Mittwoch, 11. Mai 2016

Philosophie beginnt bei dem Erleben der eigenen Leiblichkeit.

Ich wurde vor einiger Zeit von einem meiner wohl fleißigsten Leser darum gebeten, die Frage zu beantworten, was nach Schopenhauer Liebe ist. (Dafür habe ich übrigens meine alte Facharbeit rausgekramt, danke für den Glücksmoment). Alle sehnen sich nach Liebe. Ja auch mein Verstand versagt manchmal und lässt solche Triebe zu. Ich möchte dennoch von meiner eigenen Position an dieser Stelle Abstand nehmen, sonst wirkt Schopenhauers vielleicht zu wenig.

Schopenhauers Definition der Liebe ist keineswegs romantisch. Verliebtsein sei nicht mehr als ein Trieb (in dem Fall Geschlechtstrieb). Liebe ist also nicht mehr als Fortpflanzung. Die Frage, wieso sich die Menschen dann soviel Mühe geben, Liebe zu finden, ist die Erhaltung der Gattung. Eine Liebesbeziehung ist somit mehr für die Zukunft als für den Moment angelegt. Es gehe ebenso nicht um die Gegenliebe, sondern nur um den psychischen Genuss, dass man nicht alleine leben muss. Der Zweck der Liebenden ist nur das entstehende Kind, weshalb der Gattungswille auch als Lebenswille des Kindes bezeichnet wird.

Ein eher romantischer (und in gewisser Weise frauenfeindlicher) Gedanke Schopenhauers ist, dass es perfekte Frauen für jeden Mann gibt (Wohl des Mannes von Bedeutung, nicht andersherum). Nur so kann eben ein glückliches Kind entstehen. Der Schönheitssinn stehe dabei vor dem Gattungssinn, weil der zweite ohne den ersten nur ein ekelhaftes Bedürfnis sei. Der erste ist soetwas wie die Würde des zweiten.

Während der Liebe sei es eine Art Wahn, die dem Menschen vormacht, dass er verliebt ist, wobei er sich natürlich nur fortpflanzen will. Deshalb sei es den Männern erlaubt, mehrere Beziehungen einzugehen, Frauen hingegen nicht. Während eine Frau 9 Monate schwanger ist, kann der Mann in der Zeit viele neue, perfekte Kinder schaffen.

Das große Ziel hinter der Findung von Paaren ist die Perfektion der Gattung. Da sich immer nur perfekt zueinander passende und ergänzende Menschen fortpflanzen sollten, wird das Menschengeschlecht perfektioniert.

Bei weiteren Fragen (oder Literaturhinweisen), fragt nach. Es gibt wenige Themen über die ich lieber rede. Und ja es kann sein, dass ich in der Hinsicht gestört bin.
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Außerdem wurde ich ebenfalls nach drei Fragen von ihm gefragt:
Mit welcher historischen Person würdest du a) in einer WG wohnen wollen? b) schlafen wollen? und c) sich schlagen wollen?

a) Auch ich finde Schopenhauer hier interessant. Dann hätte ich auch direkt einen Hund dabei. Allerdings glaube ich, dass es keine gesprächige WG war. Er als Misantrop und Pessimist, ich als Teilzeitbeschäftige in beidem, naja. Ich glaube, Goethe wäre interessant. Ein Genie auf seinem Gebiet, so strebsam, so fleißig. Vielleicht würde mich diese Aura anstecken, die Atmosphäre beflügeln. Oder Gottfried Benn, weil er ekelhaft ehrlich ist. Oder ich miete mir ein riesen Haus und lass all meine Lieblingsautoren (die alle tot sind) und  meine Lieblingsmusiker einziehen.
b) Puh. Nietzsche als Leibphilosoph würde sich bestimmt eignen. (Kleiner Philosophenwitz). Das ist schwer. Hofmannsthal als Vertreter des Ästhetizismus vielleicht. Da würde es nicht nur um den Akt des "Hintersichsbringen" gehen, sondern vielleicht eine Art Schönheit. Klingt merkwürdig, ich glaube, das gefällt mir.
c) Historisch vor unserer Zeit? Sonst würde ich mich aus eigenem Interesse für Richard David Precht entscheiden. Am besten so, dass er nie wieder so tut als würde er Philosophie betreiben. Sonst bekommt Hegel was ab. Er kann zwar nichts dafür, dass Schopenhauer seine Vorlesung auf die gleiche Zeit gelegt hat, aber vielleicht würden so mehr Leute Schopenhauer schätzen lernen. (oder er das überhaupt wollte?)

3 Kommentare:

  1. bin schwer beeindruckt. was du rausgearbeitet hast ist absolut authentisch und glaubwürdig, wenn der film über schopi's biografie durch meinen kopf fliegt.
    dass er liebe sogar auf die ebene von geschlechtstrieb/-verkehr reduziert ist eine nicht steigerbare abwertung. liebe als syononym von sex. empirisch schwer haltbar - dürfte schopi egal gewesen sein :p interessant finde ich denn auch das gleichsetzen von "verliebt sein" und "liebe", als es mich erinnert das mal mit einer frau diskutiert zu haben und wir einig waren, das liebe mehr ist, etwas großes, ernstes. aber die defi von schopi is genugtuung für alle weltpessimisten und melancholiker wie mich :p
    dennoch is es wieder sehr nah am zeitgeist, wenn ich an den begriff "gattungserhalt" denke, den ich in jeder höcke-rede höre oder der angst vieler alleine zu leben weil sie ne mit sich slebst sein können und daher oft zwangslieben entstehen.
    und wer kennt net die familien, wo das kind die funktion des familienerhalts einnehmen muss, liebe der liebenden über liebe des gemeinsamen kindes - tatsächlich ein fragiles und ernüchterndes gebilde.
    den schönheitsbegriff würde ich der ebene des verliebtseins zuordnen. welche(s) schopenhauer werk hastn gelesen dafür? primärliteratur?
    goethe hat ja durchaus auch kontakt zu den schopi's gehabt, also eine 3er wg wäre nicht unmöglich gewesen, wobei es wäre eher so eine patchwork-geschichte bei den schopi's mit seiner mum und ihrem(n) freund(en)^^
    b) is mir übrigens zu hoch grad^^ (zu wenig mit denen beschäftigt, schamlos wie sich hier die eigenen wissenslücken entlarven :p)
    c) doch schopi wollte es, war ja in seiner eitelkeit gekränkt, dass sie zu hegel und net zu ihm gingen, aber gib dir recht, wundern hätte er sich ne dürfen, mit pessimismus kriegst den saal halt net voll-.- gestern ne doku gesehn mit hendryk m. broder wo er auch wieda kräftig über precht hergezogen is - herrlich! dass precht so populär is muss einem ja schon zu denken geben, die masse kann niemals reine philosophielhre verstehn, das weiß jeder der 2 seiten sloterdijk gelesen hat - bzw versucht :p und wenn precht an der uni lüneburg honorarprofessor is, dann weißt du das er philosophisch nix kann.. aber danke! sehr aufschlussreich. da ich jezz ne mea von liebe sprechen kann - in diesen kontext - weiter alles gute mit ihm und für euch, dass du glücklich, also schmerzfrei, bist. bist'n guter mensch - und das is weit mea als nur hübsch sein:)

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    1. hatte immer das gefühl, dass er gekränkt und neidisch (ich les das immer wieder bei ihm mit iwie^^) darüber war, dass er zu lebzeiten nicht gewürdigt wurde und sich u.a. lange im hause seiner mutter auf niedrigem lebensstandard durchschlagen musste, während goethe und hegel ein viel angenehmeres(ne nur populär sondern au wohlhabender) leben führen konnte. das blöde is wir können ihn ne mea fragen und slebst wenn, ob er die wahrheit sagen würde? ...
      @sloterdijk: das musst du als badisches kind aber auch sagen :D ..aber er hat tatsächlich schon viel für karlsruhe, ne nur akademisch, geschafft..

      wow, danke! ich hab recht viel von safranski gelesen (allerdings 10j her, als er noch philosophisches quartett mir sloti gemacht hat), aber wusste gar ne das er au schopi biografiert hat, shamed again. grundlage der moral hab ich mW. au no ne gelesen, das wär au no ma was, muss einfach mal zum bruder rübergehn und in seiner biblio schauen :p

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  2. Hi Denise,

    schon lange lese ich deinen Blog, weil dein emotionaler schöner Schreibstil mir unheimlich gut gefällt. Was eine Aneinanderreihung von einzelnen Worten zu einem wunderschönen Satz bewirken kann :)

    Nun finde ich es schade, dass du wieder seltener Schreibst ( was Natürlich dein gutes Recht ist)

    Ich hoffe es geht dir gut und mich würde die " besondere" Geschichte interessieren, wie den der Stand der Dinge ist :)

    Alles Gute und Liebe

    Julia

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