Ich war vorhin mit Marco auf der Kirmes. Ich war etwas zu früh am Treffpunkte, er etwas zu spät. Dann sind wir zur Kirmesplatz gegangen und verflucht war das groß. In diesen Momenten merke ich immer, dass ich doch in einer Kleinstadt aufgewachsen bin. Wir sind locker 1,5 Stunden dadrüber gelaufen und hatten nichts doppelt besucht. Solange braucht man bspw. nichtmal für die Innenstadt meiner Heimatstadt.
Dann sind wir zusammen dieses "Kettenkarussel" für Erwachsene gefahren, das war irgendwie schön. So zu zweit, im dunkeln, über der Kirmes und dem Kanal nebenan. Ein Hauch Romantik, sozusagen. Und danach noch eine Runde herum geschlendert und uns einfach gepflegt unterhalten. Das ist etwas, wovor ich bei Marco immer am meisten Angst hatte: Dass wir uns nicht unterhalten können. So miteinander über die Uni etc. schreiben, ist keine Schwierigkeit, aber mal außerhalb, mal privat? Offensichtlich ist auch das kein Problem.
Da Marco schon deutlich mehr Partymensch ist als ich, haben wir uns in ein Zelt gestellt, ein paar Bier getrunken und getanzt. Immer wenn irgendein Schlager läuft, muss ich lachen, weil ich kenne echt viel Musik, aber da verläuft halt eine Grenze. Direkt zwischen Musik und Schlager. Marco sieht das etwas anders, ist aber auch kein schlimmer Ballermann-Fan, wie er mir mehrfach versichert. Nur um mir besser zu gefallen? Ich bin mir da nicht so sicher.
Wir gehen zurück und aus irgendeinem Grund unterhalten wir uns übers Kinder kriegen. "Ja, wenn sie schwanger wird, ist sie auch schuld." Mit weit offenem Mund starre ich ihn an. "Natürlich, nur die Frau kann verhüten oder was?" - "Nein, aber wenn sie ohne Wissen des Mannes die Pille absetzt, kann sie halt schwanger werden, ohne, dass der Mann was davon weiß." Ich muss lachen. Wir reden einfach über komplett andere Verhältnisse. "Ich meinte in einer ganz normalen Sexsituation", sage ich und muss schon über den Term "Normale Sexsituation" lachen, immerhin ist sowas bei mir alles andere als normal. "Aber selbst da kann die Frau selbst entscheiden. Ich meine natürlich bei sowas nicht, dass der Mann das nicht auch kann, aber die Frau ist halt allmächtig sozusagen". Es ist merkwürdig, dass ich manchmal mit Menschen besser über sowas reden kann, als ich es mit meinen besten Freundinnen oder gar mit meinem Ex konnte.
An der Haltestelle sage ich ihm, dass ich die Bahn und nicht den Bus nehme und deshalb 10 Minuten warten muss, aber er ruhig fahren könne. "Unter keinen Umständen lasse ich dich hier alleine. Ich kenn mich hier im Gegensatz zu dir aus und weiß, was hier so rumläuft." Er grinst und während meine Bahn einfährt, sagt er "Ich hoffe der Abend hat dir gefallen" synchron zu meinem "Danke für den schönen Abend." Wir lachen beide und umarmen uns. Und die Frage die bleibt: Ist das ein Date mit Anstand? Eines mit Zurückhaltung, wie ich es mir immer gewünscht habe oder ist das nur Freundschaft, die ich fehlinterpretiere?
Später schreibt er mir noch einmal, etwas in der Art "Ich hoffe, es hat dir gefallen" und das macht mir sorgen. Ich glaube, man hat wieder nicht gemerkt, wie gut ich es fand. Ich glaube, ich bin ein geschlossenes Buch, für jeden. Ich will, dass mal jemand merkt, dass mir sowas wichtig ist. Was soll ich denn tun? Wieso ist es bei jedem angeblich so offensichtlich aber bei mir nicht? Was machen alle anders?
Ich glaube, du hast in gewisser Weise Recht, was das geschlossene Buch angeht, aber eben auch nicht ganz. Ich denke, das könnte vielleicht sogar von deinem Philo-Tick kommen, du kommunizierst auf anderen Ebenen stärker emotional, als du es körperlich/nach außen hin tust.
AntwortenLöschenGenau das könnte dann auch für Verwirrung sorgen, weil dein Körper (alles nur Spekulation hier!) unbewusst ganz andere, oder wenige bis gar keine Signale abgibt, von dem was in dir vorgeht. Die Emotionen zeigst du andernweitig.
Und wenn der Herr dann noch unsicher ist, ist ein Mangel an starken, aussagekräftigen Signalen seitens der Begleitung sehr verwirrend und verunsichernd.
Ich hoffe du verstehst das irgendwie.