Nach der Pflicht kommt die Kür. Nachdem ich heute Mathe mit ziemlich gutem Gefühl überlebt habe, kommt morgen Philosophie. Ich freu mich jetzt schon auf meine 20 Seiten in 3 Stunden. Gleichzeitig habe ich etwas Panik, da ich nach meiner letzten Klausur (2-) ziemlich enttäuscht war. Aber das passiert einfach nicht nochmal. Herr A. meinte, ich soll mich vorher schonmal für ein Thema entscheiden. Zur Auswahl stehen "Ästhetik" und "Moralphilosophie" und da Schönheit zwar interessant ist, aber wir bisher nur die Kunst behandelt haben und das mich ziemlich gelangweilt hat, nehme ich "Moralphilosophie".
So sitze ich dann hier und denke darüber nach, was Glück und moralisches Handeln ausmacht. Kant, Mill, Bentham. Ich könnte jetzt dick auftragen und hier die ganzen Theorien erläutern, aber jedes Mal stelle ich fest: ich bin komplett unmoralisch. Moral unwertvoll. Weil Schneiden ist echt mies, im moralischen Sinne. Kant würde mich anschreien: "Willst du etwa, dass jeder das tut? Nicht? Dann Handle auch nicht so! Außerdem hat das den Zweck der Selbstzerstörung, du darfst keinen Genuss empfinden." Natürlich würde Kant dafür etwa 2000 Sätze und 75 Kommata benutzen, da kurzfassen nicht seine Stärk war.
Bentham würde ihm zustimmen: "Moralisch bist du nicht! Weißt du wieviel Leid du Menschen damit zufügst? Hör auf an dich zu denken, sondern denk an das Glück der Gruppe. So groß kann die Freude, die du dabei spürst nicht sein. Es hält nur wenige Sekunden, auch wenn sie immer da ist und das sofort. Aber denk an die Folgen: Menschen leiden wegen dir, wenn sie es herausfinden und nach dem Blut hast du auch keine Freude mehr, denn du zerstörst deinen Körper damit. Egoist, tzz".
Ich kann mir vorstellen wie Mill dort säße: "Das Schneiden fördert dein Glück und das ist gut. Aber hast du mal an die Qualität gedacht? Kannst du dir vorstellen, dass beinahe alle das Schneiden wählen würden, wenn beide 'Freuden' bekannt sind? Würden sie nicht ! Du bist nur eine Einzelperson. Allerdings bist du hochintelligent, denn du weißt, dass du niemals richtig glücklich werden kannst: dein Glück bleibt immer unvollkommen. Und wenn du endlich willst, dass andere dich besser behandeln, dann behandele auch sie besser: denn das Interesse des Einzelnen sollte das Interesse aller sein. Wir haben doch alle den Wunsch nach einem Allgemeinwohl."
Ich muss lachen. Gottseidank sitze ich nicht mit drei Philosophen am Tisch, die genau das sagen. Ich leg mich mit Schopenhauer in einen Sarg. Das ist moralisch, denn ich hab Mitleid mit ihm.
Das mit dem sich kurz fassen denke ich mir auch sehr oft bei Heidegger. Das Vokabular ist so toll, dass es sehr viele Parodien darüber gibt. Wer sagt auch 'Das Nichts nichtet'? Der Beste ist sein Bruder, der Folgendes über ihn gesagt hat: Den Martin hot me für nix Gscheits brauche kenne, no isch er halt Philosoph worre. (Den Martin hat man für nichts Gescheites gebrauchen können, da ist er eben Philosoph geworden.) Auch sehr gut (auch wenn ich Fasching/Fasnacht nicht ausstehen kann): www.ralfs-gedankenoase.de/Doku/Eine%20Parodie.pdf
AntwortenLöschenWünsche dir viel Durchhaltevermögen!
Man Ich musste gerade an Karl Marx denken mit "Philosophen interpretierten die Welt nur verschieden, es laiegt an uns sie zu ändern.". Diese Philosphen in deinen Gedanken haben dir was von Moral erzählt und dass es falsch ist. Nun liegt es an dir alles zu ändern. Du musst dein Schicksal selbst in die Hand nehmen! Ein wenig Entscheidungsfreiheit liegt dir in die Welt. Du hast damit auch die Chance die Klinge zu vergessen. Es versuchen sie zu vergessen. Ich glaube an dich!
AntwortenLöschenStay strong! <3
Du wählst auch gerade die drei, bei denen du es auf keinen Fall als nur annähernd moralisch sehen kannst. Denke an dich - da gibts auch so ein paar, die die Moral auf das Individuum und nicht auf die Gemeinschaft bezogen haben. Frag mich nicht nach Namen, zu Schulzeiten wusste ich noch viel mehr - ich verdumme.
AntwortenLöschenDu kannst das ganze auch stoisch sehen: Dein Weg zur Eudaimonia führt über diesen Weg, du wirst lernen deine Affekte zu kontrollieren, dich von deinen Leidenschaften zu befreien und dir selbst zu genügen, du bist nur noch nicht so weit. Und da du das weißt, ist ganz klar, dass du vom Logos beseelt bist und in der Gemeinschaft zu moralischem Handeln fähig bist.
Es gibt vieles an dir, das moralisch nicht verwerflich ist. Denk nicht nur ans Schneiden, denke an mehr! Denke daran, wie du mit anderen Lebewesen - ob Mensch, ob Tier, ob Pflanze - umgehst. Jedes Handeln kann nach seiner moralischen Güte beurteilt werden. Und jedes Handeln eines Menschen muss beurteilt werden, um über ihn urteilen zu können.