Dienstag, 18. Oktober 2016

Wir können über alles reden. Wir können über allem stehen. Wir können nochmal neu anfangen und wir können alles schaffen.

Und dann habe ich einfach nicht bestanden. 5 Punkte trennen mich und das Ziel die letzte Matheklausur meines Bachelors geschrieben zu haben. 5 Punkte, eine halbe Aufgabe, eine Sache mehr, die ich hätte wissen müssen. Ich bin aus der Klausur raus gegangen und wusste es. Wusste, dass es das nicht war. Nichts ohne Propositionen, Lemmata, Beweise und Sätze. Nichts ohne Qual, Schmerz, Leid, Dreck und Blut. Mein Semester des Sturm und Drangs, des Dichters und Denkers ist vorbei. Nichts mit "Ich schreibe mein ganzes Semester meine Bachelorarbeit und genieße mein Leben." Jede Woche Übungszettel, Abgabestress, Klausurangst, Versagensangst, das ewige Gefühl doch das falsche zu machen, Glück gehabt zu haben, überhaupt so weit gekommen zu sein.

Dienstag habe ich meine Abschlussprüfung in Philo. Wenigstens eine Sache, die ich bisher geschafft habe. Aber die Prüfung ist mündlich und nichts hasse ich mehr. Ich kann schreiben, ich kann lesen, aber sprechen war nie meine Stärke. Und da schummelt sie sich ins falsche Gebiet. Die Versagensangst steht vor dem Philosophen in mir und sagt nichts anderes als: "Du wirst es nicht schaffen." Und ich kann nichts erwidern. Ich stehe dort und möchte sagen: "Aber es geht um Schopenhauer, Nietzsche, Freud. Das ist mein Zuhause. Das ist, was ich lese, seit ich 15 bin." Aber es kommt kein Ton. "Genau wie bei der Prüfung", sagt die Angst und lacht. Alles, was mir bleibt ist das Schweigen und die große Hoffnung darauf, dass es besser wird. Die Philosophie hat mich nie im Stich gelassen. Die Philosophie war immer bei mir.

Am Ende setze ich mich mit meinem Schopenhauerbuch von Herrn A. ins Bett und halte kurz inne. Es ist jetzt drei Jahre her. Die vermutlich elendigsten, chaotischsten, verwirrensten, verzweifelsten, aber auch gesündesten, erfolgreichsten, glücklichsten Jahre meines Lebens. Drei Jahre und werden vermutlich nochmal so viele folgen. Und sie werden mich depremieren, sie werden mich in die Luft springen lassen und sie werden mich verflucht nochmal meine Abschlüsse machen lassen, egal wie stark alle dagegen sind und egal, was sich mir in den Weg stellt. Wer es soweit geschafft hat, der schafft alles. Oder?

3 Kommentare:

  1. Oder ?
    Oder vielleicht schafft es dieser jemand sogar, sich selbst vollkommen zu überraschen. Vielleicht wächst dieser jemand meilenweit über Ängste und Selbstzweifel hinaus.

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  2. komm schon, ich war auch kurz vor der ziellinie, bei 3 klausuren an einem tag, 6 stunden hintereinander, arbeit für ein semester, und dann A+A bzw B+B bearbeitet statt A+B bzw B+A und so in allen halt 5,0 und nochmal ein semester dran, klar is das scheisse ärgerlich, aber in 1-2 jahren danach hat man es vergessen und is dankbar noch solange mehr inf reiheit gelbt haben zu dürfen ;) ..ja, wird scho werden, am ende. gl

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  3. Ich kenne das Dilemma. Eigentlich wäre bei mir jetzt im WiSe auch die Bachelor Arbeit dran gewesen. Schade Schokolade. In der letzten Prüfung im zweit Versuch durch gerasselt. Es geht weiter. Auch wenn dies das verblüffenste an der ganzen Sache ist. Irgendwie findet man seinen Weg auf dem nebligen Bergpass.
    LG Fee

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