Montag, 10. Juli 2017

Who's to hold up the sky if not you and I? So long, so long, so long.

Hallo Lieblingsmenschen, die ich in letzter Zeit viel zu sehr vernachlässige. Es tut mir ehrlich Leid, aber falls es euch tröstet: Selbst Menschen, die in meiner noch unmittelbareren Nähe sind, sehen mich so gut wie nie. Ich bin nämlich umgezogen nach Bachelorarbeitshausen. Da darf man keine Freunde haben und nur fünf Minuten am Tag an was anderes denken. Und diese fünf Minuten habe ich die letzten Wochen gesammelt und jetzt schreibe ich euch.

Ich bin inzwischen bei Tag 10 von 42 und habe noch kein Wort zum Papier gebracht. Wie fängt man etwas an, wenn man weiß, das dies, egal was man tut, niemals den eigenen Ansprüchen gerecht werden kann? Wie kann man etwas abgeben, an jemanden (Prof. B) den man wirklich schätzen gelernt hat, ohne sich selbst zu hassen? Vielleicht hätte ich das mal vor der Anmeldung überdenken sollen. Vielleicht hätte ich das vor dem Studium überdenken sollen.

Aber ich habe auch gute Nachrichten: J. und ich sind jetzt ein halbes Jahr zusammen und doch kommt es einem vor, als wäre es viel länger, weil es so vertraut ist und andererseits so als wäre das alles gestern erst passiert.

Dann hat sich Herr A. gemeldet. Ihr wisst noch? Mein wundervoller Philo-Lehrer, der mir eigentlich den Weg geebnet hat. "Aber ich freue mich trotzdem unglaublich, dass du noch an den alten Philo-Lehrer denkst und ab und an raportierst, was sich in deinem Studium so tut." und "Kommst du auf den Abi-Ball? Ich werde zwar nicht lange bleiben, aber vielleicht findet sich ja die Möglichkeit, gemeinsam ein philosophisches Getränk zu konsumieren." waren die für euch wohl am wichtigsten Sätze. Als wäre ich heute noch interessant und kein Laster, das ihn ständig gesellschaftlich dazu zwingt Emails zu schreiben. Auf den Abi-Ball konnte ich leider nicht gehen. Bacherlorarbeitshausen und so.

Dann die Nachfolge von Herrn A., also Prof B.mit dem ich inzwischen ein merkwürdiges Verhältnis habe, denn ich war etwas vier Wochen in Folge in seiner Sprechstunde. Wir haben zwar bestimmt zwei Minuten über die Bachelorarbeit geredet, aber dann nur über seine akademische Karriere oder wieso er keine Zeit hat mehr zu lesen. Er darf bspw. nur Seminare anbieten, die der klassischen Philosophiegeschichte entsprechen. Sein geplantes Seminar über den Teufel ist nicht erlaubt worden, das über "das Böse" schon. Verstehe jemand die Welt. Also er könnte das Seminar natürlich halten, aber dann wird er dafür nicht bezahlt. Herrliche Bildungsfreiheit ist das. 
Und am Ende der letzten Sprechstunde, als er mein Formular für die Anmeldung unterschrieb, sagt er: "Und Frau XY, machen Sie sich nicht so viele Gedanken. Wir starten eh mit einem Pluspunkt, denn ihr Thema ist innovativ. Weder für die Bachelorarbeit noch für die Masterarbeit braucht man eigene Ideen, man schreibt meist etwas, wozu es genug Literatur gibt. Aber Sie nicht. Und das rechne ich Ihnen hoch an. Viel Erfolg." Ich ging strahlend und mit zitternden Knie aus dem Büro. Das war die schlimmstbeste Entscheidung meines Lebens.
 
Es ist gut zu wissen, dass ich überhaupt die Fähigkeit besitze zu tippen. Das macht mir Hoffnung für den heutigen Tag.

1 Kommentar:

  1. Das mit dem Stress tut mir leid, aber du bekommst das hin, ich glaube an Dich!
    Und das ihr jetzt schon ein halbes Jahr zusammen seid, das freut mich sehr, auch das du so Glücklich bist!
    Denn das hast du so sehr verdient!

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