Gestern war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin K. und ihr Mitbewohner kam im Laufe des Abends mit ein paar anderen Freunden von sich. Darunter war F. (merkt es euch einfach). Naja, nachdem ich traurigerweise ziemlich "im Training" bin, was das Trinken angeht, habe ich mit einer Flasche Wein angefangen, ein Glas Rum-Cola getrunken und irgendwelche Shots. Soweit so gut. Vernünftig, wie ich manchmal zufällig bin, bin ich dann auf Leitungswasser umgestiegen. (Chronologie ist übrigens zerstört) Ich habe mich mit vielen alten Freunden aus der Heimatstadt unterhalten und eben auch mit den Freunden des Mitbewohners. Alles, wie auf einer Party üblich. Am meisten redete ich vermutlich mit F. Er ist ein braunerhaariger, verflucht großer Kerl, der sehr höflichen Blickkontakt aufübt. Wir trinken ein paar Kurze zusammen, bevor ich aufs Wasser umsteige und ich sehe, dass sich sein Blick ändert. Es ist nicht der "Ich-höre-dir-gerne-zu"-Blick, sondern der "Ich-Will-Dich"-Blick. Ich weiß nicht, wie gut ihr das kennt, aber bei Menschen, die einem sehr sympathisch sind, ist sowas immer schwierig. Nicht nur schwierig, sondern ein Gefühl, was ich folgermaßen umschreiben möchte: Eine Ganzkörpergänsehaut, die sich aber sowohl nach innen als auch nach außen zieht und jede Faser deines Körpers berührt. Flirten ist nicht verboten, sag ich mir und spiel das Spiel mit.
Irgendwann so um zwei Uhr nachts gehe ich in die Küche und hole mein gefühltes 10. Glas Wasser, damit ich mich nüchterner fühle. Ich laufe an ihm vorbei, er geht kurz ins andere Zimmer und kommt sofort hinter mir her. Während er dabei ist, mit seiner Hand meinen Rücken runterzufahren, gehe ich einen Schritt nach links. "Ich kann das nicht", presse ich beinahe hervor. "Ich weiß nicht, wie gut deine Menschenkenntnis ist, aber du zitterst fast unter meinen Fingern weg", sagt er und grinst. Mein Herz schlägt unfassbar schnell. So schnell, dass es beinahe weh tut. Nimm mich einfach mit. Du und ich bleibt unser kleines, schmutziges Geheimnis. Ich steh da und bin alleine schwer damit beschäftigt nicht einfach umzufallen. Sexuelle Frustration, Angst, Verwirrung. Wo ist mein eigener Wille? Ich fühle mich unfassbar nüchtern, als wüsste ich genau was ich tue, nur dass ich es nicht schaffe. "Ich geh mal wieder ins Zimmer drüben, kannst gerne jederzeit nachkommen", sagt er und geht in den Partyraum. Ich stehe zwei Sekunden da und L. kommt und fragt mich, was war. "Nichts. Überhaupt nichts. Wir verstehen uns nur gut.", lüge ich und versuche dieses Gefühl los zu werden. F. kommt wieder in die Küche, stellt sich zu uns und lächelt nur ganz leicht. Dieses "Ich kann ja nicht zu lassen, dass du nicht an mich denkst"-Lächeln. L. und er unterhalten sich über Tatoos und wo er welche hat. Er sagt, er habe zwei und eines zeigt er uns, auf der Brust. Keine Haut. Lass das. Zieh dich wieder an, ich kann nicht denken. "Und wo ist das andere?", fragt L völlig unverhofft. "Das werde ich dir weder zeigen noch sagen", sagt er und schaut zu mir mit einem Blick wie "Willst du nachgucken?" rüber.
Ich setze mich auf das Sofa neben allen anderen Partygästen und führe einen inneren Konflikt bei dem er mich beobachtet. Ich gehe raus auf den Balkon, damit ich abkühle, in dem Gedanken, dass ich dort nicht alleine bin, weil T. und N. gerade rauchen. Natürlich hält eine Zigarette nicht ewig und sie gehen rein F. kommt raus. "Bist du auch so sentimental?", fragt er. "Inwiefern?" - "Naja, ich bin [leider fehlt mir hier der richtige Begriff] Bundeswehrflugzeugsoldat-Zeugs und das habe ich gerade erzählt und jetzt ist da voll die melancholische Stimmung, dabei habe ich nichtmal wirklich was erzählt. Wenn man mich nach meiner Weihnachtsplanung fragt, ist die Frage eher, wo mein Land mich sieht." Ich schlucke. "Ne, ich bin nicht sentimental. Die Welt geht zugrunde und leider muss irgendwer in erster Reihe stehen, wenn der dritte Weltkrieg beginnt. Wenn er das nicht sogar schon ist". Er sieht mich an. Und (spätestens) in dem Moment ist es aufrichtiges Interesse. Vielleicht ein betrunkenes, williges, aufrichtiges Interesse. Ich fand alles, was er erzählt hat interessant.
Wir stehen eine ganze Weile da und er legt die Hand an meine Hüfte und zieht mich näher. Und so weh es mir in dem Moment auch tat, blickte ich auf den Boden und keine Sekunde zu ihm hinauf. Er lockert unsere Position auf und ich sehe ihn an. In gewisser Weise ist er enttäuscht. Er hält mir seinen Apfelkorn-Becher hin: "Na, wenn du mich nicht küssen willst, musst du wenigstens trinken" und schiebt ein leichtes Lächeln hinterher. Ich gestehe mir ein: Ich hätte nichts lieber getan als ihn zu küssen. Nicht, weil ich betrunken bin. Nicht, weil ich Ra. weh tun will. Sondern einfach, weil es passt.
"Wenn das, was mit uns wird, musst du dich also darauf einstellen, dass ich auch mal ein halbes Jahr beruflich weg bin", sagt er irgendwann angehaucht ironisch. Denise, du führst eine Beziehung. Denise, Betrug ist keine Lösung. Lass es. "Gibst du mir deine Nummer?", platzt es aus mir heraus. Ich ignoriere seine provokante Äußerung, ich ignoriere meine Beziehung und meine Werte. "Du willst also mit mir in Kontakt bleiben?", fragt er und grinst. Ich halte ihm nur mein Handy hin und sage nichts. Oft fragt er, ob mir kalt ist. Oft auch, was nicht mit mir stimmt. Oft auch, ob er irgendwas anders machen soll.
"F., du verwirrst mich." - "Danke, ebenso" Wir lachen. Er blickt mir ziemlich lange in die Augen. Zieht mich ran. Ra. Beziehung.
Solche Situationen kenne ich nur zu gut. Ich habe aber allem gegen Gekämpft, was ich heute sehr bereue, obwohl ich damals auch in einer Beziehung war. Heute und auch damals dachte ich mir nur, verdammt Sam, wieso hast du es nicht getan?
AntwortenLöschenIch bereue es jeden Tag!
Und so blöd es sich auch anhört, wäre ich du gewesen, ich hätte wahrscheinlich auch Sex mit ihm gehabt, nicht weil ich ein Flichtchen bin, sondern weil ich weiß, bzw raus lesen kann das es zwischen dir und Ra. eh nie mehr werden wird, du weißt es, willst es aber nicht wahr haben, leider.
Aber man soll nicht an etwas fest halten bei dem man sich unsicher ist.
Und du weißt ja, wenn du reden willst, ich bin für dich da :)
Ich denke so, weil betrunkene Menschen meistens dumme Dinge tun und scheiße bauen, die für manche (oder andere betrunkene) lustig ist, ich aber irgendwie nicht witzig finden kann.
AntwortenLöschenWenn zum Beispiel die Leute aus meiner Klasse erzählen, wie die besoffen nach Hause fahren, weil die keinen Ärger von ihren Eltern kriegen wollen. Oder wenn ein Kumpel mir auf WA auf die Nerven geht und null Empathie hat. Oder mein Vater stundenlang auf einer Feier ist, anch Hause kommt und sich erst mal auf die Fresse legt, während ich diese ganze Zeit, mit vielleicht 11 Jahren, wach liege, weil ich mir Sorgen mache.
Und es liegt vermutlich auch daran, dass meine Mutter alkoholabhängig ist, und ja, sie ist jetzt seit fast drei Jahren trocken, aber das kann auch nichts mehr ändern. Ich sehe keinen Sinn im Trinken. Es gibt andere Getränke, die Schmecken; es gibt andere Wege, Spaß zu haben; es ist ungesund und ich weiß echt nicht, was so ertsrebenswert daran ist, sich zu blamieren und ganz allgemein so dermaßen die Kontrolle zu verlieren.
Eine der wenigen Sachen, für die ich Null Toleranz habe.
Und ich werde auch nie trinken. Oder den Babysitter für irgendwen spielen. Menschen, die trinken, wissen genau, was sie tun und was das für Auswirkungen hat (und ja, damit beziehe ich mich jetzt hauptsächlich auf meine Eltern), und ich habe keine Lust mir über so einen Mist Sorgen zu machen oder auf irgendeine Art darunter zu leiden.
-> btw das bezieht sich jetzt nicht mal im Ansatz auf irgendwas in deinem Post, ist einfach nur meine allgemeine Meinung und Erfahrung, ich bin da - aus, denke ich, verständlichen Gründen - ein wenig emotional.
kant und positivismus? ja, mag sein, darf man auch von einem aufklärer erwarten; mill&hume findet man dort schließlich auch... es sind ja auch die mehrheit der denker und forscher vor unserer zeit positivitsten. als weltpessimist, den ich aber wie du weißt auch sehr schätze, fällt mir gar nur schopenhauer sein.
AntwortenLöschenvll ist es zynisch, vll auch nur konsequent, aber jede deiner zeilen oben, bestätigen mich in meiner entscheidung mich aus dieser welt vor 10 jahren verabschiedet zu haben. es klingt alles skurril, ja, einfach befremdlich iwie, aber wohl genau, weil ich es nicht mehr kenne(kennen will)... aber so ist es: männer begehren frauen, und frauen lieben begehrt zu werden. auch wenn es mit meinem weltbild unvereinbar ist, wie wenig reicht, um soviel intensivität zu entfalten, wobei es wohl nur die triebkraft der natur/evolution ist...