Frohe Weihnachten, ihr da draußen. Ich hoffe, ihr habt halbwegs ruhige Tage im Kreise eurer Familien und/oder Freunden.
Ich gammele zuhause herum. Mir ist so langweilig, dass ich sobald ich dann so etwas wie "Lesen" machen möchte, einschlafe. Und wenn ich noch mehr Kaffee trinke, werde ich wohl ins Krankenhaus müssen. Es ist fürchterlich. Keiner meiner Freunde hat Zeit. Die sind plötzlich alle Familienmenschen. Blabla. Maxi ist nach Österreich gefahren, sodass selbst der nicht da ist. L. hängt bei ihrem (neuen) Freund herum. Anna ist bei ihren Großeltern, kommt erst am 27. wieder. Und P., ach der wundervolle P., ist zwar irgendwie nebenan, hat aber auch keine Zeit. Wobei das Treffen wohl auch eher mit viel Alkohol enden würde. Wobei, wo ist noch gleich das Problem?
Ab dem 28ten könnt ihr euch allerdings freuen, denn Denise neues Leben beginnt nicht erst 2016. Am 28ten feiert T seinen Geburtstag also bin ich so mit der alten Gruppe unterwegs, so von früher, das könnte ziemlich witzig werden. dann am 31. ist die Silvesterparty bei mir und Anna, da sind ungefähr die gleichen Leute, nur ein paar mehr. So 20 Leute vielleicht insgesamt. Mal sehen. Ich werde euch berichten, falls was passiert.
Grundsätzlich gehts mir übrigens besser. Ich bin der Meinung, dass die Trennung richtig war, das haben mir einige Leute klar gemacht. Auch die wundervollen Kommentare hier (Ich danke euch wirklich). Ich werde jetzt versuchen mehr Kaffee zu trinken und sollte eine wissenschaftliche Arbeit daraus machen, wieviel der Körper davon verträgt.
Ich wünsche euch schöne, Restfeiertage, trinkt genug und habt Spaß!
Freitag, 25. Dezember 2015
Dienstag, 22. Dezember 2015
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"Und was ist, wenn Ra. der eine war? Was ist, wenn du nie wieder soviel Glück haben wirst? Hast du gesehen wie er dich ansah: Er liebt dich. Von ganzem Herzen. Genau das Herz, was du gerade in der Luft zerrissen hast.", schreit die Stimme. Ich habe soviel geweint vor Ra. Ich hab mich sooft entschuldigt. Ich wollte ihm nie weh tun. Er wirkte beinahe gefasster als ich. Wie ich eine Ewigkeit brauchte, um überhaupt das Thema zu beginnen. Wie ich kein Wort klar aussprechen konnte, weil ich weinen musste. "Du bist ein richtiges Stück scheiße. Er hätte alles für dich getan und du kannst nichtmal ne schlechte Phase aushalten." Es war nicht eine schlechte Phase. Ich hab ihn sogar betrogen, verflucht. "Oh, stimmt ne scheißhure bist du auch noch." Lass mich in Ruhe! Einfach in Ruhe.
Überall Tränen. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen. Wie zum Teufel soll ich den denn morgen wiedersehen? Und wieso tut der ganze scheiß plötzlich so weh?
"Gibst eine Zukunft für uns?" - "ich glaube nicht". Er nickt und nimmt mich in den Arm in der Hoffnung, dass ich dann vielleicht nicht ersticke. "Schon gut", sagt er und küsst mich auf die Stirn.
"Weißt du, immer wenn ich an deine Partnerin denke, bin das nicht ich. Dann ist das ein Mädchen, das mehr mit dir teilt. Dass dich glücklich macht. Dass nicht ständig zweifelt" - "Und immer wenn ich an das Mädchen denke, bist du das. Egal wieviel du zweifelst. Egal wie oft du nicht meiner Meinung bist."
"Manchmal denke ich, dass wir bessere Freunde als Partner sind." - "Den Gedanken hatte ich auch. Aber ich küsse dich gerne und ich freue mich immer neben dir aufzuwachen." Und in dem Moment wird auch mir klar, wie gern ich seiner Nähe bin.
"Du bist ein toller Mensch, Denise. Du bist schön. Du bist schlau. Du bist soo unfassbar stark, das ich das kaum beschreiben kann. Und das darfst du niemals vergessen, ja? Auch, wenn ich dich nie davon überzeugen konnte" Ra. verdrückt zwei Tränen, während ich nicht an mir halten kann. "Du bist genau so, wie man es sich wünschen sollte."
"Ra, egal, ob du mich in den nächsten Wochen und Monaten hasst, eine Vodoo-Puppe baust, oder sonst was: ich meinte das immer ernst. ich.." Ich breche immer wieder in Tränen aus. "Ich weiß das doch. Auch wenn du deine Gefühle nie wie ich gezeigt hast, wusste ich immer, dass du was für mich übrig hast"
"Hass mich einfach, okay? Schlag mich. Mach irgendwas fieses." - "Dafür bin ich nicht der Typ, das weißt du doch." - "Schmeiß mich wenigstens raus oder so, ja?" - "Am liebsten würde ich ja, dass du nie gehst." Und genau in dem Moment würde ich das auch gerne.
"ich glaube, so wie wir hier sind, ist das der innigste Moment seit Wochen.", sagt Ra. "Das stimmt.", schluchze ich. "Vielleicht, weil wir wissen, dass wir uns bald verlieren" - "Vielleicht finden wir uns auch erst in solchen Momenten wieder". Irgendwo zusammen im Loch. Ja, da gehöre ich hin.
Tja, jetzt bereust du es wohl, den einzigen Kerl, der es jemals ernst mit dir meinte, verlassen zu haben, oder? Er hat dich geliebt. Weißt du überhaupt was Liebe ist? Weißt du überhaupt, wie es ist nicht ne betrunkene, nuttige Schlampe zu sein? Nein, und deshalb hast du ihn auch nicht verdient. Und zumindest in dem Punkt hat die Stimme recht: Verdient hatte ich ihn nie.
Überall Tränen. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen. Wie zum Teufel soll ich den denn morgen wiedersehen? Und wieso tut der ganze scheiß plötzlich so weh?
"Gibst eine Zukunft für uns?" - "ich glaube nicht". Er nickt und nimmt mich in den Arm in der Hoffnung, dass ich dann vielleicht nicht ersticke. "Schon gut", sagt er und küsst mich auf die Stirn.
"Weißt du, immer wenn ich an deine Partnerin denke, bin das nicht ich. Dann ist das ein Mädchen, das mehr mit dir teilt. Dass dich glücklich macht. Dass nicht ständig zweifelt" - "Und immer wenn ich an das Mädchen denke, bist du das. Egal wieviel du zweifelst. Egal wie oft du nicht meiner Meinung bist."
"Manchmal denke ich, dass wir bessere Freunde als Partner sind." - "Den Gedanken hatte ich auch. Aber ich küsse dich gerne und ich freue mich immer neben dir aufzuwachen." Und in dem Moment wird auch mir klar, wie gern ich seiner Nähe bin.
"Du bist ein toller Mensch, Denise. Du bist schön. Du bist schlau. Du bist soo unfassbar stark, das ich das kaum beschreiben kann. Und das darfst du niemals vergessen, ja? Auch, wenn ich dich nie davon überzeugen konnte" Ra. verdrückt zwei Tränen, während ich nicht an mir halten kann. "Du bist genau so, wie man es sich wünschen sollte."
"Ra, egal, ob du mich in den nächsten Wochen und Monaten hasst, eine Vodoo-Puppe baust, oder sonst was: ich meinte das immer ernst. ich.." Ich breche immer wieder in Tränen aus. "Ich weiß das doch. Auch wenn du deine Gefühle nie wie ich gezeigt hast, wusste ich immer, dass du was für mich übrig hast"
"Hass mich einfach, okay? Schlag mich. Mach irgendwas fieses." - "Dafür bin ich nicht der Typ, das weißt du doch." - "Schmeiß mich wenigstens raus oder so, ja?" - "Am liebsten würde ich ja, dass du nie gehst." Und genau in dem Moment würde ich das auch gerne.
"ich glaube, so wie wir hier sind, ist das der innigste Moment seit Wochen.", sagt Ra. "Das stimmt.", schluchze ich. "Vielleicht, weil wir wissen, dass wir uns bald verlieren" - "Vielleicht finden wir uns auch erst in solchen Momenten wieder". Irgendwo zusammen im Loch. Ja, da gehöre ich hin.
Tja, jetzt bereust du es wohl, den einzigen Kerl, der es jemals ernst mit dir meinte, verlassen zu haben, oder? Er hat dich geliebt. Weißt du überhaupt was Liebe ist? Weißt du überhaupt, wie es ist nicht ne betrunkene, nuttige Schlampe zu sein? Nein, und deshalb hast du ihn auch nicht verdient. Und zumindest in dem Punkt hat die Stimme recht: Verdient hatte ich ihn nie.
Montag, 21. Dezember 2015
Wenn du wie ein Taucher bist, der unten in der Schwärze sitzt. Sich sehnend nach dem Hoffnungsschimmer. Von jenem ersten Licht. Wir kamen aus dem blau und gehen ins schwarz. An unserm Anfang und an unserm Ende ein Arzt.
Heute Abend sehe ich Ra. das erste Mal seit dem Urlaub. Heute nacht bin ich dann offiziell Single. Ich komm mir herzlos vor, so kurz vor Weihnachten Herzen zu brechen. Ich komm mir kein Stück Herzlos wegen des Betruges vor. Vielleicht spricht auch das nur für Herzlosigkeit. So können wir beide im neuen Jahr neu anfangen. Von Vorne. Irgendwo in der Mitte des Lebens, was weiß ich. Wie geht neuanfangen eigentlich? Muss ich zum Friseur, um meinen neuen Lebensabschnitt zu beginnen? Eine Shoppingtour? Ich glaube, ich fang einfach ein neues Buch an, das muss reichen für mich.
Gestern abend kam es über mich, dass ich einer Uni-Freundin (also auch mit Ra. befreundet) von meinen Gedanken berichtet habe. Sie schien schockiert und dann, als ich einiges erklärte, so als wäre es richtig. So als wäre ich kein nur herzloser Mensch. "Ra. ist erwachsen, mit sowas muss und wird er klar kommen.", schrieb sie irgendwann. Und ich saß vor meinem Handy und dachte: "Ja, damit muss er klar kommen." Irgendwie macht dies, das Vorhaben an sich nicht leichter, aber dann dachte ich darüber nach, wie oft ich mit sowas klarkommen musste. Mit A. Mit Maxi. Damit klarkommen, dass es einfach nicht reicht. Und er durfte 1,5 Jahre seinen "Wunsch" leben. Er durfte 1,5 Jahre lang mit dem Mädchen zusammen sein, das er liebt, auch wenn sie das vielleicht etwas anders sieht. Und so hart es klingt: Sowas wurde mir in meinem Leben verwehrt. Und das ist okay, weil es Vergangenheit ist. Weil ich damit leben gelernt habe. Und genau das muss er auch tun: Sich damit abfinden. Und ich lasse ihm Freiraum, lasse mich über 2 Wochen nicht hier blicken, verstecke abgesehen von Silvester in meiner Heimatstadt und fliehe in meine alte Realität, weil es da so viel kaputter und einfacher ist.
Ich werde wieder mit Sport anfangen. Nicht nur weil es mir fehlt, sondern weil ich es immer mochte und bald wieder mehr Zeit dafür habe. Und weil ich zugenommen habe. Ich bekomme zu Weihnachten anständige Hanteln und ab heute gehe ich täglich joggen. Naja, was man bei mir so joggen nennen kann. Also das Joggen hört natürlich auf, sobald ich hanteln habe, weil ich lieber Kraft+Ausdauer mache, als Joggen. Ich hasse joggen sowieso. Vermutlich bin ich heute das erste und letzte Mal joggen gegangen. Yeah, Motivation. Gleich habe ich meine vorletzte Veranstaltung für dieses Semester und dann muss ich über Weihnachten eine Hausarbeit schreiben. Das wird schön.
Gestern abend kam es über mich, dass ich einer Uni-Freundin (also auch mit Ra. befreundet) von meinen Gedanken berichtet habe. Sie schien schockiert und dann, als ich einiges erklärte, so als wäre es richtig. So als wäre ich kein nur herzloser Mensch. "Ra. ist erwachsen, mit sowas muss und wird er klar kommen.", schrieb sie irgendwann. Und ich saß vor meinem Handy und dachte: "Ja, damit muss er klar kommen." Irgendwie macht dies, das Vorhaben an sich nicht leichter, aber dann dachte ich darüber nach, wie oft ich mit sowas klarkommen musste. Mit A. Mit Maxi. Damit klarkommen, dass es einfach nicht reicht. Und er durfte 1,5 Jahre seinen "Wunsch" leben. Er durfte 1,5 Jahre lang mit dem Mädchen zusammen sein, das er liebt, auch wenn sie das vielleicht etwas anders sieht. Und so hart es klingt: Sowas wurde mir in meinem Leben verwehrt. Und das ist okay, weil es Vergangenheit ist. Weil ich damit leben gelernt habe. Und genau das muss er auch tun: Sich damit abfinden. Und ich lasse ihm Freiraum, lasse mich über 2 Wochen nicht hier blicken, verstecke abgesehen von Silvester in meiner Heimatstadt und fliehe in meine alte Realität, weil es da so viel kaputter und einfacher ist.
Ich werde wieder mit Sport anfangen. Nicht nur weil es mir fehlt, sondern weil ich es immer mochte und bald wieder mehr Zeit dafür habe. Und weil ich zugenommen habe. Ich bekomme zu Weihnachten anständige Hanteln und ab heute gehe ich täglich joggen. Naja, was man bei mir so joggen nennen kann. Also das Joggen hört natürlich auf, sobald ich hanteln habe, weil ich lieber Kraft+Ausdauer mache, als Joggen. Ich hasse joggen sowieso. Vermutlich bin ich heute das erste und letzte Mal joggen gegangen. Yeah, Motivation. Gleich habe ich meine vorletzte Veranstaltung für dieses Semester und dann muss ich über Weihnachten eine Hausarbeit schreiben. Das wird schön.
Donnerstag, 17. Dezember 2015
Auszug aus der Urlaubslektüre
" "Franny", schrie ich laut, doch es kam keine Antwort. [...] Taschenlampen blinkten, und wie ein Schwarm großer Leuchtkäfer gelangten wir zu den Farnen, wo Lenny Metz - der seine Hose noch nicht wieder angezogen hatte - den Kopf meiner Schwester zwischen seine Knie eingeklemmt festhielt. Metz kniete auf Frannys Armen und war über ihren Kopf gebeugt, während Chester Pulaski - der zweifellos als dritter zum Zug gekommen war - gerade fertig wurde.
Chipper Dove war schon fort; er war natürlich als erster drangewesen. Und als vorsichtiger Spielmacher hatte er den Ball nicht zu lange behalten. [...]
Ich hatte Franny in den Farnen beim Anziehen geholfen, und Junior Jones hatte versucht, ihr Haar zu entwirren, während sie weinte und weinte, und schließlich hatte er zu ihr gesagt: "Willst du zu Fuß gehen oder mit mir?" Genau mit diesen Worten hatte Vater vor Jahren immer uns Kinder gefragt, ob wir zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren wollten. Junior meinte natürlich, er würde Franny tragen, und das wollte sie - und so trug er sie. [...]
Franny weinte und weinte, und Junior sagte: "Hör mal, du bist ein gutes Mädchen, ich kann das sehr gut beurteilen." Aber Franny weinte weiter. "He, paß auf", sagte Junior Jones. "Ich will dir mal was sagen. Wenn dich jemand anfaßt, und du willst nicht angefaßt werden, dann wirst du nicht wirklich angefaßt - du mußt mir das glauben. Das bist dann gar nicht du, was die da anfassen; so erwischen sie dich nicht wirklich, verstehst du? Du hast immer noch dich in dir drin. Keiner hat dich angefaßt - nicht wirklich. Du bist ein wirklich gutes Mädchen, glaubst du mir das? Du hast immer noch dich in dir drin, glaubst du mir das?" [...]
Dann stand ich auf und ging an die Tür zum Bad und fragte sie, ob ich ihr irgend etwas bringen könne.
"Danke", flüsterte sie. "Geh einfach raus und bring mir gestern und den größten Teil von heute", sagte sie. "Ich will sie zurückhaben."
"Ist das alles?", sagte ich. "Nur gestern und heute?"
"Das ist alles", sagte sie. "Danke."
"Ich würd's tun, wenn ich könnte, Franny", sagte ich ihr.
"Ich weiß", sagte sie. Ich hörte sie langsam ins Wasser eintauchen. "Ich bin okay", flüsterte sie. "Das verfickte ich in mir hat keiner erwischt."
[John Irving: Das Hotel New Hampshire, S.154ff. ]
Chipper Dove war schon fort; er war natürlich als erster drangewesen. Und als vorsichtiger Spielmacher hatte er den Ball nicht zu lange behalten. [...]
Ich hatte Franny in den Farnen beim Anziehen geholfen, und Junior Jones hatte versucht, ihr Haar zu entwirren, während sie weinte und weinte, und schließlich hatte er zu ihr gesagt: "Willst du zu Fuß gehen oder mit mir?" Genau mit diesen Worten hatte Vater vor Jahren immer uns Kinder gefragt, ob wir zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren wollten. Junior meinte natürlich, er würde Franny tragen, und das wollte sie - und so trug er sie. [...]
Franny weinte und weinte, und Junior sagte: "Hör mal, du bist ein gutes Mädchen, ich kann das sehr gut beurteilen." Aber Franny weinte weiter. "He, paß auf", sagte Junior Jones. "Ich will dir mal was sagen. Wenn dich jemand anfaßt, und du willst nicht angefaßt werden, dann wirst du nicht wirklich angefaßt - du mußt mir das glauben. Das bist dann gar nicht du, was die da anfassen; so erwischen sie dich nicht wirklich, verstehst du? Du hast immer noch dich in dir drin. Keiner hat dich angefaßt - nicht wirklich. Du bist ein wirklich gutes Mädchen, glaubst du mir das? Du hast immer noch dich in dir drin, glaubst du mir das?" [...]
Dann stand ich auf und ging an die Tür zum Bad und fragte sie, ob ich ihr irgend etwas bringen könne.
"Danke", flüsterte sie. "Geh einfach raus und bring mir gestern und den größten Teil von heute", sagte sie. "Ich will sie zurückhaben."
"Ist das alles?", sagte ich. "Nur gestern und heute?"
"Das ist alles", sagte sie. "Danke."
"Ich würd's tun, wenn ich könnte, Franny", sagte ich ihr.
"Ich weiß", sagte sie. Ich hörte sie langsam ins Wasser eintauchen. "Ich bin okay", flüsterte sie. "Das verfickte ich in mir hat keiner erwischt."
[John Irving: Das Hotel New Hampshire, S.154ff. ]
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Mach deine Fenster auf. Lass den Frost hinaus und frisches Leben rein. Ich habe es im Blut jetzt wird alles gut. Wir werden uns befreien. Denn ich weiß, diese dunklen Jahre sind vorbei.
Morgen früh um 5:25 Uhr fliegt das Flugzeug in dem ich sitze nach Gran Canaria. (Neid ist vollkommen angebracht, damit kann ich leben) Zusammen mit Anna (Mitbewohnerin & gute Freundin) gehe ich auf eines meiner größten Abenteuer: ohne gute Englischkenntnisse, ohne irgendwelche Spanischkenntnisse und viel zu wenig Gepäck (irgendwie ist meine Tasche zu leicht) machen wir 6 Tage Urlaub.
Bevor jetzt irgendwer sagt, dass ich vor meinen "Problemen" fliehe: Mein Plan ist simpel. Ra. und ich haben noch vorgestern darüber geredet, dass jeder sich Gedanken machen muss über die Beziehung. Und da ich nicht so "unmoralisch" sein wollte und Schluss machen und ihn mit den ganzen Fragen, die man sich so stellt und die ich ihm auch beantworten werde, alleine lassen wollte, habe ich mir überlegt, dass ich den Schlussstrich nach dem Urlaub ziehe. Dann hat er über Weihnachten und Neujahr etc. Zeit das zu verkraften und alles wird gut. Außerdem habe ich so die Begründung, dass mir halt durch den Abstand, den der Urlaub mitbringt, bewusst wird, wie wenig die Beziehung mir bedeutet und ich muss ihm das Herz nicht doppelt brechen und ihm von dem Betrug erzählen. Das bleibt mein kleines dreckiges Geheimnis.
Haltet mich ruhig für herzlos, aber wisst ihr, was ich am meisten bereue an K's Party? Dass F. und ich uns nicht häufiger geküsst haben. Dass ich F's erste Versuche abgelehnt habe. Vielleicht wäre dann jetzt die heftigere Sehnsucht ausgebrochen, aber nunja, was solls.
Jetzt sind wir (nach dem Kofferpacken) in extremer Silvesterplanungnot. Ich freue mich. Denise als Single, war schon immer die beste Rolle. Und die gefährlichste. Und die spannenste.
Ich hab Maxi davon erzählt, dass ich mich trenne. Erst hat er es nicht verstanden, dann habe ich ihm so meine Probleme mit Ra. erzählt und dass Ra. sich halt auch verändert hat und dass einiges fehlt. Jetzt versteht er es irgendwie und will mich direkt sehen. Seeeehr gut. Gleichzeitig hat mir seine Freundin eine Freundschaftanfrage auf Facebook geschickt, haha. Mein Leben macht Spaß. Oh moment: Um das klarzustellen, ich möchte nicht Maxis Beziehung crashen oder so. Ich wünsche ihm alles Glück.
Ich möchte sowieso erstmal keine Beziehung. Ich möchte Freiheit. Freiheit und Alkohol. (Und Gras, wenn es nach Maxi geht). Aber vorallem möchte ich jetzt erstmal in die Sonne fliegen. Bis ungefähr Donnerstag.
Bevor jetzt irgendwer sagt, dass ich vor meinen "Problemen" fliehe: Mein Plan ist simpel. Ra. und ich haben noch vorgestern darüber geredet, dass jeder sich Gedanken machen muss über die Beziehung. Und da ich nicht so "unmoralisch" sein wollte und Schluss machen und ihn mit den ganzen Fragen, die man sich so stellt und die ich ihm auch beantworten werde, alleine lassen wollte, habe ich mir überlegt, dass ich den Schlussstrich nach dem Urlaub ziehe. Dann hat er über Weihnachten und Neujahr etc. Zeit das zu verkraften und alles wird gut. Außerdem habe ich so die Begründung, dass mir halt durch den Abstand, den der Urlaub mitbringt, bewusst wird, wie wenig die Beziehung mir bedeutet und ich muss ihm das Herz nicht doppelt brechen und ihm von dem Betrug erzählen. Das bleibt mein kleines dreckiges Geheimnis.
Haltet mich ruhig für herzlos, aber wisst ihr, was ich am meisten bereue an K's Party? Dass F. und ich uns nicht häufiger geküsst haben. Dass ich F's erste Versuche abgelehnt habe. Vielleicht wäre dann jetzt die heftigere Sehnsucht ausgebrochen, aber nunja, was solls.
Jetzt sind wir (nach dem Kofferpacken) in extremer Silvesterplanungnot. Ich freue mich. Denise als Single, war schon immer die beste Rolle. Und die gefährlichste. Und die spannenste.
Ich hab Maxi davon erzählt, dass ich mich trenne. Erst hat er es nicht verstanden, dann habe ich ihm so meine Probleme mit Ra. erzählt und dass Ra. sich halt auch verändert hat und dass einiges fehlt. Jetzt versteht er es irgendwie und will mich direkt sehen. Seeeehr gut. Gleichzeitig hat mir seine Freundin eine Freundschaftanfrage auf Facebook geschickt, haha. Mein Leben macht Spaß. Oh moment: Um das klarzustellen, ich möchte nicht Maxis Beziehung crashen oder so. Ich wünsche ihm alles Glück.
Ich möchte sowieso erstmal keine Beziehung. Ich möchte Freiheit. Freiheit und Alkohol. (Und Gras, wenn es nach Maxi geht). Aber vorallem möchte ich jetzt erstmal in die Sonne fliegen. Bis ungefähr Donnerstag.
Dienstag, 8. Dezember 2015
Der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und dem Erwerben des Begehrten vernichten zu können, ist Sehnsucht. [Immanuel Kant]
Ihr habt vermutlich die Pointe im letzten Post vermisst, was? Klang ja fast so als würde Denise etwas interessantes neues passieren. F. hat eine Freundin. F. und ich werden uns nicht wiedersehen. F. trennt sich zwar alle drei Tage (ungefähre Einschätzung von K.) von seiner Freundin, weil es sowas wie Hassliebe ist, da sie sich ständig streiten. Und sobald er bald ein halbes Jahr weg ist, sind die eh auseinander. Alles Einschätzung von K. und ihrem Mitbewohner. Vielleicht gut, dass ich hier bin, in der anderen Stadt, weit weg, sehe ihn vermutlich nie wieder (und wenn, dann bei K. und in mehr als einem halben Jahr). Das ändert aber nichts daran, dass ich das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder tiefe Sehnsucht verspüre. Vielleicht beruht diese Sehnsucht auf eine angetrunkene Sicht der Dinge, aber es ist wahre Sehnsucht. Ich habe zwei Tage lang mit K. über nichts anderes als F. geredet. Immer wieder, immer mehr. Bloß nicht vergessen. Bloß im Kopf behalten und vorallem im Herz. Es ist eine nicht-loslassende Melancholie. Es kommt mir vor, als hätte ich Goethe und Schiller nie richtig verstanden, wenn sie über Sehnsucht schrieben. Ich weiß, wie fürchterlich lächerlich das klingen muss bei allem, was ihr schon von mir gelesen habt. Natürlich ist F. nicht Maxi. (Haha, mein Leben ist der beste Witz). Natürlich ist es etwas völlig anderes, aber F. hat was geschafft, was ich dachte nie klappen würde: Mich aus dieser Kammer zu holen, in der ich steif und fest behaupte, dass ich das mit Ra. nicht beenden kann. F. hat es geschafft, dass ich wieder etwas fühle. Und auch, wenn es jetzt auf Schmerz hinausläuft, war es eine gute "Erfahrung". War es ein guter Kuss. War es ein gutes Gefühl.
Ich werde mich von Ra. trennen. Vermutlich nächste Woche. Wir haben vorgestern, also zwei Tage nach K's Party darüber geredet, dass unsere Beziehung nicht gut läuft. Er meint, dass ich mich beinahe weigere körperlich, innigeren Kontakt mit ihm einzugehen und, dass er glaubt, dass es nur an meiner Unsicherheit liegt. Ich saß auf dem Bett und merkte zum ersten Mal vielleicht so richtig: Nein, daran, dass ich dich nicht anziehend finde, nicht attraktiv, nicht verliebt bin. Manchmal finde ich dich nichtmal interessant, weißt du. Dann tat es mir Leid. Aber Mitleid sollte nicht der Grund sein eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Die Trennung wird für viel Zerstörung in meinem Umfeld sorgen. Vielleicht auch im Ablauf meines Studiums. Aber vorallem wird sie mich wieder atmen lassen. Vorallem wird sie dafür sorgen, dass ich mich nicht mehr vermissen muss. Dass ich leben kann.
Viele haben mir in den letzten Tag gesagt, dass man an Beziehungen arbeiten kann. Aber ich sitze hier und im April wären wir zwei Jahre zusammen. In diesen sagen wir mal 1,5 Jahren, haben wir circa 1 Jahr nichts anderes getan als an unserer Beziehung zu arbeiten. Wir haben nichts anderes getan als darüber zu reden, was fehlt, was wir anders machen müssen. Dass ich offener und er mutiger sien muss. Dass ich es hasse morgens noch stundenlang im Bett zu liegen. Dass er am liebsten den ganzen Tag neben mir im Bett liegen würde. Dass Sex zu einer Beziehung dazu gehört. Und ich meine, dass es dazu gehört. Und jetzt weiß ich, dass ich frei sein muss. Und wenn ich dumme Fehler mache, dann mache ich sie wenigstens aus einem Gefühl heraus. Und wenn ich nie wieder eine Beziehung führe, kann ich wenigstens sagen, dass ich keine kaputte oder schlechte führe. Ich muss mich von Ra. trennen, egal was passiert.
Ich werde mich von Ra. trennen. Vermutlich nächste Woche. Wir haben vorgestern, also zwei Tage nach K's Party darüber geredet, dass unsere Beziehung nicht gut läuft. Er meint, dass ich mich beinahe weigere körperlich, innigeren Kontakt mit ihm einzugehen und, dass er glaubt, dass es nur an meiner Unsicherheit liegt. Ich saß auf dem Bett und merkte zum ersten Mal vielleicht so richtig: Nein, daran, dass ich dich nicht anziehend finde, nicht attraktiv, nicht verliebt bin. Manchmal finde ich dich nichtmal interessant, weißt du. Dann tat es mir Leid. Aber Mitleid sollte nicht der Grund sein eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Die Trennung wird für viel Zerstörung in meinem Umfeld sorgen. Vielleicht auch im Ablauf meines Studiums. Aber vorallem wird sie mich wieder atmen lassen. Vorallem wird sie dafür sorgen, dass ich mich nicht mehr vermissen muss. Dass ich leben kann.
Viele haben mir in den letzten Tag gesagt, dass man an Beziehungen arbeiten kann. Aber ich sitze hier und im April wären wir zwei Jahre zusammen. In diesen sagen wir mal 1,5 Jahren, haben wir circa 1 Jahr nichts anderes getan als an unserer Beziehung zu arbeiten. Wir haben nichts anderes getan als darüber zu reden, was fehlt, was wir anders machen müssen. Dass ich offener und er mutiger sien muss. Dass ich es hasse morgens noch stundenlang im Bett zu liegen. Dass er am liebsten den ganzen Tag neben mir im Bett liegen würde. Dass Sex zu einer Beziehung dazu gehört. Und ich meine, dass es dazu gehört. Und jetzt weiß ich, dass ich frei sein muss. Und wenn ich dumme Fehler mache, dann mache ich sie wenigstens aus einem Gefühl heraus. Und wenn ich nie wieder eine Beziehung führe, kann ich wenigstens sagen, dass ich keine kaputte oder schlechte führe. Ich muss mich von Ra. trennen, egal was passiert.
Samstag, 5. Dezember 2015
Du verdienst eine bessere Frau, und ich einen besseren Mann.
Es ist mir selten schwieriger gefallen, die richtige Formulierung für einen Post zu finden. Es ist mir selten schwieriger gefallen, zu erklären, was da eigentlich passiert ist. Und vermutlich fällt es mir am schwersten das einzuordnen. Ich glaube, ich halte mich chronologisch.
Gestern war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin K. und ihr Mitbewohner kam im Laufe des Abends mit ein paar anderen Freunden von sich. Darunter war F. (merkt es euch einfach). Naja, nachdem ich traurigerweise ziemlich "im Training" bin, was das Trinken angeht, habe ich mit einer Flasche Wein angefangen, ein Glas Rum-Cola getrunken und irgendwelche Shots. Soweit so gut. Vernünftig, wie ich manchmal zufällig bin, bin ich dann auf Leitungswasser umgestiegen. (Chronologie ist übrigens zerstört) Ich habe mich mit vielen alten Freunden aus der Heimatstadt unterhalten und eben auch mit den Freunden des Mitbewohners. Alles, wie auf einer Party üblich. Am meisten redete ich vermutlich mit F. Er ist ein braunerhaariger, verflucht großer Kerl, der sehr höflichen Blickkontakt aufübt. Wir trinken ein paar Kurze zusammen, bevor ich aufs Wasser umsteige und ich sehe, dass sich sein Blick ändert. Es ist nicht der "Ich-höre-dir-gerne-zu"-Blick, sondern der "Ich-Will-Dich"-Blick. Ich weiß nicht, wie gut ihr das kennt, aber bei Menschen, die einem sehr sympathisch sind, ist sowas immer schwierig. Nicht nur schwierig, sondern ein Gefühl, was ich folgermaßen umschreiben möchte: Eine Ganzkörpergänsehaut, die sich aber sowohl nach innen als auch nach außen zieht und jede Faser deines Körpers berührt. Flirten ist nicht verboten, sag ich mir und spiel das Spiel mit.
Irgendwann so um zwei Uhr nachts gehe ich in die Küche und hole mein gefühltes 10. Glas Wasser, damit ich mich nüchterner fühle. Ich laufe an ihm vorbei, er geht kurz ins andere Zimmer und kommt sofort hinter mir her. Während er dabei ist, mit seiner Hand meinen Rücken runterzufahren, gehe ich einen Schritt nach links. "Ich kann das nicht", presse ich beinahe hervor. "Ich weiß nicht, wie gut deine Menschenkenntnis ist, aber du zitterst fast unter meinen Fingern weg", sagt er und grinst. Mein Herz schlägt unfassbar schnell. So schnell, dass es beinahe weh tut. Nimm mich einfach mit. Du und ich bleibt unser kleines, schmutziges Geheimnis. Ich steh da und bin alleine schwer damit beschäftigt nicht einfach umzufallen. Sexuelle Frustration, Angst, Verwirrung. Wo ist mein eigener Wille? Ich fühle mich unfassbar nüchtern, als wüsste ich genau was ich tue, nur dass ich es nicht schaffe. "Ich geh mal wieder ins Zimmer drüben, kannst gerne jederzeit nachkommen", sagt er und geht in den Partyraum. Ich stehe zwei Sekunden da und L. kommt und fragt mich, was war. "Nichts. Überhaupt nichts. Wir verstehen uns nur gut.", lüge ich und versuche dieses Gefühl los zu werden. F. kommt wieder in die Küche, stellt sich zu uns und lächelt nur ganz leicht. Dieses "Ich kann ja nicht zu lassen, dass du nicht an mich denkst"-Lächeln. L. und er unterhalten sich über Tatoos und wo er welche hat. Er sagt, er habe zwei und eines zeigt er uns, auf der Brust. Keine Haut. Lass das. Zieh dich wieder an, ich kann nicht denken. "Und wo ist das andere?", fragt L völlig unverhofft. "Das werde ich dir weder zeigen noch sagen", sagt er und schaut zu mir mit einem Blick wie "Willst du nachgucken?" rüber.
Ich setze mich auf das Sofa neben allen anderen Partygästen und führe einen inneren Konflikt bei dem er mich beobachtet. Ich gehe raus auf den Balkon, damit ich abkühle, in dem Gedanken, dass ich dort nicht alleine bin, weil T. und N. gerade rauchen. Natürlich hält eine Zigarette nicht ewig und sie gehen rein F. kommt raus. "Bist du auch so sentimental?", fragt er. "Inwiefern?" - "Naja, ich bin [leider fehlt mir hier der richtige Begriff] Bundeswehrflugzeugsoldat-Zeugs und das habe ich gerade erzählt und jetzt ist da voll die melancholische Stimmung, dabei habe ich nichtmal wirklich was erzählt. Wenn man mich nach meiner Weihnachtsplanung fragt, ist die Frage eher, wo mein Land mich sieht." Ich schlucke. "Ne, ich bin nicht sentimental. Die Welt geht zugrunde und leider muss irgendwer in erster Reihe stehen, wenn der dritte Weltkrieg beginnt. Wenn er das nicht sogar schon ist". Er sieht mich an. Und (spätestens) in dem Moment ist es aufrichtiges Interesse. Vielleicht ein betrunkenes, williges, aufrichtiges Interesse. Ich fand alles, was er erzählt hat interessant.
Wir stehen eine ganze Weile da und er legt die Hand an meine Hüfte und zieht mich näher. Und so weh es mir in dem Moment auch tat, blickte ich auf den Boden und keine Sekunde zu ihm hinauf. Er lockert unsere Position auf und ich sehe ihn an. In gewisser Weise ist er enttäuscht. Er hält mir seinen Apfelkorn-Becher hin: "Na, wenn du mich nicht küssen willst, musst du wenigstens trinken" und schiebt ein leichtes Lächeln hinterher. Ich gestehe mir ein: Ich hätte nichts lieber getan als ihn zu küssen. Nicht, weil ich betrunken bin. Nicht, weil ich Ra. weh tun will. Sondern einfach, weil es passt.
"Wenn das, was mit uns wird, musst du dich also darauf einstellen, dass ich auch mal ein halbes Jahr beruflich weg bin", sagt er irgendwann angehaucht ironisch. Denise, du führst eine Beziehung. Denise, Betrug ist keine Lösung. Lass es. "Gibst du mir deine Nummer?", platzt es aus mir heraus. Ich ignoriere seine provokante Äußerung, ich ignoriere meine Beziehung und meine Werte. "Du willst also mit mir in Kontakt bleiben?", fragt er und grinst. Ich halte ihm nur mein Handy hin und sage nichts. Oft fragt er, ob mir kalt ist. Oft auch, was nicht mit mir stimmt. Oft auch, ob er irgendwas anders machen soll.
"F., du verwirrst mich." - "Danke, ebenso" Wir lachen. Er blickt mir ziemlich lange in die Augen. Zieht mich ran. Ra. Beziehung.Mir egal. Wir küssen uns nur ganz kurz, gucken uns danach noch immer an. "Weißt du, dass du eines der interessantesten und schönsten Mädchen bist, mit denen ich je geredet habe?", fragt er ohne eine Antwort zu erwarten. "Danke schön. Aber glaubst du wirklich es ist noch heftig nötig Komplimente zu machen, wenn du dein Ziel schon erreicht hast?", frage ich und lache. Mein Herz schlägt. Mein Herz wird mir bewusst. "Wahrheiten können immer gesagt werden", sagt er und hält mich einfach kurz in seinen Armen.
Gestern war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin K. und ihr Mitbewohner kam im Laufe des Abends mit ein paar anderen Freunden von sich. Darunter war F. (merkt es euch einfach). Naja, nachdem ich traurigerweise ziemlich "im Training" bin, was das Trinken angeht, habe ich mit einer Flasche Wein angefangen, ein Glas Rum-Cola getrunken und irgendwelche Shots. Soweit so gut. Vernünftig, wie ich manchmal zufällig bin, bin ich dann auf Leitungswasser umgestiegen. (Chronologie ist übrigens zerstört) Ich habe mich mit vielen alten Freunden aus der Heimatstadt unterhalten und eben auch mit den Freunden des Mitbewohners. Alles, wie auf einer Party üblich. Am meisten redete ich vermutlich mit F. Er ist ein braunerhaariger, verflucht großer Kerl, der sehr höflichen Blickkontakt aufübt. Wir trinken ein paar Kurze zusammen, bevor ich aufs Wasser umsteige und ich sehe, dass sich sein Blick ändert. Es ist nicht der "Ich-höre-dir-gerne-zu"-Blick, sondern der "Ich-Will-Dich"-Blick. Ich weiß nicht, wie gut ihr das kennt, aber bei Menschen, die einem sehr sympathisch sind, ist sowas immer schwierig. Nicht nur schwierig, sondern ein Gefühl, was ich folgermaßen umschreiben möchte: Eine Ganzkörpergänsehaut, die sich aber sowohl nach innen als auch nach außen zieht und jede Faser deines Körpers berührt. Flirten ist nicht verboten, sag ich mir und spiel das Spiel mit.
Irgendwann so um zwei Uhr nachts gehe ich in die Küche und hole mein gefühltes 10. Glas Wasser, damit ich mich nüchterner fühle. Ich laufe an ihm vorbei, er geht kurz ins andere Zimmer und kommt sofort hinter mir her. Während er dabei ist, mit seiner Hand meinen Rücken runterzufahren, gehe ich einen Schritt nach links. "Ich kann das nicht", presse ich beinahe hervor. "Ich weiß nicht, wie gut deine Menschenkenntnis ist, aber du zitterst fast unter meinen Fingern weg", sagt er und grinst. Mein Herz schlägt unfassbar schnell. So schnell, dass es beinahe weh tut. Nimm mich einfach mit. Du und ich bleibt unser kleines, schmutziges Geheimnis. Ich steh da und bin alleine schwer damit beschäftigt nicht einfach umzufallen. Sexuelle Frustration, Angst, Verwirrung. Wo ist mein eigener Wille? Ich fühle mich unfassbar nüchtern, als wüsste ich genau was ich tue, nur dass ich es nicht schaffe. "Ich geh mal wieder ins Zimmer drüben, kannst gerne jederzeit nachkommen", sagt er und geht in den Partyraum. Ich stehe zwei Sekunden da und L. kommt und fragt mich, was war. "Nichts. Überhaupt nichts. Wir verstehen uns nur gut.", lüge ich und versuche dieses Gefühl los zu werden. F. kommt wieder in die Küche, stellt sich zu uns und lächelt nur ganz leicht. Dieses "Ich kann ja nicht zu lassen, dass du nicht an mich denkst"-Lächeln. L. und er unterhalten sich über Tatoos und wo er welche hat. Er sagt, er habe zwei und eines zeigt er uns, auf der Brust. Keine Haut. Lass das. Zieh dich wieder an, ich kann nicht denken. "Und wo ist das andere?", fragt L völlig unverhofft. "Das werde ich dir weder zeigen noch sagen", sagt er und schaut zu mir mit einem Blick wie "Willst du nachgucken?" rüber.
Ich setze mich auf das Sofa neben allen anderen Partygästen und führe einen inneren Konflikt bei dem er mich beobachtet. Ich gehe raus auf den Balkon, damit ich abkühle, in dem Gedanken, dass ich dort nicht alleine bin, weil T. und N. gerade rauchen. Natürlich hält eine Zigarette nicht ewig und sie gehen rein F. kommt raus. "Bist du auch so sentimental?", fragt er. "Inwiefern?" - "Naja, ich bin [leider fehlt mir hier der richtige Begriff] Bundeswehrflugzeugsoldat-Zeugs und das habe ich gerade erzählt und jetzt ist da voll die melancholische Stimmung, dabei habe ich nichtmal wirklich was erzählt. Wenn man mich nach meiner Weihnachtsplanung fragt, ist die Frage eher, wo mein Land mich sieht." Ich schlucke. "Ne, ich bin nicht sentimental. Die Welt geht zugrunde und leider muss irgendwer in erster Reihe stehen, wenn der dritte Weltkrieg beginnt. Wenn er das nicht sogar schon ist". Er sieht mich an. Und (spätestens) in dem Moment ist es aufrichtiges Interesse. Vielleicht ein betrunkenes, williges, aufrichtiges Interesse. Ich fand alles, was er erzählt hat interessant.
Wir stehen eine ganze Weile da und er legt die Hand an meine Hüfte und zieht mich näher. Und so weh es mir in dem Moment auch tat, blickte ich auf den Boden und keine Sekunde zu ihm hinauf. Er lockert unsere Position auf und ich sehe ihn an. In gewisser Weise ist er enttäuscht. Er hält mir seinen Apfelkorn-Becher hin: "Na, wenn du mich nicht küssen willst, musst du wenigstens trinken" und schiebt ein leichtes Lächeln hinterher. Ich gestehe mir ein: Ich hätte nichts lieber getan als ihn zu küssen. Nicht, weil ich betrunken bin. Nicht, weil ich Ra. weh tun will. Sondern einfach, weil es passt.
"Wenn das, was mit uns wird, musst du dich also darauf einstellen, dass ich auch mal ein halbes Jahr beruflich weg bin", sagt er irgendwann angehaucht ironisch. Denise, du führst eine Beziehung. Denise, Betrug ist keine Lösung. Lass es. "Gibst du mir deine Nummer?", platzt es aus mir heraus. Ich ignoriere seine provokante Äußerung, ich ignoriere meine Beziehung und meine Werte. "Du willst also mit mir in Kontakt bleiben?", fragt er und grinst. Ich halte ihm nur mein Handy hin und sage nichts. Oft fragt er, ob mir kalt ist. Oft auch, was nicht mit mir stimmt. Oft auch, ob er irgendwas anders machen soll.
"F., du verwirrst mich." - "Danke, ebenso" Wir lachen. Er blickt mir ziemlich lange in die Augen. Zieht mich ran. Ra. Beziehung.
Mittwoch, 2. Dezember 2015
Es beschleicht mich wieder das Gefühl, fragt mich leise was ich wirklich will. Und dann schickt es mich in den April und sagt "Ha'm wir nicht da!" Das Gefühl ist wie der letzte Schrei, kaum verschwindet es und geht vorbei. Dann verlacht man es und denkt dabei "Ach wie dumm ich doch war."
Momentaner Standpunkt: Ra. ist irritiert, wieso ich nicht sauer auf ihn bin. Ich hab ihm versucht zu erklären, dass ich mir jeden Tag selbst schlimmeres an den Kopf werfe und der Grundgedanke "Ich bin nicht (gut) genug" mir nicht fremd ist. Das widerum führt dazu, dass er sich Sorgen um mich macht. Soll ich mal ehrlich sein? Es gibt Tage in diesem Semester (seit der bestandenen Mathe-Klausur), an denen ich glücklicher bin als vielleicht jemals zuvor. So als hätte ich plötzlich gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu lieben. Natürlich ist das nicht jeden Tag so. Aber beispielsweise jeden Mittwoch, da habe ich ein Seminar mit dem Titel "Moralischer Perfektionismus: Von Nietzsche bis Cavell" und eigentlich lesen wir Shakespeare und dann Cavell der über Shakespeare schreibt und wieder Shakespeare usw. Es ist ziemlich viel zu lesen, aber ich glaube damit komme ich klar. Auch, wenn deshalb einige andere Seminare zu kurz kommen, aber auch das ist okay. Was das Seminar aber so besonders macht, sind die Menschen. Vor allem der Dozent. Ein etwa 28-jähriger Dozent, der Nietzsche, Kirkegaard und Cavell verliebt ist. Und vielleicht auch ein wenig in sich selbst. Aber dies wenig genug. Sehr gebildete Menschen haben einen Effekt auf mich, der mir nur selten begegnet, weshalb ich ein Problem damit habe, damit umzugehen. Besonders in direkten Gesprächen. Auch, wenn diese Beschreibung gerade klingt, als wäre ich von meinem Dozenten ergriffen, denke ich, ist es eher eine Art der Bewunderung und die Auseinandersetzung mit Sexualität in Shakespeares Dramen, die mich vielleicht phantasieren lässt.
Manchmal glaube ich, dass Maxi und ich uns gegenseitig warmhalten. Versteht ihr? So als Plan B, der eigentlich immer Plan A war. Er war letzten Samstag mit seiner Freundin Va. auf der Geburtstagsparty von meiner Mitbewohnerin und mir. Und dann hat Va. vorgeschlagen, dass Maxi und ich doch mehr miteinander machen sollten. Ich stelle für sie keine Gefahr dar. Entweder, weil sie weiß, dass Maxi nie etwas mit mir anfangen würde, oder sie ist gutgläubig. Beides irgendwie sehr unwahrscheinlich in heutiger Zeit, wie ich finde. Natürlich finde ich das eine sehr unterstützenswerte Idee. Nur fehlt mir leider beinahe durchgehend die Zeit dazu. Einfach, weil ich ständig mit meiner Nase in Texten und Büchern hänge. Dennoch war es schön ihn wiederzusehen. Schön, dass er noch immer Zeit für mich hat.
Und er, er ist überall. Mir ist mal aufgefallen, dass ich ihm nie einen Namen gegeben habe. Also G. Er ist der Philosoph, der mich ignoriert. Der mich zum lachen gebracht hat. Der, bei dem ich dachte, wir verstehen uns ganz gut. Der Anti-Ra sozusagen. (Ihr erinnert euch bestimmt?) Und jede Woche sehe ich ihn mindestens zweimal. Wir haben zwar keine Überschneidung im Stundenplan, kein Seminar zusammen, aber er ist Raucher. Und jeden Donnerstag und Montag, wenn ich in mein Philo-Gebäude laufe, sehe ich ihn. Er steht da, unfassbar gutaussehend und grinst ganz kurz, während er angestrengt wegguckt. Nicht, dass ich mich in der Hinsicht viel Erwachsener verhalten würde. Es ist eher eine Art Spiel zwischen uns. Wir schauen hin zum anderen in der Hoffnung, dass der andere auch schaut und doch mit dem Wunsch, dass man in Ruhe gucken kann. Wir haben seit über 3 Monaten nicht miteinander geredet. Vielleicht würde es auch noch unerträglicher machen, wenn wir reden. Wenn ich anfangen würde, ihn wirklich zu vermissen. Wenn ich Gefühle entwickle. Denn bei vielen meiner momentanen Begegnungen mit männlichen Wesen ist eher ein subtiles Interesse, eine Neugierde, als müsste ich noch irgendwas entdecken.
Manchmal glaube ich, dass Maxi und ich uns gegenseitig warmhalten. Versteht ihr? So als Plan B, der eigentlich immer Plan A war. Er war letzten Samstag mit seiner Freundin Va. auf der Geburtstagsparty von meiner Mitbewohnerin und mir. Und dann hat Va. vorgeschlagen, dass Maxi und ich doch mehr miteinander machen sollten. Ich stelle für sie keine Gefahr dar. Entweder, weil sie weiß, dass Maxi nie etwas mit mir anfangen würde, oder sie ist gutgläubig. Beides irgendwie sehr unwahrscheinlich in heutiger Zeit, wie ich finde. Natürlich finde ich das eine sehr unterstützenswerte Idee. Nur fehlt mir leider beinahe durchgehend die Zeit dazu. Einfach, weil ich ständig mit meiner Nase in Texten und Büchern hänge. Dennoch war es schön ihn wiederzusehen. Schön, dass er noch immer Zeit für mich hat.
Und er, er ist überall. Mir ist mal aufgefallen, dass ich ihm nie einen Namen gegeben habe. Also G. Er ist der Philosoph, der mich ignoriert. Der mich zum lachen gebracht hat. Der, bei dem ich dachte, wir verstehen uns ganz gut. Der Anti-Ra sozusagen. (Ihr erinnert euch bestimmt?) Und jede Woche sehe ich ihn mindestens zweimal. Wir haben zwar keine Überschneidung im Stundenplan, kein Seminar zusammen, aber er ist Raucher. Und jeden Donnerstag und Montag, wenn ich in mein Philo-Gebäude laufe, sehe ich ihn. Er steht da, unfassbar gutaussehend und grinst ganz kurz, während er angestrengt wegguckt. Nicht, dass ich mich in der Hinsicht viel Erwachsener verhalten würde. Es ist eher eine Art Spiel zwischen uns. Wir schauen hin zum anderen in der Hoffnung, dass der andere auch schaut und doch mit dem Wunsch, dass man in Ruhe gucken kann. Wir haben seit über 3 Monaten nicht miteinander geredet. Vielleicht würde es auch noch unerträglicher machen, wenn wir reden. Wenn ich anfangen würde, ihn wirklich zu vermissen. Wenn ich Gefühle entwickle. Denn bei vielen meiner momentanen Begegnungen mit männlichen Wesen ist eher ein subtiles Interesse, eine Neugierde, als müsste ich noch irgendwas entdecken.
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