Freitag, 15. Juli 2016

Gib mir Mut zu sehen, Zeichen zu verstehn, die sich zeigen.

Ich stehe im Sprachgebäude der Uni und fühle mich falsch. "Immerhin warte ich nur auf R.", sage ich mir, während alle Leute mich komisch angucken. Als würden sie wissen, dass ich hier nicht hingehöre. Ich schaue zur Tür und sehe Philipp. Er ist läuft zusammen mit zwei Mitstudierenden den Gang entlang, als er auf meiner Höhe ist, bleibt er stehen und spricht mich an: "Kommst du gleich auch?" Irritiert, weil ich nicht mit ihm gerechnet habe, schaue ich ihn an. "Zur Vorbesprechung vom Seminar", erläutert er. "Natürlich", sage ich und lache. "Es ist vor 10 Uhr. Es ist halt einfach zu früh für mich." Er nickt: "Dann bis gleich". Er grinst noch einmal und geht dann schnellen Schrittens den anderen hinterher. Während ich sehe wie R. kommt, nehme ich vor, heute zu einem guten Tag zu machen.

Um 11:45 Uhr stehe ich vor dem abgeschlossenen Raum, als erste. J. (die Philosophin, die mit beim Vortrag war, die Philipp auch kennt) kommt dazu, wir unterhalten uns. Ein anderer Dozent öffnet uns die Tür und wir gehen rein. Ich sage zu J.: "Ich kann Philipp ja mal einen Platz freihalten" und will meine Tasche auf den Stuhl stellen, während er schon hinter mir stand und sich gerade neben mich setzen will. "Ich hoffe, du meinst keinen anderen Philipp?", fragt er und lacht. Ich verneine und bin kurz ein wenig peinlich berührt. Das Seminar kingt interessant, der Dozent wirkt nett. Mal sehen, was das Ende September so wird.

Nach dem Seminar gehen wir, J., Philipp und ich runter. J. bedauert, dass ihr Schwarm (M. habe ich bestimmt schonmal erwähnt) nicht da war und geht betrübt in den Plattenladen (ja wir haben noch so einen echten an der Uni) und lässt damit Philipp und mich alleine. "Wo musst du hin?", fragt er und eigentlich habe ich soviel zu tun, dass ich mich in Bib setzen müsste, antworte aber "Ubahn", worauf hin er meint, dass wir den gleichen Weg haben. Wir gehen also zusammen. Wir unterhalten uns über Prof. B, darüber, dass ich meine Bachelorarbeit bei ihm schreibe, Philipp das gut findet, er gespannt auf seine Hausarbeit ist. Und dass wir uns beide freuen. Auf das Seminar im September. Darauf, dass wir nicht alleine da sind und Leute kennen. Wieso ich nicht komplett da sein werde (Arbeit). Dann reden wir ausgiebig über Dozenten. Und plötzlich sind wir am Hauptbahnhof. Und ich hab noch immer kein Wort über das verloren, was ich wirkich wissen wollte. Um Zeit zu gewinnen, fahre ich mit nach oben, obwohl ich in eine andere Ubahn steigen muss. Auf der Rolltreppe finde ich den Mut: "Ich will nicht nerven, aber hast du das Kaffeetrinken bewusst ignoriert oder wirklich vergessen?". Er sieht mich an und schmunzelt. "Das ist mir entfallen.". "Du musst mir das jetzt nicht so sagen. Ich kann mit einem "Nein" besser leben, als mir einem "ich weiß nicht" oder hinhalten." - "Nein, von mir aus können wir das freundschaftlich gerne machen". - "Das klingt doch schon viel positiver" - "Ich hatte da mal so einen Vorfall, dass sie das alles andern verstanden hat als ich und deshalb habe ich das so klar gesagt. Aber ich würde wirklich sehr gern mit dir Kaffee trinken" Danach fügt er mich auf Facebook hinzu, damit wir in Kontakt bleiben können, selbst wenn wir keine Uni mehr haben.

Einerseits freue ich mich. Freue ich mich, dass ich den Mut hatte. Mut wie eine Löwin. Jetzt bräuchte ich nur noch die Macht eines Zauberers, um seine Meinung zu ändern. Und es ist ein Zeichen dafür, dass ich zumindest ganz sympathisch sein muss. Andererseits tut es in begrenztem Maße weh, weil er schon vorm kennenlernen alles kaputt macht. Aber das ist gut. Er ist im Gegensatz zu Tim wenigstens sehr viel direkter. Viel unwidersprüchlicher in seinen Aussagen. In seinen Taten vielleicht nur ein bisschen mehr direkter. Er und seine Freundin sind laut Fb seit 2011 zusammen. Das ist eine Leistung. Und vorallem eine, die ich nicht versuchen werde zu zerstören. Menschen für ein besseres Leben gewinnen ist das Ziel; nicht das Zerstören.

3 Kommentare:

  1. immerhin - du weißt jetzt sicher, woran du bist. und eine Freundschaft mit einem tollen Menschen ist besser als komische Situationen und nicht wissen, woran man ist. auch wenn es schade ist, dass er eine Freundin hat.

    und ja, Smoothies. Mein Lebenselixier momentan (oder so ähnlich - ich versuch, in der Form wenigstens einmal am Tag Vitamine aufzunehmen :D )

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  2. das macht doch lust auf die alten tage nochmal wieda ein paar tage uni-luft einnzuatmen, und wenns nur ein jahr wäre - oder zwei :p

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  3. Hallo Denise,


    ich habe deinen Blog wieder entdeckt, seitdem auch ich wieder blogge. Um auf dem Stand zu bleiben habe ich von 2014 an alles gelesen und muss sagen: du hast dich wirklich gewandelt. Bist in manchen Posts wirklich viel optimistischer und weniger 'selbstzerstörerisch', als früher. Und als ich dann dein Bild bei einem Post gesehen habe, war ich echt verwundert. Durch deine Texte hatte ich mir irgendwie eine langweilige, graue Maus (vom Aussehen!) vorgestellt, aber das bist du echt gar nicht!
    Um Eines habe ich dich immer beneidet: die Fähigkeit mit anderen einfach in Kontakt zu treten. Auf Partys oder einfach so. Das hat Otze Worman auch in einem älteren Kommentar bereits erwähnt.
    Ich frage mich immer, wie du das schaffst anscheinend so eine unkomplizierte und 'die würde ich gerne ansprechen' Ausstrahlung zu haben, obwohl du allein mit deinen Büchervorlieben total speziell und kein 0815 Mädel bist (ich habe immer gedacht, dass die viel eher angesprochen werden). Es tut mir zwar leid, dass du in 'letzter Zeit' anscheinend nur von Vergebenen angesprochen wirst, aber das ändert sich hoffentlich auch mal endlich. Neidvoll muss ich nämlich sagen: du bist ein tolles Mädchen und ich lese deine Posts sehr, sehr gerne.

    Arina

    PS: ich wollte das nicht anonym schreiben, aber da ich mit dem Handy blogge, weiß ich nicht, wie ich das richtige Konto auswähle, da ich mehrere habe...

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