Montag, 16. September 2013

Achtung dieser Post enthält Spuren von schlechten Vorbildern, alkoholbeeinflusste Homo Sapiens und Tieren, die den Kopf in den Sand stecken.

Freitagabend. Sitze mit einigen Fußballfans im Zug, vorerst meine beste Freundin neben mir. Dann geht sie kurz weg, setzt sich zu jemand anderem. David nimmt ihren Platz ein, legt die Hand auf mein Bein. Er sieht gut aus, dieses gefährlich gut. "Und du kommst nachher mit zu mir?" Er streicht mir übers Bein ohne seine Hand viel zu bewegen. Vom Knie zur Mitte meines Oberschenkels und zurück. Zum Knie und zurück. Eine fließende Bewegung, leicht und sanft. Der Unterschied zum Fluss des Alkohols an diesem Abend.

Ich bin so betrunken, dass ich keine Hemmungen habe mit fremden Menschen zu reden, dass ich seine Hand nicht wegschlage. Zu nüchtern um noch zu wissen, dass ich nur Beute bin. Die hüpfene, schön laufene Gazelle. Mein Leben ist eine schöne, große Wiese mit leckerem Unkraut. Aber diese betrunkenen Kerle sind Löwen. Sie fragen im schlimmsten Fall nicht mal, ob die Gazelle es erlaubt. Der Löwe frisst und vergnügt sich.

"Musst du da solange rüber nachdenken?", fragt er und lacht. "Nein, ich glaube nicht, dass es gut wäre, wenn ich mit zu dir gehen würde." - "Du glaubst, ich bin der böse Aufreißer?" - "Du bist ein Kerl und erscheinst mir wie ein Löwe und ich bin nicht mehr als deine Beute." - "Ich bin Jungfrau, ja!" - "Ichb meine nicht, dein Sternzeichen." - "Hey komm, so schlecht war der Witz gar nicht." - "Fast so gut wie ein Bettwäsche-Augenfarbenvergleich" - "Meine ist grün, passt also nicht gut zu dir. Aber mein Sofa ist braun", er lacht. Er amüsiert mich irgendwie, weil er so verzweifelt wirkt. Nicht, weil er mich nicht bekommt, sondern weil er gehofft hat, ich wäre naiver, gazellenartiger. Aber ich bin eher ein Strauß: schnell weg, wenns ernst wird. Und liebend gerne mit dem Kopf im Sand.

In Duisburg verabschieden wir uns. Er gibt mir förmlich die Hand. "Aber eine Sache steht fest: Du hättest absolut heiß in meiner Bettwäsche ausgesehen." Er lacht und geht. Ich bin so voll, dass ich mich im Zug zusammenrolle und schlafe bis meine beste Freundin sagt, dass wir zu Hause sind.

Samstagabend. Sitzen bei P.. T. und M. sind auch da. Erneut allein unter Jungs. Eigentlich was ganz normales. "Also, wenn wir dann mit Jonas Cocktails trinken, pennt der danach bei dir?", fragt T. mich. "Ich penn da wenn", ruft P., was mir deutlich unangenehmer ist weil man merkt, dass er denkt, er könne mich haben. Großer Irrtum. "Ich lasse niemanden bei mir schlafen. Außer Laura", stelle ich fest.
Alle werden voller. Vorallem P. Er quatscht dumm rum. T., M. und ich beschließen zu gehen. Ich bin als letzte fertig mit dem Schuhe anziehen. Der Rest wartet draußen. P. kommt an. "Denise, bleib doch noch hier. Wir könnten Spaß haben." Mir wird schlecht beim Gedanken daran. "Lass mich gehen, P.", sage ich ruhig. "Ach, Denise", flüstert er. Ich schüttele den Kopf, nehme meine Sachen und renne beinahe raus.

T. schaut mich an: "Was ist los?" - "Dinge, die passieren, wenn man einmal die Grenze nicht einhält." Er zieht mich ran, hält mich halb im Arm. "Du bist halt einfach zu dünn, zu schön, zu schlau.", er lacht. T. ist mit K. zusammen, deshalb ist das okay bei ihm. Er ist kein Löwe mehr. M. erschreckt: "Schön? Wo ist die denn schön?", er lacht. "jaja, bist nur neidisch, Dreckssack", ich lache ebenso. T. biegt in die andere Richtung ab.

M. und ich schweigen ein Stück. "Du stehst nicht auf Jonas, oder?", fragt er. - "Wie kommst du drauf?" - "Ich stand Jahrelang auf dasselbe Mädchen, man merkt das dann einfach." - "Gefühle kann man sich nicht aussuchen." - "Sag nicht, du stehst auf den komischen Kerl von Li's Geburtstag?", ruft er erschrocken. "Doch wieso?" - "Weil du viel zu heiß für den bist" - "Maxi sieht doch gut aus!" - "Ja, das kann ja sein. Blabla. Es geht darum, dass du Single beliben und die Freiheit genießen solltest. Ich meine, ich bin nicht besonders gutaussehend und stehe immer auf heiße Mädchen, weil ich oberflächlich bin. Ich steh auf blond, also keine Sorge. Und die heißen leben ihre Freiheit immer aus. Also geh raus und vögel rum!" Er springt auf eine Mauer ruft den letzten Satz laut in die Nacht. Ich muss lachen. "Ich find mich aber nichtmal schön. Und verdammt, ich bin Jungfrau." - "Waaaaas?", schreit er und bleibt stehen. "Ich hab dich schon so unglaublich oft richtig betrunken mit Kerlen gesehen und da ist nie was passiert? Aber du hast mit denen rumgemacht und so oder?" - "Ja, so zwei verschiedene warens in meinem Leben doch schon." - "Waaaaas?", schreit er erneut und bleibt stehen. M. bekommt sich vor Lachen nicht mehr ein.

"Dann gehörst du sogar zur schlimmsten Sorte heißer Mädchen." - "Wieso?" - "Du siehst gut aus, kennst dich mit Fußball aus, bist sonst auch schlau, und man kann dich im Schrank verstecken. Aber du lässt niemanden ran. BRUTAL!" Er verabschiedet sich indem er sich vor mir verbeugt und sagt, dass er hohen Respekt vor meinem Anstand hat. Mit gutem Gefühl fahre ich nach Hause. Ich bin ein Strauß. Und der Kopf kommt nur zum Wärmen in den Sand.

7 Kommentare:

  1. Vielen vielen lieben dank <3



    Aber respekt ich denke als Kerl würde ich dich nach deinen ganzen Erzählungen auch lieben :D

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  2. Du bist eben wunderbar und behältst deine Würde, das ist anmutvoll.
    Diese Mädchen sind doch die Schönsten.

    Dein Kommentar hat mich eben richtig berührt, ich hatte Tränen in den Augen.
    Es klingt irgendwie nach Abschied. Ich hoffe nicht?
    Es wäre bestimmt wundervoll dich mal persönlich kennenzulernen (du weißt ja, noch habe ich für nächstes Jahr Casper Konzerte..)
    Du bist wunderbar und es ist egal, was du schreibst.
    Du heiterst mich irgendwie immer auf, gibst mir Kraft und ich fühle mich verstanden. Das ist alles was zählt, auch wenn du das Gegenteil behauptest.
    Meine Sätze hier klingen schrecklich- entschuldige. Und schon wieder der selbe Satzanfang (!)
    Du bist wundervoll und ich danke dir, für alles.
    <3

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  3. Oh... ich hoffe, ich bin irgendwann auch nur im Ansatz wie du *-*

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  4. deine worte sind balsam für mein inneres.

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  5. Du bist wunderschön. Innen und außen.

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  6. Ich gebe dir recht. Als ich das Lied das erste mal gehört habe dachte ich mir, wie bescheuert das denn ist. Aber mittlerweile liebe ich das Lied. Der Text ist wundervoll, und auch der Rest gefällt mir irgendwie. Es ist komisch, aber gut.

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  7. Auch wenn es nervig sein kann, aber sauge jedes Kompliment von "deinen Kerlen" auf. Du hast es verdient, wie eine Prinzessin behandelt zu werden!

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