Mittwoch, 11. Oktober 2017

Als ich nach drei Gläsern Wein Vergessen hab', dass es dich gab...

Ich vernichte mein Umfeld. Ich bin die Vernichtung. Letztens sagte ich zu einer Freundin, dass ich mich wieder fühle wie mit 17. Und sie hat recht: Auch wenn jeder andere sowas denken würde, wie jung man sich fühlt, weiß damit jeder wie schlecht ich mich fühle. Die meiste Zeit der letzten Wochen verbringe ich in Embryo-Stellung im Bett, an die Wand starrend und leer. Manchmal war ich kurz davor zu vergessen, wie leer man eigentlich sein kann. Und wie kaputt, wie kaputt man alles um sich herum machen kann.

Ich bin kurz davor auch meine zweite Beziehung zu zerstören. Zu beenden und zu zerstören. Und wahrscheinlich J. direkt mit. J, dieser immer fürsorgliche, liebende Mensch, für den ich nichts anderes als Leere empfinde. Über den ich mich die meiste Aufrege und mich meistens bei meiner Mitbewohnerin beschwere, wenn ich ihn sehen "muss". Und dann endet meine Arbeit bei dem Theaterfestival letzte Woche. Und dann kam die Leere. Nicht, weil ich nichts zu tun hätte.  Nicht weil ich soviel Zeit hätte. Sondern, weil mir (wieder) ein wichtiger Teil, ein besonderer Teil meines Lebens verloren gegangen ist. Und nichts und niemand kann das auffangen. Krampfhaft halte ich mich an den Erinnerungen fest. An den Leuten. Und ihr wisst noch lange nicht, was in der Nacht der Abschlussparty passiert ist. Vielleicht sollte ich auch nicht darüber reden. Vielleicht sollte ich so tun als wäre ich nicht betrunken gewesen.  Als hätte ich nicht diesem wundervollen, jungen Mann meine Handynummer gegeben.

Kennt ihr diese Abende? Die, die so nach Freiheit und Leben schmecken? Die, die man immer ein Stückweit im Herzen hat, wenn sie schon lange aus dem Kalender heraus sind? Solch eine Nachricht war die Abschlussparty. Erneut. Genau wie letztes Jahr, doch so anders.

Die ganzen sechs Wochen war ein Traum, einer der nie zu Ende hätte gehen sollen. Ein Arbeitsklima, wie es sich jeder Arbeitgeber und -nehmer wünscht. Menschen, die dich als Mensch und nicht als Leistung schätzen, aber dennoch nicht aufhören deine Leistung zu schätzen. Ich habe ein Arbeitszeugnis bekommen, als hätte ich die Welt gerettet, dabei war ich einfach nur ich. Wisst ihr, wie es ist, wenn es einfach mal reicht, man selbst zu sein? Ich weiß es nur da. Sechs Wochen im Jahr mache ich einen Ausflug in diese Welt. S. (kennt ihr unter Bezeichnung noch nicht) und ich haben so gut und vor allem oft zusammengearbeitet, dass wir beinahe sowas wie Freunde wurden. S. ist in seiner Art so gelassen, so zweifelfrei ehrlich, dass es mich manchmal einfach menschlich glücklich gemacht hat.

Und während der Spielzeit gab es so viele Menschen, die ihren Abschied angekündigt haben (Intendanzwechsel), dass ich gar nicht weiß, wie das nächste Jahr werden soll. Auf dem Abschlusskonzert Fotos für die Ewigkeit gemacht. Als Freunde, die Fotos sahen, haben sie gesagt, dass sie mich selten so herzhaft haben lachen sehen. Und das ist richtig, weil diese Tage mein Herz berührt haben. Und dann gibt es da noch diesen jungen Mann, dem ich nachts meine Handynummer gegeben habe. Wir schreiben seitdem und auch wenn es sich wie Betrug J. gegenüer anfühlt. Auch wenn ich denke, dass ich mein Leben gegen die Wand fahre, dass alles falsch ist, würde ich es wieder tun und ich kann niemandem erklären wieso. In der Nacht ist nichts passiert, dafür hatte ich mich mal wieder zu sehr abgeschossen. Was vielleicht auch besser war. Oder schlechter, weil so noch Fragen offen bleiben. Fragen über ihn und mich. Fragen, die ich nicht beantwortet haben will, die aber eine Antwort nach sich ziehen.

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