Beim ersten Anblick bist du mir sympathisch. Deine braunen Haare verdecken leicht dein markant, schönes Gesicht. Während du diese willkürlich nach hinten streichst, sehe ich deine tief-blauen Augen. Du lächelst nur kurz und ich tue das auch, ebenso willkürlich wie deine Haare gerade wieder nach vorne fallen. "Wisst ihr auch nicht, ob ihr richtig seid?", fragst du mich und meine Freundin J. Wir stehen, wie wir später erfahren, vor dem richtigen Gebäude in dem kurz darauf mein Lieblingsprofessor B. einen Vortrag über "Monsterkunde" hält, bezogen auf Zombies und Geister. Als Prof. B. eintrifft, begrüßt er uns alle und er freut sich sichtlich, dass wir die Strecke von etwas mehr als einer halben Stunde in die Nachbarstadt W. auf uns genommen haben.
Aber zurück zu dir. Dir, dem ich keinen Namen geben kann, weil ich ihn schlichtweg nicht kenne. Im Gegenzug aber das Gefühl habe dich zu kennen, zumindest im Laufe des Abends kennenzulernen. Nach dem durchaus beeindruckenden Vortrag, wollte ich die Straßenbahn nehmen, die direkt vor meine Tür fährt. Plötzlich sagst du: "Mein Zug fährt auch über deine Stadt". "Und wann kommt der? Also bekomme ich meine Straßenbahn in meiner Stadt dann noch?" Du sagst mir die Zeit und ich sehe keine Probleme, wieso ich nicht mit dir fahren sollte. Absolut kein Problem. Am Bahnhof in W. angekommen, sehe ich, dass du dich irrst. Der Zug kommt erst in ungefähr einer halben Stunde. Süffisant weise ich dich darauf hin: "Dir ist klar, dass wir a) auf dem falschen Gleis stehen und b) der Zug in 25 Minuten kommt?" Du musst lachen. "Nein. Ich hab von E. (seine Heimatstadt) nach W. gesucht und nicht andersherum. Oh man. Das tut mir echt Leid. Wenn du lieber versuchen willst, deine Bahn zu bekommen, dann verstehe ich das." Dabei lächelst du. Ich glaube, du bist schüchtern. Und das hier ist nicht normal für dich. Was auch immer das hier ist. Aber ich schüttele lachend den Kopf. "Das ist doch kein Problem, dann nehme ich halt die nächste Bahn."
Wir unterhalten uns über Bücher, über Philosophie. Du studierst Philo und Linguistik, hast mal Physik probiert, was dir aber zu doof war. Im Laufe des Gespräches erzähle ich dir, dass ich in Philosophie an Perfektionismus leide. Einfach so. Als wäre es das normalste auf der Welt. Und dann kommt der Zug und wir beide wissen, dass wir nur noch 10 Minuten haben. Nur 10 Minuten an diesem Tag. Diese verbringen mit reizend mit Nietzsche. Wie soll ein Tag besser ausklingen?
unfasbar welche magische anziehungskraft du auf fremde menschen hast! sowas erlebe ich alle 10 jahre - wenn überhaupt. bei dir, fast alltäglich, so scheint es. beeindruckend. philosophie und schönheit scheinen wie eine zauberformel - würde ich wahrscheinlich auch schwach werden^^ good luck!
AntwortenLöschen(übrigens inna doku war gestern einer der sowohl physik als auch philosophie auf bachelor studiert)
Das klingt wundervoll, ich gönne dir das so sehr! <3
AntwortenLöschenDa sind sie, die Momente und Menschen mit Anziehungskraft. Und auch wenn wohl scheinbar nicht viel passiert, so passiert doch irgendetwas - dieses Irgendetwas. Und auch wenn es vielleicht nicht weiter geht so bleibt es doch schön.
AntwortenLöschen:3