Freitag: "Ja diese Springpflanzen hießen doch irgendetwas mit tangete oder so, oder?", fragt das Mädchen in die Runde und aus Reflex und vor allem völlig ohne Wissen über Biologie antworte ich: "Naja, bezweifele ich. Tangete klingt nach tangere und das bedeutet berühren". Ihre Freundin und sie starren mich an: "Und du bist ein Klugscheißer?". Sie versucht zu grinsen, aber ich weiß, dass sie mich verachtet. "Nein, nur um Wissen zu vermitteln", antworte ich und beiß mir auf die Lippen. Marco stößt mich leicht mit dem Arm und muss sein Grinsen überdrücken.
Wir sind mitten auf dem Abschluss-Grillen der Flüchtlinge und alle Kursleiter sind da. Marco, mit dem ich seit dem Bonn-Trip schreibe und einmal was trinken war (völlig unverfänglich nach einem Festival in einer Gruppe), ist der einzige, der mich da halbwegs kennt. Während meine MitKursleiterin ebenso abwesend ist, wie der größte Teil meines Kurses, bin ich sehr froh über seine Anwesenheit. Der Nachteil: Er kann mit den anderen Kursleitern viel besser als ich, weshalb ich viel mit den "fremden" Flüchtlingen aus den anderen Teams rede.
"Da waren nur Nerds als ich angefangen habe zu studieren. Ich weiß nicht, wie jemand Mathe studieren kann. Der kann nur chronisch sexlos und eigentlich nicht mal anziehend sein.", höre ich während ich mich wieder zu der Gruppe mit dem Mädchen und Marco stelle. Dieser guckt mich direkt an und sagt: "Das kannst du doch nicht so generaliseren. Ich meine, es gibt auch nette Mathematiker" und lächelt mich schief an. Seit Bonn bekomme ich in Tagesabständen Andeutungen, Kusssmileys etc. Er ist nett. Und hat keine Freundin. (Wichtigstes Detail inzwischen). Ich bin mir aber nicht sicher, was ich will. Ob ich will oder ob er wirklich will oder nur flirtet. "Dooch. Die sind so hässlich. Und haben einfach kein Leben", setzt sie erneut an. "Wie lange hast du Mathe studiert?", frage ich ohne mir was anmerken zu lassen. "Ein halbes Semester", antwortet sie und ihre Freundin nickt zustimmend. "Mein Gott, musst du eine Menschenkenntnis haben. Innerhalb von guten sieben Wochen alle 300 Beginner im Mathe-Studium zu kennen und einschätzen zu können. Respekt", verspotte ich sie ganz offensichtlich. "Ahja, und du bist Nerd-Experte?" - "Ich bin nicht so arrogant mich als Experte zu bezeichnen. Ich mag nur keine oberflächlichen, schubladendenkenden Menschen", sage ich und zucke mit den Schultern. "Studiert die etwa Mathe?", fragt sie Marco, der eher schockiert von der Frage die Stirn runzelt. "Ja, tut sie", antwortet er knapp und fragt mich, ob wir nicht was trinken gehen wollen, wobei ich es fast schade fand. "Das war hart", sagt er. "Das war ehrlich", sage ich und verdrehe die Augen.
"Kommst du nachher auch mit?", fragt er als wir alleine sind. "Wohin?" - "Naja drüben ist die Semester-Abschlussparty." - "Ich bin nicht so der Partymensch, weißt du. Mit wem gehst du hin?" - "Mit Do. (das Mädchen, sie war halt bei ihm im Team...) und zwei, drei anderen" Ich schnaube. "Und dann fragst du mich?" - "Ach komm schon, tu es für mich", sagt er und grinst.
Drei Studen später sind die meisten Kursleiter drüben. Ich bekomme im 10 Minutentakt "Komm jetzt"-Nachrichten von Marco, während ich beim Aufräumen helfe und nicht weiß, was richtig wäre.
Als ich mich plötzlich dafür entscheide und dort bin, gehen Do. und alle anderen kurz darauf. Außer Marco. Um 4:06 Uhr nehme ich die Bahn, nachdem er nicht mal versucht hat mich abzufüllen. Ist heutzutage doch eigentlich Standard-Methode, dachte ich. "Ich hab keine Lust jetzt noch 50 Minuten Bahn zu fahren", sagt er und ich bin kurz davor ihm das leere Bett meiner Mitbewohnerin anzubieten, während ich mich frage, warum zur Hölle ich das tun will. "Ah, ein Freund hat mir das Sofa angeboten. Ich bring dich noch zur Bahn und lauf dann fünf Minuten. Viel besser". Zu spät. Er wartet noch bis die Bahn kommt, umarmt mich dann, bedankt sich für den schönen Abend und geht. Irritiert steige ich in die Bahn. Was ist eigentlich los mit mir?
Mittwoch: Nachdem wir gefühlt ununterbrochen miteinander schreiben, fragt er (erneut), ob wir nicht zusammen Anfang August zur Kirmes gehen wollen. Lange dachte ich an ein Gruppentreffen, aber seine Intention liegt bei mir und ihm. "Naja für gute Sachen kann ich mir bestimmt Zeit nehmen", schreibe ich. "Für besonders gute Sachen, wenn schon. Du wirst sehr begeistert sein" - "Dann halt für besonders gute. Ich wollte nur nicht die Erwartungen zu sehr steigern" - "Ach kannst du ruhig. Wirst nicht enttäuscht. (mit dem Zusatz eines Smileys mit HeiligenSchein und Kuss)." Huch. Ist hier etwa Zweideutigkeit im Spiel? Oder dichte ich die dazu? Nichtsdestotrotz schwirrt der Begriff "Date" seitdem herum. Der Begriff drängt sich auf. Was will er denn jetzt? Und was will ich? Kann er nicht doch eine Freundin haben? Das klärt Fronten immer viel schneller. (Ja, es ist Zeit für schwarzen Humor). Gerade führen wir das erste relativ ernste Gespräch über verpasste Chancen und was man so bereut im Leben. Alles, was man nicht tut. War doch so, oder?
Donnerstag, 28. Juli 2016
Montag, 18. Juli 2016
Du schreist Hurra in mein Gesicht. Und es wird besser Strich für Strich. Nicht eine schwarze Wolke ist mehr da. Mein traurigstes Gedicht wird dann Bla bla.
Montag. Ich sitze im Seminarraum. Neben mir ist der Platz frei. Ich werde das Ritual vermissen, immerhin ist es die letzte Uniwoche. Es ist Viertel nach und Prof B. fängt an zu reden. Das Mädchen, das zeitgleich hineinkommt, setzt sich zwei Plätze weiter und legt ihre Tasche auf deinen Stuhl. "Den brauch ich", flüstere ich ihr zu. "Es ist eh schon spät, als wenn jetzt noch jemand kommt", sagt sie schnippisch und ich wundere mich über ihre Unlogik, da auch sie gerade erst sitzt. In dem Moment kommst du, nickst zu dem Stuhl und ich grinse das Mächen an. Mürrisch packt sie die Tasche runter und du setzt dich dahin. Da, wo du hingehörst. Dann grinst du mir zu, legst deine Lernzettel auf den Tisch - immerhin schreibst du gleich Linguistik - und versuchst Prof B. zu folgen.
Nach dem Seminar: Caro verlässt mich, weil sie lernen muss. Du sagst dasselbe, aber wir gehen noch zwei, drei Schritte zusammen. "Okay, ich setz mich auf die Wiese und warte bis 18 Uhr, bis ich meine Klausur schreibe", sage ich und wir verabschieden uns. "Achja", rufst du, "viel Erfolg außerdem". Ich wünsche dir dasselbe und bin froh. Froh, dass wir so gut Freunde sein können. Ganz normale Freunde.
Ich lege mich auf die Wiese, höre Musik und lese Schopenhauer. Genau die Vorbereitung, die man vor einer Programmier-Klausur treffen sollte. Plötzlich merke ich, wie sich jemand neben mich setzt. Ich schaue auf und sehe wie du mich angrinst. "Ja bitte?", frage ich lachend. "Ich habe fast zwei Stunden Zeit bis die Klausur stattfindet und es ist eh noch niemand von den Linguistik-Leuten da, also kann ich meine Zeit viel besser mit dir verbringen", sagst du und grinst. Ich atme tief durch. Wir sind nur Freunde. Aber jede Faser von mir will mehr. Daraufhin unterhalten wir uns 1,5 Stunden über deine Arbeit (Du arbeitest als studentische Hilfskraft bei einem Kulturphilosophie-Professor, himmlisch), über Uni Kram. Und mitten in einer Diskussion, ob ich Prof B. wegen Sekundärliteratur frage, sagst du: "Jetzt hätte ich es beinahe wieder vergessen. Wir müssen über das Kaffeetrinken reden." Hingerissen. Nicht mehr rational. viel zu emotional. Scheiße. Ich muss lächeln. "Ja, gerne. Ab Wann hast du denn Zeit?", frage ich. "So in zwei Wochen sollte der Stress vorbei sein, peilen wir das an? Dann schreiben wir vorher einfach nochmal?" Ich nicke voller Überzeugung, zwei Wochen klingen klasse.
Kurz darauf verabschiedest du dich zur Klausur und ich bin glücklich. "Hör auf zu träumen", sagt mein Hirn zum Herz. "Geht nicht, dafür bin ich da". Hirn: "Aber ihr seid nur Freunde. Ihr werdet auch immer nur Freunde sein." - Herz: "Vielleicht. Aber deshalb ist träumen noch lange nicht verboten."
Ich sitze eine weitere Stunde auf der Wiese und lese wirklich Schopenhauer. Ich packe gerade meine Sachen als ich hoch gucke und sehe wie du mit zwei Kommilitionen aus dem Hörsaal kommst. Ihr wollt euch alle auf die Wiese ein Stück weit weg von mir hinsetzen, als du nur deine Tasche abstellst und zu mir kommt und erzählst wie gut deine Klausur war. Du bist extra noch rübergekommen. Wegen mir. Allerdings muss ich ziemlich dringend zu meiner Klausur und gehe freundlich und mit erneuten Erfolgswünschen deinerseits von dir weg.
Die Klausur lief gut. Programmieren ist ein Traum. Als ich aus der Klausur komme, überlege ich kurz, ob du wohl nach meinem Empfinden fragst, immerhin könntest du digitalen Kontakt zu mir aufnehmen. "Ihr seid Freunde, du bist nicht seine Freundin", meckert das Hirn. Als ich zuhause ankomme, sehe ich deine Nachricht: "Und wie lief deine Klausur?" Herzschlag. Herz schlägt. Herz schlägt Hirn. "Manchmal werden Träume wahr, auch wenn man manchmal länger warten muss", sagt das Herz siegreich.
Nach dem Seminar: Caro verlässt mich, weil sie lernen muss. Du sagst dasselbe, aber wir gehen noch zwei, drei Schritte zusammen. "Okay, ich setz mich auf die Wiese und warte bis 18 Uhr, bis ich meine Klausur schreibe", sage ich und wir verabschieden uns. "Achja", rufst du, "viel Erfolg außerdem". Ich wünsche dir dasselbe und bin froh. Froh, dass wir so gut Freunde sein können. Ganz normale Freunde.
Ich lege mich auf die Wiese, höre Musik und lese Schopenhauer. Genau die Vorbereitung, die man vor einer Programmier-Klausur treffen sollte. Plötzlich merke ich, wie sich jemand neben mich setzt. Ich schaue auf und sehe wie du mich angrinst. "Ja bitte?", frage ich lachend. "Ich habe fast zwei Stunden Zeit bis die Klausur stattfindet und es ist eh noch niemand von den Linguistik-Leuten da, also kann ich meine Zeit viel besser mit dir verbringen", sagst du und grinst. Ich atme tief durch. Wir sind nur Freunde. Aber jede Faser von mir will mehr. Daraufhin unterhalten wir uns 1,5 Stunden über deine Arbeit (Du arbeitest als studentische Hilfskraft bei einem Kulturphilosophie-Professor, himmlisch), über Uni Kram. Und mitten in einer Diskussion, ob ich Prof B. wegen Sekundärliteratur frage, sagst du: "Jetzt hätte ich es beinahe wieder vergessen. Wir müssen über das Kaffeetrinken reden." Hingerissen. Nicht mehr rational. viel zu emotional. Scheiße. Ich muss lächeln. "Ja, gerne. Ab Wann hast du denn Zeit?", frage ich. "So in zwei Wochen sollte der Stress vorbei sein, peilen wir das an? Dann schreiben wir vorher einfach nochmal?" Ich nicke voller Überzeugung, zwei Wochen klingen klasse.
Kurz darauf verabschiedest du dich zur Klausur und ich bin glücklich. "Hör auf zu träumen", sagt mein Hirn zum Herz. "Geht nicht, dafür bin ich da". Hirn: "Aber ihr seid nur Freunde. Ihr werdet auch immer nur Freunde sein." - Herz: "Vielleicht. Aber deshalb ist träumen noch lange nicht verboten."
Ich sitze eine weitere Stunde auf der Wiese und lese wirklich Schopenhauer. Ich packe gerade meine Sachen als ich hoch gucke und sehe wie du mit zwei Kommilitionen aus dem Hörsaal kommst. Ihr wollt euch alle auf die Wiese ein Stück weit weg von mir hinsetzen, als du nur deine Tasche abstellst und zu mir kommt und erzählst wie gut deine Klausur war. Du bist extra noch rübergekommen. Wegen mir. Allerdings muss ich ziemlich dringend zu meiner Klausur und gehe freundlich und mit erneuten Erfolgswünschen deinerseits von dir weg.
Die Klausur lief gut. Programmieren ist ein Traum. Als ich aus der Klausur komme, überlege ich kurz, ob du wohl nach meinem Empfinden fragst, immerhin könntest du digitalen Kontakt zu mir aufnehmen. "Ihr seid Freunde, du bist nicht seine Freundin", meckert das Hirn. Als ich zuhause ankomme, sehe ich deine Nachricht: "Und wie lief deine Klausur?" Herzschlag. Herz schlägt. Herz schlägt Hirn. "Manchmal werden Träume wahr, auch wenn man manchmal länger warten muss", sagt das Herz siegreich.
Freitag, 15. Juli 2016
Gib mir Mut zu sehen, Zeichen zu verstehn, die sich zeigen.
Ich stehe im Sprachgebäude der Uni und fühle mich falsch. "Immerhin warte ich nur auf R.", sage ich mir, während alle Leute mich komisch angucken. Als würden sie wissen, dass ich hier nicht hingehöre. Ich schaue zur Tür und sehe Philipp. Er ist läuft zusammen mit zwei Mitstudierenden den Gang entlang, als er auf meiner Höhe ist, bleibt er stehen und spricht mich an: "Kommst du gleich auch?" Irritiert, weil ich nicht mit ihm gerechnet habe, schaue ich ihn an. "Zur Vorbesprechung vom Seminar", erläutert er. "Natürlich", sage ich und lache. "Es ist vor 10 Uhr. Es ist halt einfach zu früh für mich." Er nickt: "Dann bis gleich". Er grinst noch einmal und geht dann schnellen Schrittens den anderen hinterher. Während ich sehe wie R. kommt, nehme ich vor, heute zu einem guten Tag zu machen.
Um 11:45 Uhr stehe ich vor dem abgeschlossenen Raum, als erste. J. (die Philosophin, die mit beim Vortrag war, die Philipp auch kennt) kommt dazu, wir unterhalten uns. Ein anderer Dozent öffnet uns die Tür und wir gehen rein. Ich sage zu J.: "Ich kann Philipp ja mal einen Platz freihalten" und will meine Tasche auf den Stuhl stellen, während er schon hinter mir stand und sich gerade neben mich setzen will. "Ich hoffe, du meinst keinen anderen Philipp?", fragt er und lacht. Ich verneine und bin kurz ein wenig peinlich berührt. Das Seminar kingt interessant, der Dozent wirkt nett. Mal sehen, was das Ende September so wird.
Nach dem Seminar gehen wir, J., Philipp und ich runter. J. bedauert, dass ihr Schwarm (M. habe ich bestimmt schonmal erwähnt) nicht da war und geht betrübt in den Plattenladen (ja wir haben noch so einen echten an der Uni) und lässt damit Philipp und mich alleine. "Wo musst du hin?", fragt er und eigentlich habe ich soviel zu tun, dass ich mich in Bib setzen müsste, antworte aber "Ubahn", worauf hin er meint, dass wir den gleichen Weg haben. Wir gehen also zusammen. Wir unterhalten uns über Prof. B, darüber, dass ich meine Bachelorarbeit bei ihm schreibe, Philipp das gut findet, er gespannt auf seine Hausarbeit ist. Und dass wir uns beide freuen. Auf das Seminar im September. Darauf, dass wir nicht alleine da sind und Leute kennen. Wieso ich nicht komplett da sein werde (Arbeit). Dann reden wir ausgiebig über Dozenten. Und plötzlich sind wir am Hauptbahnhof. Und ich hab noch immer kein Wort über das verloren, was ich wirkich wissen wollte. Um Zeit zu gewinnen, fahre ich mit nach oben, obwohl ich in eine andere Ubahn steigen muss. Auf der Rolltreppe finde ich den Mut: "Ich will nicht nerven, aber hast du das Kaffeetrinken bewusst ignoriert oder wirklich vergessen?". Er sieht mich an und schmunzelt. "Das ist mir entfallen.". "Du musst mir das jetzt nicht so sagen. Ich kann mit einem "Nein" besser leben, als mir einem "ich weiß nicht" oder hinhalten." - "Nein, von mir aus können wir das freundschaftlich gerne machen". - "Das klingt doch schon viel positiver" - "Ich hatte da mal so einen Vorfall, dass sie das alles andern verstanden hat als ich und deshalb habe ich das so klar gesagt. Aber ich würde wirklich sehr gern mit dir Kaffee trinken" Danach fügt er mich auf Facebook hinzu, damit wir in Kontakt bleiben können, selbst wenn wir keine Uni mehr haben.
Einerseits freue ich mich. Freue ich mich, dass ich den Mut hatte. Mut wie eine Löwin. Jetzt bräuchte ich nur noch die Macht eines Zauberers, um seine Meinung zu ändern. Und es ist ein Zeichen dafür, dass ich zumindest ganz sympathisch sein muss. Andererseits tut es in begrenztem Maße weh, weil er schon vorm kennenlernen alles kaputt macht. Aber das ist gut. Er ist im Gegensatz zu Tim wenigstens sehr viel direkter. Viel unwidersprüchlicher in seinen Aussagen. In seinen Taten vielleicht nur ein bisschen mehr direkter. Er und seine Freundin sind laut Fb seit 2011 zusammen. Das ist eine Leistung. Und vorallem eine, die ich nicht versuchen werde zu zerstören. Menschen für ein besseres Leben gewinnen ist das Ziel; nicht das Zerstören.
Um 11:45 Uhr stehe ich vor dem abgeschlossenen Raum, als erste. J. (die Philosophin, die mit beim Vortrag war, die Philipp auch kennt) kommt dazu, wir unterhalten uns. Ein anderer Dozent öffnet uns die Tür und wir gehen rein. Ich sage zu J.: "Ich kann Philipp ja mal einen Platz freihalten" und will meine Tasche auf den Stuhl stellen, während er schon hinter mir stand und sich gerade neben mich setzen will. "Ich hoffe, du meinst keinen anderen Philipp?", fragt er und lacht. Ich verneine und bin kurz ein wenig peinlich berührt. Das Seminar kingt interessant, der Dozent wirkt nett. Mal sehen, was das Ende September so wird.
Nach dem Seminar gehen wir, J., Philipp und ich runter. J. bedauert, dass ihr Schwarm (M. habe ich bestimmt schonmal erwähnt) nicht da war und geht betrübt in den Plattenladen (ja wir haben noch so einen echten an der Uni) und lässt damit Philipp und mich alleine. "Wo musst du hin?", fragt er und eigentlich habe ich soviel zu tun, dass ich mich in Bib setzen müsste, antworte aber "Ubahn", worauf hin er meint, dass wir den gleichen Weg haben. Wir gehen also zusammen. Wir unterhalten uns über Prof. B, darüber, dass ich meine Bachelorarbeit bei ihm schreibe, Philipp das gut findet, er gespannt auf seine Hausarbeit ist. Und dass wir uns beide freuen. Auf das Seminar im September. Darauf, dass wir nicht alleine da sind und Leute kennen. Wieso ich nicht komplett da sein werde (Arbeit). Dann reden wir ausgiebig über Dozenten. Und plötzlich sind wir am Hauptbahnhof. Und ich hab noch immer kein Wort über das verloren, was ich wirkich wissen wollte. Um Zeit zu gewinnen, fahre ich mit nach oben, obwohl ich in eine andere Ubahn steigen muss. Auf der Rolltreppe finde ich den Mut: "Ich will nicht nerven, aber hast du das Kaffeetrinken bewusst ignoriert oder wirklich vergessen?". Er sieht mich an und schmunzelt. "Das ist mir entfallen.". "Du musst mir das jetzt nicht so sagen. Ich kann mit einem "Nein" besser leben, als mir einem "ich weiß nicht" oder hinhalten." - "Nein, von mir aus können wir das freundschaftlich gerne machen". - "Das klingt doch schon viel positiver" - "Ich hatte da mal so einen Vorfall, dass sie das alles andern verstanden hat als ich und deshalb habe ich das so klar gesagt. Aber ich würde wirklich sehr gern mit dir Kaffee trinken" Danach fügt er mich auf Facebook hinzu, damit wir in Kontakt bleiben können, selbst wenn wir keine Uni mehr haben.
Einerseits freue ich mich. Freue ich mich, dass ich den Mut hatte. Mut wie eine Löwin. Jetzt bräuchte ich nur noch die Macht eines Zauberers, um seine Meinung zu ändern. Und es ist ein Zeichen dafür, dass ich zumindest ganz sympathisch sein muss. Andererseits tut es in begrenztem Maße weh, weil er schon vorm kennenlernen alles kaputt macht. Aber das ist gut. Er ist im Gegensatz zu Tim wenigstens sehr viel direkter. Viel unwidersprüchlicher in seinen Aussagen. In seinen Taten vielleicht nur ein bisschen mehr direkter. Er und seine Freundin sind laut Fb seit 2011 zusammen. Das ist eine Leistung. Und vorallem eine, die ich nicht versuchen werde zu zerstören. Menschen für ein besseres Leben gewinnen ist das Ziel; nicht das Zerstören.
Montag, 11. Juli 2016
Wenn "Ich denke, also bin ich" gilt, wieso sind dann soviele Menschen auf dem Planeten?
"Gefriendzoned", was ist das eigentlich für ein Wort? Wer kam auf die Idee die Sprache zu entstellen? Mal ganz ehrlich: wenn man schon einen Anglizismus benutzen muss, dann doch bitte ohne ihn zu entstellen. Friendzone, okay, von mir aus. Und FALLS, wirklich nur FALLS man es wirklich muss, dann doch bitte richtig: gefriendzont oder wird bei euch im Deutschen schonmal ein Verb auf "-ed" beendet?
Sprache hat verflucht viel mit Denken zu tun und da ist das Problem: die meisten Menschen fangen damit nichtmal an. Die machen einfach. "Denken ist überbewertet". Dann seid doch alle die glücklichen Schweine, ich bleibe der unglückliche Sokrates. Fragt mal Nietzsche wieso er allein war: weil man nur so zu Höchstleistungen bereit ist. Ohne Ablenkung, dem asketischen Ideal nachstrebend und vor allem unabhängig. Nicht gebunden an irgendwelche Regeln der Beziehung oder an Rücksichtnahme auf den Partner. So ist das nämlich. Ohne Gefühle, ohne Glück bin ich einfach noch intelligenter.
Jetzt muss nur noch jemand etwas erfinden, wie man Intelligenz für weniger Einsamkeit nutzen kann. Wie ihr am latent aggressiven Unterton des Posts merkt: heute war scheiße. Philipp hat eine Freundin, zumindest sofern mein Hirn mir keine Streiche spielt. Wir haben über das Kaffeetrinken gar nicht geredet, weil ich nicht konnte und er es vergessen oder ignoriert hat. Was weiß ich. Ich möchte schon im Juli "meine Freundin" zum Unwort des Jahres küren.
Ich versteh das nicht. Ich meine, ich suche nichtmal. Dann quatschen mich Kerle an, sind mega aufgeschlossen, machen widersprüchliche Zeichen und sind trotzdem vergeben. Wollt ihr mich eigentlich verarschen? Steht naiv auf meiner Stirn? (Ja, leider schon).
Wisst ihr was? und trotzdem werde ich Philipp am Freitag nochmal auf den Kaffee ansprechen und ich werde mit Tim noch etliche Male Kaffee trinken gehen und noch hundertmal mit Maxi ins Kino gehen. MIR DOCH EGAL. Weil Menschen können leben bereichern. Und irgendwo in mir drin lebt diese abnormal romantische Hoffnung, dass selbst in dieser obszönen Zeit aus Freundschaft noch mehr werden kann. Nicht, dass ich jederzeit für jeden bereit wäre. Aber irgendwann wird die Welt bereit sein. Bereit sein dafür, dass es jemand gibt, der mich erträgt.
Sprache hat verflucht viel mit Denken zu tun und da ist das Problem: die meisten Menschen fangen damit nichtmal an. Die machen einfach. "Denken ist überbewertet". Dann seid doch alle die glücklichen Schweine, ich bleibe der unglückliche Sokrates. Fragt mal Nietzsche wieso er allein war: weil man nur so zu Höchstleistungen bereit ist. Ohne Ablenkung, dem asketischen Ideal nachstrebend und vor allem unabhängig. Nicht gebunden an irgendwelche Regeln der Beziehung oder an Rücksichtnahme auf den Partner. So ist das nämlich. Ohne Gefühle, ohne Glück bin ich einfach noch intelligenter.
Jetzt muss nur noch jemand etwas erfinden, wie man Intelligenz für weniger Einsamkeit nutzen kann. Wie ihr am latent aggressiven Unterton des Posts merkt: heute war scheiße. Philipp hat eine Freundin, zumindest sofern mein Hirn mir keine Streiche spielt. Wir haben über das Kaffeetrinken gar nicht geredet, weil ich nicht konnte und er es vergessen oder ignoriert hat. Was weiß ich. Ich möchte schon im Juli "meine Freundin" zum Unwort des Jahres küren.
Ich versteh das nicht. Ich meine, ich suche nichtmal. Dann quatschen mich Kerle an, sind mega aufgeschlossen, machen widersprüchliche Zeichen und sind trotzdem vergeben. Wollt ihr mich eigentlich verarschen? Steht naiv auf meiner Stirn?
Wisst ihr was? und trotzdem werde ich Philipp am Freitag nochmal auf den Kaffee ansprechen und ich werde mit Tim noch etliche Male Kaffee trinken gehen und noch hundertmal mit Maxi ins Kino gehen. MIR DOCH EGAL. Weil Menschen können leben bereichern. Und irgendwo in mir drin lebt diese abnormal romantische Hoffnung, dass selbst in dieser obszönen Zeit aus Freundschaft noch mehr werden kann. Nicht, dass ich jederzeit für jeden bereit wäre. Aber irgendwann wird die Welt bereit sein. Bereit sein dafür, dass es jemand gibt, der mich erträgt.
Montag, 4. Juli 2016
Es ist ganz einfach: Wir können nicht verlieren, wenn wir jeden Verlust als Erfolg definieren.
Ich stehe neben C., da wir wie immer mindestens 20 Minuten zu früh für das Seminar im Raum sind. C. hat überragende 5,5 Stunden und ich 4 Stunden geschlafen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob einer von uns den Tag wach übersteht. Wir setzen uns an den zweier Tisch. Dann sehe ich sie an und sage: "Ich glaube, ich zieh den Tisch da noch ran. Dann kann Philipp auch bei uns sitzen." - "Das wäre zumindest sehr nett von dir", sagt sie und lacht. Ich frage mich in dem Moment, warum ich das überhaupt ausgesprochen habe, anstatt es einfach zu tun. Wir saßen also in einer Viererreihe, C., Ich und meine Tasche, die jemandem den Platz frei hält.
Ein Kommilitone kommt und fragt, ob der Vierte Platz frei sei und ich antworte nur "Also den hier brauch ich", was C. mit "Der da ist aber frei", ergänzt und erneut lacht. "Was ist denn los mit dir?", fragt sie in dem Moment, in dem ich Philipp im Augenwinkel sehe. "Ich habe vier Stunden geschlafen, ich bin nicht topfit", sage ich während Philipp sich neben mich setzt und grinst: "Dafür siehst du aber echt gut aus". Ich fange sofort an mit ihm zu reden. Wie ein Damm der bricht. Darüber, dass er in der dritten Reihe sitzen muss, weil ich immer gerne vorne bei Prof. B. sitze. Darüber, dass ich heute mein zweites und damit letztes Essay abgegeben habe. Darüber, dass er gar nichts schafft, da er noch an einer Hausarbeit im letzten Semester sitzt. Ich war kurz davor zu fragen, ob wir nichtmal zusammen Arbeit aufschieben sollen.
Während des Seminars sieht Philipp ein paar Mal zu mir herüber und in dem Fall, dass ich es bemerke, lächeln wir beide. Ich frage mich, ob ich mir den ganzen Kram wieder einbilde. Nach dem Seminar höre ich plötzlich einmal einfach auf zu denken: "Hast du vielleicht Lust mal einen Kaffee trinken zu gehen?" Beinahe hätte ich mich vor mir selbst erschrocken. Er sieht mich an, grinst kurz und runzelt die Stirn. "Wann denn? und vorallem wo denn?" Ich muss grinsen. Genau in diesem Moment dachte ich mir, dass ähnlich dumme Fragen auch von mir einer solchen Situation kommen könnten. "Naja, an der Uni vielleicht, in einer Freistunde?" - "Ich habe keine Freistunden", sagt er und ich hatte es eigentlich schon abgehakt. Gedacht, natürlich, sag doch einfach Nein. "Aber vielleicht reden wir da nächste Woche nochmal drüber, wenn Prof B. nicht 20 Minuten überzogen hat?", fragt er und grinst entschuldigend. Ich lächele zurück, merke erneut wie ich diese zerstörerischen Stimmen in meinem Kopf hasse und bin gespannt auf den nächsten Montag.
Ich hab Hoffnung. Klingt verrückt, weiß ich auch. Es war keine eindeutige Antwort und das alles kann immernoch im Ausweichen enden, das ist mir klar. Aber es ist mir ehrlich gesagt auch scheißegal. Selbst wenn ich jetzt nur diese eine Woche mit der Hoffnung herumlaufe, dass ich ihn außerhalb des Seminars sehe, habe ich immerhin diese Woche. Aber ich will das. Ich will was mit ihm machen. Ich will ihn besser kennenlernen. Und wenns schief geht, gehts schief. Dann heule ich euch halt wieder voll. Aber Chancen sind da um genutzt zu werden und dieses eine Mal werde ich mir nicht nachsagen lassen, dass ich es nicht probiert habe.
Ein Kommilitone kommt und fragt, ob der Vierte Platz frei sei und ich antworte nur "Also den hier brauch ich", was C. mit "Der da ist aber frei", ergänzt und erneut lacht. "Was ist denn los mit dir?", fragt sie in dem Moment, in dem ich Philipp im Augenwinkel sehe. "Ich habe vier Stunden geschlafen, ich bin nicht topfit", sage ich während Philipp sich neben mich setzt und grinst: "Dafür siehst du aber echt gut aus". Ich fange sofort an mit ihm zu reden. Wie ein Damm der bricht. Darüber, dass er in der dritten Reihe sitzen muss, weil ich immer gerne vorne bei Prof. B. sitze. Darüber, dass ich heute mein zweites und damit letztes Essay abgegeben habe. Darüber, dass er gar nichts schafft, da er noch an einer Hausarbeit im letzten Semester sitzt. Ich war kurz davor zu fragen, ob wir nichtmal zusammen Arbeit aufschieben sollen.
Während des Seminars sieht Philipp ein paar Mal zu mir herüber und in dem Fall, dass ich es bemerke, lächeln wir beide. Ich frage mich, ob ich mir den ganzen Kram wieder einbilde. Nach dem Seminar höre ich plötzlich einmal einfach auf zu denken: "Hast du vielleicht Lust mal einen Kaffee trinken zu gehen?" Beinahe hätte ich mich vor mir selbst erschrocken. Er sieht mich an, grinst kurz und runzelt die Stirn. "Wann denn? und vorallem wo denn?" Ich muss grinsen. Genau in diesem Moment dachte ich mir, dass ähnlich dumme Fragen auch von mir einer solchen Situation kommen könnten. "Naja, an der Uni vielleicht, in einer Freistunde?" - "Ich habe keine Freistunden", sagt er und ich hatte es eigentlich schon abgehakt. Gedacht, natürlich, sag doch einfach Nein. "Aber vielleicht reden wir da nächste Woche nochmal drüber, wenn Prof B. nicht 20 Minuten überzogen hat?", fragt er und grinst entschuldigend. Ich lächele zurück, merke erneut wie ich diese zerstörerischen Stimmen in meinem Kopf hasse und bin gespannt auf den nächsten Montag.
Ich hab Hoffnung. Klingt verrückt, weiß ich auch. Es war keine eindeutige Antwort und das alles kann immernoch im Ausweichen enden, das ist mir klar. Aber es ist mir ehrlich gesagt auch scheißegal. Selbst wenn ich jetzt nur diese eine Woche mit der Hoffnung herumlaufe, dass ich ihn außerhalb des Seminars sehe, habe ich immerhin diese Woche. Aber ich will das. Ich will was mit ihm machen. Ich will ihn besser kennenlernen. Und wenns schief geht, gehts schief. Dann heule ich euch halt wieder voll. Aber Chancen sind da um genutzt zu werden und dieses eine Mal werde ich mir nicht nachsagen lassen, dass ich es nicht probiert habe.
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