Nachdem ich diesen Post ja schon letzte Woche mehr oder weniger versprochen hatte, hole ich das nach. Letzten Monat ist, um meine Entschuldigung anzuführen, auch einfach nichts passiert: Philipp war nicht im Seminar.
Er kam heute rein. Blickte sofort zu mir und grinste. Dieses "Schön dich heute zu sehen"-Grinsen. Leider saß C. zwischen uns, weil sich vorher jemand anderen auf den freien Platz neben mich gesetzt hat. Ich glaube, sie hat gemerkt, wie meine Laune schlagartig besser wurde, als du da warst. Ob mich das stört? Ich weiß nicht. Die ganze Geschichte mit Tim kennt sie ja auch. Aber, ist das hier überhaupt schon eine Geschichte?
Wir unterhielten uns kurz, dann begann das Seminar. Nietzsche, schlechtes Gewissen, Subjekt. 10 Minuten vor dem Ende des Seminars Chaos in meinem Kopf: "Inklusive heute haben wir noch 4 Sitzungen, dann sind Semesterferien und noch weiß ich nichts von dir. Nur deinen Namen. Kaffee trinken wäre die beste Idee. Auch, wenn ich mir blöd vorkomme, weil ich eben nichts von dir weiß. Ich hab mich selten mir Menschen getroffen, wenn ich nicht vorher wochenlang mit ihnen geschrieben habe. Ich muss mich doch einmal in meinem Leben trauen den ersten Schritt zu machen. Also heute. Also gleich. Also los."
Prof B. beendet das Seminar und wir gehen in die gleiche Richtung. "Bis nächste Woche", sagst du und läufst direkt weiter. Reiß dich zusammen. "Und du hast jetzt wieder frei?", frage ich und fühle mich wie der letzte Idiot. Du grinst und erklärst, dass du zu Linguistik wohl nicht hingehst, also ja. Während du auf die Uhr siehst, (vielleicht bist du in Eile) verabschiedest du dich erneut. Ich fühle mich wie hingestellt und nicht abgeholt. C. kommt vom Gespräch mit Prof B. und sieht mich fragend an: Alles okay? - Ich bin nur müde, sage ich und wir laufen Philipp gefühlt auf einem Meter Abstand hinterher.
Würde es helfen, wenn ich zu C. ehrlich bin? Würde es helfen, wenn ich einfach mit der Tür ins Haus falle? Ich fühle mich absolut unselbstständig. Als wüsste ich nicht mehr, wie man lebt. Als hätte ich nie eine Konversation führen müssen. Oder verstehe ich nur nicht den Mund zu halten? Ich halte Philipp für recht schüchtern. Bin ich das auch? Ich dachte, ich hätte mich sehr verändert in dieser Hinsicht. Und trotzdem fühle ich mich als wäre ich wieder 12 und wüsste nicht, was zu tun ist. Dabei ist es doch klar, dass man sowieso nie weiß, was zu tun ist. Das Chaos der Gedanken wird mich jetzt bis Montag begleiten. Na das wird ja ne Woche.
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