lesen. ICH KANN NICHT LESEN. Das ist schlimmer als ich mir den Tod je vorgestellt habe. Die Leere, die ich geworden ist.