Gestern war der erste Bibliothekstag seit einer Ewigkeit ohne Tim. Ungewohnt. Aber er musste den ganzen Tag Klausuren schreiben, denn der Perfektionist in ihm erlaubt keine 1,3 in Mengenlehre, sondern nur eine 1,0. Während ich mit meiner 2,7 da sitze und mir denke: ich brauch die Note eh nicht. Für eine wahre Philo-Klausur hätte ich allerdings ähnliche Maßstäbe angesetzt wie er.
Danach schreibt er "richtiges" Mathe. Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ich sitze immernoch in der Bib, in der Hoffnung, wir könnten uns danach sehen. Immerhin hatte er sich letzte Nacht mit "Bis hoffentlich morgen" verabschiedet. Als ich ihn danach per Handy fragte, wie es war, kam nur "Scheiße" zurück. Tim ist niemand bei dem es scheiße läuft in Mathe. Er hats im Blut, irgendwie. Danach war er ziemlich angepisst. Immer wieder entschuldigt er sich dafür, dass er eine leicht aggressive Grundstimmung hat. Ich biete ihm an mit jeder Menge Kaffee oder eben Alkohol vorbeizukommen. Er bedankt sich, aber entscheidet sich für den Sport. Er entschuldigt sich dann dafür, dass er mir auf den Geist geht. Nur tut er das gar nicht. "Mhm ich hab keinen Plan, wieso ich dich mit meinen ganzen bescheuerten Charakterzügen nicht schon verscheucht habe" - "Vielleicht weil ich jede davon besser kenne als du glaubst?" - "Na gut.." Danach fragt er nach meinem Tag, immerhin hat er heute nichts davon mitbekommen. Zum ersten Mal seit langem. Nach 2 Stunden fragt er dann wie gewohnt, ob wir uns morgen sehen und dass er sich freuen würde, wenn wir uns sehen.
Im laufenden Abend stellen wir fest, dass wir zusammen eine Buchhandlung eröffnen müssen. Eine kleine, aber nicht zu kleine Buchhandlung mit vielen Klassikern, ein paar guten Büchern über Naturwissenschaften und etwas Kontroverses über Geschichte. Bequeme Sessel und eine Kaffeemaschine sind absolute Pflicht. In der Philosophie-Abteilung gibt es Precht-Verbot, dafür Schopenhauer-Pflicht. Leuchtreklame und Wühlkisten sind außerdem verboten. Ich kann mir vorstellen, wie wir beide schwärmen und das Bild im Kopf haben. Plötzlich fragt Tim, ob er meinen ersten Absatz für den "Fassaden"-Text lesen kann. Immerhin sei es wichtig, dass in unserer Buchhandlung auch meine Texte gehören. Ich sage ihm, dass er spinnt und lieber mal seine angebliche Talentfreiheit beweisen soll. Jetzt schreibt er mir einen Text.
Dann sehen wir uns heute morgen in der Uni. Ich sitze bei J. und lerne Mathe. Er liest ein Buch. Ist das gerade Rollentausch? J. und ich verzweifeln, nehmen uns eine Auszeit oder wie J. es nannte: "Ich fühle mich, als würde ich euch stören". Ich gehe zu Tim herüber und gucke mir erstmal das Buch an. Es ist das Buch, das er mir eh zeigen wollte. Wir gehen sehr kurz (für unsere Verhältnisse) Kaffee trinken. Er bedankt sich dafür, dass ich bin wie ich bin, wir uns kennengelernt haben, dass wir soviel Zeit verbringen und vorallem, dass ich obwohl er so ein "Kotzbrocken" war, ihn ertragen habe. Ich reagiere falsch. ich bin überrascht. In dieser Welt ist soviel selbstverständlich, dass ich damit nicht gerechnet habe. Kurz nach dem Gesrpäch geht er mit seiner Freundin essen. In diesen Momenten frage ich mich immer, wieso er nie bei N. ist, wenn sie doch an der Uni ist. Er kommt wieder und liest. J. und ich beenden das Lernen, da J. zu ihrem Freund fährt. Ich setz mich zu Tim und wir reden eine Weile. In dieser Zeit stelle ich auch mein merkwürdiges Verhalten bei dem Dank klar. Ich sage ihm, dass das alles das beste ist, was seit einer Ewigkeit passiert.
Meiner Meinung nach hat er gewartet, bis ich fertig bin. Damit er Zeit mit mir hat. Wo war noch gleich N.?
Bevor wir gehen, muss er noch ein Buch ins Regal zurückbringen. Er fragt, ob ich mitkomme. Die 10 Meter bis zum Regal? Ich finde es komisch, aber gehe trotzdem mal mit. Wir stehen zwischen insgesamt vier Regalen, weiter weg von den Tischen als ich dachte. Niemand hört uns. Niemand sieht uns. Während wir auf dem Weg dorthin geredet haben, hören wir plötzlich auf. Kein Wort. Wir stehen etwa 30 cm von einander entfernt, mehr lässt der Gang nicht zu. Mehr ist nicht nötig. Keiner von uns macht Anstalten sofort zurück zum Platz zu gehen. Wir stehen dort und ich würde versprechen, dass er mein Herz klopfen hört. Unsere Blicke treffen sich und wie beinahe üblich trennen sie sich nicht. Wir atmen beide nicht. Das würde die Stille durchbrechen. Was würde ich darum geben zu wissen, worüber er gerade nachdenkt? Wir bewegen uns keinen Zentimeter, genauso wenig wie unsere Blickrichtung. Plötzlich atmet Tim heftig aus und läuft strickt Richtung der alten Plätze. Ich halte eine Sekunde inne und laufe dann zu meinem Platz.
Noch immer völlig unter Strom fragt mich Tim, ob wir noch ein paar Meter zusammen laufen. Daraus wurde dann ein einstündiger Spaziergang in dem er mir soviel erzählt. Indem ich soviel erzähle. "Du bist echt nicht auf den Mund gefallen, oder?", fragt er. "Manchmal meine ich das gar nicht so böse. Meistens schon", sage ich und lache, da ich ihn zum gefühlt 10ten Mal an diesem Tag geneckt hatte. An der Bahnhaltestelle verpasst er seine Bahn, weil er "Höflichkeit" beweisen wollte und mich zum Abschied umarmen wollte. Da meine Bahn dann früher kam, sah er mich während die Bahn stand und die Türen schloss die ganze Zeit an. Mit dem wundervollsten Lächeln, das es auf der Welt gibt. Vom wundervollsten Menschen.
Das hört sich wundervoll an, es könnte glatt aus einem Liebesroman stammen und bei Stellen wie in der Bibliothek oder als er dir dein Buch zurück gab, in dem er dir hinterher gerannt ist, da denkt man sich nur, wieso küsst ihr euch nicht endlich, er will es, sie will es.
AntwortenLöschenEs ist, wie ich finde, offensichtlich, das Tim mehr als nur Freundschaft empfindet.
Und ich hoffe, das du bald zu hören bekommst, das er seine Freundin verlassen hat, weil er gemerkt hat, das er sie nicht mehr liebt, weil sein Herz für Dich schlägt.
Das hört sich wundervoll an, es könnte glatt aus einem Liebesroman stammen und bei Stellen wie in der Bibliothek oder als er dir dein Buch zurück gab, in dem er dir hinterher gerannt ist, da denkt man sich nur, wieso küsst ihr euch nicht endlich, er will es, sie will es.
AntwortenLöschenEs ist, wie ich finde, offensichtlich, das Tim mehr als nur Freundschaft empfindet.
Und ich hoffe, das du bald zu hören bekommst, das er seine Freundin verlassen hat, weil er gemerkt hat, das er sie nicht mehr liebt, weil sein Herz für Dich schlägt.
dan mitten im leben...
AntwortenLöschenLiebste Denise,
AntwortenLöschenjetzt hast du so viel berichtet und plötzlich ist es seit einer Woche leer hier. Alles okay bei dir??
In Liebe...Nanouk