Mittwoch, 4. September 2013

Nichts habe ich gesagt. Noch habe ich je etwas getan. Dies ist der erste Tag. Dies ist der erste Tag von meinem restlichen Leben.

Erster Tag EignungsPraktikum, Realschule:
"Also grundsätzlich haben alle Klassen von 6-10 bis 13:15 Uhr Schule." Fresse hängt am Boden. Verflucht, ich hätte doch Realschüler sein sollen. Was zur Hölle. Meine Längste Schulzeit war ja nur 4 Zeitstunden später, ach quatsch ist doch geil. 17:15 Uhr nach Hause, Training, Schlafen.

Zehn Minuten später sitze ich hinten im Klassenraum und danke meinen Eltern, dass sie mich auf mein wundervolles Gymnasium geschickt haben. Gut, es ist nur die Organisationsstunde, aber man könnte sie auch pures Chaos nennen. Ich freute mich schon zu dem Zeitpunkt so sehr auf die 5/6te Stunde praktische Philosophie, doch ich sollte das bereuen...

29 Schüler, 24 mit Migrationshintergrund (an dieser Stelle schonmal vorab: Ich hab nichts gegen Ausländer, meistens. Jaja, hated ruhig, wenn ihr wollt). Unter 120 Schülern in meiner alten Stufe war ein türkisches Mädchen, welches aber in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Alle reden über irgendwelche Weiber, die sie knallen wollen, weil als "Türke kann man jede haben" [Zitat eines Schülers, 9te Klasse]. Der Philosophie-Lehrer wusste, dass Philosophie keinen Sinn macht und diskutierte zwei Stunden lang Vorfälle in Syrien und Ägypthen. Nachdem man einmal kompetenten Unterricht bei Herrn A. hatte, kann einem zwar nichts zufriedenstellen, aber wenigstens haben zwei, drei der SchülerInnen schonmal Nachrichten geguckt. Ich war glücklicher über die Schulklingel als jemals zuvor.

Seitdem steht auf jeden Fall fest, dass die einzige Form, die ich, sofern der Uni-Gott das zulässt, unterrichte an einem Gymnasium stattfindet. Natürlich wird auch da der Migrantenanteil höher, aber denen schmeiß ich schöne Schopenhauertexte vor die Nase, auch wenn sie nicht wollen.

Grundsätzlich sind die Lehrer alle ganz nett bisher, auch wenn ich mir die Namen nicht merken kann. Noch weniger die der Schüler, die nur Mist reden. Dabei fällt mir auf, dass ich irgendwie kein Problem mit Realschülern an sich habe, aber mit Leuten, die nicht so intelligent sind, wie ich sie gern hätte. Klingt kaum arrogant oder so, neee. Aber ich schließe die Leute ja nicht aus, nur richtig dummen Menschen höre ich einfach nicht zu. Gut, an der Toleranz sollten wir wohl noch arbeiten, würde ich behaupten. Aber hey, immerhin sind Teile meiner besten Freunde Hauptschüler gewesen. Vielleicht sind wir deshalb Freunde, weil ich ihnen nicht zuhöre? ich bin übermüdet und erfinde Theorien, die Schwachsinn sind.

Interessiert das hier überhaupt so insgesamt irgendwen?

11 Kommentare:

  1. an anspruch scheint es dir nicht zu mangeln, was gut ist! natürlich is es sehr fragwürdig, ob der syrien konflikt im nahen osten in einen philosophie-unterricht gehört, aber wie du ja sagst, wenn ein lehrer feststellt, dass hier kein nachrichtenwissen oder verständnis für die religiösen gruppierungen dort besteht, soll/kann man dann mit kant, hume oder schopenhauer anfangen? nicht sicher. oh wie ich zum ende lese hast du letzteren ja sogar selbst in diesem kontext genannt, was wiederum auch sehr zu begrüßen ist!
    musst du dich für kritik an (leichter) dumm- oder faulheit anderer mitmenschen rechtfertigen? ich finde nein. ich habe sehr gern diesen beitrag gelesen ("eigene theorien, pro philosophie/bildung, schopi" = weltklasse!)

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  2. Beachte aber: Es gibt einen Unterschied zwischen "Wissen" und "Weisheit". Nur weil man viel gelesen hat, heißt dass nicht, dass man "intelligent" ist (bzw. das Gegenteil, wie du meintest, also "dumm"). Aber ich denke das weißt du auch, ich finde nur, dass das bei deinem Eintrag nicht so besonders rüber kommt. Die Schüler dort haben wahrscheinlich auch gar keine wirkliche "Anregung" sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Die meisten wissen ja noch nicht einmal, was "Philosophie" eigentlich bedeutet. Und das bekommst du auf der Realschule auch gar nicht so ans Herz gelegt (eigene Erfahrung).

    Ich war auch zuerst auf einer Realschule und habe erst, als ich aufs Gymnasium gewechselt bin gemerkt, wie falsch ich mich dort eigentlich gefühlt habe. Was man nicht kennt, vermisst man aber oft gar nicht.

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    1. das gymnasium, das einem mit der philosophie vertraut macht, möchte ich mal seh'n.. ja, es soll welche geben wo es ethik gibt, was möglweise philohopische gedanken thematisiert, aber vom fächerkanon her is es sich gleich, welche schulform man besucht. lediglich glück/pech entscheiden darüber, ob man an einen guten lehrer kommt, der einem als exkurs - egal in welchem fach - auch mal slotterdijk, safranski, kant etc. anbietet.

      das jmd. meine begiesterung für schopenhauer teilt, wie gesagt, finde ich schon grossartig. dass oder weil du sogar eine facharbeit über ihn geschrieben hast macht dich natürlich über alles erhaben :D ich würde diese verdammt gerne mal lesen. wäre das iwie möglich? mich hat bis jezz alles von schopenhauer eingenommen, seine welt=meine welt, so kam's mir vor, die erkenntnisse und wahrnehmungen, die er z.b. in aphorismen der lebensweitheit (mein absoluter favorit) niederschrieb, deckten sich fast 1zu1 mit der welt, wie ich sie er- und gelebt sowie verstanden habe! wars bei dir ähnlich?
      hatte auch 2x bereits mehr oder weniger über ihn auf meinem blog davon referiert:
      http://wiwuewi.blogspot.de/2013/05/just-another-usual-sunday-nevertheless.html
      http://wiwuewi.blogspot.de/2013/07/schopenhauer-und-die-kunst-recht-zu.html
      wie auch immer, würd mich freu'n die deinen ansichten kennenlernen zu dürfen. last but not least: congratz to the scholarship!

      mitschriften, lernzettel, hausaufgaben, alles eben was mit lernen verbunden is, würde ich grundsätzlich dem schüler zu 100% selbstverantworten lassen - zumindest in den spähren über die wir sprechen (gym.,..) wie jmd. lernt, sollte derjenige ganz individuell selbst entscheiden und tun, manche brauchen nur notizen ausm unterricht, andere müssen nacharbeiten, andere brauchen hausaufgaben, das muss man tatsächlich nich verbindlich machen. anderseits isses au keine politische entscheidung, zu viel politik richtet nur allzu großen schaden im bildungsystem an. dafür gibts die pädagogische freiheit. aber ich als lehrer wäre für freiwilligkeit und eigenveratwortung, würde also hausaufgaben anbieten, sie auf wunsch korrigieren, aber nicht nachprüfen, dafür hätte ich das mündliche und schriftliche überprüfungen als notengundlage.

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    2. Also, mein Gymnasium bietet Philo an und ich werde mich auch fürs Abi prüfen lassen, scheint also möglich zu sein?

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    3. Mein Philosophielehrer auf dem Gymnasium hat eine Doktorarbeit über Heidegger geschrieben (er hat NICHT auf Lehramt studiert btw.). Und er hat auch gerne sein Wissen mit uns geteilt (war dabei übrigens nicht minder anspruchsvoll)! Ich denke das könnte man doch als "mit Philosophie vertraut machen" bezeichnen, oder nicht? Zumindest hat es so viel gebracht, dass ich mir dieses Fach auch als Studienfach ausgesucht habe. Aber ganz ehrlich: Lesen und nachvollziehen ist das eine (und sicherlich wichtig), aber ich finde es ist vor allem das "Selbst Denken" (vgl. mit Kant), auf das es ankommt und das mich persönlich an der Philosophie reizt (übrigens ein Grund, wieso ich nicht mehr Philosophie "studiere").

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  3. Joa, mich interessiert schon, was so in deinem Leben passiert ;)

    J.

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  4. also mich interessiert es auch was in deinem Leben so vorgeht. du bist mir wichtig, deswegen ist mir auch das was bei dir passiert wichtig.

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  5. Ich musste grade so lachen. Ich kann deine Abnegung sehr gut verstehen dummen Leuten nicht zuzuhören (Okay ich bin hier auch nicht die intelligenzbestie aber nunja ich glaube du weißt, was ich meine)
    Wir können an der Toleranz also mal gemeinsam arbeiten.
    Ich hoffe es geht dir gut.
    Wie ist dein Praktikum sonst so?

    Danke für deinen Kommentar. Man sollte sich von Alkohol einfach fern halten. Okay macht man eh nicht :D

    Umarmung an dich ♥ ✿

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  6. *kopfschüttel*

    Liebste Denise - jetzt lese ich deinen Blog schon eine kleine Zeit, das weißt du auch - und ich hätte nie gedacht, dass das eines Tages passieren wird, aber dieses ist der erste Post der mir wirklich nicht gefällt. Tut mir leid, dass ich das jetzt so hinknalle, aber ich bin grade echt etwas erschrocken, als ich das gelesen habe, weil ich ja dachte du möchtes Lehrerin werden, aber das hier klingt ganz anders.
    Ich selber habe ein Semester lang auf Hauptschullehrerin für Deutsch und Kunst studiert (Hauptschulniveau ist bei uns in Ö sowas wie bei euch Realschule - und ich war an einer Hauptschule und wir hatten in einigen Fächern ein höherers Niveau als im Gymnasium) ich brach das Studium aber wegen privaten Gründen ab, und außerdem war ich mit der Unterrichtsform nicht einverstanden. Jetzt arbeite ich als Pädagogin in einem Hort (das was ich gelernt habe) für Kinder, die die Hauptschule besuchen. Und auch wenn der Stresspegel oft sehr hoch ist, die Kinder nur Mist reden und der Job wirklich anstrengend ist, so mag ich trotzdem jedes einzelne dieser Kinder und das ist der Grund, warum ich diesen Job mache.

    Also frage ich dich jetzt, warum willst du Lehrerin werden? Weil du Kinder magst und ihnen die Möglichkeit eröffnen willst, aus ihrem Leben was zu machen, sie auf ihrem Entwicklungsweg begleiten möchtest und sie mit all ihren Gefühlen und Empfindungen auffangen möchtest? Oder willst du Lehrerin deineswillen werden? Weil du Philosophie unterrichten möchtest? Weil du Schoppenauer und Co. liebst? Weil du dabei ins schwärmen kommst?
    Sollte der zweite Grund, der Grund sein, warum du Lehrerin werden möchtest, dann solltest du dir das vielleicht nochmal durch den Kopf gehen lassen ob diese Altersgruppe, die Altersgruppe ist, die du unterrichten möchtest. Vielleicht wärst du an einer höheren Schule mit Kinder ab 16 besser aufgehoben? Denn Kinder zwischen 11 und 15 sind mitten in der Pubertät, sehr sensibel und gleichzeitig können sie mit ihrer Ignoranz sehr verletzend sein.

    Glaubst du denn Herr A. ist Lehrer geworden, weil Bücher liebt oder weil er seine Mitmenschen sehr schätzt und sie in ihrer Selbstfindung unterstützen wollte?
    Es gibt schon so viele Lehrer, die den Schülern einfach was vor die Nase knallen "ob sie nun wollen oder nicht" - und wohin hat uns das geführt? Wir brauchen Lehrer der Herzen, die die Schüler aus ihrer geschützten Umgebung der Schule führen und beibringen, wie sie in diesem Haifischbecken, genannt Leben, überleben können, ohne sich dabei selbst aufgeben zu müssen. Wir brauchen Lehrer der Verständnis, die nicht wegschauen, wenn sie sehen, wie sehr die Kinder unter dem Druck der Schule und der Eltern zusammenknicken. Wir brauchen Lehrer des Wissens, die die Gründe kennen warum Kinder sind wie sie sind und ihnen das nicht übel nehmen, sondern versucht die Denkweise der Kinder anzusprechen.
    Unsere Kinder, sind nur der Spiegel unserer Zeit und wenn dir diese Kinder als "dumm" entgegenkommen, dann hast du deine Antwort auf das, was der Staat gerade durchmacht und das was diese Zeit momentan aus uns macht. Kinder können sich nur so weit entwickeln, wie wir sie lassen. Kinder haben nur so viele Möglichkeiten, wie wir ihnen geben, darum sollte man als Pädagoge/In versuchen ihnen alle Möglichkeiten der Welt offen zu lassen.
    Ich hoffe du verstehst so in etwa, wie ich das meine. Ich wollte damit nicht dich angreifen - ich will dir nur meine Beweggründe erklären. Ich muss mich jeden Tag mit Lehrer rumschlagen, die die Kinder in ihrer Entwicklung stoppen und einschränken, weil sie sich ein Urteil über die gemacht haben und die Kinder abstempeln. Außerdem hab ich auch Sorge um dich, dass du dich für einen Beruf entscheidest und dann irgendwann vor deiner Klasse stehst und merkst, dass du diesen Beruf hasst und jeden Tag mit einem schlechten Gefühl vor den Kindern stehst. )=
    Ich hoffe du verstehst was ich meine...

    In Liebe...Nanouk.

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  7. auch sowas gehört zum Leben, Liebste.
    einige Sätze hättest du etwas netter formulieren können, haha.
    Aber wer deinen Blog liest, will deine Worte hören und nichts aufgesetztes. So, auch ich. Aber ich meine ja nur.
    in einigen Punkten stimme ich Nanouk zu.

    beiß dich durch, engel.
    du kannst so schön und so stark sein.
    deine Arizona.

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  8. Liebe Denise,

    ich lese deinen Blog jetzt auch schon über längere Zeit und das wird mein erster Kommentar zu einen deiner Posts werden.
    Deinen Blog liest man gerne weil man das Gefühlt hat, dass eine junge, starke (was ihr manchmal nicht so bewusst ist) und intelligente Frau diese Einträge verfasst.
    Aber in diesem Fall gebe ich NANOUK mit ihrem Kommentar recht.
    Dieser Eintrag liest sich so gar nicht als hättest du ihn verfasst, denn er enthält ziemlich viele Vorurteile und Verallgemeinerungen. (Ich war auf einer Realschule und auf einem Gymnasium. Es waren beides tolle Schule, es kommt halt immer darauf an in welchen Ort du bist. Geh auf einem Gymnasium in einem Münchner Brennpunkt, da wird es teilweise genauso aussehen wie auf so einer Realschule).
    Du wirst eine tolle Lehrerin werden -dessen bin ich mir sicher- aber du solltest noch etwas an deiner Einstellung arbeiten. (Wie eben nanouk schon geschrieben hat)

    Liebe Grüße

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