Mit 16 als ich noch davon träumt Schriftstellerin zu werden, habe ich oft diese Kitschromane gelesen, die immer gleich abliefen: Kennenlernen, doof finden, zusammenfinden, großer Streit, HappyEnd. Immer mit wechselnden Charaktern, aber doch oft dem Schema Alpha-Mann und Frau, die auch alleine leben kann, aber eben einsam ist. Ich habe sie damals aus zwei Gründen gelesen: Durch meine Eltern wusste ich nicht, wie Beziehungen funktionieren. Ich fühlte mich nie auf die Welt vorbereitet. Als wäre ich, obwohl ich gar keinen direkten Wunsch nach einer Partnerschaft hatte, immer so als wüsste ich den Sinn nicht. Und ich erkläre mir bis heute Dinge so gern. Ich wollte lernen, wie das geht. Ich sehe ein, dass solche Bücher nur unrealistische Erklärungen schaffen und meist nur das finden beschreiben, nie das durchhalten während der Beziehung. Der zweite Grund war aber viel ausschlaggebener: ich wollte lernen Emotionen schreiben zu können. Mir fiel es nie schwer, Trauer, Tod und Melancholie zu beschreiben, aber Liebe, Freude, den Wunsch nur diese eine Person zu sehen? Mir fiel und ich glaube auch heute, fällt es mir schwer.
Das vermutlich erste Mal in meinem Leben sind Kopf und Herz einer Meinung. Kennt ihr das? Nein, ich kannte das auch nicht. Der Kopf passt auf mich auf. Ich bin ein Kopfmensch, kann mich gar nicht vom Bauch oder von Gefühlen leiten lassen. Aber J. hat es geschafft, dass mein Kopf sagt, dass er richtig ist. Klar, kann er mir weh tun. Klar, kann das alles schief gehen. Aber es hat sich noch nie so gelohnt. Das Herz ist beinahe stumm vor Schock. Es versteht nicht, was an ihm so viel besonderer ist, als an anderen.
Gestern abend haben wir uns nochmal getroffen, er hatte angefragt und ich "opfere" ihm gerne meinen einzigen freien Abend. Dadurch, dass jetzt die Feiertage anstehen, war es vielleicht umso wichtiger, dass wir uns nochmal gesehen haben. Nochmal hunderte Blicke geteilt haben. Noch tausende weitere Gemeinsamkeiten gefunden haben. Aber auch die Dinge, in denen wir nicht dieselbe Meinung teilen, widersprechen sich nicht, zumindest nicht komplett.
Am 30.12 werden wir uns nochmal sehen. Allein deshalb, weil ich mich momentan noch schwer tue, ob ich ihn für Silvester einladen soll oder nicht. Es wäre gut, aber wir sind halt momentan irgendwie so 6 Leute und das wäre wie eine Präsentation, von der weder ich noch er begeistert wären. Und dadurch, dass er beispielsweise auch keinen Alkohol trinkt, wäre das immer wieder Thema und vielleicht würde ihn das nerven und das will ich nicht. Ich will halt nicht, dass es ihm schlecht geht. Gleichzeitig würde er so oder so, sofern das wirklich was wird, irgendwann meine Freunde kennenlernen. Vielleicht mache ich es auch schon wieder komplizierter als es ist.
Ich wünsche euch, liebe Leser, ein schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch, falls ich mich vorher nicht mehr melde. Mögt ihr gute Tage mit Familien und Freunden verbringen. Ich denke an euch.
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