Sonntag, 11. Dezember 2016

Was ich suche, ist halt das, was du hast.

Donnerstagmorgen: Ich fahre früh in die Uni, um meine Essayschreiberei nachzuholen. Um zwölf Uhr mache ich meine obligatorische Kaffeepause, diesmal allein. Ich sitze in der Eingangshalle des Philosophiegebäudes und beobachte verzweifele Stimmensammler verschiedener Parteien. Gerade laufen die Studentenparlament-Wahlen in den letzten Zügen und die grüne Partei findet sich selbst noch immer amüsant „mehr Gras“ im doppelten Sinne für die Uni zu fordern, während sie dennoch weiterhin das Alkoholverbot beibehalten will, welches so konsequent ist, dass selbst unigeleitete Cafeterien Bier verkaufen. Und während der junge Herr der „Jusos“ schon wieder weg war, der mich fragte, ob ich bereits gewählt habe, was ich bejahte und ihm gleichzeitig die Hoffnung nahm, dass diese Stimme seiner Partei galt, lief J. durch die Tür. Relativ zielstrebig läuft er den Flur entlang, er grüßt mich nicht, vielleicht hat er mich nicht mal gesehen. Dann aber biegt er zur Cafeteria ab und nimmt den Hintereingang heraus, denn bei mir lief er nicht mehr vorbei.

Ich hätte es gerne als Zufall gesehen, als Unglück, dass er mich nicht gesehen hat. Aber in einem leeren, da die meisten Studenten in Kursen saßen, Flur wusste ich nicht, wie stichhaltig dieser Glaube war. Ich hatte mir, wie gewohnt, bereits meine Pläne für die nächste Woche gemacht: Mich ganz offensiv neben ihn setzen, sodass wir reden. Sodass wir einfach lockerer miteinander umgehen können. Diese Situation hatte mich aber schon wieder so irritiert, viel mehr verunsichert, dass ich alle Pläne sinnlos fand und mein Pessimismus ihn beinahe abgeschrieben hatte.

Beinahe. Nach meiner Schreiberei musste ich 7 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten und ich muss zugeben meine Laune wäre dürftig. Nicht nur wegen J., es war einfach das Zwischentief der langen Weihnachtsmarktsaison. Ich kann einfach keinen Glitzer und kein Rot mehr sehen. Als ich dann, so gegen 18 Uhr zwei Minuten Ruhe vor der Menschheit hatte und einen kurzen Blick aufs Handy warf, aktualisierte ich meine Emails und, ich kann es bis heute nicht fassen, habe eine Mail von J. bekommen: „Falls das Angebot mit dem Kaffee noch steht, kannst du dich ja mal bei mir melden. Würde mich sehr freuen.“ und im Anschluss seine Handynummer.

Circa zwei Minuten saß ich mit weit offenem Mund dort, die Mundwinkel dennoch nach oben gezogen und starrte auf mein Handy. Danach folgten drei Stunden des Dauergrinsens und Freudeverbreitens. Ich fürchte, ich habe gar mehr gestrahlt als die meisten Artikel des Standes. Er hat sich einfach so gemeldet. Er hätte einfach bis Donnerstag warten können. Hat er aber nicht, offensichtlich war es ihm so wichtig, dass er es beschleunigen musste.

Irgendwann als mein Hirn wieder funktionierte, fragte ich mich, woher er wohl meinen ganzen Namen kannte. Mir ist nicht mal bekannt, dass er meinen Vornamen kannte. Also, wie ist er an die Emailadresse gekommen? Entweder er hat es geplant und im Seminar Donnerstag, also vor meiner Kaffeefrage, auf der Teilnehmerliste verfolgt, wie ich heiße. Oder er kann Zaubern. Beides logische Möglichkeiten.

Abends schrieb ich ihn dann an, sagte wie sehr ich mich freue (naja nicht wie sehr ich mich tatsächlich gefreut habe, das ist nicht auszudrücken) und wir versuchen zu klären, wann wir denn beide Zeit für den Kaffee hätten. Obwohl ich ihm meine Freistunden in der Uni anbot, entschied er sich für Mittwoch- oder Samstagabend. Kaffeetrinken am Abend? Ich meine, ich tue das ständig aber dafür trifft man sich doch eher tagsüber. Alles daran schreit beinahe „Date“, auch wenn er das unterschwellig eingefädelt hat, indem er die Uni Freistunden einfach ignoriert hat. Nichtsdestotrotz werden wir dann wahrscheinlich in der nächsten Woche was machen und ich glaube, ich war selten so nervös und dennoch so voller Vorfreude.

2 Kommentare:

  1. Das ist schön zu lesen und ich freue mich so sehr für dich :)

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  2. Herrlich, typisch grüne Logik - beispiellos! Die werden nie was sinnvolles beschließen... was ich ja aber imma toll fand, zumindest bei den Jusos zu den Stupa-Wahlen war der kostenlose Glühweinstand :p - ach das is ja bei euch verboten^^ (in deinem Fall wohl auch gut so, könnt das Zeugs dann au ne mea riechen)
    Glaube ich kann ungefähr nachempfinden, welche Freude das is, die Momente, die man immer nur träumt, und die viel zu welten wahr werden, bei zweiseitigen Willenserklärungen und was man sich sooo lang gewünscht hat... so hab ich das auch mal bei der fahrschule gemacht :-[ direkt bei der Stundensignatur hinter die interessante Frau gestellt und dann ihrem Namen gemerkt und heutzutage findet man dann ja (zu) viel..
    rein mathematisch musste es ja jezz iwann auch mal klappen^^ ;-)

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