Donnerstag, 29. Januar 2015
Das Licht geht aus und ich auch. Das Leben in der Stadt füllt meine Leere aus. Kein Platz für mich mehr irgendwo. In unserer Straßenbahn nach nirgendwo. Ich steig' aus, meine Fahrt endet hier. Keiner mehr da, der mich kontrolliert. Ich reiß' aus und find' den Weg nach Haus. Ich war schon lang nicht mehr hier.
Liebster Ra.,
Du bist der einzige Mensch der Welt der mich jemals so ansah. Nicht begierig, nicht erregt, sondern liebend. Ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Ich weiß nicht, wie mein Blick dir gegenüber ist, aber es fühlt sich an als würde ich dich belügen. Ebenso auch mich selbst.
Ich bin krank. Und so ungern ich das zugebe, ich hab es nicht hinter mir gelassen, bin nicht geheilt und konzentriere mich auf andere Dinge. Ich denke oft daran, einfach den Kopf gegen die Wand zu hauen. ich denke oft daran, einen Stein einfach zufällig auf meinen Fuß fallen zu lassen. Sag mal, weißt du, wie lange es dauert bis Haut schmorrt? Und nicht gerade selten denke ich daran, wie es ist zu bluten, sich zu schneiden.
Ich weiß nicht genau wie du darauf reagieren wirst aber ich kann in der Lüge nicht leben. Ich kann nicht mehr lächeln, wenn ich weinen möchte. Ich kann nicht mehr zu Partys gehen, wenn ich in Embryonal Stellung im Bett liegen möchte. Ich kann nicht mehr reden, wenn ich schweigen möchte. Manchmal habe ich einfach nichts zu sagen. Manchmal bin ich einfach vollkommen leer.
Ich weiß, Ra., deine Schwester hatte auch Probleme. Außerhalb von ZuHause trägt sie nie tshirts. Sie hat es getan um sich zu konzentrieren. Als Familie habt ihr mit ihr entschieden, dass sie in Behandlung geht. Soweit dass sie stationär behandelt wurde. Ra., lass mir die Entscheidung, okay? Ich bin seit zwei Jahren frei von Schnitten. Du wirst mir glauben müssen, dass ich das auch weiterhin schaffe. Denn selbst für dich lasse ich mich nicht behandeln.
Immer wenn du sagst dass ich schön bin, schüttele ich den Kopf oder beiße mir auf die Lippen. Es gibt Tage, da ist das wie eine Beleidigung wie ein Schlag ins Gesicht. Deshalb musst du es nicht sein lassen, vielleicht merkst du irgendwann wann ich es ertragen kann. Dies ist nicht dein Fehler.
Ich wüsste gerne ob du mir verzeihst, dass ich neun Monate nicht ehrlich war, aber ich verspreche hoch und heilig, dass es in der Zeit nie so schlimm war wie jetzt. So nah am Ende. So kaputt. So leer. Alles ist taub.
Ich glaube, ein Gutmensch wie du wird das nicht ganz verstehen. Das ist aber okay. Ich habe Angst, dass du mich verachtest, die letzten Monate für eine Lüge hälst. Wer weiß vielleicht denkst du, du weißt nicht wer ich bin und vielleicht ist das wahr aber ich habe nicht gelogen, vielleicht die dunkeln Gedanken für mich behalten.
Irgendwann werde ich den Mut haben dir zu sagen wie ich wirklich bin und dann hoffe ich, dass du mich nicht anders ansiehst, sondern immer noch liebend.
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kluge philosophen sagten do wer selbst ne glücklich mit sich sein könne auch andere ne glücklich machen - du scheinst das gegenteil zu beweisen.
AntwortenLöschendie "Embryonal Stellung im Bett" mag ich auch. schweigen sowieso.
für seine liebe zu dir wird es (mit sicher) nie einen unterschied machen. gl
Ich habe auch lange überlegt, ob ich meinem Freund die Wahrheit sagen soll, übers Schneiden, die Depressionen. Aber da die Narben bei mir so offensichtlich sind dass er es früher oder später sowieso bemerkt hat, habe ich mit ihm geredet. Und es ist wirklich positiv gewesen, denn seitdem weiß er auch, wie er reagieren soll, wenn ich plötzlich einfach nur ins Leere starre oder mich abwende und nicht mehr mit ihm rede. Er unterstützt mich sehr, und ich bin mir sicher dass Ra. versteht, dass das für dich ein schwieriges Thema ist und dass man so etwas nicht direkt am Anfang auf den Tisch knallen kann, weil die Angst davor, deswegen mit anderen Augen gesehen zu werden, viel zu groß ist. Mal ganz abgesehen davon, dass sich auch erst ein gewisses Vertrauen enwickeln muss, damit man wirklich mit jemandem reden kann.
AntwortenLöschenWichtig ist nur, dass du es irgendwann tust, am besten so schnell wie möglich, sonst wird er es irgendwann merken und vielleicht sogar den Grund für dein verändertes Verhalten bei sich selbst suchen.
Ich wünsche dir ganz viel Glück und Kraft dafür, und ich bin mir sicher, dass du das schaffen wirst und euch das noch mehr zusammenschweißt ♥
So schön geschrieben und doch so traurig. Du könntest ihm das eigentlich genau so in die Hand drücken, vielleicht wird er es verstehen. Ich kenn's ja von mir selbst, auch wenn die Zeit schon vorbei ist, wie du ja weißt.
AntwortenLöschenIch steh hinter dir.