Mittwoch, 28. Mai 2014

Und in einer sternenklaren Nacht, in der keiner schlafen kann, nimmt der Mond seinen Hut, seinen ganzen Mut zusammen. Nur eine leise Frage, am Ende die bleibt: Können wir nicht bitte Freunde bleiben? Können wir nicht Freunde bleiben?

Seit Tagen freute ich mich auf S. Mündliche Abi-Prüfung einerseits weil ich wusste, dass sie es kann. Andererseits weil ich wusste, sie hat den gleichen Vorteil genossen bei Herrn A. Philosophie gehabt zu haben und bei ebendem ihre Prüfung hatte. Also backte ich am Vortag einen (ziemlich leckeren) Kuchen und garnierte ihn mit einem glücklichen Schwein und einem unglücklichen Sokrates. (wers nicht versteht: lest mehr John Stuart Mill! Wers verstehen will: könnt fragen). Auch wenn es künstlerisch eher minderwertig war, fand ich es dennoch hochphilosophisch.

So stand ich knappe 12 Minuten vor dem Raum bis S. rauskam und mich anstrahlte: eigentlich liefs ziemlich gut. Kurz darauf ging die Tür erneut auf und Herr A. Kam heraus, zog sich vor Scham sein Sacko schräg über den Kopf. "Denise, es tut mir sehr Leid. Ich weiß ich hab dir ewig nicht auf deine Mail geantwortet. Ich schäme mich wirklich." ich seh ihn an:" naja sie sind der einzige der sich das halbwegs erlauben darf mir knapp 4 Monate nicht zu antworten." er lacht: "womit habe ich das denn verdient?" - "Sie sind mein Hume Oder Berkeley, wenn ich Kant bin. Sie wissen schon, Vorbilder, Menschen an denen man sich orientiert." Er schweigt kurz. "Wenn du jetzt auch so ein Werk wie "Kritik der reinen Vernunft" schreibst, kannst du mich gerne erwähnen." Danach lacht er nicht. Er lächelt nur ganz sanft als wenn er wirklich daran glaubt, als könne er es schon vor sich sehen.

Während Herr A. In der nächsten Prüfung sitzt, essen S. und ich Kuchen. Frau D. (ehemals meine Lehrerin für ein Jahr im Vertiefungsfach Englisch, naja ich bin halt nicht so gut in fremden Sprachen) sieht den Kuchen und fragt wem der gehört. Sie nimmt sich ein Stück, setzt sich zu uns und sieht mich plötzlich erschrocken an als S. Mich mit Denise anspricht. "Du hast letztes Jahr Abi gemacht oder? Was machst du jetzt?" ich erläutere meine Lage, sie ist begeistert von meiner Mathe/Philo-Kombi und fragt mich wie Mathe läuft. Ich antworte mit:" Es ist Mathe da läuft nie was, jeden Tag eine neue unüberwindbare Herausforderung." Sie schüttelt den Kopf. "hast du die erste Klausur geschafft?"-"eine ja, eine nicht so wirklich."-"damit bist du besser als circa 85% deines Jahrganges, sind doch etwa die Quoten oder?" ich Nicke. "na also nicht aufgeben. Als ich studiert habe, hieß es, es gebe keinen einzigen Lehrerjob. Nirgends und Vorallem nicht für Deutsch/Englisch wie mich. Und wo bin ich jetzt? Genau ich war deine Lehrerin, ich bin Oberstufenkoordinatin und ich bleib auch Lehrerin. Also beiß dich da durch wenn es dein Traum ist, ganz einfach." daraufhin verlässt sie uns und sowohl S. Als auch ich hängen unseren Gedanken nach. Was sind meine Träume?

Und theoretisch kam in den Moment mein Traum durch die Tür: schwarze, gegelte Haare, schwarzes Shirt mit dunkelem Sacko und Jeans. Dazu die verfluchten dunkelbraunen Augen. "Habt ihr eure Noten schon?", fragt Herr A. seine Prüflinge. So verliebt die Beschreibung auch klingt, ist es nicht. Ich weiß nicht wie man es beschreiben soll, aber es ist eine der besten Verbindungen die es geben kann. Niemand hatte seine Note. Ich kann mich noch erinnern wieich letztes Jahr so da saß und hoffte, dass ich gut war in Deutsch beim inkompetenten Herrn S. Und nein, ich war nicht gut. Den restlichen Tag habe ich geweint und mich dafür verflucht Deutsch nicht schriftlich genommen zu haben und bei Herrn A. Mündlich in philo meine Prüfung gemacht zu haben. Ich wünsche mir in dem Moment dass es S. nicht passiert.

S. Kommt aus dem Notenraum, grinst mich an und ruft: 15 Punkte. (1+) " habe ich dir doch gestern schon gesagt, Mensch" wir lachen. Herr A. Grinst und lobt S. "was mache ich jetzt eigentlich wenn ihr beide weg seid? Dann hat Denise gar keinen Grund mehr hierher zu kommen, und S. Sehe ich auch nicht mehr täglich. Ich glaub ich geh in Rente" S. Wird eben dasselbe bewusst, aber sie muss dadurch. Dadurch, wo ich seit über einem Jahr durch muss. Durch die kleine Hölle, die an einsamen Tagen stärker da ist aber einen nie ganz verlässt. Dieses Gefühl von früher war alles besser egal wie gut die Gegenwart war, die pure Sehnsucht als man noch jung, frei und unbeschwert war und es sich dennoch so unglaublich schwer und kaputt gemacht hat. Und während ich darüber nachdenke, in diesem Flur, den ich eine Zeitlang mehr liebte als mein zuhause, sehe ich, dass wir alle drei dort so sitzen, gedankenvoll, reaktionslos.

"Ich werd dir, ich werde euch regelmäßiger schreiben, ich werde es zumindest versuchen. Meine beiden Genies verlassen die Schule. Ich hätte nichtmal daran gedacht, nichtmal im entferntesten gehofft, dass eine Generation zwei solcher Menschen hervorbringt. Ich glaub, jetzt kommt erstmal Dürre." und während S. Und ich um die wette schlucken und blinzeln, damit wir nicht zu gerührt aussehen, versucht er mir zu erklären, dass er die Mail schon geschrieben hat, aber der Verkehr des Internets staut. Wir müssen beide lachen und irgendwie ist es ein schmerzhaftes Lachen, denn vielleicht ist das, das letzte Mal für lange Zeit. Wir verabschieden uns ebenso schmerzlich. "Hab ich das nur geträumt oder hat er uns Genies genannt?", fragt S. Ich nicke:"ja hat er, aber naja das hätte ich ihm auch eher sagen können" Wir lachen erneut. Die Fröhlichkeit der Schule. Diese Schule in die ich hoffentlich in etwas mehr als 4 Jahren zurückkehren werde. Mit mehr Fachwissen und ohne Tränen in den Augen aber solange wird mir der Weg vom Bahnhof nach Hause, direkt an ebendieser Schule vorbei zeigen was mein Ziel ist. Mein Traum für den es zu kämpfen lohnt.

Freitag, 16. Mai 2014

Ich brauch mehr Platz und frischen Wind. Ich muss schnell woanders hin. Vergesst, wer ich war. Vergesst meinen Namen. Es wird nie mehr sein, wie es war.

Ich hatte in den letzten Tagen soviele verschiedene Anfänge für diesen Post. Dieser war keiner. Dieser entspricht der Leere, die sich momentan immer wieder bei mir einschleicht. Die fundamentale Frage, die ich mir seit Tagen stelle, ist: Wieso kann ich nicht einfach glücklich sein? Habe ich nicht alles? Ich studiere mittelmäßig Mathe, jeden Tag darf ich neue Aspekte der Philosophie betrachten, ich habe einen Freund, der mich liebt, der alles für mich tun würde. Ich bin gesund, schnittfrei seit fast 1,5 Jahren(!). Es gibt immer wieder Tage an denen ich am liebsten den ganzen Tag nichts essen würde, aber sie sind weniger geworden, wenn auch immernoch zuviel. Also wieso bin ich nicht einfach glücklich? Tausende Menschen würde für meine Lage morden.

Wieso tut es mir so weh, dass Herr A. es nicht schafft, mir zu antworten und das schon seit Monaten? Wieso tut es weh, dass es so schien, dass ich Maxi egal bin, seit er seine Freundin hat. Kaum hatte ich heute morgen den Gedanken zu Ende gedacht, kam er an und will heute abend was trinken gehen. Wie auch immer er das immer macht. Seine Freundin möchte mich unbedingt kennenlernen und er mich wiedersehen. Ein Gruppending mit noch ein paar Freunden von ihm. Und wie passe ich darein? Wieso möchte ich sooft alleine sein und sage das Ra. auch so? Möchte ich, dass er leidet wie ich es mein ganzes Leben musste? Nein, das möchte ich nicht. Nur manchmal ertrage ich diese ganze Liebe nicht. Die Küsse nicht. Das Anfassen. Dann möchte ich auf meinem Sofa sitzen, an die grüne Wand starren und mich vergewissern, dass ich noch atme. Dass ich existiere. Versteht das jemand? Vermutlich nicht.

Ich möchte Geschichten, Bücher, ganze Werke schreiben. Und dabei bin ich froh, wenn ich irgendwo zwischen Cosinus und Sinus, zwischen Kugelumgebungen und Transformationsmatrizen, ein einziges Lied hören kann, bevor ich mich wieder der Mathematik zuwenden muss. Nichtmal ein einfaches Essay bekomme ich geschrieben. Tests werden online morgens um halb fünf geschrieben. Einfach so. Mit dem Wissen, dass es nicht das ist, was man weiß, sondern das einzige, was man kraftmäßig noch schafft. Bevor man im Stuhl zusammensackt, um wenigstens eine Stunde Schlaf zu bekommen bis der Wecker um Vier Uhr klingelt, denn um 10 Uhr ist Abgabe des Matheblattes. Tagein, Tagaus.

Vermutlich denkt jeder: Was hat die eigentlich? Sie hat alles. Wieso ist mir dann ständig danach, dass ich tagelang weinen könnte? Wieso ist alles so komisch, so falsch? Nur weil sie keine Zeit hat? Zeit ist das seltenste Gut, also was beschwert sie sich. Sie ist doch mitten in ihrem Traum. Und vielleicht ist "sie" das, aber ich, ich bin hier falsch. Ich weiß nur noch nicht, inwieweit.

Freitag, 2. Mai 2014

In der Zeit liegt Vergangenheit. Erblindet durch Gewöhnung kommt der Wandel ohne Vorwarnung. Das Gespür für Wahrheit ist erkrankt.Selbstzweifel. Versagen. Erkennen dann Begreifen. Entsetzen durch Leere. Erkalten aller Sinne. Selbstzweifel. Begreifen. Absterben der Gefühle. Verzweifelung von damals, der Abgrund ist nicht überwunden.

"Ich hab die schönste Freundin der Welt", sagt er. "Du kannst ruhig mehr Essen", sagt er. "Du bist und bleibst wunderschön, auch wenn du nicht dran glaubst", sagt er. 
Und bei jedem verkackten ähnlich gemeinten Satz könnte ich ihn ankotzen, alles auskotzen, alles an mir abreißen. Ist das normal? Es liegt nicht daran, dass ich mit Komplimenten nicht umgehen kann, das ist nämlich sowieso der Fall. Es ist viel mehr so, dass es mir egaler ist, was andere von mir denken, außer er. Also esse ich mehr, nicht zuviel oder so, aber halt regelmäßiger als früher. Und das macht mich verrückt. So verrückt, dass ich jedes seiner Worte, das sich auf mein Aussehen oder meine Figur bezieht, nicht glauben kann. Ich schaue in den Spiegel und seh ein fettgewordenes Monster. Mein Verstand weiß, dass ich nicht zugenommen habe, aber ich ernähre mich heute den ganzen verfluchten Tag von Eiweiß-Shakes um, dann, und ja es weiß wirklich von Intelligenz, mir ne halbe, kleine Schachtel Merci reinzuhauen. Wieso zur Hölle schenken mir Menschen Schokolade? Dankbarkeit? Fürn Arsch! Das ist pure Hölle. Morgen wird alles ins Wohnzimmer gebracht. Hier in meinem Zimmer hat das nichts zu suchen. Hier in meinem Zimmer gibts nur Wasser, wie immer eigentlich. Ich spüre beinahe wie sein Bauch so sehr spannt, dass ich platze. Jaja, immer dicker werden, solange bis Selbst Rainer mich nicht mehr lieben kann. So wirds bestimmt enden, aber ich hungere ab jetzt dagegen an. Ich glaub, ich hab schon fast vergessen wie sich richtiger Hunger anfühlt. Morgen wird gegrillt und ab Sonntag gehts los. Ich lasse mich doch nicht von Zufriedenheit unterkriegen, denn ich weiß genau, ich kann niemals glücklich sein, wenn ich ihm nicht glauben kann. Wenn ich mich nicht selbst wieder etwas mehr akzeptiere.