Mittwoch, 4. April 2012

Langer Weg für die Realität

Ich ging heute morgen, 11 uhr zum Bahnhof. Wenn ich nicht mehr vor mir selbst weglaufen kann, wenn ich es nicht mehr verdrängen kann, muss ich mein Leben in Ruhe lassen. Ich wollte mich nicht umbringen, zuerst nicht. Ich kaufte mir eine Karte. Ich stellte mich auf ein zufälliges Gleis und wartete auf einen Zug. Ich wusste nicht, wohin er fährt. Ich wusste nur, dass er weg fährt. Aber wie er so von der ferne kam, dachte ich darüber nach, ob es nicht einfacher wäre, es jetzt einfach zu beenden. Nur leider habe ich selbst das Aufgeben verlernt.
Ich laufe nur noch weg. In irgendwelche Richtungen. Ich war in Köln, in Aachen, Düsseldorf und sogar Paderborn. Ich fuhr den ganzen Tag umher. Völlig ohne Sinn. Und sinnfrei blieb es dann auch. Egal vor welchem Zug ich stand, an welchem Bahnhof ich von Menschen angerempelt wurde, ich konnte mich selbst nicht loswerden. Nein, ich ging einfach nicht weg. Ich machte Casper lauter, so laut, dass die Menschen hörten, was ich hörte. Doch hörten sie es auch wieder nicht. Sie konnten nicht meine Gedanken hören. Nur meine Musik. Nichts, was mich auffrisst, nein, davon wussten sie nichts.
 Ich saß in Zügen, genau wie tausende andere Menschen. Doch niemand von ihnen dachte wie ich. Niemand von ihnen nahm mich wahr. Ich fragte mich, ob ich überhaupt noch auf der Welt sei? Oder war ich doch gesprungen? War ich jetzt nur noch ein Geist der ewig an Bahnhöfen spukte? Nein, ich war lebendig. Ich stieg in Aachen aus, kaufte mir was zu trinken, brauchte den Koffein. Die heiße, mich verbrennende Flüssigkeit läuft meinen Hals hinunter. Es tut nicht weh, aber es ist bemerkbar, also lebe ich wohl noch. ich irre umher, kenne mich nicht aus. Wo war noch der Bahnhof? War das überhaupt noch wichtig? Wollte ich jemals zurück? ich hatte genug Geld dabei um für die nächsten 2 Wochen zu überleben. Irgendwie. Wahrscheinlich würde ich in der Zeit gefunden werden und müsste in die Klapse. Meine Eltern würden erst in 2,3 Tagen merken, dass ich weg wäre. Konjunktiv, ich spreche Konjunktiv. Ich laufe in ein Café, renne auf die Toilette und breche zusammen...
Ich wäre schon wieder nicht stark genug. Irgendetwas hält mich an diesem Leben fest und ich weiß nicht mal was. Irgendetwas muss wohl lebenswert sein oder nicht? Sonst müsste es mir doch viel leichter fallen wegzulaufen etc. ich versteh es nicht, ich kann es nicht verstehen. Verdammt. Ich hockte mich auf den Boden. Wollte dass sich ein Loch auftut und mich nimmt. Aber es gibt kein schwarzes Loch, das so groß ist, das Loch in meinem Herz zu fressen. Ich bin ein großes Schwarzes Loch. Und seit du gegangen bist, da werde ich nur noch größer, weil niemand mehr da ist, der es pflegt.
Warum mir das erst einfällt, in Aachen in einem Café auf dem Klo? Weil ich gut im Verdrängen bin, weil das das einzige ist, das ich wirklich kann. Weglaufen vor meinen Problemen und mich solange mit unnötigem Zeug beschäftigen,, bis es sich selbst schon auflöst. Ich wusste, dass die Ferien die Wahrheit ans Licht bringen. Ich wusste es eigentlich die ganze Zeit, aber auch mein Wissen kann ich verdrängen. Ich kann alles verdrängen. Nur im Moment, jetzt kann ich den Schmerz wegen dir einfach nicht mehr verdrängen. Wie wünsche ich mir, dass du Samstag auch da bist, obwohl ich weiß, dass deine Ignoranz mir den Rest geben wird. Aber du wirst nicht kommen und ich hänge zwischen den Seilen und werde immer wieder den anderen Weg wählen.

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